Ernst von Pfuel

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Ernst von Pfuel preußischer Obrist im Generalstabe, geboren zu Berlin um das Jahr 1780; wurde daselbst in der Militär-Academie erzogen, legte einen guten Grund in den mathematischen Wissenschaften und in der Kunst der Leibesübungen, worin er es späterhin, besonders im Fechten und Schwimmen, zur größten Vollkommenheit brachte.

Als Officier bei dem Regiment des Königs in Potsdam verwandte er den eifrigsten Fleiß auf alle Gegenstände des Kriegswesens, dessen damalige Beschaffenheit seinem höherstrebenden Geist bald ungenügend wurde. Er bereiste Deutschland, die Schweiz, einen Theil von Italien, und hielt sich mit seinem Freund Heinrich von Kleist längere Zeit in Paris auf. Seine fortgesetzten, auf eigenthümlichem Wege und größtentheils einsam betriebenen Geistesarbeiten machten ihn bald in allen Fächern höherer Bildung einheimisch, und schmückten den edelsten Charakter mit aller geistigen Annehmlichkeit.

Der unglückliche Krieg 1806, den er im Generalstabe des Generals Blücher bis zur Capitulation von Lübeck mitmachte, gab ihm eine größere Kriegserfahrung, und machte das Unglück des Vaterlands zu dem einzigen Gegenstand seines Sinnens und Trachtens.

Nach einem längern Aufenthalt in Dresden trat er im J. 1809 als Hauptmann in österreichische Kriegsdienste, und kam nach dem Frieden in Besatzung nach Prag. Hier fand er in dem Umgang des Freiherrn von Stein und andrer Männer neu Nahrung für die mannigfachen Gedanken, welche die politische Welt damals darbot. Auch war er auf mehr als eine Art thätig und nützlich. Eine große Schwimmanstalt, zunächst für das Militär bestimmt, wurde unter seiner Mithülfe errichtet, und von ihm durch die vortrefflichste Leitung belebt. Zur Errichtung einer gleichen Schwimmanstalt in Wien wurde er mit würdiger Anerkennung seines Verdienstes dahin zu dem Generalstab versetzt. Er kehrte jedoch nach dem Ausbruch des Kriegs gegen Rußland im J. 1812 nach Prag zurück, und suchte sodann über Dänemark und Schweden nach Rußland zu gelangen. Es gelang ihm, den eifrigen Verfolgungen der Franzosen in Berlin, Hamburg und Helsingör, wo er schon durch den Sund zu schwimmen entschlossen war, glücklich zu entkommen. Von Petersburg, wo er russische Dienste genommen, eilte er sogleich zur Armee, die er in Kaluga fand. Den ewig denkwürdigen Rückzug und Untergang der französischen Armee, der sodann erfolgte, hat er als Augenzeuge in einer kleinen Schrift beschrieben, die in alle Sprachen übersetzt und in unzähligen Auflagen verbreitet worden.

Er begleitete nachher von Berlin aus den General Tettenborn auf dessen Zuge nach Hamburg, und blieb während der folgenden Kriegszeit als Chef des Generalstabs bei demselben. Seine hier bewiesene Thätigkeit und Geschicklichkeit sind bereits öffentlich gerühmt worden. In allen Gefechten, besonders in dem glücklichen Treffen bei der Görde, bewies er die kaltblütigste persönliche Tapferkeit. Nach Beendigung des Feldzugs in Frankreich, wo er fortwährend die wesentlichsten Dienste geleistet, trat er als Obrist wieder in den preußischen Generalstab. Als solcher war er im Feldzug von 1815 bei dem Feldmarschall Blücher, der ihn persönlich ungemein schätzte, und hier erwarb er sich, neben den Generalen Gneisenau und Grollmann, das hohe Verdienst, unerschüttert von den Unfällen der Schlacht von Ligny, bei den glänzenden Erfolgen der Schlacht von Belle-Alliance vorzüglich mitthätig gewesen zu seyn.

Nach dem ruhmvollen Einzug in Paris wurde Pfuel zu dem ehrenvollen und wichtigen Posten eines Commandanten der Stadt Paris ernannt. Mit welcher Klugheit, Mäßigung und Gerechtigkeit er dieses schwierige Amt während vier Monaten geführt, ist selbst von den Franzosen die er oft mit Strenge behandeln mußte, dankbar anerkannt worden. Die Rechtschaffenheit und Würde seines Charakters geboten auch dem erbitterten Feind Anerkennung und Achtung.


Quellen und Literatur.

  • Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1818.