Feldzug von 1807

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Der Krieg in Nord-Teutschland, Preußen und Polen im Jahr 1807.

Sechster Abschnitt.

Von der Schlacht bei Pultusk bis zur Schlacht bei Preussisch-Eylau.

Januar.

2
Napoleon kommt von Pultusk nach Warschau zurük. Ein grosser Theil der Armee geht wieder auf das linke Ufer der Weichsel, aus Mangel an Lebensmitteln.
3
Die hessischen Insurgenten liefern zu Eschwege ihre Anführer aus, und gehen auseinander.
5
Capitulation von Breslau, unterzeichnet durch die Generale Hedouville und Vandamme französischer -- Thile, Kraft und Lindener preussischer Seits. Die Besazung (7000 Mann) marschirt am 7ten aus der Festung und ist kriegsgefangen. Das Bombardement hatte vom 10 December bis 3ten Januar gedauert.
6
Aufstand in Hanau, der durch die in der folgenden Nacht eingerükten französischen Truppen gedämpft wird.
10
Aufbruch des Grenadierkorps von Oudinot von Posen nach Warschau.
13
Kaiserliches Decret im Hauptquartier Warschau, daß die beim Marsfeld zu erbauende Brüke den Namen Pont de Jena erhalten solle.
Komierowski, General der Insurrektion von Pommerellen wird von dem preussischen Obersten von Stutterheim bei Bromberg gefangen.
14
Der zum Oberbefehlshaber des 10ten Armeekorps ernannte General Victor wird durch ein preussisches Streifkorps aus Colberg unter dem Lieutenant von Schill vom Dragonerregiment der Königin auf der Reise von Warschau nach Stettin bei Stargard gefangen, und im folgenden Monat gegen den General Blücher ausgewechselt. (Das erwähnte 10te Armeekorps wurde aus den Contingenten von Baden, Berg, Darmstadt, Hohenzollern, Isenburg, Nassau und Würzburg formirt.)
15
Napoleon ernennt die Mitglieder der provisorischen Regierung für preussisch Polen, und die Directoren der fünf Departements der Justiz des Innern, der Finanzen, des Kriegswesens und der Polizei.
Mortier verlegt sein Hauptquartier von Anklam nach Neubrandenburg.
16
Capitulation von Brieg, unterzeichnet durch den französischen General Lefebre, den bairischen General Deroy und den preussischen Commandanten Cornerut, nach einem viertägigen Bombardement. Die Besazung von 1550 Mann ist kriegsgefangen.
17
Der ehemalige hessische Sergeant Schumann, Haupturheber des Aufstands zu Eschwege, wird nach kriegsrechtlichem Spruch zu Cassel erschossen.
22
Die Darmstädter unter den Generalen Werner und Schäffer rüken in die Stadt Graudenz ein, und fangen die erste Blokade der Festung an, welche nur bis zum 29sten dauerte.
25
Treffen bei Mohrungen. Der Plan des General Bennigsen war, an die untere Weichsel und an die Oder vordringen, und Graudenz, Danzig und Colberg zu entsezen. Der Fürst von Pontecorvo vereinigte schnell seine in Elbing, Christburg, Tolkemit und Braunsberg liegenden Truppen, schlug die bennigsensche Avantgarde unter Markow und Anrep, bewürkte dadurch die Rettung seines Korps, die Vereinigung mit dem Neyschen Korps, und hielt die Vollführung des Bennigsenschen Plans so lang auf, bis Napoleon mit der Hauptmacht zur gänzlichen Vereitlung herbeikommen konnte.
Russischer Verlust, nach eigenen berichten: 500 Todte und Blessirte, unter den erstern der General Anrep; nach feindlichen: 1200 Todte, 300 Gefangene.
Französischer Verlust, nach eigenen Berichten: 100 Todte, 400 Verwundete; nach feindlichen: in den partiellen Gefechten bei Liebstadt, Mohrungen und Saalfeld einige 1000 Gefangene gemacht, 10 Kanonen erobert, und die ganze Equipage und Kanzlei des Marschalls weggenommen.
26
Kaiserliches Decret, aus den polnischen Truppen drei Divisionen ( jede zu 3 Brigaden, und jede Brigade zu 2 Infanterieregimentern), unter Joseph Poniatowski, Zajonczek und Dombrowski zu formiren.
27
Die französischen Behörden zu Coburg machen bekannt, daß das Land im Namen des Kaisers regiert und verwaltet werden sollte, weil der Nachfolger des am 9 December gestorbenen Herzogs in russischen Kriegsdiensten stehe, mithin sich im Kriegsstand mit Frankreich befinde.
Der französische General Faultrier (vom Artilleriecorps) wird durch eine preussische Streifparthei in Marienwerder gefangen.
28
Einmarsch des Corps von Mortier über die Peene bei Demmin und Anclam in Schwedisch-Pommern. Rükzug der schwedischen Truppen unter dem General Armfeld und den Obersten Mörner und Cardell nach Stralsund.
Damuy, französischer ältester Divisionsgeneral (er wurde es schon 1792) kommt als General-Gouverneur von Schlesien in Breslau an.
29
Die Darmstädter heben bei Annäherung des preussischen Corps von Lestocq und Rouquette die Blokade der Festung Graudenz auf, und ziehen sich gegen Thorn.
30
Napoleon reißt von Warschau über Przacznitz nach Ostpreußen ab.
31
Er kommt mit dem Grosherzog von Berg und der Reservecavallerie zu Willenberg an; das 1ste Corps (Pontecorvo) steht bei Strasburg, das 3te (Davoust) bei Mysiniez, das 4te (Soult) bei Willenberg, das 5te (Lannes) unter dem provisorischen Commando von Savary zu Brock, um das Essensche Corps am obern Bug zu beobachten, das 6te (Ney) bei Gilgenburg, das 7te (Augereau) bei Neidenburg, das 8te (Mortier) in Schwedischpommern, das 9te (Prinz Jerome) in Schlesien, das 10te (Lefebre) bei Thorn.
Der badische General Clossmann schlägt einen Angriff von 800 Preussen bei Massow in Pommern zurük.

Februar.

