Fürstentum Oels

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Oels, ein Fürstenthum in Nieder-Schlesien, welches gegen Osten an das Briegische, gegen Westen an das Wolauische, gegen Süden an das Breslauische und gegen Norden an die Standesherrschaften Trachenberg und Militsch gränzt. Es hat 31 Quadratmeilen und 80,000 Einwohner.

Die Hauptstadt Oels, an dem Fluß Oels, zählt 3500 Einwohner, worunter viel Tuchmacher, und hat ein wohl eingerichtetes Gymnasium und Seminarium.

Das Herzogthum Oels fiel nach dem Tode des letzten Herzogs Carl Friedrich zu Münsterberg und Oels, zu Anfang des 18. Jahrhunderts, an dessen Schwiegersohn Herzog Julius Friedrich von Wirtemberg, den Stifter der Linie Wirtemberg-Oels. Aber auch diese Linie erlosch 1792 in Herzog Carl Christian Erdmann. Durch dessen einzige Tochter und Erbin, Sophie Friederike Charlotte (welcher 1789 starb), fiel das Fürstenthum an deren Gemahl, den Herzog Friedrich August von Braunschweig, und nach dessen Tode 1805 an den vorigen regierenden Herzog Wilhelm Friedrich von Braunschweig, welchem die Erbfolge bereits 1785 zugesichert worden.


Von Reisende.

Ein Schreiben eines Reisenden.


