Ferdinand VII. (Spanien)

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Ferdinand VII. von Spanien.

Ferdinand VII., von Spanien, Prinz von Asturien, gebohren 14. Oktober 1784, war mit einer Tochter des Königs von Neapel vermählt, welcher 1806 starb. Die Allmacht des Friedensfürsten mußte ihm als Thronerben mißfallen, und er machte daher in Verbindung des Herzogs von Infantado und seines Erziehers, des Canonikus Escoiquitz, Plane, denselben zu stürzen. Der erste 1807 mißlang, der zweyte 1808 glückte. Ferdinands Vater, Carl IV., legte die Krone nieder, und der Prinz bestieg unter dem Nahmen Ferdinand VII. den Thron. Aber nun meldete sich Kaiser Napoleon als Mittler. Vater und Sohn kamen nach Bajonne. Nach langen Unterhandlungen legte beyde die Krone nieder, die Napoleons Bruder Joseph erhielt. Ferdinand lebt nun in Frankreich zu Valencay, auf dem Landgute des Fürsten von Benevent, von einer jährlichen Pension. Die Unruhen in Spanien dauern aber noch fort.


Ferdinand VII., König von Spanien.

Prinz von Asturien.

Ferdinand VII. (Mar. Franz), vorher Prinz von Asturien, dann sechs Wochen lang unter dem Namen Ferdinand VII., König von Spanien; darauf apanagirt aus dem französischen Kronschatze und Wohnhaft zu Valencey in Frankreich, jetzt König von Spanien, geb. den 14. Oct. 1784.

Die Geschichte dieses Prinzen ist zu innig in die neueste Geschichte Spaniens verwebt, daß wir hier nur dasjenige anführen, was eigentlich und zunächst seine Person angeht, für das übrige aber auf den Art. Spanien verweisen müssen.

Der Prinz von Asturien hatte eine Erziehung genossen, die ihn zu einem brauchbaren Werkzeuge, für diejenige Partei am Hofe seines Vaters machte, der es mehr darum zu thun war, ihren Haß gegen den durch des Königs Gunst allmächtigen Friedensfürsten, Don Manuel Godoy, zu befriedigen, als eine bessere Ordnung der Dinge in Spanien herzustellen. An der Spitze dieser Widersacher des begünstigten Godoy stand der Herzog von Infantado. Um den Prinzen von Asturien für seine Absichten zu gewinnen, wählte der Herzog den Canonicus Don Juan Escoiquiz, ehemaligen Erzieher desselben. Dieser war ein Mann von Welt, Intrigue und nicht ohne politische Tendenz. Er hegte Vorliebe für England und glaubte mit Hülfe der brittischen Nationalkraft auf Spaniens politische Wiedergeburt wirken zu können. Da auch er den Friedensfürsten haßte, war er leicht in den Verein gezogen, dessen Hauptpersonen, außer Infantado, der Marquis von Ayerbe, des Prinzen Kammerherr, und die Grafen Orgoy und Bornas waren.

Mann stellte Ferdinand vor, daß Godoy nach des Königs Tode ihn wohl gar vom Throne verdrängen könne, was diesem um so leichter werden müsse, da der Prinz in völlige Passivität versetzt, von der Nation fast vergessen, von seinem Vater verkannt und von der Königin gehaßt sey. Schon 1806 begannen diese Einflüsterungen, und damals schon wurde der Prinz so weit gewonnen, daß er dem Herzog von Infantado ein versiegeltes Decret einhändigte, in welchem er ihm für den Sterbefall Carls IV. den Oberbefehl über die Truppen in Neu-Castilien übertrug. Zugleich schrieb der Prinz mit eigener Hand ein Memoire nieder, worin der Friedensfürst geheimer Verbrechen beschuldigt, sein Uebermuth und seine Habsucht mit den grellsten Farben geschildert und der König auf das inständigste gebeten wurde, diesen Günstling und seine Anhänger zum Wohle des Thrones und der Nation zu entfernen. Diese Denkschrift sollte dem Könige überreicht werden.