3
Treffen bei Bergfried. (an der Alle, zwischen Gutstadt und Allenstein.) Der Großherzog Joachim war den 1 Februar in Passenheim eingedrungen, und den 2ten mit dem Corps von Soult nach Allenstein gerükt, wo am 3ten auch die von Augereau und Ney ankamen, indessen Davoust nach Ortelsburg und Wartenburg vorrükte. Soult nahm die von 12 russischen Bataillonen vertheidigte Brüke von Bergfried, Ney das Gehölz weg, an welches sich der russische rechte Flügel lehnte. Die Nacht endigte diese partiellen Gefechte.
Russischer Bericht: Der Feind machte einen heftigen Angriff auf unsere linke Flanke, fand aber von dem bei der Brüke aufgestellten Uglizschen Musketierregiment und einem Bataillon des Tenginskischen einen kräftigen Widerstand. Da er jedoch seinen Angriff immer verstärkte, in überlegener Zahl zwischen Gutstadt und Allenstein über die Alle sezte, und uns von Königsberg abzuschneiden drohte, so verließ der Oberbefehlshaber seine Stellung bei Janow in drei Colonnen.
4
Fortsezung der Gefechte gegen die russische Armee in Ostpreußen. Der französische Vortrab kommt bis Deppen (am linken Ufer der Passarge, zwischen [[Olsztyn|Allenstein] und Morungen). Der bairische Oberst des Chevaux-legers-Regiment Kronprinz, Graf von Pappenheim wird in einem der heute gelieferten Gefechte getödtet.
5
Die russische Armee sezt ihren Rükzug zwischen der Alle und Passarge gegen Landsberg fort. Gefechte zwischen der Cavallerie des Großherzogs und der russischen Arrieregarde bei Watersdorf, und zwischen Ney und einer noch über der Alle stehenden russischen Colonne.
Nach russischen Berichten fiel am 4ten und 5ten nichts bedeutendes vor.
6
Der Großherzog Joachim läßt den Nachtrab der Russen bei Glandau und Hoff südwestlich von Landsberg) angreifen, der aus 12 Bataillonen, von mehreren Linien Cavallerie unterstüzt, bestand. Die Division Hautpoult haut 2 russische Infanterieregimenter zusammen; die Obersten, Fahnen, Kanonen und ein grosser Theil der Offiziere und Soldaten werden gefangen. Augereau nimmt Hoff weg.
Russischer Bericht: die Armee stand vor Landsberg; da das vom Feind angegriffene Corps des Generalmajors Barclay de Tolly durch 2 Infanterieregimenter und ein Detaschement Cavallerie verstärkt wurde, so wurde beim Einbruch der Nacht der Heftigkeit des Feindes Einhalt gethan. Um 10 Uhr Abends marschirte die Armee nach PreussischEylau ab.
Fürst Golizyn, Stabscapitän vom semenowschen Garderegiment wurde getödtet; Oberst Arssenjew von der preobrashenskischen Garde und der Oberst und Flügeladjutant des Kaisers, Koshin, gefangen.
Capitulation von Schweidniz, geschlossen zwischen dem preussischen Commandanten Obristlieutn. v. Hacke, und dem französischen General Vandamme. Die Festung soll am 16ten übergeben werden, wenn indessen kein Entsatz ankommt. Die Besazung ist kriegsgefangen. Schweidniz war seit dem 10ten Januar eingeschlossen und seit dem 3ten Februar bombardirt. Die Besazung bestand aus 4800 Mann, darunter nicht mehr als 143 brauchbare Kanoniere zur Bedienung von 248 Kanonen. Vom 11 Januar bis 4 Februar verlohr sie an Deserteurs 1700.
7
Treffen bei PreussischEylau.
Zwei Regimenter vom Corps von Soult nehmen die vor der Stadt liegende Anhöhe weg. Nach einem für beiden Theile mörderischen Gefechte werden die Russen aus einer Kirche und einem Kirchhofe in Eylau selbst getrieben (Abends um 10 Uhr), und die Corps von Soult und von Augereau lagern sich vor und auf beiden Seiten der Stadt.
Russischer Bericht: die am 6ten von Landsberg aufgebrochene russische Armee war nach Abzug der Detaschements 70,000, die französische, aus dem Corps von Augereau, Soult, Murat, Davoust, Ney und Bernadotte bestehend, 90,000 Mann stark. Sie folgte uns auf dem Fuße in immerwährendem Schlagen mit unserer Arrieregarde nach. Die Armee stellte sich hinter Eylau auf, die Stadt wurde von Barclay besezt, eine Anhöhe von Markow. Diese griff der Feind an. Drei seiner Colonnen wurden zerstreut und zu Grunde gerichtet. Da er sich aber immerdar verstärkte, so zog sich die Arrieregarde durch die Stadt, und schloß sich an das aus 7 Divisionen bestehende Hauptcorps an, be welchem GL. Tutschkow den rechten, GL. Graf Ostermann den linken Flügel, GL. Baron Sacken das Centrum, Fürst Bagration die Avantgarde, und GL. Fürst Gallizin die sämtliche Cavallerie commandirte.
Nachdem auch Barclay durch die Uebermacht aus Eylau gedrängt worden war, nahm die 4te Division die Stadt mit Sturm wieder ein, aber mit Anbruch der Nacht wurden sämtliche Truppen herausgezogen, um die ganze Macht auf der andern Seite zu versammeln, und sich zu seinem allgemeinen Angriff auf den folgenden Tag vorzubereiten.
Aufbruch des königlich-sächsischen Contingents unter dem General Polenz aus der Gegend von Dresden in 4 Divisionen über Bauzen, Görliz und Glogau zur großen Armee.
8
Schlacht bei PreußischEylau.
Die russische Armee unter Bennigsen und das mit ihr verbundene Corps des preussischen Generals von Lestocq macht der französischen den ganzen Tag hindurch den Sieg streitig, tritt aber am folgenden Tag den Rükzug hinter den Pregel an, um die nach einer langen Anstrengung nöthige Erholung zu genießen.
Französischer Verlust. Nach eigenen Berichten: 1900 Todte, 5700 Verwundete. Unter jenen die Generale Hautpoult, Dahlmann, Corbineau und Desjardins, unter diesen der Marschall Augereau, die Generale Bonardi-St. Sulpice, Heudelet und Lochet.
Nach russischen Berichten: 30,000 Todte 12000 Blessirte und 2000 Gefangene, und 12 weggenommene Adler (die Franzosen gestehen nur einen einzigen zu).
Russischer Verlust. Nach eigenen Berichten: 12000 Todte, 7900 Blessirte, darunter 9 Generale. Nach französischen: 7000 Todte (also hierin ist die feindliche Angabe noch milder, als die eigene) 16000 Verwundete, die nach Königsberg abgeführt wurden, ohne diejenigen, welche auf dem Schlachtfeld liegen blieben, 12 - 15000 Gefangene (mit Einschluß der vorhergehenden Gefechte) und 24 Kanonen.
Resultat: die Schlacht bei Eylau vollendet zwar nicht die Vernichtung der russischen Armee, aber die des russischen Plans, nach welchem man sich mit Danzig und Graudenz in Verbindung sezen und dadurch die französische Armee nöthigen wollte, ihre Stellungen bei Warschau und gegen Ostrolenka hin, und somit den größten Theil von Polen zu verlassen. Diese blieb bis zum 17ten Februar in den erkämpften Stellungen in die Nähe des Pregels stehen, ohne jedoch für dißmal sich an Königsberg zu wagen, worauf sie sich grossentheils in ihre Cantonnirungen hinter der Passarge zurükzog, und dagegen am 24sten das russische Hauptquartier von Königsberg wieder nach Landsberg vorwärts kam.
General Lefebre greift mit den Würtembergern und Baiern die festen Stellungen des Prinzen von Anhalt-Pleß bei Frankenstein, Warthe und Neurode an, vertreibt und verfolgt ihn bis Glaz und macht 300 Gefangene.


