Ferdinand von Schill

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Ferdinand von Schill, königlich preußischer Major, Anführer eines Freikorps.

Major F. von Schill.
Geboren 1773. Gestorben 1809.

Er wurde im Jahre 1773 zu Sotthof, einem in Oberschlesien gelegenem Gute seines Vaters, geboren. Die militärische Laufbahn des tapfern Greises, eines gebornen Ungers, scheint in mancher Hinsicht Ferdinands Vorbild gewesen zu seyn, welcher der Jüngste unter vier Söhnen war, die sich sämmtlich dem Waffendienste widmeten.

Ferdinand kam zuerst auf die Breslauer Schule, im Jahre 1789 als Junker zum Husarenregimente Schimmelpfenning, und 1790 zum Dragonerregimente der Königin. Man erzählt, der Garnisonsdienst hätte Schills lebhaftem Streben gar nicht zugesagt; er habe sich vielmehr ununterbrochen mit Planen und Entwürfen für die Zukunft beschäftigt, und sich daher beim Exerziren manchen Verweis zugezogen.

Im preußischen Feldzuge vom Jahre 1806 rückte er als Secondlieutenant aus, wurde in der Schlacht bei Auerstädt gefährlich verwundet, rettete sich aus der französischen Gefangenschaft, und kam in übelem Zustande zu Kolberg an.

Kaum genesen, erhielt er auf sein dringendes Bitten vom Kommandanten in Kolberg sechs Kürassiere. Mit diesen machte er nun kühne Streifzüge in die umliegenden Gegenden und Städte, haschte den Franzosen mehrere bedeutende Magazine, die sie abholen wollten, beinahe vor den Augen weg, und machte selbst sieben französische Offiziere in dem Städtchen Massow zu Gefangenen.

Auf diesem Zuge hatte er verschiedene Versprengte, Waffen und Dienstpferde gefunden. Dieß erweckte in ihm zuerst die Idee zur Errichtung eines eigenen Korps. Zu diesem Ende trachtete er sich vor Allem von dem Zustande der vorzüglichsten Ortschaften der umliegenden Gegenden zu unterrichten. Er hatte jetzt ein kleines Kommando von ungefähr zwanzig Mann Infanterie und Kavallerie. Mit diesen unternahm er manches Wagestück und fügte den Franzosen manchen Schaden zu. So nahm er Fouragewägen, in mehreren Orten die Kassen (im Gesammtbetrage von neuntausend Reichsthalern), und lieferte alles nach Kolberg ab. Aus dem Städtchen Gülzow vertrieb er ein beträchtliches feindliches Infanterie- und Kavallerie-Detaschement, welches er so zu schrecken wußte, daß es mit einem überlegenen Feinde zu thun zu haben glaubte. Er machte bei dieser Gelegenheit drei und dreißig Gefangene und eine Beute von tausend Reichsthalern, mehreren Offiziers-Equipagewägen und Waffen; alles wurde wieder nach Kolberg abgeliefert.

Der Ruf, welchen er sich durch solche Bravouren erwarb, zog eine immer größere Anzahl von Ranzionirten herbei. Er errichtete jetzt eine Eskadron Kavallerie, und suchte auch Jäger und Schützen an sich zu ziehen. Zu diesem Ende verwendete er oft sein eigenes Vermögen.

Nun wurde er mit vierzig Pferden von seiner Eskadron als stehendes Kommando nach dem Städtchen Greifenberg gesandt. Hier führte er in den Wäldern den kleinen Krieg mit vielem Glück, schnitt dem Feinde die Kommunikazion zwischen Stettin und Wollin ab, hob mehrere französische Offiziere von höherem Range auf (unter ihnen auch den General Victor, welcher nachher gegen den preußischen General Blücher ausgewechselt wurde), und machte neuerdings viele Beute an Geld, Waffen und Pferden. Vergebens bemühte sich der Feind, ihn durch verschiedene Detaschements aufzuheben.

