Dschezzar Ahmet Pascha

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Djezzar, Pascha von Syrien.

Djezzar (Achmet, mit dem Zunamen Diezzar oder der Fleischer), Pascha von Syrien, war Gouverneur dieser Provinz, als Bonaparte Aegypten eroberte.

Er, der kaum die Gewalt der Pforte anerkannte, wartete keineswegs die Befehle des Divans ab, um sich gegen die Republikaner zu erklären. Er schickte ohne Antwort einen Offizier zurück, den Bonaparte an ihn sandte, und ließ alle Franzosen, die sich in Acre befanden, in Ketten werfen.

Indessen war er vom Großherrn zum Pascha von Aegypten ernannt worden, entschloß sich daher, seine Truppen mit denen des Großveziers zu vereinigen, und machte schon die Vorbereitungen dazu. Bonaparte aber kam ihm zuvor, schlug ihn allenthalben, vertrieb ihn aus allen festen Plätzen und drängte ihn bis Acre zurück. Auch dies dachte Achmet zu verlassen und hatte schon seine Weiber und Schätze in Sicherheit bringen lassen, als Sidney Smith ihn zur Vertheidigung bewog und so mit Hülfe eines französischen emigrirten Offiziers, Philippeaux, die Stadt rettere. Dieser hatte die Festungswerke hergestellt und vertheidigte den Platz mit eben so viel Tapferkeit als Talent. Djezzar machte selbst während der Belagerung mehrere lebhafte Ausfälle, und die Franzosen hoben dieselbe den 21. Mai 1799 nach zweimonatlicher, fruchtloser Anstrengung auf.

Als der Großvezier gegen Ende desselben Jahres in Syrien ankam, erhoben sich zwischen ihm und dem Pascha so heftige Streitigkeiten, daß endlich ihre Heere selbst handgemein wurden und sich mehrere blutige Gefechte lieferten, wodurch die ägyptische Expedition verzögert wurde.

Sobald Bonaparte erster Consul geworden, hat er den Handelsverkehr zwischen Frankreich und der Levante wieder herzustellen gesucht, und der Empfang, den der Oberst Sebastiani bei Djezzar genoß, beweis't, daß dieser Pascha sehr geneigt war, sich Frankreich wieder zu nähern. Als man ihm die Christen, die Mutualis und die Klöster von Nazareth und Jerusalem anempfahl, versprach er die größte Achtung dafür zu haben, und wiederholte zu mehreren Malen: "daß sein Wort mehr gälte, als Verträge."

Er starb im Mai 1804 und hinterließ unermeßliche Schätze.


Djezzar, Pascha von Acre.

Weit entfernt zu glauben, daß die bloße Beschreibung von Grausamkeiten einem menschlichen Gemüthe Vergnügen machen könne, bewahren wir dennoch die grausenhaften Thaten einzelner Menschen auf, um dem Psychologen Stoff für seine Nachforschungen, und dem Erzieher Winke zu geben, wohin die Menschliche Natur sich ohne zweckmäßige Leitung verirren könne.

Achmet mit dem Beinamen, Djezzar war in Bosnien als ein Christ von sehr armen Eltern geboren. Schon in seinem Knabenalter zeigte sich sein wilder Charakter. Er war noch nicht siebzehn Jahr alt, als er ein Mädchen, das er liebte, dessen Gunst er aber nicht erhalten konnte, ermordete.

Wegen dieser Mordthat mußte er sein Vaterland fliehen. Er verdingte sich als Matrose auf ein kleines Fahrzeug, das nach dem Innern des türkischen Gebietes seegelte. Seine wilde Gemüthsart, sein unerträglicher Stolz und sein gebieterisches Wesen, in einem noch so jugendlichen Alter, machten ihn indessen bey seinem Kameraden bald verhaßt. Von Zänkereien kam es zu Schlägen, wodurch er gezwungen wurde das Fahrzeug zu verlassen und erst in Romelien nachher in Natolien herumzuirren. Er befand sich in der äußersten Dürftigkeit und starb fast für Hunger. Dieser Zustand vermochte ihn, sich an einen türkischen Sklavenhändler, der Sklaven nach Egypten führte, ordentlich zu verkaufen.