Siebenter Abschnitt.

Von der Schlacht bei Preussisch-Eylau bis zur Eroberung von Danzig.

11
Der Marschall Lefebvre schlägt ein preussisches Korps von 7 Eskadr. 1 Bat. unter dem General Rouquette bei Marienwerder. Die großherzogl. hessischen Truppen unter den Generalen Schäffer und Stosch nehmen zum drittenmal die Stadt Graudenz ein, und blokiren die Festung.
12
Der Marschall Massena kommt aus Italien in Warschau an, wo er das Kommando des 5ten Korps (Lannes) übernimmt.
14
15 französische Eskadrons, welche den rechten Flügel der russischen Position tourniren wollten, werden bei Guttenfeld (südöstlich von Königsberg) durch den Hetmann Platow und Fürsten Bagration aufgerieben (russischer Bericht. Die französischen Berichte ignoriren diesen Vorfall.)
15
Ein preussisches Korps von 1700 Mann, das von Glaz aus einen Versuch zum Entsaz von Schweidniz machen wollte, wird bei Wartha von einem Regiment Chevauxlegers und 3 Bataillons baierischer Truppen unter dem General Lefebvre mit Verlust von 350 Mann geschlagen.
16
Der russische General Essen wird durch den General Savary, einstweiligen Kommandanten des 5ten Korps, bei Ostrolenka mit Verlust von 1300 Todten, 1200 Gefangenen und 8 Kanonen geschlagen. Der russische General Bubberg wird getödtet, und Fürst Italisky, Sohn des Feldmarschalls Suwarow schwer verwundet. Französischer Verlust: 60 Getödtete, darunter der Brigadegeneral Campana, 4 - 500 Verwundete.
17
Napoleons Hauptquartier wird von Eylau zurük nach Liebstadt verlegt.
Die Besazung von Schweidniz zieht aus und strekt das Gewehr. Der Prinz Jerome marschirt an der Spize der würtembergischen Truppen in die Festung ein.
18
Die italienische Division des Generals Teulié und die Füseliers der Garde erobern die Stadt Naugard mit der dortigen preußischen Redoute (zwischen Kolberg und Stargard).
Das badische Truppenkorps unter dem GL. v. Cloßmann schlägt einen Angriff von 2000 Preussen auf die Stadt Stargard in Westpreußen durch ein zweistündiges nächtliches Gefecht ab.
19
Der russische Vortrab rükt nach dem Abzug der Franzosen wieder in Eylau ein.
20
Die große Armee vollendet ihren Rükzug vom Pregel an die Passarge, und bezieht nun folgende Stellungen: Das Korps von Pontecorvo in Braunsberg, Frauenburg, Mühlhausen, PreussischHolland und an den Ufern des frischen Haffs; Soult in Liebstadt, Mohrungen, Liebemühl; Ney in Guttstadt, Heilsberg, Allenstein; Davoust in Hohenstein und Gilgenburg. Lannes (izt Massena) am Narew. Das große Hauptquartier in Osterode. Das Korps von Augereau ist aufgelöst und den übrigen einverleibt. Die russisch-preußische Linie geht über Seeburg, Bischoffsburg, Bartenstein und Königsberg.
21
Ausfall aus Stralsund, in welchem der schwedische Oberste Norby getödtet wird.
23
Die polnischen und badischen Truppen unter den Generalen Menard (Interimskommandanten des 10ten Korps), Dombrowsky und Cloßmann dringen stürmend in Dirschau ein, welches durch 1500 Preussen aus Danzig besezt war, und schlagen hinter Dirschau noch ein preussisches Korps in die Flucht, welches dieser Stadt zu Hülfe kommen sollte.
Das hessische Städtchen Hersfeld, das wegen verübter Mordthat an einem französischen Offizier geplündert und zum Theil verbrannt werden sollte, entgeht diesem Schiksal durch das menschenfreundliche Benehmen des badischen Kommandanten und seines Detaschements.
25
Der französische General Liger-Belair schlägt eine russische Kolonne bei Peterswalde, zwischen Heilsberg und Gutstadt, und macht 400 Mann nebst ihrem Anführer dem GM. v. Korff zu Gefangenen.
26
7000 Mann vom Korps von Pontecorvo unter General Dupont treiben 10,000 Feinde (nach preussischen Berichten war das französische Korps viermal stärker, als das preußische unter dem GL. v. Plöz) aus Braunsberg mit Verlust von 9 Kanonen und 1500 Gefangenen. Braunsberg wird bald hernach wieder von den Preussen besezt (s. beim 8 März). Bennigsens Hauptquartier ist zu Landsberg, südwestlich von PreussischEylau.
AuswechslungsKonvention zu Osterode. 30 preußische Offiziere werden gegen eben so viele französische, und unter ihnen die Generale Blücher gegen Victor, und Tauenzien gegen Faultrier ausgewechselt.

März.

1
Eröffnung der ersten Parallele vor Neisse durch das würtembergische Belagerungskorps.
3
Allgemeiner Angriff der Franzosen auf die Vorposten der Russen, um ihren Nekereien ein Ende zu machen. Sie werden aus Guttstadt und von den Ufern der Passarge vorwärts Liebstadt und PreussischHolland vertrieben, worauf die französischen Truppen in ihre Kantonnirungsquartiere zurükkehren.
4
Der Kronprinz von Baiern übernimmt zu Warschau das Kommando der zum 5ten Korps der großen Armee eingetheilten zweiten baierischen Division.
6
Der preußische Oberst v. Stutterheim vertreibt die Franzosen aus Heilsberg.
8
Vergeblicher Angriff eines französischen Detaschements auf das von dem preußischen Obersten Malzan besezte Braunsberg (vergl. d. 10 März).
10
Das königl. sächsische Kontingent, zum zehnten Korps der großen Armee eingetheilt, kommt vor Danzig an. Die engere Blokade dieses Plazes beginnt heute durch Besezung der Vorstädte Ohra und Schottland.
Das Korps des GL. v. Plöz wird durch einen Theil des Korps von Pontecorvo mit großer Ueberlegenheit angegriffen, und nach einem heftigen Infanteriegefecht in den Straßen von Braunsberg genöthigt, diese Stadt zu verlassen und sich nach Heiligenbeil zurükzuziehen.
11
General Kalkreuth übernimmt das Kommando in Danzig.
14
Mislungener Ausfall des Obersten Cardell aus Stralsund.
20
Der französische General Schramm vertreibt das auf der frischen Neerung stehende Detaschement des General Rouquette und schneidet dadurch der Stadt Danzig die Kommunikation mit Pillau ab.
Napoleon verordnet (im Hauptquartier Osterode), daß die Konscribirten des Jahrs 1808 schon izt aufgegrufen, und daß aus denselben zu Lille, Mez, Rennes, Versailles und Grenoble 5 ReserveLegionen (jede zu 7680 Mann) errichtet werden sollen.