Indeß wurde Schill nach Kolberg zurückberufen, und seine Mannschaft unter die Garnison der Festung eingetheilt. Erst nach mißlungenen Expedizion auf Wollin erhielt er wieder freiere Hand. Unterm 12. Jänner 1807 erhielt er endlich vom König in sehr gnädigen Ausdrücken die Erlaubniß zur Errichtung eines regulären Korps, welches aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestehen sollte. An Mannschaft hatte er bald keinen Mangel, destomehr aber an Kleidung und Waffen. Es wurden daher Bürger- und Bauernflinten requirirt, aus erbeutetem Eisen Ladstöcke und Bajonette geschmiedet; aber dessen ungeachtet mußten, wegen Mangel an Gewehren, viele mit Piken und Sensen ausgerüstet werden. Eben so übel stand es um die Kleidung. Die Infanterie zog zum Theil in leinenen Kitteln und barfuß einher, die Kavallerie oft ohne Sattel, mit Trensen von Stricken gedreht, und den Säbel an einem Stricke befestigt. Die Artillerie hatte weniges eisernes und kleines Geschütz. So buntscheckig aber auch das Äußere dieses Korps seyn mochte, so wurde es doch von einem herrlichen Geiste des Muthes und der kühnsten Tapferkeit belebt. Erst späterhin vermochte Schill seine Mannschaft mit erbeutetem Tuche besser zu uniformiren und eben so zu bewaffnen. Da er selbst alle Mühseligkeiten mit Geduld und Frohsinn standhaft ertrug, so thaten seine Leute ein Gleiches. Er behandelte sie gütig, und sie liebten ihn. Er ging ihnen mit dem Beispiele der Tapferkeit vor, und sie folgten ihm. So versah er die Festung Kolberg mit Proviant und sandte dem königlichen Heere in Pohlen mehrere Tausende von den erbeuteten Geldern. Er ward der Schrecken so mancher feindlichen Truppenabtheilung. Im Februar 1807 wurde er zum Rittmeister befördert. Bei der Belagerung von Kolberg leistete er durch mehrere Ausfälle die wichtigsten Dienste. Im April ging er mit einem Theile seines Korps nach Schwedisch-Pommern, um bei einer preußisch-schwedischen Division von Stralsund aus im Rücken der französischen Armee zu operiren. Am 9. Mai kam er wieder nach Kolberg zurück, und die Belagerer erfuhren neuerdings seine ihnen fürchterliche Gegenwart.

Bald nachher wurde Schill vom Könige zum Major ernannt, und sein Korps erhielt die Erlaubniß, neben dem Namen der Provinz, wo es im Standquartier war, auch Schills Namen zu führen. Am 10. Dezember 1808 zog er in Berlin ein. Man empfing ihn mit Jubel. Ein Lorbeerkranz wurde ihm überreicht. Aber ungeachtete aller Ehren- und Beifallsbezeigungen behielt Schill ganz seine vorige Bescheidenheit.

Nicht lange fand Schill an seinem jetzigen ruhigeren Zustande Behagen. Vom Drange nach Thätigkeit dahingerissen, faßte er den Entschluß, als Partheigänger aufzutreten -- und verließ am 29. April 1809 mit seinem Regimente Berlin und die preußischen Staaten heimlich und ohne Bewilligung. So brach er in Westphalen ein. Der König von Preußen mißbilligte die eigenmächtige Entfernung, und der König von Westphalen setzte den Preis von zehntausend Franken auf Schills Kopf. Dieser ließ sich aber von seinem Plane durch nichts abwendig machen, sondern marschirte zuerst vor die sächsische Stadt Wittenberg, die er mit Sturm bedrohte. Als ihm aber die Wegnahme nicht gelang, ging er am 1. Mai über die außerhalb der Stadt befindliche Elbebrücke, durchzog rasch das Anhaltische, erhob in Dessau eine Kontribuzion, erlaubte den Soldaten in Köthen das Schloß zu plündern, besetzte Halle, und hatte bei Dodendorf, unweit Magdeburg, am 5. Mai mit der Garnison der Festung ein blutiges Gefecht, welches durch seine Kavallerie sich für ihn entschied. Er machte dabei zweihundert Westphalen zu Gefangenen.

Nun aber nahm sein Schicksal eine der vorigen entgegengesetzte höchst ungünstige Wendung. Der König von Westphalen erklärte seine Mannschaft für eine bewaffnete Räuberhorde, ihn selbst vogelfrei. Von der preußischen Regierung wurde er vor das Kriegsgericht gefordert.

