Expedition der Engländer in Walcheren

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Inhaltsverzeichnis

Englische Expedition gegen Holland.

Dem unterhaltenden Vorspiel folgte jedoch bald ein größeres tragisches Drama. Die Zeitungen verkündeten, daß 8 Brigaden Infanterie nebst einer beträchtlichen Anzahl Reuterei an die englischen Küsten gerückt wären, und täglich ihre Einschiffung erwarteten. Man erfuhr aber bald genauer die Stärke der mit so vieler Thätigkeit ausgerüsteten Expedition. Es waren dazu bestimmt: 34 Linienschiffe, 2 Schiffe von 50 Kanonen, 3 von 44 Kanonen, 22 Fregatten, 33 Sloops, 5 BombardierSchiffe, 23 KanonierSchaluppen, 31 Kutter und über 180 TransportSchiffe.

Bestand der großen englischen Expedition gegen Holland.

Die Flotte führte an Truppen: 135 Mann reitende Artillerie, 1998 Mann FußArtillerie, 500 Sappeurs, 270 Mann zum GenieKorps gehörig; 5 KavallerieRegimenter von 2555 Mann; 3 Bataillons Garde von 2878 Mann; 5629 Mann leichter Infanterie, und 24,108 Mann LinienInfanterie, in 32 Bataillonen. In allem also 38,173 Mann. An Geschütz für die LandTruppen wurden eingeschift: 62 24pfündige Kanonen, 6 12pfündige Kanonen, 55 Mörser und 32 Haubitzen. Dazu nahm man mit, 8 Millionen FlintenPatronen, 400,000 schwere Patronen und 260,000 für die reitende Artillerie. OberFeldherr des Heers war der GeneralLieutenant und Chef des ArtillerieWesens, Graf Chatham, älterer Bruder des verstorbenen Ministers William Pitt; zweiter im Kommando, GeneralLieutenant Eyre Coote. Unter ihnen dienten die GeneralLieutenants: Roßlyn, Hope, Huntley, Grosvenor, Tradock, Makenzie, Frazer; und die GeneralMajors: Linsingen, Stewart, Dalhouse, Erskyne, Leith, Graham, Pricted, Aukland, Rottenburg, Hauston, Browne und Santag.

Mit Einschluß der SeeSoldaten und Mariniers mogte leicht die ganze Expedition sich auf 60,000 Mann belaufen. Die Flotte kommandirten die Admirale Gardner, Home, Popham und Ottway, nebst den KontreAdmirals Strachan und Keats. -- Der OberFeldherr, Lord Chatham, empfing, am 16 Julius, vom Könige eine Instruktion, des wesentlichen Inhalts: "Der Zweck der vereinten Expedition ist die Wegnahme oder Zerstörung der feindlichen Schiffe, die sich entweder zu Antwerpen oder zu Vliessingen auf dem Stapel sich befinden, oder auf der Schelde liegen. -- Ferner die Zerstörung der Arsenäle und Docken zu Antwerpen, Terneuse und Vliessingen, die Unterwerfung der Insel Walchern, und wo möglich die Schelde für die Zukunft für Kriegsschiffe unfahrbar zu machen. Es muß wenigstens von diesen Absichten so viel wie möglich erfüllt werden. Sobald dieser Auftrag ganz, oder ein Theil davon in Ausführung gebracht worden, soll der Feldherr unverzüglich Maaßregeln ergreifen, die Armee wieder einzuschiffen, und mit derselben nach England zurückzukehren; jedoch muß er eine hinlängliche Macht zurücklassen, um die Insel Walchern so lange zu behaupten, bis des Königs fernere WillensMeinung eingegangen ist. *)

*) Politisches Journal Jahr 1810 Stück II. S. 194.

Die Expedition ging aus den verschiedenen, der Küste von Holland gegenüber liegenden, englischen Häfen unter Segel, am 28 Julius, und schon am folgenden Tage lösete sie, durch ihre Erscheinung vor der Insel Walchern, das Räthsel ihrer Bestimmung. Jene Insel macht einen Theil des aus lauter Inseln bestehenden Departements Seeland aus; sie ist die vorderste und volkreichste Insel, enthält 14 Dörfer und 5 Städte, von denen Middelburg, Vliessingen und Veere die merkwürdigsten sind. Als die englische Flotte auf der Höhe von Domburg, gegen Walchern und SüdBeveland, entdeckt wurde, segelte Admiral Missiessi, welcher der Engländer HauptAbsicht errieth, sogleich mit der vliessinger Eskadre die WesterSchelde hinauf. Sie bestand aus folgenden Schiffen: Albanois, Anversois, Audacieux, Charlemagne, Commerce de Lyon, Dalmatie, Danzig, Duguesclin, Frieard, Illustre, Josephine, Pultusk, Ceasar und Ville de Berlin, jedes von 74 Kanonen. Dazu kamen 8 Fregatten, mehrere Kutters und viele KanonenBöte. Missiessi ließ, um durch die engen und seichten Stellen der Schelde zu kommen, die schweren Kanonen über Bord werfen, und gelangte so glücklich bis zum Dorfe Krüningen, an der Küste von SüdBeveland, setzte aber, als er hier noch nicht sicher war, die schwürige Fahrt bis vor Antwerpen fort, wo seine Flotte, durch das vorliegende Fort Lillo, hinlänglich gedeckt schien.

Die Engländer auf Walchern.

30 Julius.

Die Engländer machten die Landung am 30 Julius auf Walchern, Schouwen und SüdBeveland zugleich. Das Fort Haak, gegen welches Fraser anrückte, ergab sich, und der GeneralLieutenant Bruce, ein Schottländer von Abkunft, dem die Vertheidigung von SüdBeveland anvertrauet worden, verließ auch das Fort Batz und die Batterien der Insel ohne Widerstand, indem er sich nach Bergen op Zoom zurückzog. Das Fort Ter-Veere hingegen, wo 600 Mann als Besatzung lagen, leistete, bis zum 1 August Abends, tapfern Widerstand; dann fiel es durch Kapitulation in der Engländer Hände. Gleich wie Ter-Veere, kapitulirte auch Middelburg, dessen Besatzung nach Vliessingen geeilt war. Der Hauptpunkt blieb also Vliessingen, worin mit einer nicht unbeträchtlichen Besatzung die Generals Monnet und Osten den hartnäckigsten Widerstand zu leisten drohten.

Die Engländer, nachdem sie Ruttern und Rammekens besetzt, rückten, den 1 August, gegen Vliessingen, doch nicht ohne heftige Gefechte, welche theils bei den Batterien von Dykshoke, Vygeter und de Nolle, theils bei WestZonberg vorfielen, und in denen endlich die Franzosen die englischen Uebermacht weichen mußten.

Während die Engländer Anstalten trafen, Vliessingen *) durch das heftigste Bombardement schnell in ihre Gewalt zu bekommen, um dann auf der Schelde weiter vorzurücken, erscholl der Waffenruf durch ganz Holland nicht nur, sondern auch in den nachbarlichen französischen Departements. Der König von Holland eilte aus Aachen, wo er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit die Bäder gebrauchte, nach Amsterdam, und von da nach der Gegend von Antwerpen. Die Nationalgarde der Hauptstadt (Schutterey) ward schnell auf 3 Regimenter, jedes von 4 Bataillonen, vermehrt, und ein kräftiger königlicher Aufruf erging an alle Holländer, zur schnellsten Befreiung des Vaterlandes freiwillig in des Königs Dienste zu treten, wobei jeder Freiwillige den gewöhnlichen Sold der Land- und SeeMacht zu genießen haben solle. Die Division Gratien wurde sogleich aus NordDeutschland zurückgerufen, und kam mit Eilmärschen dem bedrohten Vaterlande zu Hülfe. Zu Bergen op Zoom öfnete man die Schleusen; mit jedem Tage eilten neue Haufen VaterlandsVertheidiger herbei, und das OberKommando der in Antwerpens Umgebung sich schnell sammlenden Armee, übertrug Napoleon einem seiner geprüftesten Feldherrn, dem allverehrten Prinzen von PonteCorvo.

Vliessingen belagert.

13. August.

Die Engländer hatten inzwischen, am 13 August, ihre Zurüstungen gegen Vliessingen beendigt, und begannen das Feuer in der Nacht mit 58 Stücken schweren Geschützes, wobei die congrevischen HöllenRaketen nicht gespart wurden. Mit Anbruch des Tages (am 14 August) manövrirten auch die, in der DarlooPassage stationirten, Kriegsschiffe unter Richard Strachan heran, und machten ein so schreckliches Feuer, daß gegen 4 Uhr Nachmittags die meisten Batterien der Stadt zum Schweigen gebracht waren, die Stadt selbst aber an vielen Orten in lichten Flammen stand.

General Eyre Coote forderte nun den Kommandanten zur Uebergabe auf. Dieser erwiederte: er wolle sich mit dem KriegsGericht berathen, und das Feuer schwieg eine Stunde. Aber man kam nicht zum Zweck; in der Nacht ward demnach des englischen Geschützes Würkung noch fürchterlicher; um Mitternacht ließ Fraser zugleich die Batterien am SeeDeiche stürmen, und eroberte sie nach heftigem Kampf mit dem Bajonet. Dasselbe geschah am middelburger Thore, wo der englische ObristLieutenant Nikolls eine Batterie stürmend wegnahm, und bis an die Mauern der Stadt vordrang.

Vliessingen kapitulirt.

15. August.

Gegen Morgen verlangte Monnet aufs neue eine 24stündige Waffenruhe; nur 2 Stunden wurden ihm zugestanden. Als der Tag anbrach, kam die Kapitulation zu Stande. Nach der Kapitulation war die Garnison Kriegsgefangen und wurde nach england abgeführt, die Kranken und Verwundeten aber nach Frankreich geschaft, wenn sie in dem Zustande wären, transportirt zu werden. Das Eigenthum der Einwohner sollte, nach §. 6, geachtet, alles Eigenthum der Regierung hingegen den englischen Kommissarien ausgeliefert werden.

Die aus Vliessingen nach England abgeführte Garnison, betrug 5893 Mann, worunter 618 Kranke und Verwundete. An Artillerie fand man in der Vestung 224 Stücke, und an Kriegs- und LebensBedürfnissen noch keinen Mangel.

Nach der Ansicht des Kaisers Napoleon war jedoch die Uebergabe viel zu schnell erfolgt, da der Feind noch 150 Klaster von der Vestung entfernt gewesen, und der Kommandant durch keinen Sturm geängstigt worden sei. Der französische KriegsMinister wurde demnach beauftragt, eine Kommission niederzusetzen, welche untersuchen sollte, ob Monnet aus Feigheit oder Verrätherei dem Feinde die wichtige Vestung so schnell übergeben? -- Das Urtheil fiel nicht günstig für Monnet aus, da auch seine Offiziere, besonders Osten, ihn mancherlei Fehler und Nachlässigkeiten bezüchtigten.

Der eine Hauptzweck der großen englischen Expedition war nun freilich durch Vliessingens Eroberung erreicht; der andere aber: Antwerpen zu nehmen und die dortigen Werfte und Schiffe zu zerstören, fand gleich Anfangs unübersteigliche Hindernisse, die durch das Zaudern des englischen Feldherrn mit jedem Tage unübersteiglicher wurden. So beschwerlich das Manövriren auf der seichten und schmalen Schelde auch sein mogte, hatten doch die englischen MarineAnführer glücklichen Erfolg versprochen, wenn man nur, wie sie wünschten, gleich rasch zu Werke ginge. Dazu wollte sich jedoch Chatham so wenig als der größere Theil seines Kriegsraths entschließen, theils, weil nunmehr die feindliche Macht um Antwerpen auf 35,000 Mann angewachsen, theils die Zahl der englischen Kranken bis auf 3000 erhöhet, theils auch die Jahrszeit schon zu weit vorgerückt wäre, um nachdrückliche für die Dauer wesentlichen Gewinn versprechende Operationen zu unternehmen.

Schnell versammelte französische Armee bei Antwerpen, unter PonteCorvo.