April.

1
Das französisch-holländische BlokadeKorps unter dem General Grandjean zieht von Stralsund ab, und diese seit dem 28 Januar eingeschlossene Festung wird einstweilen wieder frei. Schon in den lezten Tagen des MärzMonats war der Marschall Mortier mit dem größten Theil seiner Truppen aus Schwedischpommern gegen Kolberg abmarschirt. Die Garnison von Stralsund verfolgt den General Grandjean bis an die Peene und nimmt ihm (nach schwedischen Berichten) 1000 Gefangene ab.
3
Napoleons Hauptquartier wird von Osterode nach Finkenstein (näher an die Weichsel hin, zwischen Riesenburg und dem saalfelder See) verlegt.
Der Kaiser von Oesterreich läßt zu Warschau eine Note übergeben, worinn er Rußland, England und Frankreich zu Friedensunterhandlungen einladet, die allenfalls an einem Ort der österreichischen Monarchie unter seiner Vermittlung eröffnet werden könnten.
5
Die russischen Garden gehen unter der Anführung des Grosfürsten Konstantin über den noch festgefrornen Memelstrom zur bennigsenschen Armee.
Ein schwedisches Detaschement bringt in Rostok ein und nimmt die dort befindliche schwache holländische Besazung gefangen.
9
Zu Königsberg wird in Anwesenheit des russischen Kaisers, des Königs von Preussen, des Grosfürsten Konstantin und des Generals Bennigsen ein großer Kriegsrath gehalten.
12
Eroberung der preußischen Verschanzungen auf dem Hagelsberg bei Danzig durch 200 Sachsen und eine Kompagnie der NordLegion.
13
Der sächsische Oberst v. Hartizsch, unterstüzt durch ein französisches Infanterieregiment erobert die preußische Redoute vor dem OlivaThor und behauptet sie gegen einen heftigen Angrif der danziger Besazung.
16
Die bis in die Gegend von Stettin und Pasewalk vorgedrungene stralsunder Besazung wird durch den von Kolberg mit Verstärkung herbeigeeilten Marschall Mortier bei Belling und AltLossenow (zwischen Anklam und Pasewalk) geschlagen; sie verliert gegen 1200 Gefangene, und weicht bis Greifswalde zurük, eine Abtheilung unter dem Obersten Cardell entkommt zu Schiff von Ukermünde nach der Insel Usedom.
Anfang des Bombardements von Neisse.
17
Ein preussisches Korps von 2800 Mann aus Glaz und Silberberg greift das komponirte bairisch-würtembergische Korps unter dem General Lefebvre und den Obersten Bekers, Vieregg und Scharfenstein bei Frankenstein an und wird mit Verlust von 200 Todten und Verwundeten, 350 Gefangenen und 3 Kanonen geschlagen.
18
Waffenstillstand zu Schlatkow (zwischen Anklam und Greifswalde), geschlossen durch den Marschall Mortier und den schwedischen Generallieutenant v. Essen. Die Schweden versprechen, die Inseln Usedom und Wollin den Franzosen einzuräumen, keine Verstärkung nach Danzig und Kolberg zu senden, keine Ausschiffung fremder Truppen in SchwedischPommern zu gestatten, noch überhaupt den Truppen einer mit Frankreich im Krieg begriffenen Macht irgend eine Hülfe zu leisten. Die Peene und Trebel machen die Grenze beider Armeen. Nach einem Additionsartikel sollen die Feindseligkeiten nicht eher, als einen Monat nach der Aufkündigung wieder anfangen.
Warschauer Konvention, wodurch die Häuser Anhalt, Lippe, Schwarzburg, Reuß und Waldek in den rheinischen Bund eintreten.
22
Das seit 14 Monaten in Etrurien befindliche spanische Korps unter dem Marchese della Romana bricht über Verona, Roveredo und Augsburg nach den Ufern der Elbe auf.
24
Danzig wird von heute an aus 100 Vierundzwanzigpfündern und Mörsern beschossen. Das Hauptquartier des Generals Michaud (Befehlshaber des linken Flügels der Belagerungsarmee) ist zu Langfuhr, des Erbgroßherzogs von Baden (Centrum) zu Piezkendorf, des Generals Gielgud (rechter Flügel) zu Wonneberg, des Generals Gardanne (auf dem rechten Weichselufer) zu Heubude.
25
Ankunft der Division Boudet in Augsburg. Diese Division und die von Molitor marschiren aus dem Friaul nach der Elbe.
26
Im kaiserlichen Hauptquartier Finkenstein kommt ein persischer Gesandter (Mirza-Riza-Khan) an.
30
Die Würtemberger unter dem Obersten Neubronn und dem Oberstlieutenant Hügel erobern das Wasserfort und die andern Aussenwerke der Festung Neisse durch einen mit vieler Herzhaftigkeit und Ordnung ausgeführten nächtlichen Sturm.

Mai.