An diesen unerwarteten Schlägen scheint Schills planmäßige Entschlossenheit gescheitert zu seyn. Er vertheilte seine Truppen in einzelne Detaschements, zog allerlei schlechtes Gesindel an sich, und plünderte verheerend im Elbe-, Saal- und Ocker-Departement. Indeß hatten sich gegen ihn französische und westphälische Truppen mit der holländischen Division Gratien vereinigt, welche am 15. Mai zu Stendal eintraf. Schill, dessen Macht sich nun auf sechstausend Mann belief, besetzte die meklenburgische Festung Dömitz, und streifte von da bis Lauenburg, Lübeck und Hamburg. Er wurde aber am 24. Mai durch den General d'Albignac aus dem mit Sturm genommenen Dömitz wieder vertrieben, und nun rückten die erwähnten vereinigten Korps von vier Seiten zu seinem Verderben heran, so, daß dem Eingeschlossenen nur die Seeseite noch frei blieb. Schill ging daher über Wismar, Rostock und Dammgarten, wo er noch fünfhundert Meklenburger, die ihm den dortigen Paß sperren wollten, zu Gefangenen gemacht hatte, nach Stralsund, wo er am 25. Mai eintraf. Er nahm die Stadt nach einem halbstündigen Gefechte mit der französischen Artillerie und traf alle Anstalten zur hartnäckigsten Vertheidigung. Am 31. Mai erschien General Gratien, durch eintausend und fünfhundert Dänen verstärkt, vor der Stadt. Schills Korps war nun ungefähr siebentausend Mann stark. Der Angriff begann. Schill verbreitete durch ein Kartätschenfeuer aus sieben und zwanzig Kanonen unter den Stürmenden Tod und Verderben. Allein dessen ungeachtet drang ein holländisches Linienregiment in die Stadt, wo Schills Truppen zum Empfang aufgestellt waren. Ein heftiges Gefecht, von beiden Seiten mit Wuth und Erbitterung geführt, endigte sich hier mit Schills Tode, welcher von zwei dänischen Husaren, denen er sich, obschon verwundet, nicht ergeben wollte, niedergehauen wurde.

Das nachher verbreitete Gerücht, Schill lebe noch, widerlegte ein holländischer Wundarzt, welcher das Haupt des Getödteten, in Weingeist aufbewahrt, zeigte.

Ferdinand von Schill.

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Schill (Ferdinand von), berühmt und dem deutschen Patrioten werth und in ehrendem Andenken als ein kräftig aufstrebender Held, der sich schnell durch seinen Geist emporschwang, die Liebe seiner Nation gewann und, hingerissen von gerechtem Haß gegen Preußens und Deutschlands Unterdrücker, mit dem Schwerte in der Hand für sein Vaterland starb, unter Umständen, die ihn doppelt merkwürdig machen.

Schill war 1773 zu Gotthof in Schlesien, einem Gute seines Vaters, geboren. Dieser, von Geburt ein Unger, preußischer Obristlieutenant, der später nach Pommern zog und ihn überlebt hat, widmete ihn dem Militärdienst.

Im J. 1806 stand Schill als Unterlieutenant bei dem preußischen Dragoner-Regiment der Königin (ehedem Anspach-Bayreuth) und kam, in der unglücklichen Schlacht vom 14ten October verwundet, noch ehe er völlig genesen war, nach Pommern, wo er sich zuerst an den Befehlshaber der Festung Colberg, den Obersten von Loucadou, wendete, und ihn um Unterstützung bei seinen Streifzügen bat, die ihm jedoch nur selten gewährt wurde. Dennoch ließ er nicht ab, mit seiner ganzen Thätigkeit den Feinden entgegenzuwirken. Alles, was er that, war einzig sein Werk, von seinem Haupte ersonnen, und mit seiner Faust durchgefochten. Zwei Dragoner von dem Regimente, welchem er angehörte, waren die ersten, mit denen er einige kühne Streiche ausführte. Der Ruf mancher gelungenen That führte ihm bald viele der flüchtig herumirrenden zu, aber Loucadou's neidische Besorglichkeit ließ seine Freischaar nie über 50 bis 60 Mann anwachsen, worüber Schill sich mit Recht auf das heftigste aber vergebens beklagte.