30 August.

Unleugbar war freilich schon, gegen Ende des Monats August, die französische Armee zu einer Stärke angewachsen, die jedem englischen LandungsVersuche Trotz bieten konnte. Sie erhielt bald eine regelmäßige Organisation, und bestand aus 4 Divisionen Infanterie und 1 Division Kavallerie. -- PonteCorvo und Rampon hatten ihr Hauptquartier zu Antwerpen, General St. Laurent befehligte die Artillerie, Obrist Decaux leitete das GenieKorps. Das Hauptquartier der ersten Division, unter General Chamberlac, war zu Stabrdeck; das der zweiten Division, unter Dallemagne, zu Eckeren; das der dritten Division, unter Despeaux, zu Antwerpen; das der vierten Division, unter Chambonnier, zu Coloo; das der fünften (Kavallerie) Division, unter Klein, zu Antwerpen. -- Nachmals ward das Heer, welches den Namen NordArmee erhielt, in zwei Theile getheilt, über welche Pontecorvo zwar den OberBefehl behielt, doch das Korps zur rechten unter seine unmittelbaren Befehle nahm, während das zur linken vom Marschall Moncey (Herzog von Conegliano) kommandirt wurde. Als PonteCorvo abging, erhielt Istrien das OberKommando.

Die französischen AmtsBerichte im Moniteur gestehen inzwischen selbst ein: "es hätte an Zeit gefehlt, die großen Verfügungen zur Sicherstellung der Flotte zu beendigen, und ein Mißgeschick hätte dem Feinde augenblickliche Vortheile verschaffen können, wenn er gleich, am 19 August, angegriffen, und alle seine Mittel mit der nöthigen Kühnheit und Klugheit (wie Admiral Strachan wollte) angewendet hätte." Diese günstige Augenblicke versäumte Chatham, entweder aus Unentschlossenheit, oder weil er sich durch die erhaltene Instruktion zu sehr gebunden glaubte.

Die Insel Beveland und das Fort Batz, welches die Mündung des Kanals von Bergen op Zoom und die ganze Schelde beherscht, wurden, am 1 September, geräumt, 150 Segel waren schon, am 29 August, nach Vliessingen zurückgekehrt, und man fürchtete Angriffe auf anderen Punkten der Küste, die jedoch nicht erfolgten.

Das Fort Batz besetzte, am 4 September, der kühne Befehlshaber der Flotille, Kapitän Robin, da er keinen Widerstand fand, und nach wenigen Tagen waren alle seeländischen Inseln, mit Ausnahme von Walchern, wieder in Besitz der Holländer; [[Carel Hendrik Verhuell|Marschall Verhuel] hatte nämlich mit seiner Flotille den Uebergang von einer Insel zur andern gedeckt. -- Also beschränkte sich Chatham, wie ihm befohlen, allein auf Behauptung der Insel Walchern. Aber nicht sowohl der Feind von Außen, dessen Macht zwar immer mehr anwuchs, und der täglich mit furchtbaren Angriffen drohte, die er doch immer verschob, als vielmehr der Feind von Innen, das ungesunde Klima der morastigen Insel, und die dadurch ungeheuer anwachsende Zahl von Kranken und Dienstunfähigen, drohte, bei fortdaurender Behauptung der Insel, die ganze dort befindliche englische Macht aufzureiben.

Ein kaiserliche Dekret, vom 5 September, gab der so schnell zusammen gezogenen Armee, über welche jetzt Istrien den OberBefehl führte, eine solche Organisation, daß sie eben so gut zum Angrif als zur Vertheidigung, wo es Noth that, gebraucht und schnell in Bewegung gesetzt werden konnte. Der rechte Flügel bestand aus holländischen Truppen, unter des Marschall Dumonceau Kommando. Das Centrum, unter General Reille, ward aus zwei Divisionen gebildet. Der linke Flügel, unter dem Senateur Rampon, bestand gleichfalls aus 2 Divisionen. Die Reuterei aus 3 Regimentern Gensd'armes, 1 Husaren, 1 Chasseur und 2 DragonerRegimentern bestehend, befehligte General Klein.

Die französischen Truppen machten, im Anfange des Decembers, würklich Anstalten, Walchern und Vliessingen den Engländern mit Gewalt zu entreißen. Schon waren Flöße zum Transport erbauet, und am Sloe, der Walchern von SüdBeveland trennt, Batterien errichtet, welche die englischen Fahrzeuge kanonirten. Istrien nahm seine Hauptquartier zu Goe. -- Da säumten die Engländer nicht länger, ihren längst vorbereiteten ZerstörungsPlan auszuführen. ObristLieutenant Pilkington, Kommandant der englischen Ingeuienrs, meldete, den 7 December, dem Kommandanten von Vliessingen, GeneralLieutenant Dou, daß alle Minen fertig wären.

Vliessingen zerstört. Die Engländer verlassen Walchern.

10 Decbr.

Am 9 December ward also die ganze Armee eingeschift. Die Minen sprangen am 10, das Bassin, das Arsenal, die Vestungswerke an der Seeseite, waren in wenigen Stunden vernichtet, und die Stadt brannte an mehreren Ecken. Die französischen Batterien von Woolversdyke störten zwar der Engländer Abzug, doch vermogten die den englischen Schiffen keinen bedeutenden Schaden zuzufügen.

Die französischen Truppen rückten am folgenden Tage nach Vliessingen, welches sie in Schutt und Trümmern fanden. Den Engländern wurden in allen Journalen, wegen ihrer unmenschlichen Mordbrennerei, Flüche und Verwünschungen nachgeschickt. -- Wohl war noch die Frage: ob Vliessingens Zerstörung der ungeheuren Kosten und des höchst schmerzlichen MenschenVerlustes werth gewesen, die England dieser Expedition zum Opfer gebracht hatte? Nach der authentischen Liste des GeneralAdjudantenAmts wurden nämlich zur Expedition nach der Schelde eingeschift: 1738 Offiziers und 37,181 Gemeine. Davon waren getödtet im Dienst: 47 Offiziers und 2100 Gemeine; gestorben an Krankheiten: 20 Offiziers und 1854 Gemeine; desertirt 84 Mann; entlassen 25 Mann. --Nach England zurückgekehrt waren: 1771 Offiziers und 33,373 Gemeine; davon krank, 1179 Offiziers und 11,289 Gemeine. Der beste Alliirte der Franzosen blieb also Walcherns ungesundes Klima, doch hatte auch die kaufmännische Spekulation der Britten ihres Zwecks nicht ganz verfehlt. Denn auf Walchern wurden ungeheure Vorräthe von englischen Waaren angehäuft, und der Schleichhandel mit Holland ward thätiger, als er seit langer Zeit gewesen.

War es mit Absicht des englischen Kabinets, durch die Expedition nach der Schelde Englands Alliirten in Deutschland Luft zu machen, oder Napoleon zu zwingen, einen Theil seines Heers von der Donau abzuziehen, und zur Deckung der eignen vaterländischen Grenzen zurückgehen zu lassen; so betrog die MinisterialPolitik sich gänzlich! Den eisenvesten Willen des großen Feldherrn vermogten dergleichen Demonstrationen nicht zu brechen; vielmehr zeigte sich seine Energie um so stärker, je kräftigern Widerstand sie auf mehreren Seiten zu bekämpfen hatte. Nicht ein Regiment ward von der großen Armee, zum Schutze Flanderns, detaschirt. Die Einwohner der GrenzDepartements sollten sich selbst schützen, und Napoleon wußte wohl, daß dabei der alte tiefe Nationalhaß gegen die Engländer kräftig zu Hülfe kommen werde. So geschah es auch würklich; die Nationalgarde der nordöstlichen Departements wurde mit unbeschreiblicher Schnelligkeit organisirt und zu einer aktiven Armee umgebildet, die nach jedem bedrohten Punkte hineilen und die Feinde von den Grenzen des heimischen Bodens abtreiben konnte.


Der englisch-französische Feldzug von Walcheren und Antwerpen im Jahre 1809.

Aus dem Französischen des Hrn. v. Rocca, Verfassers der Denkwürdigkeiten aus dem Kriege der Franzosen in Spanien.

Durch den Besitz von Belgien und Antwerpen befand sich Frankreich in der Mitte der drey großen europäischen Meere, und diese Lage versprach ihm eines Tages über die andern Seemächte ein Übergewicht, welches dem wenigstens nicht nachstand, daß er im Mittelpunct des Continents über seine Nachbarstaaten auszuüben gewiß seyn konnte. Antwerpen both in der Nordsee, für Seefahrt und Handel, dieselben Vortheile dar, welche Frankreich schon rücksichtlich des Oceans und des mittelländischen Meeres besaß.

Napoleon fühlte die ganze Wichtigkeit von Antwerpen für die Ausführung seines Plans, England eines Tages zu Grunde zu richten und zu stürzen; er errichtete dort das stärkste seiner See-Arsenale, mehrere hundert Häuser an den Ufern der Schelde ließ er schleifen, und den Raum, den sie einnahmen, in eine Werft verwandeln, wo eine Menge geschickter Arbeiter unausgesetzt mit der Erbauung von Kriegsschiffen beschäftigt waren. Aus den nördlichen französischen Departements, und selbst aus dem alten hercynischen Walde wurde, mittelst der Kanäle zwischen der Schelde und dem Rhein, und der in letztern fallenden großen Flüsse, das Bauholz dem Hafen von Antwerpen in Menge zugeflößt. Da Napoleon indeß den Hafen von Antwerpen noch nicht für tief genug hielt, um ganz große Schiffe darin auszurüsten, so nöthigte er 1807 durch einen Traktat seinen Bruder Ludwig, den König von Holland, Vliessingen an Frankreich abzutreten. Dieser feste Platz, der wichtigste von Seeland, liegt auf der Insel Walcheren, dreyzehn Lieues über Antwerpen, da wo der westliche Arm der Schelde in die Nordsee ausströmt. Vliessingen wurde ein Ergänzungs-Arsenal von Antwerpen, indem die in letzterem Hafen erbauten Schiffe daselbst ausgerüstet wurden. Im Jahre 1809 wurden zwanzig große Kriegsschiffe auf den Werften von Antwerpen fertig, während zehn französische Linienschiffe vor Vliessingen lagen; diese Flotte konnte sich in jedem Augenblick in den Hafen und unter die Kanonen der Festung zurückziehen, und sich auf diese Weise gegen Stürme und feindliche Angriffe sicher stellen.

Trotz ihrer unermeßlichen Übermacht zur See, sahen die Engländer nicht ohne lebhafte Unruhe die Acquisition, welche Frankreich neuerdings gemacht hatte, und die frische Thätigkeit, welche in den Häfen der Schelde herrschte. Sie zogen in den Monathen März bis July eine starke Land- und Seemacht zusammen, um sich Vliessingens zu bemächtigen, die Werften von Antwerpen zu zerstören, und ein für allemahl die Schifffahrt der Schelde für Kriegsschiffe zu Grunde zu richten. Zu gleicher Zeit wollte das englische Ministerium, durch einen Einfall in die Niederlande, eine künftige Diversion zu Gunsten Österreichs machen, das damahls allein in Deutschland der ungeheuern Macht Napoleons und des ganzen Rheinbundes Widerstand zu leisten hatte. Die ruhmwürdige Insurrection des berüchtigten Partheygängers Schill, welche eben in Preußen ausgebrochen war; des Generals Darnbergs Verschwörung in Cassel; der edle Versuch des Herzogs von Braunschweig, thaten die öffentliche Stimmung kund, und ließen ahnden, daß der Norden Deutschlands zu Gunsten Englands zu den Waffen greifen wurde, wenn es letzterem gelänge, eine großen Schlag zu machen. Preußens Heere, obgleich in der Zahl vermindert, waren dennoch nicht aufgelöst, und konnten sich schleunig wieder rekrutiren. Hannover bewährte stets das Andenken seiner vormahligen Herrscher, und sah der Ankunft der Engländer mit heißem Verlangen entgegen; die Holländer schmerzte der Verlust ihres Handels, und ob sich schon ihren neuen König zu lieben schienen, so würden sie sich doch, aus Berechnung sowohl als aus Patriotismus, zu einer Partie geschlagen haben, die ihnen die Aussicht eröffnet hätte, ihre vormahlige Verfassung wieder zu erlangen.