7
Eroberung der durch 1000 Russen und 5 Redouten vertheidigten Insel (des Holms) bei Danzig, wodurch der Festung die Kommunikation mit dem Fort Weichselmünde abgeschnitten, die Belagerungstruppen auf beiden Ufern der Weichsel in Verbindung gebracht und die Wasserseite der Stadt dem Bombardement ausgesezt wird. Ausser den französischen Truppen haben auch sächsische und badische zu dieser Unternehmung mitgewirkt.
9
Uebergang der Baiern und Polen unter General Lemarrois über die Narew bei Sierock.
12
König Gustav kommt von Malmoe über Ystadt zu Stralsund an.
13
Der Marschall Brüne kommt von Hamburg in Schwerin an, um das Kommando über das an der Elbe aus französischen, holländischen, spanischen und rheinischen Bundestruppen zu formirende Observationskorps zu übernehmen.
Vergeblicher Angriff von 7000 Russen auf den von der bairisch-polnischen Brigade des Generals Lemarrois vertheidigten Brükenkopf bei Sierock.
Der bairische Oberst von Pierron wird getödtet.
14
Gefecht bei Kanth zwischen 1400 Preussen aus Silberberg, die einen Ueberfall von Breslau im Sinne hatten, und einem sächsisch-bairischen Detaschement unter Lefebvre. Die von den Verbündeten anfangs erfochtenen Vortheile gehen durch das unerwartete Zurükweichen des sächsischen Bataillons Niesemeuschel wieder verloren, und die bairische Infanterie erleidet eine Einbusse von 100 Mann, die nebst 2 Kanonen gefangen wurden und von 150, die entweder vor dem Feinde blieben oder im schweidnizer Wasser ertranken.
15
Das am gestrigen Tage bei Kanth siegreiche preußische Korps wird bei Adelsbach durch den General Lefebvre, der Verstärkung an sich gezogen hatte, von neuem angegriffen, der Befehlshaber desselben, Major von Losthin mit 350 Mann gefangen und die gestrigen in Gefangenschaft gerathenen Baiern wieder befreit.
Der russische GL. Kamenskji, der am 12ten mit einer bedeutenden Truppenzahl von Pillau zu Schiff bei der Weichselmünde angekommen war, macht mit 7000 Mann in drei Kolonnen einen Angrif auf die von Marienburg herbeigeeilte Division Oudinot, um entweder den am 7ten weggenommenen Holm wieder zu erobern, oder auf einem andern Weg sich mit der Besazung von Danzig zu vereinigen. Er wird durch die Generale Oudinot, Gardanne und Schramm genöthigt, sich mit Verlust von 2500 -- 3000 Mann nach der Weichselmünde zurükzuziehen. Ein großer Theil der Erde des heutigen Tags gebührt den sächsischen Truppen.
Der preussische GL. Winning, kommandirender General des preussischen Truppenkorps in Schwedisch Pommern sichert durch eine zu Stralsund erlassene Proklamation alle preußischen Deserteurs, die bei ihm Dienste nehmen werden, Amnestie zu.
16
Eine russisch-preussische Division, welche von der frischen Neerung her gegen Danzig vordringen wollte, wird durch die Generale Beaumont und Albert mit Verlust von 900 Gefangenen und 4 Kanonen zurükgeworfen.
4000 Baiern unter der Anführung des Kronprinzen halten bei Pultusk den Angriff einer fast doppelt so starken russischen Kolonne mit vieler Tapferkeit aus. Bairischer Verlust 300, russischer 500 Mann.
17
Die englische Schaluppe Sally, welche die Kommunikation zwischen Danzig und dem Fahrwasser wieder herstellen wollte, wird durch das Musketenfeuer und die Batterien der Belagerer zum Rükzug genöthigt.
19
Eine englische Schaluppe von 22 Kanonen, welche einen Vorrath von Pulver und Kugeln nach Danzig führen sollte und auf den Sand gerathen war, wird durch das Musketenfeuer der Franzosen auf beiden Ufern der Weichsel zur Uebergabe genöthigt.
24
Kapitulation von Danzig, unterzeichnet von den Generalen Kalkreuth, Rouquette, Hamberger, preussischer Seits, Fürst Schtscherbatow russischer -- Drouet und dem Marschall Lefebvre französischer Seits, 51 Tage nach Eröffnung der Laufgräben. Die Besazung erhält freien Abzug unter der Bedingung, ein Jahr lang nicht gegen Frankreich und dessen Bundesgenossen zu dienen. Sie war noch 9000 Mann stark, darunter 4000 Kranke. Auf den Wällen und in den Zeughäusern wurden 980 Kanonen und in den Magazinen ansehnliche Mundvorräthe, besonders an Wein und Brantewein erbeutet. Durch 29,700 Bomben, Grenaden und Kugeln wurde an den Häusern (die Vorstädte ungerechnet) ein Schaden von 12 Millionen Franken angerichtet und 122 Personen vom Civilstande getödtet.


Achter Abschnitt.

Von der Eroberung von Danzig bis zum Tilsiter Frieden.

Mai.

25
Arthur Farquhar, Kapitain der englischen Fregatte Ariadne, beschießt die hamburgischen Hafenwerke, Schiffsmagazine und Häuser zu Cuxhaven, um sich wegen der durch die holländische Besazung geschehenen Wegnahme seines Boots zu rächen.
27
Der Marschall Lefebvre hält mit den französischen, polnischen, sächsischen und badischen Truppen seinen Einzug in Danzig.
Das russisch-preussische Korps des Generals Kamenskji, (8000 Mann) das noch im verschanzten Lager bei der Weichselmünde gestanden, schifft sich ein, um nach Pillau zurükzukehren. Die Weichselmünde wird von den Franzosen besezt.
28
Napoleon ernennt den Marschall Lefebvre durch eine zu Finkenstein ausgestellte Urkunde zum Herzog von Danzig.
29
Die französischen und verbündeten Truppen greifen die Schanze auf dem Wolfsberg bei Kolberg vergeblich an und verlieren dabei 600 Mann, darunter der General Teulié, Befehlshaber der italienischen Division, welcher tödlich verwundet wird.

Junius.