Sein vorzüglichstes Gefecht in jener Zeit war bei Neugardt, wo er jedoch leider eine neue Verwundung erhielt, die seine Thätigkeit unterbrach, sein glücklichster Fang der General Victor, gegen welcher Blücher ausgewechselt wurde.

Nicht eiteln Selbstruhm, sondern den höhern Vortheil des Vaterlandes im Auge, beschränkte Schill sich auf einen Wirkungskreis, der für ihn vielleicht minder glänzend war, auf dem er aber mit Erfolg nutzen konnte. Ohne ihn wäre wahrscheinlich Colberg vor Gneisenau's Ankunft übergeben worden.

Er war im Begriff, unter Blücher mit größerm Nachdruck in Pommern aufzutreten, als der tilsiter Friede erfolgte. Die Regierung erkannte Schills Verdienste an. Er ward nicht nur Major und Chef eines Husarenregiments, sondern noch überdies von dem Könige und der Königin ehrenvoll ausgezeichnet. Zugleich war Schill der Liebling des Volks geworden. Davon ward ihm der schönste rührendste Beweis, als er im Jahr 1808 an der Spitze seines Regiments in Berlin einzog. Ein beispielloser Freudentaumel beseelte alle Volksklassen, auf deren begrüßendes Zujauchzen der bescheidene Held nur durch Thränen danken konnte. Der besonnene Zeuge jenes Tages konnte ihn als eine sichere Gewähr annehmen, daß das preußische Volk, wenn auch besiegt und in schmachvoller Erniedrigung seufzend, sich doch das heiligste, den Glauben gerettet habe, daß der Gedanke, der nach dem tilsiter Frieden eingetretne Zustand könne dauern, nirgend Wurzel geschlagen, daß man in Schill einen künftigen Erretter sah. Er ward jetzt der Mittelpunkt, um den sich das berlinische leben drehte; edle Frauen, gelehrte, jüngere und ältere Offiziere, auswärtige Gesandte, alle warben mit gleichem Eifer um Schills nähern Umgang, wobei es auch an heimlichen Hassern und Neidern nicht ganz fehlte.

Krieg gegen Frankreich war der Wunsch aller Herzen. Oesterreich rüstete sich und erklärte endlich 1809 den Krieg. Viele lagen dem Könige von Preußen an, diesen günstig scheinenden Zeitpunkt zu benutzen. Wirklich pflog man Unterhandlungen, die sich aber zerschlugen. Schill empfing aus Königsberg von einer wichtigen Hand diese Zeilen: "Der König schwankt, Schill muß fort, damit der König nicht wieder zurück kann." Da zog der kühne Mann am 28. April, ohne seines Königs Wissen und Willen, als wolle er exerciren, mit seinem Husarenregiment aus Berlin, und schnell über die Gränze; Fußjäger folgten ihm, aber auch mancher, der zugesagt hatte, blieb zurück.

Nicht auf Antrieb des sogenannten Tugendvereins hatte Schill dies Wagstück unternommen, denn er gehörte nicht dazu; vielmehr hatte er den Eintritt mit der Antwort abgelehnt: "ich bin ein Hitzkopf, könnte leicht einen dummen Streich machen; was ich thun will, werd' ich allein thun, aber auch allein verantworten." Wohl aber befanden sich Mitglieder dieses Bundes unter seinen Begleitern.

Schills Unternehmung beruhte einzig auf der Hoffnung, daß die österreichischen Waffen siegreich in Bayern vordringen würden; dann wäre, welchen Entschluß auch Preußen genommen hätte, Norddeutschland durch ihn aufgeregt worden. Statt dessen zertrümmerte Napoleon ihm in Baiern entgegenwirkende Macht, und somit ging für Schill die Möglichkeit, den Oesterreichern sich anzuschließen, verloren; Preußen sah sich genöthigt, den Mann zu ächten, der es befreien wollte; das Volk in Norddeutschland zögerte, zu den Waffen zu greifen, da es dem Erfolg nicht vertraute.