Die Inseln von Seeland und ein großer Theil der Provinz Holland sind durch den Fleiß der Menschenhände den Meeren abgerungen; die Küsten sind durchaus ohne Felsen, und aus dem Grunde des Meeres haben die, während der Stürme gegen diese Küsten und gegen die Strömungen der Flüsse ankämpfenden Wellen, das Gestade mit Sandhügeln übersäet, die nach und nach fest geworden sind, und den Nahmen Dünen führen; so haben sich mehrere Reihen dieser Dünen in einer gewissen Entfernung von dem anfänglichen festen lande nach und nach erhoben, sie stellen noch dieselben regelmäßigen, wellenförmigen, durch schmale Vertiefungen durchschnittenen Flächen dar, von denen bey Stürmen die Wogen des Ozeans ein Bild geben. Hinter diesen natürlichen Wellen hat man Dämme aufgeworfen, welche dem Ackerbau das ganze Moor-Land sichern, das vormahls nur täglich einige Stunden, während der Ebbe, trocken stand.

Die Dämme von Seeland bilden gegen die Meerseite eine Art von Böschung oder sanften Abhang, um durch einen stufenweisen Widerstand die Gewalt der Wogen zu brechen; eng übereinander eingeschlagene Pfähle, zwischen denen Baumzweige und bisweilen Strohseile sorgfältig durchgezogen sind, dienen zur Befestigung der Erdreichs, und halten den Schlamm zurück, welchen die Fluth bey ihrem Rücktritt hinterläßt. Mittels Schleußen, welche die Gewässer der steigenden Fluth eindringen lassen, und dann dieselben bey anfangender Ebbe hinter den Dämmen gefangen halten, kann das Land nach Willkühr unter Wasser gesetzt werden; diese Überschwemmungen waren es, mit deren Hülfe die Holländer ihre Unabhängigkeit erkämpften, und die ehemahls den Einfällen der Franzosen Widerstand leisteten.

Ist das Land unter Wasser gesetzt, so werden die Dämme die einzigen brauchbaren Straßen, und werden nach der Überschwemmung in einem flachen Lande, das Anfangs jedem Angriff offen schien, wenigstens nicht minder schwierige Stellungen und Zugänge, als die Engpässe zwischen den höchsten Gebirgen die Vertheidigung der befestigten Städte Seelands und Hollands war größtentheils auf die Wichtigkeit dieser Überschwemmungen berechnet, welche sie zu Lande unzugänglich machen sollten; auch waren die Festungswerke von Antwerpen und Vliessingen nur von der Seite der Schelde und des Meeres gut bedacht.

Die Inseln von Seeland sind sehr ungesund; die Luft ist dort dick und nebeligt; das einzige trinkbare Regenwasser erhält und behält einen scharfen, salzigen Geschmack; der Boden, obschon sehr fruchtbar, sehr gut angebaut, und selbst hie und da dem Anschein nach trocken, hat dennoch alle Unbequemlichkeiten einer Meergegend. Bey der geringsten Vertiefung, welche man in die Erde gräbt, zeigt sich Wasser; die tiefen Stellen und Gräben, welche die Wiesen trennen, stehen immer davon voll. Dieses stehende Wasser, das keinen Abfluß hat, wie die Flüsse des festen Landes, und sich auch nicht durch Ungewitter und Ebbe und Fluth, wie die Meeresgewässer, erneuern kann, erzeugt sumpfige, salzige Dünste, von denen die Einwohner ein Fieber bekommen, das sie das Fieber von Poldre (la fièbre des Poldres) nennen. Sie behalten es größtentheils Zeit ihres Lebens über; es kommt periodenweise jedes Jahr wieder, ist für die an das Clima gewöhnten Menschen selten tödtlich, richtet aber unter Fremden große Verheerungen an. Die Franzosen schickten so wenig als möglich Nationaltruppen auf die Insel Walcheren; die stehende Besatzung von Vliessingen bestand großen Theils aus preußischen, spanischen und inländischen Kriegsgefangenen.

Die große Expedition der Engländer gegen Antwerpen erschien an den seeländischen Küsten den 29. July 1809, und stand unter dem Oberbefehl des Grafen Chatham, älteren Bruder des Ministers Pitt. Vierzig Linienschiffe, achtzehn Fregatten, eine große Zahl kleiner Fahrzeugen hatten 39,000 Mann Landtruppen an Bord; man zählte sechshundert Segel in der Flotte, und die Gesammtzahl der Matrosen und Soldaten stieg auf 70000 Mann. Seit langer Zeit hatte England aus seinen Häfen keine so ungeheuere Kriegsrüstung auslaufen sehen.

Den 30. July lief die englische Expedition in die östliche Schelde ein, und begann an der nördlichen Küste der Insel Walcheren auszuschiffen: Gaek leistete keinen Widerstand, und die Stadt Veer war nach einem vierzehnstündigen Bombardement von der feindlichen Flotte aus, den andern Tag in seinen Schutthaufen verwandelt. Middelburg, die Hauptstadt der Provinz, ergab sich den Engländern freywillig, und den 1. August besaßen die Franzosen auf der Insel Walcheren nichts als sie Schanze von Rammekens, die sich nur noch zwey Tage hielt, und die Stadt Vliessingen, unter deren Mauern sie gezwungen, waren, sich zu verschanzen. Die französischen und holländischen Flotten, welche in den beyden Mündungen der Schelde stationirten, zeigten bey ihrem Rückzuge den Engländern die gefahrvollen Stellen eines Flusses, der seines Treibsandes wegen sehr unsicher zu befahren ist.

Die Engländer bemächtigten sich, den 2. Aug. ohne Schwertschlag, der Insel Süd-Beveland, südlich von Walcheren, und das Fort Batz, welches die holländischen Truppen, ohne einen Schuß zu thun verlassen hatten, ward sogleich durch eine verlorne Patrouille von 30 Mann, welche der General Hope zur Rekognoscirung ausgesandt hatte, besetzt. Die Einnahme dieses Forts war für die Engländer von der größten Wichtigkeit: es sicherte ihnen den Besitz der Bay von Säftingen zu, den einzigen Landungsplatze ober Antwerpen in die Schelde, die dort breit genug ist, daß sich eine beträchtliche Seemacht sammeln läßt, ohne von der Batterie erreicht zu werden. Unter dem Schutze des Forts Batz konnten die Engländer mit leichter Mühe den Kanal zwischen Südbeveland und dem festen Lande übersetzen, und in wenigen Stunden zu Lande unter den Mauern von Antwerpen erscheinen.

Der König von Holland erhielt den 1. August zu Aachen die Nachricht von der Landung der Engländer; er eilte sogleich nach Amsterdam, und hinterließ den verschiedenen Militair-Divisionen von Flandern den Befehl, die Conscribirten aus ihren Depots schleunigst an die Küsten zu schicken; und denselben Tag setzten sich alle disponibeln Truppen der Städte Lüttich und Mastricht, zu denen wir gehörten, nach Antwerpen in Marsch. Wir bildeten eine Colonne von 800 bis 900 Mann, zusammengesetzt aus den Depots von 26 verschiedenen Regimentern: Dragoner, Chasseur, Hussaren, Infanterie, alle, selbst die unberittenen, mußten aufbrechen. Die ersten zwey Marschtage hatten wir keinen Oberbefehlshaber; jedes Detaschement marschirte für sich. Hier führte ein Sergeant ein hundert faule, undisciplinirte Conscribirte, auf einer andern Seite stritten sich zwey oder drei Officiere um das Commando von zwanzig Köpfen, und unser Marsch gegen die Gränze hatte beynahe das Ansehen einer Flucht in größter Unordnung.

Je näher wir Antwerpen kamen, je trauriger wurden die Nachrichten, welche wir erhielten; nach dem Schrecken zu urtheilen, der auf den Gesichtern einiger Einwohner zu lesen war, und den Gerüchten nach, welche andere sich gefallen ließen, auszustreuen, hätte man glauben sollen, daß ganz Flandern in Kurzem in den Händen der Engländer seyn müsse. Die Straße von Mecheln war mit Soldaten bedeckt, welche man schleunigst auf Bauernwagen herbeyführte; gleichfalls begegnete man furchtsamen Bürgern, die sich von Antwerpen geflüchtet hatten, aus Angst vor einem Bombardement, das man als unvermeidlich ansah. Bey unserer Ankunft in dieser Stadt konnten wir mit genauer Noth von dem Platz-Commando Quartier erhalten; alles war in Verwirrung; man hatte sich auf nichts vorgesehen.

Die Franzosen waren damahls weit entfern einen feindlichen Einfall in ihr eigenes Land zu erwarten. Ihre besten Truppen wurden an den Ufern der Donau und des Tago fest gehalten, um entfernte Eroberungen zu behaupten oder auszudehnen. Der erschöpfende Aufwand, welchen die fortwährenden Kriege verursachten, verschlang mit jedem Tage die Fonds, welche zur Ausbesserung der Gränzfestungen Frankreichs bestimmt waren; die Entblößung dieser Festungen ging aufs Äußerste, und oft befanden sie sich selbst ohne alle Vertheidigung. Man sah darin keine andere Truppen als Recruten, die sich vor ihrem Marsche zur Armee equipiren ließen, und die Commandanten dieser Plätze waren größtentheils Invaliden, vergessen oder in Ungnade gefallene Generäle. Die ganze Artillerie, welche auf den Wällen von Antwerpen stand, waren einige wenig Kanonen auf alten Lavetten von der Marine.

Ein Haufen Matrosen und Einwohner hatten sich in der Bestürzung auf den Quais der Schelde versammelt; ihre Blicke hefteten sie gegen Norden, als wenn sich irgend ein schreckbares Phänomen eben an dem Horizonte gezeigt hätte. Man wies uns in einer großen Entfernung mehrere weiße Segel, die in der Mitte der Wiesen langsam daher zu fahren schienen. Die verschiedenen Krümmungen, welche die Schelde in ihrem Laufe unterhalb Antwerpen beschreibt, verbargen zum Theil die Fahrzeuge, denen diese Segel angehörten. es war die französische Flotte, welche den Fluß aufwärts fuhr, um oberhalb der Stadt anzulegen. In der Nothwendigkeit sich zurückzuziehen, kam bey dieser Gelegenheit unsere Marine auf einen Versuch, den man bisher für unmöglich gehalten hatte.

Zu Lillo, einem Fort zwey Stunden von Antwerpen, lief ein alter Invalide, eine Art von Thorschreiber, der Commandant dieses Platzes war, voller Verzweiflung auf dem Glacis herum, und rief alle Vorübergehenden um Nachrichten von dem Feinde an. "Die Engländer kommen heran, schrie er, was thun? was werden? gebt mir Befehle, Kanonen, Munition, Soldaten!" Das Fort Lillo war von allen möglichen Erfordernissen zur Vertheidigung eines bedrohten Platzes entblößt. Es gab auf den Ufern der Schelde keinen Widerstandspunct als eine Batterie und das Fort Breskens.

Von den Truppen, welche nach Antwerpen gekommen waren, wurde der größte Theil auf die Insel Cadsand geschickt die man von einem baldigen Angriff bedroht glaubte. Es war gelungen, in der Nacht vom 4. zum 5ten, dreytausend Mann von dieser Insel nach Walcheren zu bringen, um die Besatzung von Vliessingen zu verstärken. Unser Detaschement erhielt von dem General Rampon den Befehl, nach Putte, auf der holländischen Gränze zu gehen, und dort die Armee des rechten Schelde-Ufers zu bilden; der General Valletand sammelte auf diesem Puncte, den 6. August, ungefähr 1500 Mann aus verschiedenen Corps.

Hätten die Engländer damahls einen Theil ihrer Armee, von Südbeveland aus, aufs feste Land gesetzt, sie hätten sich Antwerpens bemächtigen können; es war diese Stadt nicht einmahl gegen eine Überrumpelung geschützt. Auf die Nachricht von einem solchen Erfolg wäre vielleicht Holland und das nördliche Deutschland in Aufstand gerathen; doch der Augenblick war noch nicht gekommen, wo Europa aus seinem Todesschlafe erwachen sollte; das Schicksal wollte noch einmahl bey dieser Gelegenheit die menschlichen Berechnungen zu Schanden machen, und die Franzosen in einem Momente begünstigen, wo Alles, was sich voraussehen ließ, ihnen entgegen schien. Die zahlreichen Truppen, die uns hätten aufreiben sollen, wurden mit einem Mahle gelähmt, ohne daß wir damahls die Ursachen davon erkennen konnten.