Man ging noch weiter. Als eine französische Armee, um Portugal zu besetzten, in Spanien einrückte, zog man den französischen Gesandten zu Madrid ins Interesse, und auf den Rath desselben schrieb Ferdinand an Napoleon, und gab demselben den Wunsch zu erkennen, sich mit einer französischen Prinzessin zu vermählen. Dieser Schritt blieb dem Friedensfürsten nicht verborgen; seine Nachforschungen brachten ihn bald auf die nähere Spur: er wußte sich der Papiere des Prinzen zu bemächtigen und mit ihnen lag der Plan desselben gegen ihn klar vor Augen. Er eilte zur Königin, und beide suchten den König zu überzeugen, das sein Sohn ihm nach Leben und Krone trachte. Ferdinand und seine ganze Dienerschaft wurden im Escurial arretirt; das Verhör desselben fand in der Nacht vom 28 - 29sten Oct. in den Zimmern des Königs, in Gegenwart der Minister und der Präsidenten des Conseils Statt.

Eine Proclamation vom 30sten Oct. 1807 machte die Nation mit diesem Schritte und den Ursachen bekannt. Der Prinz unterzeichnete in seinem Arrest einen Brief, worin er seinen königlichen Vater um Verzeihung bat. Dieser verzieh, aber gegen die Mitschuldigen ging die Untersuchung fort, in deren Folge der Herzog von Infantado und der Canonicus Escoiquiz exilirt wurden. Allein die Besorgnisse des Friedensfürsten, einmal aufgeregt, waren dadurch nicht beruhigt. Die Unthätigkeit des französischen Hofes bei diesen Vorfällen und die laut werdende Stimme des Volks schien ihm eine ungünstige Vorbedeutung.

So wurde durch die verschiedenen Hofparteien, durch die Spannung und Unruhe des Volks die Revolution von Aranjuez herbeigeführt, die am 19. März 1808 ausbrach. Am 18. Abends hatte der Prinz zu einem Gefreiten der Garde gesagt! "Diese Nacht zähle ich auf Euch!" Da fiel diese in der Nacht über die Garden des Friedensfürsten her, das Volk vereinigte sich mit ihr; die Wohnung des Günstlings wurde gestürmt, man schleppte ihn heraus, und mit Wunden bedeckt verbarg er sich in einem Stall unter Stroh, wohin seine Garden ihn gerettet hatten. Seine Entsetzung und Unterwerfung unter ein Criminalgericht, die Carl IV. am andern Morgen verhängte, konnte das Volk jetzt nicht mehr beruhigen; und der König entsagte noch an demselben Tage seiner Krone und setzte sie auf das Haupt des Prinzen von Asturien, der den Namen Ferdinand VII. annahm und von dem Volk als Retter des Vaterlandes begrüßt wurde. [≡]

Der Herzog von Infantado ward Commandant der spanischen Garden und Präsident des Raths von Castilien; Ferdinand erließ einen Befehl, wodurch die Jagd in den Umgebungen Madrids und der Lustschlösser freigegeben wurde, und der Staatssecretär Cevallos erhielt den Auftrag, Vorschläge zur Verbesserung der innern Communicationen einzuziehen. Gegen Godoy ward der Prozeß instruirt.

Allein während der durch den Jubel des Volks berauschte Ferdinand seines Triumphs genoß, änderte, nach den französische Zeitungen, der alte König seinen Entschluß, erklärte seine Thronentsagung für erzwungen, seinen Sohn für einen Kronräuber, und foderte den französischen Kaiser zum Schiedsrichter in dieser Sache auf. [≡] Dies geschah unter dem Schutze einer französischen Armee, die unter dem damaligen Großherzog von Berg gegen Madrid vorgerückt und am 23. März daselbst angekommen war. Dennoch zog am folgende Tage Ferdinand VII. als König in Madrid ein. Er hatte an Napoleon geschrieben, ihm seine Thronbesteigung bekannt gemacht, und um eine französische Prinzessin angehalten; zugleich aber durch die Bekanntmachung der Actenstücke über die Begebenheiten im Escurial sich von der Beschuldigung seines Vaters zu reinigen gesucht. [≡]

