Erfurt

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Erfurt, eine große und etwas feste Stadt in Thüringen, zu deren schönen und überaus fruchtbaren Gebiete einige siebzig umher liegende Dörfer gehören, war im funfzehnten und dem folgenden Jahrhunderte, vorzüglich durch ihren Handel, sehr blühend. Erfurt gehörte zu den Hansestädte, hatte die Stapelgerechtigkeit und große Vortheile von den Speditionen und dem Landhandel in Deutschland, da es gerade in der Mitte desselben liegt, und zählte zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts gegen 60,000 Einwohner. Allein durch den veränderten Gang des Handels, welcher sich nach Leipzig zog, durch die deutschen Kriege und die Streitigkeiten mit und unter den deutschen Fürsten um den Besitz dieser Stadt und Landschaft, in welchem seit 1663 Churmainz war, welches dieselbe durch einen Statthalter, regieren ließ, ist dieselbe so gesunken, daß die Stadt Erfurt noch vor einigen Jahren nicht über 14,000 Einwohner zählte.

Nicht leicht hat eine Stadt in Deutschland mit ihrem Gebiet so viel Cultur und Handel mit Gartengewächsen aller Art, als Erfurt. Der Hauptzweig des Stadtgewerbes sind indeß die Wollmanufacturen.

Die Einwohner dieser Stadt nebst dem Rathe und der daselbst befindlichen Universität (gestiftet 1392) sind theils catholisch - es gibt auch mehrere Klöster in Erfurt - theils lutherisch; doch sind unter den Einwohnern die meisten lutherisch.

Uebrigens hat die Stadt Erfurt noch folgende Sehenswürdigkeiten: die Citadelle auf dem Petersberge, nebst dem ehemaligen Benediktinerkloster, in welchem der Graf von Gleichen mit seinen beiden Gemahlinnen begraben liegt; den Dom, mit der großen 275 Centner schweren Glocke, Maria genannt; das ehemalige Augustinerkloster, in welchem jetzt das lutherische Gymnasium ist, mit D. Luthers Zelle, die er von 1505 bis 1512 bewohnte.

Diese Hauptstadt Thüringens wurde mit ihrem gebiete von 16 Quadratmeilen zugleich mit dem Eichsfelde im Jahre 1802 zur Entschädigung für die an Frankreich abgetretenen Besitzungen von Preußen in Besitz genommen; allein die schon ziemlich gesunkene Stadt schien dadurch noch mehr an Sitten und Wohlstand zu leiden.

Durch den unglücklichen französisch-preußischen Krieg im Jahr 1806 und nach der unglücklichen Schlacht vom 14. October bei Jena und Auerstädt ging Erfurt den 16. October durch Capitulation über, wobei unter mehreren Generalen der Feldmarschall Möllendorf, der Prinz von Oranien xc. zu Kriegsgefangenen gemacht wurden. Das Eichsfeld wurde in der Folge zu Westphalen geschlagen: Erfurt blieb unmittelbar unter französischer Regierung. Unter dieser war daselbst die merkwürdige Zusammenkunft im October 1808 zwischen dem russischen und französischen Kaiser, den Königen von Sachsen, Baiern u. s. w. und vielen andern hohen Personen. Was Erfurt während dieser Zeit gelitten hat, findet man in mehrern neuern Flugschriften aus dem J. 1814, z. B. in einem Aufsatze in Ludens Nemesis 1sten Bd. 2tes Heft, und in dem 2ten Bde der deutschen Blätter.

Nach dem Rückzuge der Franzosen aus Deutschland ergab sich zuerst (im Herbst 1813) die Stadt auf Capitulation an den General Kleist, die Citadelle aber erst im Frühling 1814 an die Preußen.

Durch die Bestimmungen des Wiener Congresses kam Erfurt wieder an die preußische Monarchie; es wurde aber ein Theil des Erfurter Gebietes an Sachsen-Weimar abgetreten.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.