1
Kapitulation von Neisse, geschlossen durch den Gouverneur, GL. v. Steensen und den DivisionsGeneral Vandamme. Die Uebergabe ist auf den 16 Junius festgesezt, wenn bis dahin keine Hülfe erscheint, und die Besazung ist kriegsgefangen. Ihre Stärke wurde zu 5000 Mann (darunter nur 168 Artilleristen zur Bedienung von 350 Kanonen) angegeben.
Das Hauptquartier des Marschalls Brüne kommt nach Anklam.
Proklamation des Generals Blücher zu Stralsund, worinn er sich als Befehlshaber der unter dem Oberbefehl des Königs von Schweden stehenden preussischen Truppen ankündigt, und alle preußischen Krieger und Patrioten auffordert, sich, bewaffnet oder unbewaffnet, bei seinen Fahnen einzufinden.
3
Aufbruch der Division Dumonceau von Hamburg und aus dem Meklenburgischen nach Holland, wo man in diesen Tagen eine englische Landung erwartete.
4
Fruchtlose Zusammenkunft des Königs von Schweden und des Marschalls Brüne zu Schlatkow.
5
Bennigsen und der Großfürst Konstantin greifen die französischen Stellungen auf dem rechten Ufer der Passarge bei Gutstadt (Ney) und die Brükenköpfe von Lomitten (Soult) und Spanden (Pontecorvo) an. Das Korps von Ney mußte sich nach Ankendorf zurükziehen, und verlor (nach russischen Berichten) den General Roger und 1000 Gefangene und 2000 Todte. Hingegen die beiden Brükenköpfe wurden durch die Generale Ferey und Frere behauptet, und die Angriffe derselben kosteten den Russen (nach französischen Berichten) über 5000 Todte und Verwundete. Pontecorvo selbst erhält bei Spanden eine nicht unbedeutende Wunde.
Napoleon reist aus dem Hauptquartier Finkenstein nach Deppen ab.
6
Zweites Gefecht zwischen den Russen und dem Marschall Ney (bei Ankendorf). Nach französischen Berichten sind 2000 Russen, 160 Franzosen getödtet, 3000 Russen, 200 Franzosen verwundet, 250 Franzosen von den Kosaken, die sich in den Rüken der Armee geschlichen hatten, gefangen worden. Nach russischen Berichten 60 Offiziere, 1500 Mann gefangen und 2 Kanonen erobert.
8
Napoleon kommt beim Ney'schen Korps zu Deppen an. Soult rükt über die Passarge nach Wolfsdorf vor und greift die Division Kamenskji an, welche 700 Mann verliert. Auch das Corps von Mortier und die Garden gehen bei Deppen über die Passarge; Bennigsen und der Großfürst Konstantin treten ihren Rükzug an.
9
Der russische Nachtrab wird durch eine Division schwerer Cavallerie und drei leichte Cavallerie-Brigaden des Großherzogs von Berg bei Glottau aus seinen Stellungen verdrängt, und die Franzosen dringen des Abends mit dem Degen in der Faust in Guttstadt ein.
10
Treffen bei Heilsberg, wovon sich beide Theile den Vortheil zuschreiben. Es scheint, daß die Franzosen mehrere vorliegende Stellungen eingenommen haben, wogegen die Russen die Hauptstellung bei Heilsberg behaupteten, und erst am Abend des folgenden Tags zu räumen anfiengen. Französischer Verlust vom 5 -- 12ten Junius 700 Todte, 2,200 Verwundete, 300 Gefangene, unter den Todten die Generale Roussel und Guyot (von der Garde), unter den Verwundeten die Generale Espagne und Du Taillis; russischer Verlust nach französischen Berichten 3 -- 4,000 Gefangene und 9 Kanonen. Französischer Verlust nach russischen Berichten 12 bis 13,000 Mann. Den eigenen Verlust geben die russischen Berichte nicht an, nennen jedoch die Generale Koschin und Warnek unter den Getödteten, und die Generale Doktorow, Werderewsky, Prinz Carl von Meklenburg, Fock, Passeck, Alsusjew und Duca unter den Verwundeten. Von der verbündeten Cavallerie haben sich das sächsische Cürassierregiment König, das bairische Chevauxlegersregiment Kronprinz, und das würtembergische Leibregiment Chevauxlegers sehr ausgezeichnet.
11
Napoleon ordnet die Corps der Armee (bis auf das von Pontecorvo, welches noch an der untern Passarge manövrirte, und das von Davoust, welches gegen PreussischEylau marschirte) zu einer entscheidenden Schlacht, die er den Russen anbietet. Diese bleiben aber in ihrem verschanzten Lager, und treten Abends 10 Uhr ihren Rükzug auf das rechte Ufer der Alle an, indem sie das ganze Land auf dem linken Ufer nebst ihren Verschanzungen, Magazinen und Verwundeten den Franzosen überlassen, welche am 12ten Morgens vier Uhr in Heilsberg einrüken.
8,000 Russen nöthigen den General Claparede vom Corps von Massena mit seinen 12 Compagnien das Lager bei Borki zu räumen und sich nach Norzowo zurükzuziehen.
Die Redoute Wolfsberg bei Colberg wird durch die französischen, italienischen und herzogl. sächsischen Truppen erobert, am 15 wieder verloren und zum zweitenmal eingenommen.
12
Massena nimmt die gestern verlornen Stellungen bei Ostrolenka wieder ein, und macht 5,000 Gefangene.
13
Die französische Armee rükt in verschiedenen Richtungen gegen den Pregel vor, der Grosherzog von Berg, unterstüzt durch Davoust, gegen Königsberg], Soult nach Krenzburg, wo er die Division von Lestocq zum Weichen bringt, Lannes nach Domnau, Ney und Mortier nach Lampasch, das Corps von Pontecorvo, izt von Victor geführt, und die Garden gegen Friedland. Die Russen räumen Bartenstein, und sezen ihren Rükzug nach Schippenbeil auf dem rechten Ufer der Alle fort.
14
Schlacht bei Friedland.
(Am Jahrstag des Siegs bei Marengo.) Die russische Armee war wieder auf das linke Ufer der Alle gegangen, lehnte sich mit dem linken Flügel an Friedland, und dehnte den rechten anderthalb Stunden lang aus. Ihren ersten Angriff hielt Anfangs der einzige Marschall Lannes von Morgens 2 bis 4 Uhr mit einer achtmal schwächeren Truppenzahl aus, bis Mortier, und später der Kaiser selbst mit den Corps von Ney, Victor und den Garden nebst der Cavallerie auf dem Schlachtfelde ankam, und um 5 Uhr Abends die Armee in Schlachtordnung stellte. Die um 1∫2 6 Uhr Abends angefangene Schlacht endigte sich mit der Niederlage der Russen, welche auf dem rechten Ufer der Alle über Allenburg nach Wehlau und dort über den Pregel giengen, indessen die französische Armee ihre Bewegungen auf dem linken Ufer fortsezte, um den Feind von Königsberg abzuschneiden.
Russischer Verlust Nach französischer Angabe 17,5000 todt; überhaupt vom 5 -- 15. 60,000 getödtet, ertrunken, verwundet und gefangen; 25 General todt, verwundet oder gefangen; 80 Kanonen erobert, -- nach russischem Selbstgeständniß 10,000 todt und verwundet; unter den Todten die Generale Pahlen und Masowskji, unter den Verwundeten Essen I., Steinheil, Suchin und Markow. Nur einige unbrauchbare gewordene Kanonen verloren, alle Feldstüke gerettet.
Französischer Verlust nach eigener Angabe 500 getödtet, 3,000 verwundet. Unter jenen der Artillerieoberste Desfourneaux, unter diesen die Generale Latour-Maubourg, Drouet und Brun.