Napoleon hatte indeß beschlossen, die Schwächen des alten Königs Carl IV. zu benutzen; er meldete daher dem Prinzen Ferdinand, daß er sich auf der Reise nach Spanien befinde, und lud ihn ein, ihm auf halben Wege entgegen zu kommen, um mündlich diese Angelegenheiten zu reguliren. [≡] Auf diesen Brief reis'te Ferdinand in Begleitung des Herzogs von Infantado, den Staatssecretärs Cevallos, des Canonicus Escoiquiz und Anderer, unter denen sich auch der französische General Savary befand, am 10. April wirklich ab. [≡] [≡] Nahe an seines Reiches Gränze erhielt er ein Schreiben Napoleons aus Bayonne vom 16. April, worin dieser ihm erklärte: daß er ihn nur dann als König von Spanien anerkennen werde, wenn seines Vaters Abdiction freiwillig geschehen, und nicht durch die Begebenheiten in Aranjuez erzwungen worden sey. [≡] Ferdinand setzte indeß die Riese fort, und kam am 20. April zu Bayonne an, wo zehn Tage später auch der gekränkte Vater und die erbitterte Königin nebst dem Friedensfürsten eintrafen.

Napoleon empfing die altkönigliche Familie mit vieler Theilnahme. Ferdinands Bemühungen, sich mit seinem Vater zu versöhnen, blieben fruchtlos, und nach einer persönlichen Vernehmung am 5. Mai mußte er der Krone Spaniens entsagen, und folgte, nachdem Carl IV. alle seine Rechte an Spaniens Thron feierlich auf Napoleon übertragen hatte, seinen Aeltern nach Bordeaux, wo er mit seinen Brüdern am 12. Mai der väterlichen Entsagungsacte beitrat.

Dagegen erhielt er als Apanage a. eine jährliche Rente von 400,00 Franken für sich und seine Nachkommen aus dem Kronschatze von Frankreich, b. die Paläste, Parks und Pächtereien von Navarra bis zum Belauf von 50,000 Morgen, schuldenfrei als völliges Eigenthum für sich und seine Erben, und c. noch eine jährliche Rente von 600,000 Franken, ebenfalls aus den Schatz von Frankreich angewiesen.

Er bezog hierauf das Schloß von Valencey, wo er so streng bewacht wurde, daß den Plan des englischen Ministeriums im J. 1810, ihn von dort zu entführen, fehlschlug. Dasselbe hatte einen gewissen Baron Kolly an ihn abgeschickt, welcher aber verhaftet wurde und die Absicht seiner Sendung nicht länger verheimlichen konnte. Der Prinz wollte sich den Schein geben, als verabscheue er selbst das beabsichtigte Unternehmen, machte (freilich zu einer Zeit, wo alles schon entdeckt war) eine Anzeige davon, und erniedrigte sich sehr, nicht nur Napoleon seiner unbegränzten Ergebenheit zu versichern, sondern auch den Wunsch auszudrücken, von ihm adoptirt zu werden. Die unlautere Quelle dieser Aeußerung blieb auch dem gemeinsten Verstande nicht verborgen. [≡]

In den Bedrängnissen, in denen sich Napoleon am Ende des Jahrs 1813 befand, bot er, um seinen Rücken zu sichern, Ferdinand die Wiederherstellung auf seinen Thron an, und dieser nahm auch den am 11. Dec. zu Valencey unterzeichneten Vertrag an, der ihm zwar den Besitz seiner Reiche wieder zusicherte, ohne jedoch eine Bürgerschaft gegen die so oft erprobte Treulosigkeit des andern Contrahenten zu erhalten.

Durch ihn trennte der König sein Interesse von der Sache von Europa, und setzte dieselbe in die größte Gefahr, indem er die Verlegenheit des gemeinschaftlichen Feindes verminderte. Die Cortes verweigerten, aus triftigen Gründen (s. Cortes) die Bestätigung dieser Uebereinkunft. Ferdinand blieb deßhalb in Frankreich zurück, bis die Macht der Franzosen in Spanien vernichtet, und die Herrschaft der Bourbons auf den Trümmern von Napoleons Thron wieder hergestellt war.

