Dresden

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Dresden.

Dresden. Diese sowohl in Rücksicht aus Lage als Bauart schöne Stadt, die Residenz des Königs von Sachsen, liegt im meissnischen Kreise, an der Elbe, welche das eigentliche Dresden und Neustadt von einandertheilt, während die berühmte 710 Ellen lange steinerne Brücke beide Städte wieder vereinigt.

Dresden besteht aus der Residenz, oder dem eigentlichen Dresden (sonst auch Neu-Dresden genannt), aus der Neustadt (seit 1732 so genannt, und vorzüglich seit August II. schön angebaut, sonst Alt-Dresden), und aus der Friedrichsstadt (ehemals Ostra, seit 1670 angelegt). Die Volksmenge von Dresden wird gegen 60,000 Menschen angegeben.

Unter den dresdener Sehenswürdigkeiten zeichnen sich vorzüglich aus: die schon erwähnte Elbbrücke von 18 Bogen, mit Trottoirs für die hin- und hergehenden Fußgänger, und steinernen Bänken über den Bogen, seit 1813 zugleich ein Denkmal des Marschalls Davoust; die 1736 auf der Promenade in Neustadt, zu welcher die Elbbrücke führt, aufgerichtete metallene und vergoldete Statue Augusts II. zu Pferde; die catholische Kirche, ein Meisterstück der Baukunst, mit einer herrlichen Orgel des berühmten Silbermann, und mehreren vortrefflichen Gemälden, am hohen Altar die Himmelsfahrt Christi von Mengs; die Frauenkirche, deren Bau 300,000 Thlr. gekostet, die seit 1726 angelegte Ritterakademie; die 1815 errichtete medicinisch-chirurgische Akademie; die Gemähldegallerie, in welcher die berühmte Nacht des Correggio (außer dem bekannten Kupferwerke gibt schon die kleine Beschreibung derselben, Dresden bei Walther 1807, einen Begriff von dem Reichthume derselben); die 1764 erneuerte Akademie der bildenden Künste, von welcher ein Zweig nach Leipzig verlegt worden, und welche den 5. Mai ihre Arbeiten ausstellt; das grüne Gewölbe seit 1806 eingepackt, und seit 1813 auf dem Königstein verwahrt, in welchem vorzüglich der gelbe Brillantring, der einzig in seiner Art ist, der grüne Diamant, der weisse Diamant u.a. merkwürdig sind; die königliche Bibliothek, welche die berühmten gräflich bünausschen und brühlichen Büchersammlungen umfasst; das Antikenkabinet, beide im japanischen Palais, nebst den mengsischen Abgüssen und der Porzellansammlung; (Abbildungen der vorzüglichsten Stücke des Antikenkabinets findet man in dem Recueil des marbres antiques, qui se trouvent dans la galerie du roi de Pologne à Dresde 1733, gr. Fol.; und in Beckers Augusteum s. Decker); endlich auch das Naturalienkabinet und die Rüstkammer; auch viele schöne Gärten, wie der große Garten (jetzt in traurigem Zustande), der große brühlische, der japanische, der Garten des Prinzen Maximilian in Friedrichsstadt. Unter den Spaziergängen um Dresden sind der plauische Grund und das seifersdorfer Thal, welches letztere Becker beschrieben hat, von romantischer Schönheit; so wie in der Nachbarschaft das königliche Luftschloss Pillnitz, die Festung Königstein, die Festung Sonnenstein, und die durch die kesselsdorfer Schlacht berühmten Höhen bei Kesselsdorf die größte Aufmerksamkeit verdienen. (Umständliche Beschreibung Dresdens von Hasche: Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der königlichen Residenzstadt Dresden und einiger umliegenden Gegenden von Dassdorf).

Der siebenjährige Krieg war für Dresden äußerst verderblich und brachte den Flor der Stadt sehr herunter; vorzüglich zerstörend wirkte das neuntägige Bombardement im Juli 1760, wo der König Friedrich der Große diese Stadt belagerte, und wobei auch die alte Kreuzkirche nebst 212 Häusern in den Grund geschossen wurde. Ueberhaupt ist Dresden wegen seiner Lage von frühern Zeiten her bei kriegerischen Operationen von Wichtigkeit, und den Zerstörungen des Kriegs daher vorzüglich ausgesetzt gewesen; auch hat die Wichtigkeit dieses Elbpasses zur Anlegung eines festen Platzes wahrscheinlich schon im 9ten Jahrhundert Gelegenheit gegeben. Siehe über diese frühere Geschichte Dresdens Weckens Beschreibung von Dresden.

Der Wechsel politischer Ereignisse in der neuesten Zeit, vorzüglich seit 1806, gab auch Dresden eine oft veränderte Gestalt. Die Festungswerke wurden auf Napoleons Befehl demolirt. Ohne große Folgen war der Einmarsch der Oesterreicher 1809; aber vor allen schrecklich das Jahr 1813. In demselben erlebte Dresden den Durchmarsch der russisch-preußischen Armee im Frühling, ihren Rückzug, den zerstörenden Aufenthalt des größten Theils der französischen Armee in der wiederum eiligst befestigten Stadt und ihrer Gegend im Mai und während des ganzen Waffenstillstands, den Angriff der Alliirten auf die Stadt, bei welcher Gelegenheit Moreau sein Leben verlor, und die damit verbundene Schlacht (26. Aug.) die unaufhörlichen Kriegsscenen in der Nähe; die Einschließung des von Napoleon nachher zurückgelassenen Corps des Marschalls St. Cyr; die Belagerung durch Russen und Oesterreicher; die Capitulation (10. Nov.), und die Besitznahme durch die Alliirten. Seit dem Dec. 1813 war Dresden der Sitz des russischen Generalgouvernements über Sachsen; am 8. Nov. 1814 schloß dasselbe aber seine Geschäfte, und es trat die preußische Verwaltung ein. Diese dauerte bis zu dem am 18.Mai 1815 zwischen Preußen und Sachsen geschlossenen Friedensvertrage; worauf denn am 7. Jun. der König wieder in seiner Hauptstadt ankam. Am 27. Jun. 1814 wurde Dresdens Neustadt abermals durch ein große Pulverexplosion sehr erschüttert und beschädigt.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.