Wir glaubten indeß jeden Augenblick, den Feind ankommen zu sehen; wir beobachteten sorgfältig den Wind und die Fluth: so bald die Ebbe oder ein, die Fahrt stromaufwärts begünstigender Wind eintrat, eilten wir nach dem Ufer. Auf einer großen Heide, unweit der Dämme, brachten wir den größten Theil der Nächte unter Waffen zu. Hier erwarteten wir voll Besorgniß jede Stunde, den Feind ausschiffen zu sehen. So verflossen mehrere Tage, wo unsere Lage immer dieselbe blieb.

Die englischen Patrouillen begnügten sich, auf dem jenseitigen Damme der Insel Süd-Beveland hin und wieder zu ziehen, ohne im geringsten die unsrigen zu beunruhigen. Beym Aufgang der Sonne wurde man auf dem Meere, so weit das Auge trug, einige schwarze Puncte und eine Art Linie ansichtig, die wir für die feindliche Flotte hielten.

Am 11. August segelten zehn englische Fregatten und hundert und fünfzig kleinere Fahrzeuge die westliche Schelde aufwärts, und legten vor dem Fort Batz vor Anker; das Feuer der Batterien von Cadsand hatte ihnen die Passage des Flusses nicht verwehren können. Es war sehr regnerische und zum Ausschiffen äußerst günstige Witterung; wir hielten uns auf unserer Huth; denn wir zweifelten dießmahl keinen Augenblick, daß wir von dem Feinde sollten angegriffen werden. Allein die Nacht ging vorüber, wie die vorhergehenden. Die Engländer begnügten sich, bey Batz viel schweres Geschütz ans Land zu setzen.

Der König von Holland kam den 12. bey Antwerpen mit einem Corps von 6000 Mann an, zum Theil seine Garde. Da die holländischen Truppen eine Reservecorps bildeten, verließen wir Putte, um Sandt-Vlint und Berandrecht zu besetzen. Vor diesen zwey Dörfern stellten wir unsere ganze Infanterie auf, und von Entfernung zu Entfernung einige Piquets Hussaren, um von jeder Bewegung des Feindes schnell unterrichtet zu werden. Der König von Holland traf schnell verschiedene Vertheidigungsanstalten; unter andern befahl er, Lillo gegenüber, ein großes Schiff mit Ballast zu versenken, um die Schelde zu sperren, was den Hafen von Antwerpen auf mehrere Jahre selbst für Kauffarteyschiffe unzugänglich gemacht haben würde; dieser Befehl wurde nicht vollzogen.

In dem Zustande von gänzlicher Hülflosigkeit, in dem man sich befand, ließ man sogar die Invaliden von Löwen nach Antwerpen kommen, sie wurden zur Bedienung der Festungsartillerie bestimmt. Die grauen Krieger und eurch zahllose Wunden vor dem Alter ergrauten jungen Männer eilten mit Freude herbey zu neuen Diensten; statt des gewohnten Geklirres der Waffen, deren Gewicht sie nicht mehr ertragen konnten, ließen sie, ihrem Stolze zum Ersatz, die hölzernen Beine und Krücken auf dem Pflaster der Straßen klappern. In wenigen Tagen schickte man sie in ihre Heimath zurück; ihr Anblick erweckte nur Niedergeschlagenheit unter den Nationalgarden, die schon durch die falschen Gerüchte, welche im Innern Frankreichs im Umlaufe waren, muthlos gemacht, ankamen. Wenn sie die verstümmelten Glieder dieser ehrwürdigen Veteranen ansichtig wurden, sagten sie unter sich: "Wenn dieß das Loos ist, welches uns erwartet, so laufen wir wohl Gefahr, nicht mehr zu unsern Ärnten zurückzukehren."

So ist der Charakter von Menschen, welche noch nicht den Feind gesehen haben, mit dem sie sich messen sollen; sie glauben, daß jeder Flintenschuß sie treffen müsse; haben sie aber nur ein einziges Mahl unverletzt die Kugeln pfeifen gehört, so sehen sie das glückliche Ungefähr, das sse begünstigt hat, als einen Freybrief an, auf dem sie immer rechnen können; der Anblick der Gefahr, deren bloßer Gedanke sie vorher entmuthete, feuert dann nur um so mehr ihren Eifer an.

Die Generale Chamberlac und Dellemagne theilten hierauf das Commando des rechten Flügels unserer Armee. Ihre Ankunft verdoppelte die Verwirrung, da jeder wenigstens eine vollständige Division unter seinen Befehlen haben wollte, was unmöglich war, da alle unsere in ein Corps vereinigten Detaschements kaum eine Brigade ausmachten. Unsere Generale waren von gleichem Grade, keiner von beyden wollte dem andern nachstehen, und die Theilung der Truppen unterlag großen Schwierigkeiten. Da sie die Vorsicht vernachlässigt hatten, Chefs vom Generalstabe mit sich zu bringen, so waren sie anfangs genöthigt, ihre vielfältigen und sich beynahe immer widersprechenden Befehle durch Ordonnanzen mündlich weiter zu befördern, was zahllose Mißverständnisse veranlaßte.

In den ersten zwey Tagen, wo diese beyden Generale in Berendrecht angekommen waren, stieß man auf den Straßen, in der Nähe der Polders, jeden Augenblick auf Detaschements, die hin- und herzogen, sich in allen Richtungen durchkreuzten, Gegenbefehle über Gegenbefehle erhielten, und oft denselben Tag Quartierbillets in mehreren verschiedenen Cantonnements nahmen. Die Spione des Feindes, da sie die Straßen mit Truppen bedeckt sahen, glaubten, wir hätten Verstärkungen erhalten, und statteten den Engländer übertriebene Berichte ab, welche ihnen unsere äußerst verzweifelte Lage verbergen half.

Unsere ganze Feldartillerie bestand aus zwey Vierpfündern, die nicht einmahl bespannt waren. Man stellte sie sichtbar auf dem Damme aus, mehr als eine Theaterdekoration, denn als ein wirkliches Vertheidigungsmittel. Bey der geringsten Bewegung, welche die feindliche Flotte in der Gegend von Batz machte, ließ der General Chamberlac eiligst dem General Dallemagne sagen, daß wir angegriffen werden würden, und er ihm zu Hülfe kommen solle. Der General Dallamagne sandte ihn jederzeit die lakonische Antwort zurück: "Halten Sie sich, und rechnen Sie nicht auf mich, ich bin nicht stark genug, um Sie zu unterstützen."

Den 15ten um 3 Uhr Morgens hörten wir auf einmahl, daß die fürchterliche Kanonade von der Insel Walcheren aufhörte. Die Stadt Vliessingen gab keine telegraphischen Zeichen mehr, welche bisher ihre äußerst bedrängte Lage dem jenseitigen linken Ufer der Schelde verkündet hatten. Man sah hierauf die englische Flagge auf einem der höchsten Stadtthürme wehen. Vliessingen hatte capitulirt; es hätte sich noch länger halten können, wenn der darinnen commandirende General Monet nicht verabsäumt gehabt hätte, bey der ersten Annäherung des Feindes die Umgebungen der Stadt unter Wasser zu setzen, wie seine Instruktionen lauteten. Sobald als Vliessingen in der Gewalt der Engländer war, mußten wir erwarten, sie erster Tage mit ihrer ganzen Land- und Seemacht auf Antwerpen losbrechen zu sehen. Dieß war die Lage, in der sich die Franzosen an der Schelde befanden, als Marschall Bernadotte, Prinz von Ponte-Corvo, den 14. August, kam, das Commando der vor Antwerpen vereinigten Truppen zu übernehmen.

Es bedurfte nicht weniger als die Thätigkeit eines der vorzüglichsten Feldherren Frankreichs, um unsere Armee, oder vielmehr unsere bewaffnete ordnungslose Schaar zu organisiren und unter so verzweifelten Umständen das labyrinthische Chaos, in dem wir uns befanden, zu entwickeln. Alles mußte neu geschaffen werden; jene seitdem vollendeten Arbeiten waren damahls kaum angefangen. Wir hatten wenig Munition, wenig Artillerie, und es fehlte uns an Kanonieren. Der größte Theil unserer Detaschements war, aus Mangel an Magazinen, genöthigt, von Requisitionen, wie in Feindes Land, zu leben: was die Einwohner gegen uns aufbrachte.

Den 15. August Morgens zogen wir eine große Ebene, rechts vom Dorfe Sandt-Vliet, um daselbst von dem König von Holland und dem Marschall Bernadotte gemustert zu werden. Die holländische Garde zeichnete sich durch ihre glänzende Haltung aus. Die französischen Truppen bothen dagegen den Anblick einer schwachen, unzusammenhängenden und schlecht disciplinirten Masse dar. Man sah Matrosen, Dragoner, Lanciers, Chasseurs, Hussaren, und selbst Cuirassiere, mit vollkommener Reiterrüstung, traurig zu Fuß hinter dem Infanterietambour marschiren. In dieser verworrenen und bizarren Mischung von Soldaten aller Waffengattungen, gab es Detaschements von Pohlen, Hannoveranern, die man damahls unter dem Nahmen Franzosen begriff. Selbst preußische und spanische Gefangene waren zur Vertheidigung von Vliessingen verwendet worden. Man hatte alle mühe diese, aus so vielen heterogenen Theilen bestehende Armee zur defiliren zu lassen.

Der Marschall Bernadotte durchflog die Reihen und unterrichtete sich aufs Umständlichste von den Bestandtheilen und Bedürfnissen jedes Corps: bisweilen hielt er selbst an der Spitze der Peletons und Schwadronen still, um den jungen Officieren zu zeigen, was sie zu thun hätten. indem er ihnen alle Achtung bezeigte, flößte er ihnen das Vertrauen ein, das ihnen abging. Den ungeschickten Eifer der neuangeworbenen Soldaten wohl unterscheidend von der trägen Sorglosigkeit jener Menschen, die, ohne je den Krieg mitzumachen, sich lange Zeit in den Depots herumgezogen hatten, verwies er diese mit strengem Ernst, und richtete im Gegentheile an die jungen Conscripirten nur Worte der Aufmunterung. -- "Kinder, sagte er, es ist recht, aber es ließe sich besser machen." -- Darauf richtete er einem jungen Conscripirten das Gewehr, und zeigte ihm, wie er sich desselben zu bedienen habe.

Der König von Holland zog vor der Fronte der Armee im Gefolge einer glänzenden Truppe von Hof-Cavaliern und Kammerherren einher, die größtentheils englische Pferde ritten. Da der König für den damahligen Augenblick den Gebrauch eines Armes entbehrte, so stolperte sein Pferd beym Übersetzen eines kleinen Grabens, der so schmal und wenig tief war, daß wir ohne ihn zu bemerken, mehrere Mahle darüber marschirt waren. Wir sahen jetzt vor diesem Graben, als ob er noch so schwere zu übersetzen wäre, alle Kammerherren und Adjutanten anhalten und darauf einen nach dem andern mit absichtlicher Ungeschicklichkeit sein Pferd hinableiten: einige dieser Thiere widersetzten sich dieser neuen Art von höfischer Schmeicheley. Während der ganzen Musterung, wurde aus den zwey Vierpfündern, welche wir auf dem Damme hatten, blind geschossen, um den Napoleonstag zu feyern, und den Engländern glauben zu machen, daß wir Artillerie und Munition in Überfluß hätten. Der König von Holland machte sich noch denselben Abend, mit den Truppen, die er mitgebracht hatte, auf den Weg nach Amsterdam.

Der Marschall Bernadotte verwandte in Begleitung von Ingenieurs, den 16. August zur Besichtigung der Linien und der verschiedenen Plätze, wo noch neue Batterien nothwendig angebracht werden mußten, darauf verbesserte er die Stellung der Armee. Die erste Abtheilung unsers rechten Flügels wurde zu Berendrecht gelassen, sie hielt Sandt-Vliet besetzt und beobachtete die Dämme von der holländischen Gränze bis zum Fort Lillo. Die ganze Cavallerie blieb in der zweyten Linie zu Strebrouk, um im Fall eines Angriffs unsere Vorposten schleunigst unterstützen und ihren etwanigen Rückzug auf Antwerpen decken zu können. Die zweyte Abtheilung ward zwischen Capelle und Antwerpen, in paralelle Richtung mit dem Laufe des Flusses, in Echelons aufgestellt. Die holländischen Bataillons, welche der König unter den Befehlen des Marschalls Dimonirau zurückgelassen hatte, besetzten Wanssendrecht und Ossendrecht, um mit unserm äußersten rechten Flügel in Verbindung zu stehen. Alle Truppen, welche zu Brügges hatten können zusammengezogen werden, wurden nach Oostburg und Yssendick angewiesen. Sie sollten als Reserve für jene dienen, welche unter dem General Rousseau die Insel Cadsand besetzt hielten. Ein zweytes Reservecorps stand zu Hulst. Zu Gent bildet man ein Beobachtungscorps, von dem der Herzog von Conegliano, Marschall Moncey, in Kurzem das Commando übernahm.