Ueber Oels, und deßen Fürsten.
Ich kam auf der zweyten Poststation in Schlesien, durch Oels, die Residenz des Herzogs Friedrich August von Braunschweig-Oels; ein angenehmes, heiteres Städtchen von etwa 4000 Einwohnern, und konnte mich nicht des Vergnügens enthalten, da einige Tage auszuruhen, die mir auch auf eine höchst angenehme Art nur zu geschwind verstrichen.
Sie wißen, dieser Fürst zog sich hierher in sein ererbtes Land zurück, um auf den Lorbeeren seines Ruhms auszuruhen. Aber nur so eine Ruhe, ist des weisen, des großen Mannes würdig. Sie würden wie ich, erstaunen, wenn Sie mit eignen Augen sehen sollten, was dieser Herr, in den sechs Jahren seines hiesigen Aufenthalts, bereits gethan hat. So wie er überall im Kriege, wo er hinkam, das Schrecken seiner Feinde war, so verbreitet er hier, im Schooße des Friedens, nur Seegen und Wohlthaten um sich her. Ich wurde mit einem Fremden, aus einer andern Schlesischen Stadt, hier bekannt, der geraume Jahre nicht hier gewesen war, und mich versicherte, er kenne den Ort, der vielen Verschönerungen wegen kaum wieder.
Ich glaube es gern, nach dem genauen Detail, das ich mir darüber geben ließ. denn während dieser sechs Jahre, sind allein in der Stadt zehn neue Häuser auf ehemaligen Brandstellen erbauet, alle, außer zweyen, ganz maßiv. Die Hälfte derselben, sind von Herzogl. Dienern erbaut, welche die Baumaterialien, als Ziegeln und Holz, und von dem Herzoge noch über ein Drittheil der Baukosten geschenkt erhalten. Letzteres bekommen alle Baulustige solcher Stellen, aus einer Brandcasse, über die den Herzog zu disponiren hat, die ehemals nach dem großen Brande der Stadt im Jahr 1730 durch auswärtige Collecten zusammengebracht wurden. außer diesen ist den verfloßenen Sommer, noch an die St. Marien- und Georgen- oder wie sie gemeiniglich genannt wird die Probstkirche, ein neuer Thurm erbauet worden, der noch nicht ganz fertig war, völlig nach dem Modell ihrer Schwesterkirche in Berlin, und der in der That für diesen Ort eine eben so schöne Zierde seyn wird, als jener für Berlin ist.
Die erste Verschönerung des Orts fieng der Herzog bald nach seiner Herkunft damit an, daß er das Herzogliche Reithaus, zu einem schönen Comödienhause umschuf, worinnen des Winters wöchentlich zweymal, des Sommers einmal, abwechselnd Opern und Lustspiele von seiner eignen Hofschauspielergesellschaft gegeben werden. Das Theater hat einige vorzüglich gute Sängerinnen und Sänger, so wie die Hofcapelle einige Musiker gewiß nicht von gemeinen musicalischen Talenten.
Der Platz vor diesem Comödienhause, ein längliches Viereck, an deßen Spitze eine steinerne Säule steht, welche die Stände des Fürstenthums, dem verstorbenen Herzoge und seiner Gemahlin bey Gelegenheit ihres Ehejubiläums in eine Englische Partie, mit Acacien- Pyramiden- Pappeln, und andern Laubholzarten bepflanzt, umgeformt. Zwey breite mit Kies überfahrne Wege, dienen zum Auf- und Abfahren der Kutschen, und einige schmalere zur Bequemlichkeit der Fußgänger. An die ganze Länge diese Platzes stieß sonst ein Theil des breiten und tiefen Waßergrabens, (hier Wall genannt) der das Schloß von der Stadt absondert, und auf der andern Seite diese Schloßes, einen Teich bildet, aber durch die Länge der Zeit, mehr einem Sumpfe, als Waßer-Canal glich. Dieser wurde bis auf einige Waßerspiegel, gänzlich ausgefüllt, und der Rand deßelben, auf beyden Seiten dieses Walles, durch verschiedene schräge, mit Pappeln bepflanzte Wege, zur bequemen Promenade gangbar gemacht. Auf der andern entgegengesetzte breitern Seite dieses Walles wurden einige Inseln, durch viele verschieden geformte Brücken, mit einem Küchengarten, und der daran stoßenden Fasanerie, so verbunden, daß dieses alles, nun einen zusammenhängenden Englischen Park bildet, der an der äußern Grenze von der Landseite, blos durch einen breiten von dem freyen Felde abgesondert ist, der diese Bequemlichkeit gewährt, daß die freye weite Aussicht, in die herumliegenden schönen Gegenden nicht beschränkt wird. Ehe man in die wahre Fasanerie kommt, zeigte man mir ein kleines niedliches möbilirtes Häuschen, genannt Cabinet d' Amour, das der Herzog zur ersten Probe von Pisé-Erde errichten ließ. Die Promenade ist für Jedermann zum freyen Gebrauch eröfnet. Ich gestehe aufrichtig, daß mir noch bey keiner Stadt etwas gleiches vorgekommen, wo man fast aus der Mitte derselben, sogleich lustwandeln könnte. (denn die erste Anlage gehet etwa 20 oder 30 Schritte von dem Marktplatze an.)
Das Herzogliche Schloß selbst, ein hohes steinernes Qarré, von Gothischer Bauart, das auf einer kleinen Anhöhe liegt, hat von innen, durch viele Veränderungen, und zum Theil prachtvoll möblirte Zimmer, eine fast ganz neue Einrichtung erhalten. Die Herzogliche ziemlich ansehnliche öffentliche Bibliothek ist darinnen in zwey schönen neueingerichteten Sälen, und einigen Cabinettern, wovon eins den Winter über zum Gebrauch der Leser geheitzt wird, aufgestellt, und noch stark vermehrt worden.
Außer diesen neuen Anlagen in Oels selbst, hat der Herzog noch zwey Ihm gehörige Lustschlößer, Wilhelminenort und Sybillenort fast ganz von neuem wieder erbaut und möblirt. Ersteres, in dem die Elite der von dem Herzoge Ferdinand von Braunschweig erkauften Kupferstichsammlung aufgestellt ist, habe ich leider nicht sehen können, weil es ganz aus meiner Reise-Route lag, und mich wenigstens ein paar Tage länger gekostet haben würde. Aber Sybillenort, daß nur wenig außer der Poststraße und nur zwey kleine Stunden von Oels auf dem halben Wege nach Breslau liegt, habe ich gesehen. Seine vorzüglich schöne und freye Lage, macht es zum Lieblings-Aufenthalte des Herzogs, den Sommer über, daher auch alle Anlagen hier, noch mehr ins Große gehn, und in einem vorzüglicheren Grade eben so Geschmack- als Prachtvoll angelegt sind. Das nähere Detail behalte ich mir vor, hier will ich Ihnen blos eine kleine Skizze davon geben, Das Herzogliche Schloß stehet in der Mitte, ein schönes Gebäude auf 3 Etagen, das an der vordern Seite an beyden Ecken einen runden Thurm hat, welche ihm eine schöne Zierde geben. Auf beyde Seiten stehn auf dem Schloßhofe, in einiger Entfernung vom Hauptgebäude, zwey Nebengebäude auf zwey Etagen, davon die untere die Stall- und Wagen-Remisen, und einige Wohnstuben, die zweyte aber eine Menge gut möblirte Zimmer enthalten, welche für Fremde, die der Herzog einladet, und im Sommer hieher kommen, bestimmt sind. Hinter jedem dieser Gebäude stehet wieder in einiger Entfernung, noch ein zweytes Gebäude. Das auf der rechten Seite, enthält das Wirthshaus, für alle Fremde zum logiren bestimmt, welche hieher kommen, um sich zu vergnügen, ohne sich dem hohen Eigenthümer des Orts nähern zu wollen. Das andere linker Hand, ist zum Comödienhause bestimmt, worinnen in Zukunft, bey dem Sommer-Aufenthalte des Herzogs, Vorstellungen gegeben werden sollen. Alle diese Gebäude sind von außen mit einem breiten Waßercanal, über den verschiedene Brücken führen, umgeben. Der ehemalige Lustgarten hinter dem Schloße ist in Englische Partien umgeformt, und durch eine lange Allee deßelben, kömmt man auf einen mit hohen Bäumen beschatteten Fußsteig, der sich an einem kleinen Bache fortschlängelt, nach dem eine viertel Meile entfernten Domatschiene. Hier ist wieder ein großer Englischer Park mit vielen schönen Partien. An dem Eingange deßelben, stehet das ehemalige herrschaftliche Wohnhaus von Domatschiene, nun unter den Namen Tivoli zu einem vortrefflich eingerichteten kleinen ländlichen Aufenthalte des Herzogs umgeschaffen.

Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.