Bey seiner Ankunft in Cairo ließ er sich beschneiden, doch rettete ihn dieß nicht vom Sklavenstande. Er wurde zum Verkauf ausgestellt, da ihm denn sein gutes Ansehen und sein starker Körperbau das Glück verschafften bey Aly Bey als Soldat in Dienste genommen zu werden. Hier zeichnete sich Achmet durch militairische Geschicklichkeit und durch blinden Gehorsam gegen seinen Herrn aus. Er wurde besonders bey Blutgeschäften als Handlanger gebraucht, mußte bald von einem Bey den Kopf holen, bald einen Cachef erwürgen, oder ein Dorf in Brand stecken, und dessen Einwohner niedersäbeln lassen, und immer, wenn er solche Befehle erhielt, konnte man ihm zum Voraus das Vergnügen Blut zu vergießen, an den Augen absehen.

Nach mehrern Handlungen dieser Art die er mit kalter Grausamkeit ausführte, erhielt er von seinen Kameraden, ja von seinem Herrn selbst den Namen Djezzar, der so viel als Schlachter oder Erwürger bedeutet, und den er nun auch beständig führte. Er war ordentlich stolz auf diesen Namen, den er nur zu sehr verdient habe. Den Namen Achmet bekam er, als er ein Mahomedaner wurde.

Er wurde in der Folge seines Lebens Pascha von Acre, und zuletzt zum Unglück Syriens Statthalter von Barut, und dieß war die Epoche, wo er seinen Blutdurst unverholen zeigte. Vielleicht wäre es nützlich seine begangenen Grausamkeiten mit allen Umständen bekannt zu machen, man würde dann sehen, bis zu welchem Grade ein mit einem außerordentlichen Charakter und mit heftigen Leidenschaften begabter Mann, die ihm verliehene oder sich errungene Gewalt mißbrauchen kann.

Wir schränken uns hier blos darauf ein, einige Thatsachen anzuführen, welche Djezzars schreckliche Grausamkeit deutlich ins Licht setzen.

Bey der Belagerung von Barut wurden eines Tages mehrere feindliche Gefangene gemacht. Djezzar ließ sie vor sich bringen, überhäufte sie mit Schmähungen, und ließ sie sodann lebendig einmauern, dieß geschah so, daß der Kopf und die Hände dieser Unglücklichen aus ihrem Grabe hervorragten, und sie auf diese Weise bis zum Verscheiden den Mißhandlungen der Soldaten ausgesetzt waren. Ihre zusammengebundenen Hände wurden wie Pfosten gebraucht, woran man die Pferde befestigte.

Ein junger Sklave, den er liebte, hatte einen Knabenstreich begangen, eine nur leichtsinnige Handlung, die man sonst leicht übersieht. Djezzar aber befand sich gerade in seiner schrecklichen Laune.

"Bringt ihn her! rief er, -- der Knabe erscheint und entschuldigt sich zitternd, da er die wilden Blicke seines Herrn sieht, der sie unverwandt auf seine Person richtete. Nach einem Stillschweigen von wenigen Augenblicken ergeht aus des Tyrannen Munde das schreckliche Urtheil:

Erdolcht ihn hier, vor meinen Augen!"

Die ihn umgebenden Mamelucken bleiben unbeweglich, keiner von ihnen wagt es die Hand aufzuheben und ein Kind niederzustoßen, das der Liebling seines Herrn ist. Nun erschallen die Worte:

"Warum zögert ihr? Stoßt ihn nieder!"

Alle stehen erschrocken und keiner wagt es sich zu bewegen.

Der in Wuth gesetzte Djezzar springt auf das Kind zu. In diesem Augenblick fallen alle Mamelucken auf die Knie, der Tyrann bleibt stehen, scheint sich etwas zu beruhigen, wirft einen Blick auf das Schlachtopfer, und nun zieht er seinen Dolch und stößt ihn dem Kinde in die Brust.

Wenn dieser Wütherich glaubte, daß ein Einwohner in seiner Statthalterschaft Geld gespaart hatte, so ließ er ihn vor sich kommen, und forderte von ihm eine Summe, die nach dem muthmaßlichen Reichthume des Mannes eingerichtet war.