Am nemlichen Tage dringt der Grosherzog von Berg in die Vorstädte von Königsberg ein, nachdem er dem Lestocqschen Corps 3 - 4,000 Mann und 6 Kanonen abgenommen.
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Das Corps von Davoust kommt über Uderwangen am Pregel, Tapiau gegenüber, an, und geht ohne Widerstand auf Schiffen über den Fluß. Abends waren schon 30 - 40,000 Mann auf dem rechten Ufer, die Russen und Preussen fiengen an Königsberg zu räumen, und sich nach Labiau zu ziehen. Der Vortrab der sämmtlichen Colonnen der französischen Hauptarmee kommt bei Wehlau an, Napoleons Hauptquartier ist in Peterswalde, das von Bennigsen heute noch in Wehlau.
16
Soult rükt in Königsberg ein. Große Getreidemagazine, 160,000 von England und Russen geschikte Flinten, 200 aus Rußland gekommene Schiffe werden erbeutet; die Hauptarmee geht bei Wehlau über den Pregel. Bennigsen sezt seinen Rükzug nach dem Niemen fort, und vereinigt sich (den 17.) mit dem Corps von Lestocq bei Schillupischken, diesseits Tilsit.
Die preussische Garnison von Neisse, 6,000 Mann zu Fuß und 300 Reiter stark, marschirt aus, und strekt das Gewehr. In der Festung werden 328 Kanonen erbeutet.
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Ney rükt in Insterburg ein, wo ihm eine bedeutende Zahl russischer Kranken in die Hände fällt.
18
Capitulation von Cosel, geschlossen in Abwesenheit des bairischen General Raglowich von dem Obristlieutenant von Dalwigk einer- und von dem preussischen Obersten Putkammer andererseits. Die Festung wird am 16. Julius übergeben, wenn bis dahin kein Entsaz erfolgt. Die Besazung ist kriegsgefangen. Die verheiratheten Soldaten dürfen nach Hause gehen.
19
Napoleon rükt in Tilsit an der Memel ein, welches Bennigsen und der Grosfürst Konstantin am nemlichen Tage verlassen hatten.
21
Waffenstillstand zu Tilsit, geschlossen zwischen dem Major-General der großen Armee, Fürsten von Neufchatel, einer- und dem russisichen GL. Fürsten Labanow von Rostow andererseits, auf einmonatliche Vorheraufkündigung, ratificirt von Napoleon zu Tilsit den 22., und von Alexander zu Tauroggen den 23. Junius. Die Scheidungslinie für beiden Armee geht von Ausfluß des Niemen in das kurische Haff, aufwärts längs dieses Flusses bis Grodno, dann am Bobrfluß hinab bis zu seiner Mündung in den Narew, hierauf am Narew aufwärts bis an die preussisch-russische Grenze.
Die ganze preussische Monarchie ist in die Hände Napoleons gegeben, mit Ausnahme eines 18 Meilen langen und 2 Meilen breiten Strichs von Altostpreussen mit der Stadt Memel, des südöstlichen Theils von Neuostpreussen, nemlich Bialystocker, und eines Theils vom Dombrowaer Kreis, und der noch nicht eroberten Festungen Graudenz, Pillau, Colberg, Silberberg und Glaz, und der Festung Cosel, welche zwar schon capitulirt hat, aber noch nicht übergeben ist.
23
Der Grosherzog von Berg und der Fürst von Neufchatel begeben sich als Friedensunterhändler auf das rechte Ufer des Niemen ins russische Hauptquartier.
24
Der preussische Feldmarschall Kalkreuth kommt in das französische Hauptquartier Tilsit.
Die Baiern unter dem General v. Siebein und die Würtemberger unter dem General v. Lilienberg erobern mit Tagesanbruch das unter den Kanonen von Glaz befindliche, durch 10 Redouten verschanzte und mit 3,000 Mann besezte preussische Lager mit Sturm. 1,500 Preussen werden getödtet oder gefangen, 13 Kanonen erbeutet. Verlust der Eroberer: 40 Todte, 200 Verwundete.
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Capitulation der Festung Glaz, geschlossen im Namen des Prinzen Hieronymus Napoleon und des Grafen von Götzen, Bevollmächtigten des Königs von Preussen in Schlesien, durch den Fregattenkapitän und Adjutanten des Prinzen Hieronymus, Hrn. Meronnet, durch den Obersten und Festungscommandanten von Gleissenberg, und durch den Obristlieutenant v. Braun, Commandant des Schäferberges. Die Festung mit allen Forts und Aussenwerken wird am 26. Julius übergeben, wenn sie bis dahin keinen Entsaz erhält; und bleibt so lange von 8,000 Mann blokirt. Die Besazung ist kriegsgefangen, und strekt am 26. Julius das Gewehr.
Erste Zusammenkunft Napoleons und Alexanders auf einem Flosse im Niemen, Nachmittags 1 -3 Uhr, worauf sich beide Kaiser wieder in ihre Barken verfügten.
Französisch-preussischer Waffenstillstand, geschlossen zu Tilsit durch den Fürsten von Neufchatel und den Feldmarschall Kalkreuth, ratificirt von Friedrich Wilhelm zu Picktupöhnen und von Napoleon zu Tilsit am 26sten. Bedingungen: Der Theil der preussischen Armee, der sich zu Stralsund befindet, wird in keinem Falle an irgend einer Art von Feindseligkeiten gegen die französische Armee Antheil nehmen. In Colberg, Graudenz, Pillau, und den noch von preuss. Truppen besezten schlesischen Festungen bleibt alles in statu quo. Die preuss. Truppen in Schwedischpommern und in Schlesien stellen alle Rekrutirungen ein.
Die holländischen Truppen, die von der NiederElbe in Coevorden und Hardenberg angekommen waren, treten ihren Rükmarsch nach Teutschland an, da man nun mit Gewißheit weiß, daß die englische Expedition an Holland vorbeigesegelt ist.
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Zweite Zusammenkunft Napoleons und Alexanders auf dem Niemen, bei welcher auch der König von Preussen zugegen ist. Der russische Kaiser begleitet den französischen nach Tilsit in dessen Quartier.
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Der Fürst von Neufchatel meldet dem General Laval die günstigen Gesinnungen Napoleons für den Herzog von Meklenburg-Schwerin, vermöge welcher er wieder in den Besiz seiner Staaten einzusezen seye. Dem zufolge reiste der Herzog am 10. Julius von Altona ab, und kam am 11ten, nach sechsmonatlicher Abwesenheit, wieder in seiner Residenz an.
Ein bairisches Truppenkorps unter dem GL. Deroy rükt vor Silberberg. Die Nachricht vom Waffenstillstand, die am 2. Julius ankam, hemmte die weiteren Operationen desselben.
28
Dritte Zusammenkunft der drei Monarchen zu Tilsit, und wechselseitige Besuche derselben. Das Corps von Davoust manövrirt vor ihnen.
30
Die russische und preussische Garde werden von der französischen zu Tilsit bewirthet.
Die Feindseligkeiten vor Graudenz werden bei der Ankunft der Nachricht vom Waffenstillstande eingestellt.
Preussischer Gouverneur: General der Infanterie de l'Homme de Courbiere, (geb. 1733, dient der Krone Preussen seit 1756). Befehlshaber des Belagerunscorps, das aus darmstädtischen, würzburgischen, bergischen und polnischen Truppen bestand: Victor.