Schill wagte nicht mehr, sich von der Elbe zu entfernen. Er zog über Baumgartenbrück nach Cöthen, vertrieb den dasigen Fürsten, der ihn einen Räuber gescholten, und ging bei Wittenberg über die Elbe. Sein erstes Gefecht bestand, er bei Dodendorf gegen eine ihm weit überlegene Zahl Westphalen und Franzosen. Hier fielen seine Freunde Kattenburg, Diegalsky und Stock. Statt jetzt, wie man erwartete, nach Leipzig zu gehen, wo man ihn günstig aufgenommen hätte, zog er an der Elbe entlang nach Altmark, wo er bei Arneburg diese Worte zu den Seinen sprach: "Kameraden, Insurgenten sind wir nicht; wir wollen bloß für unser Vaterland streiten, und unserm Könige die verlornen Länder wiedergewinnen; und wenn er das letzte Dorf wieder hat, dann gehen wir alle nach Hause, und ich schwöre bei meiner Ehre, ich will nie mehr werden als preußischer Offizier." Eine solche Ansicht war vollends nicht geeignet, unter den obwaltenden höchst schwierigen Verhältnissen, die jedoch durch den Preis von 10,000 Franken, den Hieronymus auf Schills Kopf gesetzt hatte, um nichts gemehrt worden, zu einem glücklichen Ausgang zu führen.

Von der Altmark wendete sich Schill nach Meklenburg, wo er Dömitz besetzte, um einen sichern Uebergang über die Elbe und zugleich einen festen Waffenplatz zu haben. Seine Schaar mochte auf 6000 Mann angewachsen seyn. Dann zog er nach Pommern, um sich durch Gewinnung der Meeresküste den Rücken frei zu halten. Hätte er mit einiger Gewißheit auf einen wirklichen allgemeinen Aufstand rechnen können, so würde er gewiß nicht angestanden haben, in das Herz des Königreichs Westphalen vorzudringen; unter den eingetretnen Verhältnissen war seine Mannschaft zu gering für ein Unternehmen von so ungewissem Erfolg. Und wer möchte ihn tadeln, daß er das Leben so vieler Wackern, ja den ganzen Zweck des Wagestücks nicht tollkühn daran setzen, sondern lieber Zeit gewinnen, und im schlimmsten Fall sich einen Ausweg offen halten wollte. Stralsund schien ihm diese Vortheile zu gewähren, darum warf er sich den 25sten Mai in diese Stadt, in der er sich sogleich zu befestigen suchte.

Aber ihn, diesen glimmenden Funken, der leicht zur gefährlichen Flamme werden konnte, schnell zu erdrücken, waren sogleich die kräftigsten Maßregeln ergriffen worden. Zehntausend Mann Holländer und Dänen unter Gratien und Ewald rückten gegen Stralsund an. Schill, das Mißliche seiner Lage einsehend, schlug den Seinigen vor, sich dem Meere anzuvertrauen; aber sie antworteten ihm einmüthig: "So weit die Erde fest und der deutsche Himmel über uns ist, wollen wir ziehn, aber nie zu Schiffe!"- So blieb denn nichts übrig als zu fechten auf Leben und Tod.

Am 31sten Mai erschienen die Holländer und Dänen vor Stralsund, und drangen nach einem fürchterlichen Kanonen- und Gewehrfeuer in die Stadt, in der bald durch alle Straßen gekämpft wurde. Schills tapfre Genossen fochten wie Verzweifelnde. Er selbst war im heißesten Gewühl, und erschlug eben den holländischen General Carteret mit den Worten: "Hundsfott bestell' mir Quartier!" als er selbst unter den feindlichen Säbeln fiel. Mit seinem Tode hörte der Widerstand auf. Viele der Seinen waren geblieben, viele wurden gefangen und zu schmählicher Strafe verurtheilt, nur wenige retteten sich. Aber auch der Feind hatte seinen Sieg theuer erkauft.

So endigte ein kühnes, aus reinem Patriotismus mit einem begeisterten Herzen gewagtes Unternehmen, dessen Helden von dem Vaterlande wohl nicht gebührend anerkannt worden.


Quellen und Literatur.

  • Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Ferdinand von Schill. Eine Lebensbeschreibung nach Orginal-Papieren. Herausgegeben von J. C. L. Haken. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1824.