Ernst II. (Sachsen-Gotha-Altenburg)

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Ernst II., Herzog von Sachsen Gotha.

Sachsen Gotha, (Ernst II., regierender Herzog von).

Dieser Fürst, bekannt in Deutschland wegen seiner Liebe zu den Wissenschaften, hauptsächlich zur Astronomie, starb den 21. April 1804 in seinem 59. Jahre.

Deutschland hat ihm seine schönste Sternwarte zu verdanken: er besaß eine kostbare Bibliothek und ein physikalisches Kabinet, von dem er selbst Gebrauch zu machen verstand, und stand mit Lalande und andern Gelehrten in Briefwechsel.

Sein Leichnam wurde, seinem letzten Willen gemäß, in seinem Garten ohne allen Pomp beerdigt.


Ernst Ludwig, Herzog zu Sachsen Gotha u. Altenburg.

Ernst Ludwig, auch Ernst II, Herzog zu Sachsen Gotha u. Altenburg, geb. d. 30 Jan. 1745, war der 2te Prinz Herzog Friedrichs III u. dessen Gemahlinn Louise Dorothea, Prinzessinn von S. Meinungen, eine der geistreichsten u. gebildetsten Fürstinnen ihrer Zeit.

Seine Erziehung war streng, u. er hatte sich nicht nur durch ernstes Studiren unter der Leitung vorzüglicher Lehrer, sondern auch auf Reisen vielfache Kenntnisse erworben, als er 1772 durch den Tod seines Vaters zur Regierung gelangte, nachdem er sich schon 1769 mit Marie Chalotte Amalie, Prinzessinn von Sachsen-Meinungen vermählt hatte.

Sein Regentenleben ist eine Reihe schöner und gemeinnütziger Unternehmungen zum Wohl seines Landes, und macht in der Geschichte desselben eine merkwürdige Epoche. Er vereinigte fürstliche Tugend u. Weisheit mit den Eigenschaften eines liebenswürdigen Privatmannes; eine ungeheuchelte und tief gefühlte Gottesfurcht mit strengen Sitten, ausgezeichneter Mäßigkeit und reiner Gerechtigkeitsliebe; ein sanftes und gefühlvolles Herz mit ausgebreiteten Kenntnissen, edlem Anstand u. einnehmender Anmuth.

Sehr viel gewann unter seiner Regierung die Gerechtigkeitspflege, nicht nur durch verbesserte Einrichtungen, sondern noch mehr durch den überall verbreiteten Geist der Ordnung, der Gerechtigkeitsliebe, der Biederkeit u. des Abscheues vor Schikane. Der geringste Unterthan fand Zugang zu dem Fürsten, niemand wurde bedrückt, vielen Bedrängten u. Unglücklichen wurde durch seine Milde geholfen.

Durch Anlage guter Heerstraßen, die Einführung des Kleebaues, Einschränkung der Trift, durch zweckmäßige Anstalten gegen Viehseuche xc., beförderte er den Wohlstand des Landmannes.

Mehrere Hülfsanstalten danken ihm ihre Existenz: er errichtete eine Witwensocietät, u. stiftete ein Werkhaus, mit welchem eine Freischule verbunden wurde; auch unterstützte er die Armenanstalten seiner Lande aufs thätigste.

Im Religion- u. Kirchenwesen sorgte er für eine vernünftige Aufklärung und einen schicklichen Religionskultus; denn er begünstigte die Denk- und Gewissensfreiheit, verstattete den Predigern, bessere liturgische Formularien u. bessere Gesangbücher zu einer Zeit (1778) einzuführen, als man anderwärts noch wenig an Verbesserung des Gesanges dachte.

Große Verdienste erwarb er sich um Verbesserung des Schulunterrichts, theils durch Errichtung neuer Anstalten, theils durch zweckmäßigere Einrichtung der schon vorhandenen und Vermehrung ihrer Einkünfte. Ueberhaupt fand alles wahrhaft Nützliche und Gute an ihm einen warmen Beförderer, u. besonders war er ein eifriger und aufgeklärter Freund der Wissenschaften. Mit liberalem Geist und fürstl. Freigebigkeit unterstützte er alles, was auf sie Beziehung hatte, u. viele einheimische u. fremde Gelehrte dankten ihm bald die Befreiung von drückenden Sorgen, bald die Vollendung nützlicher Unternehmungen. Die von ihm erbaute und mit den vortrefflichsten Instrumenten ausgerüstete Sternwarte ist in ganz Europa berühmt, u. alle Wissenschaftliche u. Kunstsammlungen seines fürstl. Hauses sind von ihm mit Eifer, Einsicht und großer Freigebigkeit bereichert worden.

Bei diesen Gegenständen fand er Erholung von Geschäften; ihnen war die Muße seines stillen Lebens geweiht. Noch als Regent lernte er die griechische Sprache, übte sich in der lateinischen, in der Physik, u. vorneml. in d. Astronomie. Durch Lektüre, den fast tägl. Besuch der öffentl. Bibliothek u. lehrreiche Unterredungen erweiterte er immer seine Kenntnisse. Nie liebte er geräuschvolle Vergnügungen u. äussern Glanz; die Einsamkeit war ihm schon in seiner Jugend werth. In spätern Jahren zog er sich immer mehr von Gesellschaften zurück, u. st. d. 21 April 1804.

Seine Verordnung gemäß wurde er prunklos, ohne Sarg, auf der Insel seines englischen Gartens, in der Nähe zweier ihm vorangegangener Söhne begraben.

S. Parentalia sacra in memoriam etc. Jena 1804. fol. (von Eichstädt). Galleti's Gesch. von Gotha 1 Th. 352 ff. (Beckers) National-Zeitung. 1804. St. 23. Zwei Reden von F. W. Döring und F. Jakobs. Goth. 1804. Verschiedene Gedächtnißpredigten von Löffler, W. F. Schäffer, K. C. E. Schmidt, Prof. in Jena u. a. Allgem. Zeitung 1804. No. 153.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehenten Jahrhunderts gestorben sind. Von Samuel Baur, königl. Würtemb. Dekan und Pfarrer von Alpeck und Göttingen. Ulm, 1816. Im Verlag der Stettinischen Buchhandlung.