Die Ankunft des Marschalls Bernadotte endigte einige Reibungen, die, wegen des Vorrangs im Commando, zwischen den Chefs der verschiedenen Waffengattungen Statt hatten. Die kleinen Rivalitäten der Eigenliebe, welche selbst die Ansicht drohender Gefahr nicht hatte beseitigen können, sah man mit einem Mahle verschwinden. Es wurden aus den ältesten Unterofficieren und Soldaten einstweilige Officiere und Unterofficiere gewählt. Die verschiedenen Detaschements wußten jetzt, welchem Corps sie zugehörten, und jedes Corps kannte jetzt genau, unter wessen Befehlen es unmittelbar stand und welchen Platz es einzunehmen hatte. Die Ingenieure wurden beauftragt, auf alle mögliche Weise den Vertheidigungsstand des Forts Lillo zu beschleunigen, unablässig an der Ausbauung des Forts Friedrich-Heinrich zu arbeiten, zu Yssendick ein neues Fort abzuzeichnen, das in jedem Fall die Verbindung der Insel Cadsand mit dem festen Lande sichern könnte, und verschiedene andere Batterien auf den beyden Ufern des Flusses zu errichten. Der Prinz hintertrieb die Einsenkung eines Ballastschiffes in der Schelde, und Widerruf dieses vorgängig vom König von Holland ertheilten Befehls belebte wieder den niedergeschlagenen Geist der Kaufmannschaft zu Antwerpen.

Man sperrte den Fluß bey Lillo durch ein dreyfache Reihe mit Ketten und Stricken zusammengebundenen Schiffsmaßen. Die Forts Lillo und Liefkenshoek wurden dreyfach verstärkt. Hinter jenen Mastendamm kam unsere Flotille zu stehen, und deren Flanken stützten sich an zwey Linien schwimmender Batterien, die bis unter die Kanonen der beyden Forts reichten. Hinter der Flotille sollten zwey andere Verzäunungen, die eine von Pfählen, die andere von zusammengebundenen Fahrzeugen errichtet werden, und bis diese Arbeiten vollendet seyn würden, ließ man einstweilen eine Fregatte und zwey holländische Corvetten oberhalb dem Fort Lillo, die als vorgeschobene Bastionen dienten. Andere Kriegsschiffe wurden in Echelons hinter der Flotille aufgestellt.

So sehr auch diese Maßregeln verspätet schienen, so ließ doch die Gegenwart eines Chefs, der allen seine unermüdete Thätigkeit mittheilte, an nichts verzweifeln, und man arbeitete nunmehr, Tag und Nacht, an allen angeordneten Vorkehrungen. Die Städte Eclüse, Sas-Ven-Gendt und Antwerpen wurden in Belagerungsstand erklärt. Den Civil-Autoritäten von Antwerpen wurde eingeschärft, Sorge zu tragen, daß sich die Einwohner auf sechs Monathe mit Lebensmitteln versähen. Sie erhielten Befehl alle Feuerspritzen aus den benachbarten Örtern in den Platz zu ziehen, und mit einem Worte nichts zu verabsäumen, was erforderlich ist, wenn eine Stadt einer langen Belagerung und einem Bombardement entgegen sieht.

Es wurde entschieden, aus den wohlhabendsten Einwohnern von Antwerpen eine stehende Nationalgarde von tausend Mann zu bilden, welche die innere Sicherheit der Stadt aufrecht erhalten, und zu ihrer Vertheidigung mitwirken sollte. Diese Truppe konnte von keinem großen Nutzen seyn. Sie bestand anfänglich aus Kaufmannssöhnen, die ohne Uniform und Patrontaschen auf die Wache zogen. Wenn sie auf dem Posten standen, und jemand von ihrer Bekanntschaft bey ihnen vorbeyging, lehnten sie eiligst ihr Gewehr an das Schilderhaus, und grüßten mit dem Hute, um zu zeigen, daß sie so wenig als möglich eigentliche Soldaten wären. Die Art von stillschweigender Widersetzlichkeit, welche sich unter den Kaufleuten kund that, rührte von den zahllosen Hindernissen her, die man ihrem Handel entgegengesetzt hatte.

Die Bewohner der Niederlande sahen im Allgemeinen der Ankunft der Engländer mit Sehnsucht entgegen, um einen Theil der Producte ihres Bodens mit Vortheil gegen Colonialwaaren auszutauschen, die sie sich nur mit Mühe und großen Kosten, mittelst Unterschleif, verschaffen konnten. Eine lange Gewohnheit hatte ihnen der Kaffeh und Thee zum Bedürfniß gemacht, um ihnen die Art von Apathie zuvertreiben, welche eine Folge der schweren Luft ist, die sie bey der immerwährend feuchten und nebelichten Atmosphäre einathmen. Als eines Tags der Marschall Bernadotte unsere Vorposten beritt, und sich bey einer Meyerey von einer alten Frau ein Glas Milch reichen ließ, gab er ihr, nachdem er dasselbe getrunken, ein Goldstück, und bedankte sie freundlichst. Die Alte, von dieser unerwarteten Großmuth überrascht, zweifelte keinen Augenblick, daß dieß nicht ein englischer General wäre, und rief freudigst aus: "endlich sind die Engländer da, sie seyen und willkommen!"

Den 17. beschossen die Engländer die Batterie Terneuse; eine ihrer Bomben sprengte das Pulvermagazin dieser Batterie in die Luft, und wir verloren 100 Mann an Todten und Verwundeten. Den 18. gingen die großen englischen Schiffe, die vor Vliessingen geblieben waren, unter Segel, um sich Antwerpen zu nähern. Diejenigen welche sich schon unterhalb des Forts Batz befanden, bildeten ihre Angriffslinie in weniger Entfernung von unserer Flotille. Sie manöuvrirten einige Augenblicke, darauf gingen sie in ihre erste Stellung wieder zurück. Hierauf glaubten wir zu sehen, daß sie beym Fort Batz Truppen einschifften, was uns überredetet, daß sie den Plan hätten, uns im Kurzen mit ihrer ganzen Macht anzugreifen. In Eile ließen wir die Gräben von Antwerpen und die Umgebungen der Forts Lillo und Liefkenshoek auf den beyden Ufern der Schelde unter Wasser setzen, und die Truppen, welche man neuerdings in Barakenlager auf den beyden Ufern des Flusses vertheilt hatte, hielten sich bereit, überall hinzumarschiren, wo der Feind eine Landung versuchen sollte. Allein es hatte kein Angriff Statt.

Den 20. Morgens sahen wir, von der Höhe der Dämme aus, die großen Kriegsschiffe, welche der Feind vor Vliessingen gelassen hatte, eines nach den andern mit vollen Segeln in die vorliegende Bay einfahren. Sie zogen daher, majestätisch wie die Schwäne, und schnell wie die Falken, die die Wolken spalten; je nachdem sie in die Linie den andern Schiffen vorrückten, senkten sie nach einander ihre Segel und darauf wendeten sie sich; und dann selbst, wenn sie schon lange auf den ihnen angewiesenen Plätzen unbeweglich feststanden, trieben uns die Wogen der Fluth noch den Schaum, der ihre Fahrt geschlagen hatte, entgegen.

Dieser dichte Wald von Masten, diese unermeßliche Vereinigung von schwimmenden Vesten, die sich verwegen auf Kanonenschußweite vor uns hingepflanzt hatten, bothen einen imposanten Anblick. Wenn bey Veränderung der Fluth die Gewässer der Schelde in entgegengesetzter Richtung zurückzuströmen anfingen, sah man auf ein gegebenes Zeichen alle Schiffe sich mit Leichtigkeit wenden, und wie in ihren eigenen Angeln drehen, um der neuen Ströming, welche das Wasser nahm, die entgegengesetzte Seite darzubiethen. Es ging Alles so genau zusammen, es war in allen Bewegungen der Fahrzeuge von verschiedener Größe, welche diese unermeßliche vierfache Linie bildete, eine solche Übereinstimmung, daß man hätte sagen mögen, sie bewegten sich nach dem Takt einer musikalischen Harmonie.

Oft warfen Steuermänner bis unter unsere Batterien ihr Senkbley aus, ohne das unsere Kugeln ihre schwachen Kähne treffen konnten; die Woge, die sie zu Zeiten unsern Blicken entzog dienten ihnen zur Schanze, und in wenigen Augenblicken ward man sie auf dem Gipfel der folgenden Woge wieder ansichtig. Bey der Ebbe sah man bisweilen Matrosen auf dem Ufersande, von welchem das Wasser neuerdings zurückgetreten, hin und wieder gehen, um Muscheln zu suchen: sie forderten unsere Soldaten durch Schmähungen heraus, und sobald man sich richtete, auf sie loszugehen, warfen sie mit Schnelligkeit ihre Kähne wieder ins Wasser, und sprangen hinein.

Ein französischer Officier von der Marine stand auf dem höchsten Thurme der Kathedralkirche von Antwerpen, und beobachtete fortwährend mit dem Fernrohre, was in der Ferne auf der Schelde vorging; er zählte die feindlichen Schiffe und sah sie in der Bay von Sänftingen ein- und auslaufen. Von diesen Officieren erfuhr der Marschall Bernadotte ohne Verzug jede Anstalt und die geringste Bewegung, welche die Engländer machten, und so kam er beynahe immer an der Stelle, die man mit einem Angriffe bedroht glaubte, an, ehe selbst seine Divisionsgenerale die Zeit gehabt hatten, ihm Ordonanzen zu schicken.

Den 18. August hatten wir 12000 streitfähige Truppen; früher hatte man sich, aus Mangel an Officieren vom Generalstab, keine bestimmte Auskunft von der Stärke der Armee verschaffen können; die Nationalgarden, welche man uns aus dem Innern zuschicke, kamen ohne Uniformen, ohne Patrontaschen und größtentheils ohne Waffen an. Wir hatten um diese Zeit nicht mehr als vier Feldstücke, die zu brauchen waren, erst den 22. brachten wir es auf zwanzig, und doch hatten diese Stücke nicht mehr als jedes einen Munitionskasten, und waren bloß mit Bauernpferden bespannt: die Artillerie der Stadt Antwerpen war immer in dem verfallendsten Zustand, es fehlte ihr an Pulver und Ladung.

Wir betrachteten indeß jeden Augenblick als Gewinn, den der Feind verstreichen ließ, ohne seine Plane ins Werk zu setzen, ohne Unterlaß wurde auf dem einen und andern Ufer der Schelde fortgearbeitet, mit jenen verdoppelten Eifer, welche die nahe Hoffnung, eine große Gefahr zu entfernen, einflößt. Der Marschall Bernadotte beritt öfters die Vorposten, um die Arbeiter zu ermuntern, und sich durch seine Gegenwart von der schnellen Vollziehung seiner Befehle in Gewißheit zu setzen. Man begann mitten durch die Dämme Schießscharten zu graben, und Kanonen von der Marine dahinter aufzuführen, die von den Kanonieren der Flotte bedient wurden, und die Forts, welche kaum angefangen waren, gaben schon Feuer, einzig, um den Engländern glauben zu machen, daß sie schon vollendet wären,

Jeden Tag, jede Nacht erhielten wir Verstärkungen, wurde eine Schanze vollendet oder eine neue Batterie in Stand gesetzt; das geschlängelte Flußthal zwischen Antwerpen und Lillo war schon den 24. gegen die Flotte, wenn sie hätte aufwärts fahren wollen, mit achtbaren Vertheidigungsanstalten versehen; die Überschwemmungen wurden vermehrt, um die Forts und Dammbatterien gegen einen Angriff von rückwärts sicher zu stellen, und die Commandanten dieser Forts erhielten Befehl, in Mitte der sie umringenden Gewässer ihr Leben aufzuopfern, wenn es ihnen nicht gelänge, die theilweisen Angriffe, welche der Feind versuchten könnte, abzuschlagen.