Weigerte er sich, oder befand sich der Gedrängte in der Unmöglichkeit die verlangte Summe zu liefern, so ließ ihn Djezzar den Bauch und die Fußsohlen zerprügeln. Bestand er noch auf seinem Unvermögen, so ließ er ihm Ohren und Nase abschneiden, auch wohl die Augen ausreissen oder sonst zu Tode martern. Hatte er von dem Manne nichts herausbringen können, so ließ er die Frau kommen, und wenn diese nicht so fort entdeckte, wo das Geld aufbewahrt wurde, so ließ Djezzar ihre Brüste durch einen Schraubenstock so entsetzlich und anhaltend zusammenpressen, bis die Unglückliche unter Höllenmartern den Geist aufgab.

Bey einer Empörung der Mamelucken gegen ihn, waren diese selbst bis in sein Harem gedrungen, und er bekam nun Anwandlungen von Eifersucht, welche fast zur wüthendsten Raserei stieg. Alle Weiber sollten gemordet werden, die meisten derselben aber waren entflohen, dennoch blieben noch genug übrig um seine Rache zu kühlen.

Einer jeden dieser Unglücklichen wurde die Todesart von ihm selbst bestimmt, die am wenigsten schön waren, so wie die Alten, wurden unter einander in Fahrzeuge geworfen, auf die offene See geführt und ersäuft. Andere wurden in lederne Säcke genäht und so in den Meerbusen von Acre geworfen. Diejenige, deren Martern man noch mehr verlängern wollte, mußten erst alle Arten gräßlicher Qualen dulden, hernach warf man sie lebendig in einen tiefen Brunnen, das Grab mehrerer der vornehmsten Offiziere, aus dem die giftigsten Dünste von den verfaulten Leichnamen emporstiegen. Die jüngsten und schönsten wurden von ihm eigenhändig verstümmelt, und ihnen die Bäuche aufgeschnitten.

Unter diesen Schlachtopfern befand sich auch eine von außerordentlicher Schönheit, sie war die jüngste und geliebteste von allen. Diese sparte Djezzar bis zuletzt auf; und ermordete sie auf das grausamste mit eignen Händen, indem er sich an der gräßlichen Handlung des Mordes recht zu ergötzen schien.

Hier ist eine Schilderung dieses Mannes der 1803 ungefähr siebzig Jahr alt war. Es sind Angaben, gesammelt von einer großer Anzahl Franken und Griechen, die ihn persönlich gekannt und oft mit ihm zu thun gehabt haben.

Djezzar war von großer Natur und starken Muskeln, er hatte eine regelmäßige und schöne Figur, eine weiße, lebhafte Gesichtsfarbe, einen wilden Blick und funkelnde Augen. Er war muthig, verwegen, unermüdlich, jähzornig, mäßig, unversöhnlich, und bisweilen auch verstellt. geschickt in allen körperlichen Uebungen, wußte er diese schon bey den Mamelucken erlangten Fertigkeiten noch bis in sein Alter zu erhalten, den Säbel so gut wie Schießgewehr zu gebrauchen, einer Dromedar geschickt zu reiten, und ein wildes Pferd zu bändigen. In den schwierigsten und gefährlichsten Augenblicken wußte er geschwind seinen Entschluß zu fassen, und fast immer verdankte er den glücklichen Erfolg seinem Muthe, seiner Kühnheit, und besonders der Raschheit, womit er sowohl seine Angriffs- als seine Vertheidigungsplane ausführte.

Dieser Mann ließ sich bey dem vielumfassendsten Entwürfen auch auf die kleinsten Dinge ein, wodurch er die Listigsten überraschte. Er mochte gerne reden, und wenn die Unterredung etwas lange dauerte, so sahe man ihn wechselsweise von den interessantesten Gegenständen zum Detail, von Geschäften und von den ernsthaftesten Materien zu den feinsten Scherzen übergehen, und das mit einer Klarheit, mit einer Bestimmtheit und Genauigkeit, die bewiesen, daß alles in seinem Kopfe auf das bewunderungswürdigste geordnet war.

Man sahe ihn fast im nehmlichen Augenblicke Befehle ertheilen, zur Verwaltung seiner Provinz, Befestigungswerke und Bauunternehmungen leiten, einen Plan zum Feldzuge entwerfen, den Bau eines Schiffes anordnen, Blumen pflanzen, den Putz seiner Weiber bestimmen, und das Muster zu einer Stickerei zeichnen.

