Dos de Mayo

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Seit den Vorgängen zu Aranjuez war das Volk zu Madrid beständig in Gährung; seine Anmaßungen und seine Hochmuth waren auf einen Grad gestiegen, wovon man sich keinen Begriff machen kann. Der Sieg, den er über seinen König erfochten, die Trophäen, die es den 200 Karabiniers von der Garde des Friedensfürsten abgenommen hatte, flößten ihm den stolzen Glauben ein, seinem Eigensinn und seinen zügellosen Leidenschaften müsse Alles nachgeben. Die Franzosen wurden täglich insultirt. Zwar bestrafte man die Thäter öfters exemplarisch; allein stets setzten die Franzosen das kalte Blut und die Ruhe der sich bewußten Kraft den leidenschaftlichen Ausbrüchen der Volksmenge entgegen. Allerdings wurden diese Maßregeln der Franzosen auch durch die gute Gesinnung der Masse der rechtlichen Einwohner von Madrid unterstützt. Seit 2 Tagen waren die Volkshaufen zahlreicher, sie schienen auf ein gewisses Ziel geleitet zu werden; man streute Handbulletins, Proklamationen, auf dem Lande aus. Kaltblütige Beobachter, sowohl Franzosen als Spanier, sahen, daß sich eine Krise näherte, und sie sahen es mit Vergnügen. Ohne eine strenge Lektion war es unmöglich, diese verirrte Menge zu vernünftigen Ideen zu führen. Die Königin von Hetrurien und der Infant Don Francesco, unwillig über die Beleidigungen, die sie täglich erdulden mußten, begehrten und erhielten die Erlaubniß, sich nach Bayonne zu begeben *). Der Großherzog sandte einen seiner Adjutanten ab, um sie zu komplimentiren, und sie zu versichern, daß sie keiner Beschimpfung ausgesetzt seyn würden. Als dieser Offizier auf dem Platze vor dem Pallast ankam, ward er von einem Volkshaufen umringt. Er vertheidigte sich geraume Zeit. Er war auf dem Punkte, umzukommen, als zehn Grenadiere von der Wache anlangen, und ihn mit ihren Bajonneten retten. Im nemlichen Augenblick wurde ein zweiter Offizier von einem andern Volkshaufen verwundet. Die große Straße von Alcala, das Sonnenthor, die Piazzamayor füllen sich mit Volk. Der Großherzog läßt den Generalmarsch schlagen, und Jeder begibt sich auf seinen Posten. Ein Bataillon, das mit 2 Kanonen die Piketwache beim Großherzog hatte, marschirt auf den Platz vor dem Pallast. Bald wird es von den Meuterern herausgefordert; es stellt sich in Schlachtordnung, und beginnt in zwei Linien sein Feuer. Die Kartätschen fliegen in verschiedene Straßen; augenblicklich verschwinden alle Volkshaufen, und auf den wüthendsten Hochmuth folgt die größte Bestürzung. Der Großherzog hatte dem Gen. Grouchy Befehl geschickt, durch die Alcalastraße heranzuziehen, und einen Haufen von mehr als 20,000 Menschen, der sich auf dieser Strasse von den benachbarten Plätzen versammelt hatte, zu zerstreuen. Dreißig Kartätschenschüsse und einige Angriffe mit der Kavallerie reinigten sogleich alle Straßen. Die Aufrührer flüchteten sich nun in die Häuser, und fingen an, aus den Fenstern zu schießen; allein die Brigadegenerale Guillot und Daubray ließen die Thüren einschlagen, und Alles, was man mit den Waffen in der Hand und feuernd fand, wurde niedergemacht. Ein Detaschement von der Garde zu Pferde, den Eskadronschef Dausmenil an der Spitze, hieb auf dem Platze mehreremale ein. Diesem Offizier wurde zwei Pferde unter dem Leibe getödtet, dem Gen. Grouchy eins verwundet. Während dieß vorging, liefen die Aufrührer nach dem Zeughaus, um sich der 28 Kanonen zu bemächtigen, und sich mit den 10,000 Flinten zu bewaffnen, die dort lagen. Allein Gen. Lefranc, der mit seiner Brigade im Kloster St. Bernadino kasernirt war, kam mit einem Regiment im Sturmmarsch herbei; die Aufrührer hatten kaum Zeit, ein Paar Kanonenschüsse zu thun; Alles, was sich im Zeughause befand, wurde zusammengehauen. Die Flinten, die sie eben aus den Kisten zu nehmen angefangen hatten, wurden wieder in die Waffensäle verschlossen. Aus den benachbarten Dörfern war eine große Menge Bauern zu dieser gewaltigen Unternehmung in die Stadt berufen worden. Als diese indeß sahen, mit welcher Schnelligkeit man den Auflauf zerstreut hatte, wollten sie sich wieder aufs Land retten, allein die Cavallerie erwartete sie vor den verschiedenen Ausgängen der Stadt; man hieb auf der Ebene in sie ein, und alle, die man mit den Waffen in der Hand gefangen nahm, wurde füsilirt. Bloß die französische Besatzung von Madrid hat an diesen Begebenheiten Theil genommen; das heißt, zwey Füsilierbataillons von der Garde, unter Obrist Friederichs; ein Piquet Chasseurs von der Garde, und 5 oder 600 Mann Reiterey. Als der Kanonendonner erschallte, schlug man in den fünf Lagern Generalmarsch; die Divisionen stellten sich und eilten im Doppelschritt nach Madrid; allein bey ihrer Ankunft war die Ordnung schon wieder hergestellt. Die 3000 Mann, welche die Besatzung der Stadt bildeten, hatten hingereicht, alles zur Vernunft zurück zu bringen. Unser Verlust wird auf 25 Todte und 45 bis 50 Verwundete geschätzt; von den Aufrührern sind mehrere tausend geblieben.

Madrid, den 2. Mai 1808.

*) Nach den spanischen Nachrichten rührten diese Beleidigungen von den Franzosen, und der Aufstand des Volks davon her, dass diese zwey letzten noch anwesenden Glieder der königlichen Familie auch nach Bayonne abgeführt werden sollten.


Quellen und Literatur.

  • Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Germanien, 1808.