Jeden Morgen, noch etwas vor Sonnenaufgang, oder bey der geringsten Bewegung, welche in der Linie der feindlichen Schiffe bemerkt wurde, traten wir unter Waffen. Diese Augenblicke der Erwartung wurden verwendet, uns in Evolutionen zu üben, und die weiter vorgerückten Garden stellten nach jedem falschen Lärm ihre Waffen nicht wieder aus der Hand, ohne mehrere Stunden manövrirt zu haben. Die Saumseligkeit des Feindes gab uns auf diese Weise Zeit und Gelegenheit, unsere Armee in kriegerische Haltung zu setzen, und die Rekruten, welche uns von Tage zu Tage zugeschickt wurden, zu unterrichten. Den 26. hatten wir bey 26,000 Mann unter Waffen, die beynahe so gut wie Linientruppen organisirt und voll Eifer und Streitlust waren. Die Seemannschaft unserer, hinter die neuen Forts zurückgezogenen Flotte, hatte in sich selbst ein solches Zutrauen erworben, daß sie schon davon sprach, bald die offensive wieder zu ergreifen, und die feindliche Flotte in Brand zu stecken.

Den 24. nahmen wir einige Bewegungen unter den Truppen, die bey Batz standen, wahr; wir erfuhren, daß der Oberbefehlshaber der Engländer so eben angekommen, und glaubten, er werde uns nun unverzüglich mit seiner ganzen Macht angreifen. Die Engländer beschossen die Nacht über die Batterien von Altdoeln und Friedrich-Heinrich. Es zeigten sich selbst auf diesen Puncten, in Schaluppen, einige Compagnien Infanterie, die nach einem vergeblichen Versuch, aus Land zu setzen, sich zurückzogen, nachdem sie zu wiederholten Mahlen ein sehr lebhaftes Gewehrfeuer mit unsern Truppen gewechselt hatten. Sie fuhren den ganzen folgenden Tag fort, unsere Batterien zu bombardiren; ihre Bomben vergruben sich aber in die frisch aufgerissene Erde, ohne unsern Arbeiten den geringsten Schaden zu thun.

Abends den 26. stellte der Feind alle seine Transportschiffe, welche Truppen an Bord hatten, in dem Kanal von Bergen-op-Zoom, auf der Höhe von Ossendrecht, auf, der übrige Theil seiner Armee war in Schlachtordnung hinter Batz aufgezogen. Alles schien eine Ausschiffung auf dem rechten Ufer und einen allgemeinen Angriff während der Nacht zu verkündigen. Wir zogen unsere drey Vorpostenschiffe zwischen die Zitadelle und das Bassin von Antwerpen zurück. Nochmahls unternahm der Feind, zu unserm großen Erstaunen, nichts. Von jetzt an sahen wir jeden Tag die Zahl seiner Schiffe merklich sich vermindern. Es schien uns Anfangs, daß sie sich gegen Holland wendeten, um die Städte Willhelmstadt und Helvort-Sluys anzugreifen; hierauf glaubten wir die Insel Cadsand mit einer nahen Landung bedroht, und machten uns bereit, dahin Unterstützung zu senden, weil wir uns nicht überreden konnten, daß die Engländer der ihren Plan, Antwerpen zu bombardiren, so gänzlich aufgegeben haben sollten. Wir glaubten Anfangs diese Demonstrationen auf so entfernte Puncten wären eine Kriegslist, die uns zwingen sollte, unsere Macht zu zerstreuen. Allein den 30. blieben nicht mehr als sechzig Segel vor Batz, und den 4. Sept. war nicht ein einziges Fahrzeug in in der Bay von Sänftingen zu sehen. Die Engländer zogen sich auf Walcheren zurück, befestigten sich daselbst, und schienen diese Insel behaupten zu wollen.

Die Krankheiten, eine Folge des ungesunden Klima's von Seeland, richteten indeß große Verheerungen unter ihrer Armee an; das Fieber von Polders zeigte sich einige Tage nach der Einnahme von Vliessingen; den 22. Aug. hatten die Engländer nicht mehr als fünfzehnhundert vier und sechzig Kranke; den 26. hatten sie dreytausend; den folgenden Tag schon fünfhundert mehr; und den 28. viertausend; den 8. Sept. zählte die englische Armee zehntausend, neunhundert und auch und vierzig Kranke. Vliessingen war bey dem Bombardement durch die Bomben und Brandraketen beynahe ganz zerstört und in einen Aschenhaufen verwandelt worden. Die Engländer waren genöthigt, in dieser Stadt mitten unter Trümmern zu leben, die ihr Werk waren; der Brandgeruch und die Ausdünstungen der mit genauer Noth in den Sand der Wälle eingegrabenen Leichen vermehrten die Bösartigkeit des Fiebers in solchem Grade, daß man gegen Ende des Monats August gezwungen war, die Wachen zweymahl des Tages abzulösen. Die Krankheit griff nach und nach die ganze Mannschaft an, und die stärksten Männer waren diejenigen, die davon am ärgsten mitgenommen wurden. Die Sterblichkeit ward so groß, daß man bald die Leichen nur bey Nacht begrub, eine schreckliche Maßregel, die man nur bey der Pest nimmt, aus Furcht, die Einbildungskraft der Überlebenden zu schrecken, und so das Übel zu verschlimmern.

In Verzweiflung über diese wiederhohlten Verluste, gegen welche der Muth der Mannschaft und die Anstrengungen der Kunst nichts vermochten, zerstörten die Engländer die Festungswerke und den Hafen von Vliessingen, und schifften sich den 21. September wieder ein, weil sie fanden, daß die Vortheile des Besitzes einer der seeländischen Inseln für England, die ansehnlichen Opfer nicht aufwogen, welche gebracht werden mußten, wenn man diesen Besitz behaupten wollte. So endigte sich, beynahe ohne Gefecht, jener Feldzug von Walcheren, wo wenige Menschen durch das Schwert umkamen, die aber nicht mit weniger Verlust für die englische Armee verbunden war, als ob sie Schlachten geliefert und große Niederlagen erfahren hätte.

Da die Engländer sich schon den zweyten Tag nach ihrer Ausschiffung auf Seeland, der Insel Süd-Beveland und des Forts Batz, das ihnen einen Weg auf das feste Land zusicherte, unversehens bemächtigt hatten, so hätten sie, scheint mit, schleunigst mit dem größten Theile ihrer Armee auf Antwerpen] losmarschiren sollen, um die Bestürzung zu benutzen, welche immer ein plötzlicher und unerwarteter Überfall einflößt. Antwerpen war der Hauptzweck des Angriffs der Engländer; es ist der Mittelpunct und der Waffenplatz des Vertheidigungssystems der Schelde, und diese Stadt hätte ein Stützpunct für ihre anderweitigen Operationen werden können. Der Angriff von Vliessingen mußte sie nur als Nebenzweck beschäftigen; sie konnten ein Beobachtungscorps vor dieser Stadt lassen, und dann später wieder, wenn es nöthig war, auf die Belagerung derselben zurückkommen.

Anstatt schleunigst auf Antwerpen zu marschiren, blieb der Oberbefehlshaber der Engländer für seine Person auf der Insel Walcheren um Vliessingen zu belagern, und ließ drey Theile seiner Armee in gänzlicher Unthätigkeit. Er zog bey dieser Gelegenheit, mehr buchstäblich als dem Geiste nach, jene unveränderliche Regel der Taktik zu Rathe, welche verlangt, daß man, in einem regelmäßigen Kriege, nicht vorwärts marschire, so lange man zur Seite und im Rücken noch Truppencorps und feste Plätze hat, welche die Verbindungen abschneiden und einen Rückzug verhindern oder erschweren konnten: dieser Grundsatz der Taktik war keineswegs anwendbar auf die Lage der Engländer in Seeland; sie waren, in jedem Falle, die Herren, durch ihre Flotten, das Meer und die Schelde.

Trotz dem, daß der englische Befehlshaber seinen Angriff aus Frankreich mit der Einnahme von Vliessingen angefangen hatte, blieb ihm noch Hoffnung, durch eine große Thätigkeit die vor dieser Stadt verlorne Zeit wieder zu ersetzen; der Verlust der blutigsten Schlacht wäre für seine Armee weniger unheilbringend gewesen, als die Unthätigkeit: denn während die Macht der Engländer auf der Insel Südbeveland, durch Krankheiten aufgerieben wurde, verstärkte sich die ihrer Gegner mit jedem Tage. Die Franzosen lebten in einem gesünderen Lande, wo sie wenig Kranken hatten, und das große Ereigniß, welches sie bedrohte, erhielt übrigens ihre Truppen in fortwährender und heilsamer Thätigkeit.

Man hat im Allgemeinen dem englischen General zum Vorwurf gemacht, sich nicht zu allererst der Insel Cadsand bemächtigt zu haben, um gleich mit den ersten Tagen seiner ganzen Flotte den Eingang des Flusses zu öffnen; wäre er einmahl Meister der Insel Cadsand gewesen, so konnte er des Erfolgs seiner Unternehmung gewiß seyn; er konnte dann schleunigst mit seiner ganzen Land- und Seemacht auf Antwerpen losbrechen, die Flotte in der Mitte die Schelde aufwärts, die Landtruppen auf beyden Ufern, um sich der Dämme zu bemächtige, und auf solche Weise der Überschwemmungen Herr zu werden, und die Batterien und Forts im Rücken zu nehmen, welche einen Augenblick den Lauf der Schiffe hätten erschweren können.

Der Kaiser Napoleon, der zum zweyten Mahle als Sieger aus Österreich zurückkehrte, wollte die Gränzen Frankreichs bis zum N..edereise vorrücken, um die See-Etablissements von Vliessingen und Antwerpen zu sichern, und schloß im Monath März 1810 mit seinem Bruder Ludwig einen Vertrag, kraft dessen er demselben gestattete, noch über einen Theil seines Königreichs Hollands auf dem rechten Ufer des Wall zu herrschen, mit der Bedingung daß er ihm den Theil abträte, welcher auf dem linken Ufer lag. Nochmahls vereinigte Napoleon durch ein Decret, daß von einer Armee unterstütz wurde, das ganzen Königreich Holland mit Frankreich; die Städte Bremen, Hamburg, Lübeck und die deutschen Nordseeprovinzen hatten dasselbe Schicksal, und so sahen sich die benachbarten Staaten, welche das ehemahlige deutsche Reich bildeten, ebenfalls bedroht, nach und nach dem großen französischen Reiche einverleibt zu werden.

Herr des größten Theils der Küsten Europa's, in Besitz der Häfen des adriatischen mittelländischen Meeres, des Oceans, der Nordsee und bis zum Baltischen Meere, hatte Napoleon, dem Material nach alles, was zum Erschaffen einer großen Marine gehörte; wenn eine mächtige Marine bestehen könnte ohne Matrosen die durch Handel in ferne Gegenden mit der See vertraut geworden sind, und wenn solche Handelsunternehmungen, die ein großes Zusammenwirken individuelle Anstrengungen erfordern, sich anderswo begründen ließen, als in einem Lande, wo gerechte und dauernde Gesetze allen Staatsbürgern unverletzliche Bürgschaft leisten.


Geheime Instructionen des Königs von England an den General-Lieutenant, Grafen von Chatham, bey der Expedition nach der Schelde.

George R.


Instructionen für Unsern Lieben Getreuen Cousin und Rath, John Grafen von Chatham, Ritter des Ordens vom Hosenbande, General-Lieutenant unserer Armeen. Gegeben an Unserm Königl. Hofe zu St. James, den 16ten July 1809, im 49sten Jahre Unserer Regierung.


Da Wir für dienlich erachtet, Ihnen das Commando einer starken Abtheilung Unserer Armee zu übertragen, welche wir zusammen zu ziehen und nach der Schelde zu schicken beordert haben, um die Seemacht und Etablissements anzugreifen und zu zerstören, die von dem Feinde auf jenem Flusse, so wie auf der Insel Walcheren und zu Antwerpen bisher so schnell vermehrt worden: so haben Sie sich nach Empfang gegenwärtiger Instruction mit unsern erwähnten Truppen nach obiger Bestimmung zu verfügen, und dort, in Vereinigung mit dem Befehlshaber unserer Seemacht, der Sie bey dieser Expedition begleiten wird, folgende Ordres auszuführen:

Sie werden bemerken, daß der Zweck dieser vereinten Expedition die Wegnahme oder die Zerstörung der feindlichen Schiffe ist, die sich entweder zu Antwerpen oder Vließingen auf dem Stapel befinden, oder auf der Schelde liegen; ferner die Zerstörung der Arsenäle und Docken zu Antwerpen, Terneuse und Vließingen, die Unterwerfung der Insel Walcheren und, wo möglich, die Schelde für die Zukunft für Kriegsschiffe unfahrbar zu machen.