Julius.

2
Beendigung der Feindseligkeiten vor Colberg durch die Ankunft der Friedenscouriere.
Preussischer Commandant: Major Neidhardt von Gneisenau.
Befehlshaber des aus französischen, würtembergischen, herzogl. sächsischen, italienischen und polnischen Truppen bestehenden Belagerungscorps: Loison.
Der König von Schweden läßt dem General Grandjean zu Demmin den Waffenstillstand von Schlatkow aufkünden, und reist am folgenden Tag von Stralsund zur Armee nach Franzburg ab. Unter ihm commandiren die Generale und Brigadiers von Wrede, Graf Mörner, v. Tawast, v. Platen und Stael-von-Holstein.
Die erste Division der hannöverischen Legion unter dem GM. v. Drechsel, abgesegelt aus den Dünen am 19. Junius, kommt auf der Insel Rügen an.
6
Der russische Kaiser, der Großfürst Konstantin, der König, die Königinn und der Prinz Heinrich von Preussen, und der Kronprinz von Baiern speisen bei Napoleon zu Tilsit.
7
Tilsiter Friede, unterzeichnet von den Fürsten von Benevent, Kurakin und Labanow von Rostow. Hauptbedingungen: Napoleon giebt aus Achtung für den Kaiser aller Reussen an den König von Preussen zurük: den Theil des Herzogthums Magdeburg, der auf dem rechten Ufer der Elbe liegt, die Priegniz, Ukermark, Mittel- und Neumark, (mit Ausnahme des kotbusser Kreises) Pommern, Ober-, Nieder- und Neu-Schlesien, Glaz, das Königreich Preussen, wie es am 1sten Januar 1772 beschaffen war, nebst Ermeland, Pomerellen, die Insel Nogat, den nördlich vom Kulmer Kreis auf dem rechten Ufer der Weichsel und Nogat liegenden Distrikt und denjenigen Theil des Nezdistrikts, welcher nördlich von einer Linie liegt, die von Driesen über Schneidemühl und Waldau, und an den Grenzen des Bromberger Kreises bis an die Weichsel geht, endlich die Festungen Spandau, Stettin, Küstrin, Glogau, Breslau, Schweidniz, Neisse, Brieg, Cosel, Glaz, Graudenz, (welche leztere jedoch noch nicht erobert war).
(In Gemäsheit einer am 12. Julius zu Königsberg zwischen dem Fürsten von Neufchatel und dem Grafen von Kalkreuth geschlossenen Convention sollten Tilsit am 20., Königsberg am 25. Jul., das Land bis zur Passarge am 1. August, Altpreussen bis zur Weichsel am 20. August, der Rest von Altpreussen bis zur Oder am 5. Sept., ganz Preussen bis an die Elbe nebst Schlesien am 1. Oct., der zu restituirende Theil nebst Schlesien am 1. Nov. geräumt werden, wenn die dem Land aufgelegten Contributionen bezahlt oder dafür hinreichende Sicherheit geleistet seyn würde. Die Franzosen haben sich aber bis izt -- Anfangs Novembers -- noch nicht weiter, als hinter die Passarge zurükgezogen.)
Was am 1. Januar 1772 zum Königreich Polen gehörte, und seitdem an Preussen gekommen ist, wird dem König von Sachsen unter dem Namen des Herzogthums Warschau überlassen. Danzig mit einem nach jeder Richtung im Umkreise 2 Lieues betragenden Gebiet wird unabhängig unter preussischem und sächsischem Schuz. Der König von Sachsen erhält eine Militärstrasse durch die preussischen Staaten nach dem Herzogthum Warschau: Stipulation freier Schiffahrt auf der Weichsel, der Neze und dem Bromberger Canal.
Rußland erhält den südöstlichen Theil von Neuostpreussen, wovon gegen das Herzogthum Warschau hin die Bobra, die Narew, die Lisa und der Rurzek, und gegen Westgalizien der Bug die Grenze macht. (Die Kreise von Bialystock, Drohnczin, Surasz und Bielsk ganz, nebst Theilen der Kreise von Lomza und Dombrowa.)
Restitution der Herzoge von Coburg, Oldenburg und Meklenburg-Schwerin.
Annahme der russischen Vermittlung zum Frieden mit England.
Rußland anerkennt die Könige Joseph von Neapel und Ludwig von Holland, den rheinischen Bund, auch die noch künftig von Napoleon zu ernennende Mitglieder desselben, und namentlich den König Hieronymus von Westphalen. Es cedirt Jever an den König von Holland. Alle Feindseligkeiten zwischen Rußland und der Pforte hören auf, Rußland räumt die Moldau und Walachei, und nimmt Frankreichs Vermittlung zum Frieden mit der Pforte an.
(Das auch die Zurükgabe von Cattaro und der SiebenInseln an Frankreich unter denjenigen Friedensartikeln, die nicht sogleich bekannt gemacht wurden, befindlich gewesen, ergibt sich aus der nach wenigen Wochen erfolgten Einräumung derselben.)
Zurükgabe der Kriegsgefangenen in Masse und Wiederherstellung der Handelsverbindungen.
8
Die spanische Division Hermosillas, (die aus Toscana gekommen), geht bei Altenburg über die Elbe nach der pommerschen Grenze.
9
Friede zu Tilsit zwischen Frankreich und Preussen, unterzeichnet von dem Fürsten von Benevent, dem Feldmarschall Grafen von Kalkreuth und dem Geheimenrath von der Golz.
Rükgabe der Länder und Festungen (wie im französisch-russischen Friedens-Instrument) Preussen erkennt die Könige Joseph von Neapel, Ludwig von Holland, Hieronymus von Westphalen und den rheinischen Bund. Es thut Verzicht auf alle seine Staaten zwischen dem Rhein und der Elbe und auf alle ehemalige polnische Länder, die es nach dem 1. Januar 1772 erworben hatte, mit Ausnahme derjenige Distrikte, die ihm durch das französisch-russische FriedensInstrument gelassen worden sind. Es erkennt den König von Sachsen als Herzog von Warschau, tritt an Rußland den im französisch-russischen FriedensInstrument bezeichneten Theil von Neuostpreussen ab, schließt bis zum Seefrieden den Engländern seine Häfen, so wie allen aus England oder den englischen Kolonien kommenden Schiffen. Rükgabe der Kriegsgefangenen in Masse. (Diese belaufen sich preussischer Seits auf 58 Generale, 5,179 Oberofficiere, 123,000 Unterofficiere und Gemeine.)
Die Berechnung des preussischen Territorialverlusts s. in den Europ. Annalen 1807. Achtes Stük. S. 199.
Napoleon reist von Tilsit ab. er kam über Königsberg (10.), Posen (14.), Dresden (17.), Frankfurt am Mayn (24.), zu St. Cloud am 27. Julius an. Zwei Stunden vor ihm hatte auch Alexander seine Rükreise nach St. Petersburg angetreten.


Quellen und Literatur.

  • Europäische Annalen Jahrgang 1807. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1807.