Am 14. Mai 1814. zog er wieder in Madrid ein, und wurde mit den rührendsten Bezeugungen von Liebe und Treue von seinen Unterthanen empfangen. Daß er die Bedingungen nicht annahm, welche die Cortes ihm, als dem künftigen Regenten des Reichs, in ihrer Constitution, vorschrieben, mochte wohl gerechtfertigt werden, nicht nur weil diese Bedingungen die Macht der höchsten Staatsgewalt auf eine dem allgemeinen Beßten nicht zuträgliche Weise lähmten, sondern auch, weil er wußte, daß die Parthie, welche ihm freiere Hände lassen wollte, die überwiegende war; überdieß ertheilte er die feierliche Versicherung, selbst eine Constitutionsurkunde zu geben, wie sie die Aufklärung von Europa, die Oertlichkeit und die allgemeinen Bedürfnisse der spanischen Unterthanen auf beiden Halbkugeln der Erde nothwendig machen.

Aber es wurde diese Versicherung nicht nur nicht erfüllt, sondern es erfolgten auch von dem Augenblicke des Regierungsantritts des Königs Schritte und Handlungen, welche die unzulässigsten Maximen voraussetzten, und das Erstaunen und die Mißbilligung von Europa erregten.

Es bildete sich ein furchtbares Verfolgungssystem gegen alle diejenigen Personen, denen man in politischer Hinsicht liberale Ideen zutraute, und seine Schläge trafen viele von den verdienten Männern, deren patriotischen Sinne Ferdinand die Wiederherstellung seines Thrones verdankte. Hinrichtungen, Arretirungen, Verbannungen und Vermögensconfiscationen hatten in allen Gegenden des Reiches statt, und werden oft durch unmittelbares königliches Erkenntniß verfügt. Die Preßfreiheit wurde aufgehoben, und die Censur in ihrem ganzen ehemaligen Umange wieder hergestellt. Alle Mönchsorden von beiden Geschlechtern erlangten ihre vorige Verfassung und ihre Güter. So gar die Inquisition trat in ihre alten Rechte ein. Die Geistlichkeit erhielt die ausgezeichnetsten Begünstigungen. Der Jesuiterorden wurde wieder hergestellt.

Es erwies sich in allen Akten der Regierung ein despotischer, mit Heftigkeit durchgreifender, überall auf Unterdrückung der Geistesfreiheit und des selbstständigen Lebens der Individuen strebender Charakter. Unzähliche Mal wechselten die ersten Staatsbeamten ihre Rollen; aber immer blieb dieser Charakter derselbe. Es erhuben sich Bewegungen im Reiche; die Strassen waren überall unsicher; die Gewerbe lagen tief darnieder; die Cassen des Staats befanden sich in der tiefsten Erschöpfung; die Colonien in Amerika beharrten in einer immer weiter greifenden Empörung; selbst die auswärtigen Mächten ließen den König daran erinnern, was er der so herrlich bewährten Treue seines Volkes und dem Geist der Zeit schuldig sey. Indessen dauerte dieser unglückliche Zustand von Spanien bis jetzt fort, und wenn auch im einzelnen mancher Rückschritt gemacht wurde, der die Bereitwilligkeit erwies, frühere Fehlgriffe zu verbessern, so ist doch für die radicale Heilung der herrschenden Uebel noch wenig geschehen.

Im Anfange des Jahrs 1816 hat sich der König Ferdinand mit der zweiten Tochter des Prinzen Regenten von Portugall, Maria Isabella Franziska, verlobt. (Vergl, Spanien.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

"Das glaube ich, erwiederte er, die Prinzen in Valencay gingen auf die Jagd, sie gaben da Bälle, ohne auch nur ihre Gefangenschaft in physischer Rücksicht zu ahnen; Achtung, und alle gebührende Rücksichten umgaben sie von allen Seiten. Man hatte den alten König Karl IV. von Compiegne nach Marseille, und von Marseille nach Rom gebracht, so wie er gewollt hatte. Und dabei, welch ein Unterschied zwischen dem dortigen Lokal und dem hiesigen!


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.