Wenn alle oberwähnte Zwecke nicht sollten erreicht werden können; weil nämlich der Feind sich in solcher Anzahl sammelte, daß die Sicherheit der Armee nicht erlaubte, sich länger dabey aufzuhalten; so müssen Sie, in Uebereinstimmung mit dem die Seemacht commandirenden Officier, alle Ihre Bemühungen anwenden, so viele von jenem Zwecken auszuführen, als die Umstände erlauben. Und so bald dieser Auftrag oder ein Theil davon wird in Ausführung gebracht seyn, so werden Sie unverzüglich Maaßregeln ergreifen, die Armee wieder einzuschiffen und mit derselben nach England zurück zu kehren, jedoch müssen Sie eine hinlängliche Macht zurücklassen, um die Insel Walcheren so lange zu behaupten, bis wir Unsere fernere Willensmeynung deshalb zu erkennen gegeben haben.

Im Verlauf Ihrer Aufträge haben Sie Uns durch einen Unserer Staats-Secretarien fortwährend Bericht über alle Vorgänge einzusenden oder einsenden zu lassen, und sich nach allen denjenigen Ordres und Anweisungen zu richten, die Wir Ihnen unter Unserm Handzeichen oder durch einen Unserer vornehmsten Staats-Secretarien ertheilen werden.

G. R.


Actenstücke und geheime Correspondenzen in Betreff der Englischen Expedition nach der Schelde.

Depesche von Lord Bathurst. Andere Depeschen aus dem Oesterreichischen.


Wir haben im vorigen Monatsstück die Instructionen mitgetheilt, die der General-Lieutenant, Graf von Chatham bey Uebernahme des Commando's der Expedition nach der Schelde erhielt. Hier folgen nun auch die bisher unbekannt gewesenen vorzüglichsten Correspondenzen, die sich auf diese Expedition beziehen, so wie sie dem Englischen Parlemente vorgelegt worden.


Depesche des Viscount Castlereagh an den Grafen Chatham, vom 21sten August 1809.

Mylord!

Ewr. Herrlichkeit Depesche vom 16ten, durch den Major Bradford überbracht, ist dem Könige sogleich vorgelegt worden. Se. Majestät haben mir den Befehl ertheilt, Ewr. Herrlichkeit Ihre große Zufriedenheit über die Einnahme der Festung Vließingen zu erkennen zu geben, welche zufolge der bey dieser Gelegenheit so ehrenvoll gemachten Anstrengungen, und was Se. Majestät vorzüglich mit Vergnügen bemerkt haben, ohne großen Verlust der Armee und der Marine ist bewerkstelligt worden.

Es ist der Wille Sr. Majestät, daß Ewr. Herrlichkeit dem General-Lieutenant Sir Eyre Coote, den Generalmajors und übrigen Officieren und Truppen, die dabey employirt worden, besonders der Artillerie und dem Genie-Corps Sr. Majestät gnädigsten Beyfall für ihre geleisteten Dienste zu erkennen zu geben, indem Sie auf eine ehrenvolle Weise eine Operation beendigt haben, welche ihnen die Gelegenheit dargeboten, Beweise ihres Muths, ihrer Disciplin und Erfahrenheit im Angesicht des Feindes an den Tag zu legen.

Se. Majestät freuen sich, daß dieses wichtige Hinderniß zur fernen nachdrücklichen Verfolgung anderweitiger Gegenstände der Expedition so glücklich überwunden ist; und Se. Majestät halten sich überzeugt, daß diese wichtigen Gegenstände ohne den geringsten Zeitverlust mit derselben Energie, Ausdauer und Schnelligkeit werden in Ausführung gebracht werden, wodurch sich bisher die Operationen Ewr. Herrlichkeit ausgezeichnet haben. Se. Majestät billigen ganz die der Garnison von Vließingen zugestandenen Bedingungen; und haben mit besonderem Vrrgnügen den Nachdruck und die ausgezeichnete Uebereinstimmung wahrgenommen, womit die Armee und die Marine ihre Anstrengungen bey der gegenwärtigen Gelegenheit vereinigt haben.

Ich bin
Castlereagh.


Depesche des Vicount Castlereagh an den Grafen Chatham, datirt den 2ten Sept. 1809.

Mylord!

Die Depesche Ewr. Herrlichkeit vom 29sten vorigen Monats von Batz habe ich erhalten, und sie dem Könige vorgelegt.

In Rücksicht der Behauptung Ewr. Herrlichkeit, daß die fernern Gegenstande der Expedition, in Beziehung auf die Operationen gegen Antwerpen und die feindliche Flotte nicht ausführbar sind, in welcher Meynung die General-Lieutenants der Armee einmüthig übereinstimmen; habe ich Ewr. Herrlichkeit die Befehle des Königs mitzutheilen, daß, nachdem Sie für die Sicherheit von Walchern die gehörigen Maaßregeln getroffen, mit der übrigen Armee nach England zurückkehren werden.

Jedoch hegen Sr. Majestät das Zutrauen zu Ewr. Herrlichkeit, daß Sie vor Ihrer Rückkehr und zufolge Ihrer erhaltenen Instructionen, mit der Marine bey den von Sir Richard Strachan zu ergreifenden Maaßregeln cooperiren werden, um die Schelde unschifbar zu machen, und daß Ewr. Herrlichkeit mit obgedachtem Officier ebenfalls über die Möglichkeit der Zerstörung solcher Werke, welche der Feind zu Terneuse könnte angelegt haben, conferiren werden, und sollten sie von Bedeutung seyn, die Unternehmung gegen dieselben zu unterstützen.

Ich bin
Castlereagh.


Depesche des Vicount Castlereagh an Sir Eyre Coote, datirt vom 3ten Sept. 1809.

Sir!

Ihr Schreiben nebst Einlage vom 31sten letzten Monats, worin Sie für die Truppen der Insel Walcheren einen vermehrten medicinischen Beystand verlangen, habe ich erhalten. Dem zufolge habe ich dem Commandeur en Chef den Befehl ertheilt, die Medicinal-Behörde zu instuiren, ohne Zeitverlust den erforderlichen Beystand dorthin zu senden, so wie auch eine hinreichende Menge von solchen Medicamenten, welche vorzüglich dazu dienen werden, um der dort herrschenden Krankheit abzuhelfen und entgegenzuwirken. Endlich habe ich dem Commandeur zu berichten aufgetragen, welche weitere Labsale für die Truppen erforderlich seyn könnten.

Ich bin
Castlereagh.


Depesche des Vicount Castlereagh an den commandirenden Officier Sr. Majestät Truppen auf Walchern. Datirt den 6ten Sept. 1809.

Sir!

Da es aller Wahrscheinlichkeit nach nothwendig seyn wird, daß die Truppen auf Walchern von England aus mit Wasser versehen werden, so melde ich Ihnen, daß die nöthige Maaßregeln ergriffen werden, um Ihnen einen möglichst reichlichen Vorrath von diesem Artikel zu sichern.

Da aber eine solche Witterung eintreten könnte, wodurch der regelmäßige Transport dieser Zufuhr verhindert würde, so wird es nothwendig seyn, jeder unnützen Verschwendung des Wassers vorzubeugen- und dahin zu sehen, daß die Tonnen, worin es auf, bewahrt wird, nicht beschädigt oder wol gar von den Truppen ruinirt werden. Ergreifen Sie daher zur Verhinderung dieser Angelegenheit die wirksamsten Maaßregeln, und sorgen Sie dafür, daß ich wöchentlich eine Angabe von dem vorräthigen Wasser erhalte, so wie auch von der Quantität, welche täglich verbraucht wird.

Man glaubt, daß eine wöchentliche Zufuhr von 500 Tonnen Wassers hinreichend seyn werde; doch im erforderlichen Fall wird diese Quantität nach Maaßgabe des Verbrauchs vermehrt werden.

Ich bin
Castlereagh.
Nachschrift. Es wird nothwendig seyn, den Verbrauch des Wassers, welches von England aus abgesendet wird, nach den Vorschriften, welche darüber bey der Marine beobachtet werden, einzurichten; auch wird es unmöglich seyn, und mit einer guten Oeconomie unverträglich, einen solchen Vorrath anzuschaffen, um es zum Waschen oder in der Küche im allgemeinen verbrauchen zu können.


Depesche des Vicount Castlereagh an den Grafen Chatham, datirt den 9ten Sept. 1809.

Mylord!

Die traurigen und in der That erschreckenden Nachrichten, welche wir über das Umsichgreifen der Krankheit unter den Truppen unter Ihrem Commando erhalten, haben in den Gemüthern der Regierungs-Mitglieder Sr. Majestät die größte Besorgniß erweckt. Jede mögliche Fürsorge zur Transportirung der Kranken nach England, oder zur Bequemlichkeit derer, welche dort verbleiben, ist bereits getroffen worden. Dem ungeachtet wünsche ich, daß Ewr. Herrlichkeit in ihrem Berichte über die Insel Walchern solche Nachrichten mittheilen mögen, wodurch Sr. Majestät Diener in Stand gesetzt werden, den allgemeinen Einfluß zu beurtheilen, der aus der natürlichen Beschaffenheit des Clima's für die Truppen, welche zur Vertheidigung dieser Insel erforderlich sind, zu befürchten ist.

Ich bin
Castlereagh.


Depesche des Vicount Castlereagh an Sir Eyre Coote, datirt den 24sten Sept. 1809.

Sir!

Ich habe Ihre Depesche vom 17ten dieses, worin Sie berichten, daß die Krankheiten unter den Truppen unter Ihrem Commando immer mehr Ueberhand nehmen, durch Capitain Worsey erhalten, und sie dem Könige vorgelegt. Die ersten Vorstellungen hierüber veranlaßten das unmittelbare Bestreben, die Leiden der Truppen so viel wie möglich zu erleichtern. Sie werden die Befehle schon erhalten haben, welche in dieser Rücksicht gegeben worden. jetzt lege ich eine Uebersicht derjenigen Maaßregeln bey, welche hier getroffen worden, so wie auch die Abschrift des Schreibens, welches ich gestern an den Commandeur en Chef abgesandt habe, dessen Verfügungen Sie Folge leisten werden; ferner lege ich eine Liste der Transportschiffe bey, welche sich entweder zu Vließingen befinden, oder noch dorthin beordert worden sind.

Wenn Sie die Anzahl des ärztlichen Personals, welche schon nach Walchern gesandt worden, in Anschlag bringen, und ferner bedenken, daß es ebenfalls Pflicht ist, für die Verwundeten in Spanien Sorge zu tragen; so werden Sie einsehen, wie außerordentlich schwierig, wo nicht gar unmöglich es ist, eine mit diesem so schnell um sich greifenden Uebel in Verhältniß stehende hinreichende Anzahl von Aerzten anzuschaffen. Jede zweckmäßige Maaßregel zur Erleichterung der Truppen ist bereits getroffen, und soll noch fernerhin ergriffen werden; so wie ich auch das Zutrauen in Sie setze, daß Sie für die Kranken jeden Beystand, der nur auf der Insel möglich ist, zu Hülfe nehmen werden.

Der Theil Ihrer Depesche, welcher sich auf die Wahrscheinlichkeit eines feindlichen Angriffs auf diese Insel bezieht, wird in Ueberlegung genommen werden.

Ich bin
Castlereagh.


Die erste Beylage bezieht sich auf die in England zur Aufnahme der Kranken gemachten Vorbereitungen. Die 2te worauf hingewiesen wird, ist folgende:


Middelburg, den 11ten Sept. 1809.

Sir!

Die Mittheilung, womit ich vom General-Lieutenant, Grafen Chatham beehrt worden, ist so wichtigen Inhalts, daß ich um die Erlaubniß ersuche, Ewr. Herrlichkeit mit detaillirtern Beobachtungen über die Krankheiten, als es bey einer gewöhnlichen Gelegenheit der Fall seyn würde, beschwerlich zu fallen.