Er war einfach in seinen Sitten, und ließ sich bisweilen so gar herab! mit den Einwohnern von Acre vertraut umzugehen. Dem Scheine nach mitleidig theilte er selbst den Armen die Arzneimittel aus, die er ihrem Uebel am zuträglichsten glaubte. Oft ließ er Unglückliche, die vertrauensvoll zu ihn kamen, an seine Seite niedersetzen, tröstete sie durch Worte und reichte ihnen Nahrungsmittel mit eignen Händen, auch hatte er beständig in seinem Pallaste ungeheuere Kessel mit Reis zum Behuf der Dürftigen auf dem Feuer stehen; ferner wurde alle Wochen sehr regelmäßig eine Summe Geldes an die Armen gegeben. Dennoch liebte Djezzar das Gold, und war sehr sinnreich es bey denen sie es besaßen, zu entdecken. Nie hat wohl Jemand sich ungerechtere Mittel erlaubt, sich dieses Metall zu verschaffen.

Wie alle mächtige Menschen liebte auch dieser Tyrann die Schmeichelei, wie alle, denen es an Bildung fehlt, konnte er das niedrige Speichellecken nicht von dem verdienten Lobe unterscheiden. Da diese seine Schwäche allgemein bekannt war, so bedienten sich diejenigen die etwas bey ihm durchsetzen wollten, allezeit dieses untrüglichen Mittels.

Dieser Djezzar, der alles verspottete was auf Erden heilig ist, der keine andern Gesetze kannte als seinen Eigensinn und seine Launen, keinen andern Führer hatte, als seine Leidenschaften, keine andern Zügel, als die Unmöglichkeit weiter zu gehen, dieser Mann war jedoch allen religiösen Vorurtheilen und allen Pöbelirrthümern unterworfen.

Man sahe ihn zu gleicher Zeit die meisten Vorschriften der katholischen Religion und auch das Gesetz der Mahomedaner befolgen. Man sahe ihn Geister beschwören, Zaubereien veranstalten, und die Gestirne um Rath fragen. Bei ihm wurden Mönche, und Derwische, Priester und Imans, Sterndeuter, und Zauberer, Aerzte und Marktschreyer, alle auf eine ausgezeichnete Art aufgenommen, und wechselsweise, sowohl bey den einfachsten Handlungen, als bey den schwierigsten Vorfällen zu Rathe gezogen.

Es ist wahrscheinlich, daß dieser arglistige Mann dadurch auf einen unwissenden, abergläubischen, und verworfenen Pöbel wirken wollte. Auch ließ er das Gerücht aussprengen, daß er Zauberer sey, und daß er durch Hülfe der mit ihm in Gemeinschaft stehenden guten und bösen Geister alles entdecken könnte, was gegen ihn angesponnen werde, daß er so unterstützt im Stande sey, alle seine Feinde zu vernichten, so wie alle seine Unternehmungen leicht auszuführen. Nicht bloß in Syrien und auf den Gebirgen Libanon, war man von Djezzar's Zaubereien überzeugt, sondern auch zu Damascus, zu Aleppo, zu Bagdad, wo sich vielleicht nicht zehn Menschen unterrichtet genug befanden, um diese Sage zu bezweifeln.

So war dieser Pascha beschaffen, der in unsern Tagen, selbst noch nach beendigtem Revolutionskriege, den südlichen und westlichen Theil Syriens beherrschte.

Man sieht aus obiger Schilderung, daß die Natur aus ihm einen außerordentlichen Menschen gemacht hatte; durch eine sorgfältige Erziehung und durch die leitenden Rathschläge eines Weisen, wäre er vielleicht ein großer Mann geworden, unglückliche Umstände aber bewirkten, daß aus ihm ein Bösewicht, ein Tyrann, ein neuer Phalaris wurde.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Lebensbeschreibung des Johann Jacob Dessalines, Oberhaupt der aufrührerischen Neger auf St. Domingo : nebst vielen merkwürdigen Nachrichten über das Leben, den Charakter und die Grausamkeiten der vornehmsten Anführer der Neger seit ihrem Aufstande 1791 ; verm. mit einigen Nachrichten über die Erhebung des Dessalines zum Kaiser von Haiti unter der Benennung Jacobs des Ersten. 1805.