Unabgesehen von der schon bekannten Ungesundheit des Climas von Zeeland, schildert alles um uns herum das Gemälde davon auf die schrecklichste Weise. Der Grund eines jeden Canals, welcher mit der See in Communication steht, ist mit einer starken Lage Schlamm bedeckt, welcher, so bald es Ebbe ist, pestilenzialische Dünste verbreitet; die Oberfläche eines jeden Grabens ist mit Thieren und vegetabilischen Substanzen im Zustande der Fäulniß bedeckt; dazu kömmt noch, daß die Insel niedrig ist, und fast mit der Meeresfläche gleiche Höhe hat, so daß ein großer Theil derselben nicht viel besser als ein Sumpf ist, und daß es kaum einen Ort gibt, wo man sich nur erträgliches Wasser verschaffen könnte. Die Wirkung von allen diesen Krankheitsstoffen wird man aufs auffallendste bey Erblickung der Einwohner selbst gewahr, von denen der größere Theil blaß und unaufgeräumt ist. Kröpfe sind die allgemeine Plage unter ihnen. Die Kinder kränkeln, und viele von den Erwachsenen sind verunstaltet. Die endemischen Krankheiten dieses Landes, remitterende und intermittirende Fieber, nehmen in der Mitte des Monats August ihren Anfang, und herrschen fort bis zur Zeit, wo die kältere Jahrszeit den bösen Ausdünstungen der Erde Einhalt thut, und den geschwächten Körpern wieder Lebenskraft einhaucht, und so die weitern Fortschritte der Calamität hemmt. Man hat berechnet, daß jedesmal in dieser ungesunden Jahrszeit beynahe ein Drittheil der Einwohner vom Fieber heimgesucht werde.

Wenn Individuen, welche seit ihrer Jugend sich hier aufgehalten, welche die höchste Reinlichkeit beobachten, welche in geräumigen Zimmern wohnen, nicht den Wirkungen des Clima's entgehen können; so kann man die natürliche Folgerung ziehen, was noch mehr eine fremde Armee, wenn sie in diesem Clima sich aufhalten muß, im Anfange zu leiden hat, sie, die großen Fatiguen, der rauhen Witterung, ausgesetzt ist, und in Baraquen eingeengt wird.

Die Gesundheit, welche die Truppen während ihrer activen Operationen genossen, ist ein Beweis, daß die Körper- und Geistes-Kräfte, wenn sie in Thätigkeit gesetzt werden, auf eine Zeitlang dem Krankheitsstoff Widerstand leisten.

Das Fieber, welches unglücklicherweise in der Armee so sehr überhand genommen hat, zeigte sich zuerst unter den Bataillons, welche in Südbeveland cantonnirten, nnd fing an, allgemein zu werden, als Vließingen sich Sr. Majestät Waffen ergab.

Die Schnelligkeit, mit welcher diese Krankheit sich während der kurzen Periode verbreitete, hat in der Geschichte militairischer Operationen kein ähnliches Beyspiel. Da in der kurzen Periode von 3 Wochen der Verlust größer ist, als man vernünftiger Weise berechnen konnte, und da kaum der 3te Theil dieser Krankheit erzeugenden Jahrszeit verflossen ist, so läßt sich unmöglich jetzt schon angeben, wie hoch sich noch der Verlust während dieser ganzen Jahrszeit belaufen dürfte. Die Krankheitsstoffe, welche auf den menschlichen Körper einwirken, sind so überwiegend, daß alle Vorsichtsmaaßregeln, welche die Kunst zu erfinden vermag, sie freylich vermindern, aber nie ihre Wirkungen im Allgemeinen hemmen können. Es ist also ganz natürlich vorauszusehen, daß diejenigen Brittischen Truppen, welche auf Walchern bleiben, eine beträchtlichen Verlust erleiden werden.

Wie wohl ich fühle, daß ich für Ewr. Herrlichkeit schon zu sehr ins Detail mich eingelassen habe, so muß ich doch noch eine wichtige Bemerkung hinzufügen, daß nemlich diejenigen, welche vom Fieber befallen werden und wieder genesen, ungeachtet dessen so geschwächt sind, daß ihre physische Kraft nicht hinreicht, in Actionen gebraucht zu werden.

Ich habe xc.
John Webb,
Hospital-Inspector.


Depesche des Vicount Castlereagh an Sir Eyre Coote. Downingstreet, den 7ten Oct. 1809.

Sir. -- Auf ihr letztes Schreiben haben Se. Majestät an die Lord-Commissairs der Admiralität Instructionen erlassen, um nach Walchern zur Aufnahme der Kranken so viele Linienschiffe und Fregatten abzusenden, als nur immer für diesen Dienst erspart werden können. Man hat in Erfahrung gebracht, daß der General Monnet seinem Gouvernement ehemals vorgeschlagen habe, die Garnison von Walchern selten zu verändern; ferner die Kranken nie nach einem andern Orte, um dort ihre Gesundheit wieder herzustellen, transportiren zu lassen, indem die Erfahrung bestätige, daß eine größere Anzahl von Kranken, von denen welche auf dieser Insel bleiben, wieder genesen, als von denen, welche in dieser Hinsicht nach andern Gegenden transportirt wurden. Ich wünsche, daß Sie diesen Umstand dem Doctor Blane mittheilen mögen, um die Wahrheit dieses Grundsatzes zu erforschen. Ich bin

Castlereagh.


Schreiben von Sir Richard Strachan an Lord Mulgrave, datirt am Bord des St. Domingo bei Borslen, den 13ten September 1809.

Mylord. -- Gerne möchte ich Ewr. Herrlichkeit persönlich meine Aufwartung machen, um Ihnen Sachen, welche auf die Insel Walchern Bezug haben, mitzutheilen. Diese Insel, muß meiner Meinung nach, nicht aufgegeben werden. Sie ist als Seestation ein Posten von großer Wichtigkeit, eben so wichtig ist sie zu unsern künftigen Operationen auf dem festen Lande, besonders da der Friede zwischen Oesterreich und Frankreich noch nicht ausgemacht ist. Diese Insel, unter einer populären Regierung (unter einer solchen Regierung verstehe ich die, welche den Beyfall der Nation hat, indem die angesehensten ihrer Männer an die Spitze gestellt und sie durch ihre eigenen Gesetze regiert wird) würde für England in Rücksicht des Handels mit dem festen Lande von großem Nutzen seyn, zumal wenn ähnliche Einrichtungen, wie zu Helgoland getroffen würden. Ich bin nicht der Meynung, daß diese Insel ungesunder sey, als die niedrigen Gegenden von Kent; da aber die Truppen jezt fast alle von der Krankheit befallen sind, welche dem Dienst, dem sie ausgesetzt gewesen, zuzuschreiben ist, so würde es gut seyn, die jetzigen Truppen von dort weg zu ziehen und durch andern Regimenter ersetzen zu lassen. Die Brigg, woran man jezt bauet, wird in einer Woche fertig seyn; eben so bald die Fregatte; das Linienschiff hingegen wird auseinander gelegt. Viel Schiffs-Zimmerholz ist hier vorräthig.

Erlauben Sie, daß ich nochmals meine Hoffnung wiederholen darf, die Regierung möge diese Insel bis dahin behalten, bis die Gründe für und wider gehörig erwogen sind. Ein Plan zu ihrer Vertheidigung ist jezt der Vollendung nahe, und wenn es der Fall seyn sollte, daß von Seiten des Feindes feindliche Bewegungen gemacht werden, so bleibe ich hier, und werde mit dem Vertheidigungsplan eine vertraute Person absenden, um ihn Ewr. Herrlichkeit mitzutheilen.

Ich habe die Ehre zu seyn.
R. Strachan.


Depesche des Grafen Liverpool an den General-Lieutenant Don, datirt vom 4ten Nov. 1809.

Sir. -- Jezt ist es beschlossen, die Insel Walchern nach Abschluß der Friedens zwischen Frankreich und Oesterreich zu räumen, im Fall nicht im Verlauf der Operationen einige neue Umstände sich zutragen sollten, welche in diesem Entschluß eine Veränderung hervorbringen könnten. Nachdem der Bericht des Obersten Pilkington wegen Zerstörung des Bassins von Vließingen von Sr. Majestät Gouvernement reiflich überlegt worden, so habe ich von Sr. Majestät den Befehl erhalten, anzuordnen, das gedachte Bassin von Vließingen und alle solche See-Defensionslinien der Insel Walchern, wie sie der Oberst Pilkington in seinem Bericht angiebt, "daß sie binnen 2 Tagen gänzlich zerstört werden könnten, ohne jedoch der Insel dadurch eine Ueberschwemmung zuzuziehen," in der angegebenen Frist und auf die Art, wie die Umstände es erfordern, vernichten zu lassen xc.


Depesche des Grafen Liverpool an den General-Lieutenant Don, vom 9ten November 1809.

Sir. -- In Rücksicht der Zerstörung des Bassins von Vließingen und der übrigen See-Defensions-Anstalten der Insel muß jeder Zeitverlust vermieden werden, sobald es nehmlich mit der Sicherheit der Kranken zu vereinbaren ist. Der große Zweck Sr. Majestät Regierung, der dadurch beabsichtigt werden soll, besteht darin, die Werke nicht in einem solchen Zustande zu hinterlassen, daß es der Französischen Regierung, ungeachtet der großen militärischen macht, welche ihr zu Gebote steht, möglich sey, sie in kurzer Zeit wieder herzustellen. In wir fern es dazu dienlich seyn wird, Ueberschwemmungen von großem Umfange ins Werk zu richten, darüber werde ich sie umständlicher benachrichtigen. Doch gebe ich Ihnen die Vollmacht, den Theil der Insel zur Sicherheit Ihres Corps zu überschwemmen, wo der Feind einen Angriff wagen sollte.

Ein anderer Bericht enthält die Liste der Kranken und Verwundeten, welche zu verschiedenen Zeiten von Walchern nach England transportirt worden. Die Totalsumme beträgt 12863.


Auszug einer Depesche des Herrn Bathurst *) an den Staatssecretär, Herrn Canning. Buda, den 15ten Sept. 1809.

Der Kaiser wünscht sehr, daß die Brittische Macht, welche in Holland gelandet ist, ihre Operationen in diesem Lande fortsetzen möge, indem Er überzeugt ist, daß die Operationen Sr. Maj. Truppen auf diesem Punkte für Oesterreich eine wirksamere Diversion abgeben werden, als jede in einer andern Gegend unternommene Expedition.

Se. Kaiserl. Majestät scheinen dieses auf eine Nachricht zu begründen, daß die Unterthanen von Holland und den Niederlanden mit ihrer jetzigen Regierung unzufrieden sind, so daß sie gerne mit den Engländern gemeinschaftliche Sache machen würden.
*) Er war bekanntlich zur Zeit des Kriegs Englischer Gesandter am Oesterreichischen Hofe, den er nach Abschluß des Friedens mit Frankreich verließ, um nach England zurückzukehren. Er war bis nach Perleberg gekommen und seit seiner Abreise von da hat man über das Schicksal dieses unglücklichen Mannes, der schon früher Symptome des tiefsten, verzweifelndsten Schwermuths geäußert hatte, keine weitere Spur erhalten. Man hat seine Pantalons mit einem Briefe an seine Gattin gefunden und alle angestellten Untersuchungen, um nähere Auskunft über sein Schicksal zu erhalten, sind bisher vergebens gewesen.


Liste der Englischen Menschen-Verlustes, bey der Expedition nach Walchern.

General-Adjutanten-Amt, am 1sten Februar 1810

Zu der Expedition nach der Schelde wurden eingeschift: 1738 Officiers und 37181 Gemeine.
Getödtet wurden im Dienst 47 Officiers und 2100 Gemeine.
Gestorben an Krankheiten 20 Officiers und 1854 Gemeine.
Desertirt: 84 Mann.
Entlassen: 25 --
Nach England sind zurückgekehrt: 1671 Officiers. und 33373 Gemeine.
Davon krank 2179 Officiers. und 11289 Gemeine.
(Unterz.) Henry Calvert, General-Adjutant.


Quellen und Literatur.

  • Chronik des neunzehnten Jahrhunderts. Sechster Band. Jahr 1809. von Dr. Karl Venturini. Altona, bei Johann Friedrich Hammerich. 1811.
  • Umständliche Aufklärung zur Geschichte der französischen Revolution.Aus den neuesten und besten Quellen gesammelt und herausgegeben von Ernst Ferdinand Buchholz. Pesth 1815, bey Konrad Adolph Hartleben.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1810.