François-Christophe Kellermann

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Kellermann.

General Kellermann, Staatsrath.

Kellermann, französischer Reichsmarschall, Herzog von Valmy, Herr des Johannisbergs xc. trat in die Legion von Conflans als bloßer Hussar und stieg bis 1791 zum General empor. Er wurde um diese Zeit im Elsaß angestellt, wo er sich bemühte, einigermaßen den Mangel der Mannszucht unter den Truppen, den er dem Nichtbürgersinne (incivisme) der Officiere zuschrieb, abzustellen, und erhielt zu Landau, wo er damahls kommandirte, ein Bürgerkrone, weil er die Soldaten bewogen hatte, die Volksgesellschaften zu besuchen. Nachdem er nach dem 10. August den Gleichheitseid geleistet hatte, empfing er das Kommando der Moselarmee, bewerkstelligte im September seine Vereinigung mit Dümouriez und nahm damahls die Stellung von Valmy ein. Den 19. hielt er in dieser einen Angriff aus, der, so unbedeutend er war, unter dem Nahmen der Kanonade von Valmy berühmt geworden ist, weil er die einzige Action in diesem Feldzug blieb, und endlich doch wichtige Folgen hatte. Da er hierauf unter Cüstines kommandirte, denunzirte ihn dieser, daß er sich nicht der Städte Maynz und Trier bemächtigt habe. Er schrieb unter dem 6. November an den Convent: "daß diese Denunziation eine Wirkung des Wahnsinnes oder des Weins seyn müsse." Bald angegriffen, bald vertheidigt von den Jakobinern ward er nach einander an der Mosel, an den Alpen, bey der Belagerung von Lyon angestellt, und nahm an der Vertheidigung der mittägigen Grenzen von Frankreich Theil; doch konnte er nicht den Denunziationen, die damahls alle Generale drückten, entgehen: man gab ihm Schwäche, selbst Verrätherey Schuld, und setzte ihn ab. Nachher wurde er aus der Gesellschaft der Jakobiner ausgeschlossen, und kurz darauf im September 1793 in die Abtey gesetzt. Das Revolutions-Tribunal sprach ihn den 8. November 1794 frey. 1795 nahm er das Kommando der Alpen- und Italienischen Armee wieder, legte sein Hauptquartier nach Albinga und machte einen Feldzug, der in seinen Folgen von keiner Wichtigkeit war, aber durch Kellermanns Widerstand gegen eine überlegene Macht merkwürdig wurde. Bonaparte erhielt damahls den Titel eines Obergenerals der italienischen Armee, und Kellermann behielt bloß den von der Alpenarmee, die gewissermaßen nur jener als Reserve und Beobachtungskorps diente. 1797 begab er sich nach Paris, wünschte dem Direktorium zur Entdeckung der Verschwörung Babeufs Glück, und ward von demselben bevollmächtigt, Lyon in Belagerungsstand zu setzen, und sodann die Gendarmerie zu organisiren. Nachdem er 1798 zu einer Generalinspection ernannt worden war, erhielt er im Theater zu Angers eine Krone, die er den konstituirenden Autoritäten überschickte, und ward darauf Mitglied der Kriegskanzley bey dem Direktorium. Nach den 18. Brümaire trat er in den Erhaltungs-Senat, von dem er den 2. August 1801 zum Präsidenten ernannt wurde; den 3. July 1803 erhielt er den Titel eines Großoffiziers der Ehrenlegion, ward bald darauf zum Reichmarschall erhoben, und mit der Senatorerie von Colmar belehnt. Zu Ende 1805 begab er sich in die Departemente des Oberrheins, um daselbst die Nationalgarde zu organisiren; im Jahre 1806 half er die hessischen Unruhen dämpfen. Später schenkte ihm Napoleon den Johannisberg; im Jahre 1808 ward er Herzog von Valmy und Oberbefehlshaber der Kanalküstenarmee. Bey dem Ausbruche des Kriegs mit Oesterreich 1809 ward ihm die Organisation der Neukonscribirten im Elsaß übertragen.


Kellermann, Herzog von Valmy, Marschall und Pair von Frankreich.

Kellermann trat als gemeiner Husar in die Legion von Constans, und war schon 1791 zum General emporgestiegen. In dieser Eigenschaft ward er im Elzaß angestellt, wo er sich bemühte, die Kriegszucht unter den Truppen wiederherzustellen: eine Bürgerkrone, die er zu Landau erhielt, war der Lohn dieser Anstrengungen, und zugleich der bei der National-Versammlung den Soldaten ausgewirkten Erlaubniß, die Volksgesellschaften zu besuchen.

Im August desselben Jahrs empfing er das Commando über die Mosel-Armee, und nahm, nachdem er im September seine Vereinigung mit Dumouriez bewerkstelligt hatte, die Stellung bei Valmy, einem Dorfe in der Champagne, ein. Hier hielt er am 19. Sept. den bekannten Angriff aus, der sich durch die fürchterliche Kanonade, welche der Herzog von Braunschweig, wiewohl fruchtlos, auf diese Stellung machte, auszeichnete. Bei dem darauf erfolgten Rückzuge der Preußen aus der Champagne, klagte ihn Dümouriez mehrerer begangener Fehler, z. B. daß er Mainz und Trier nicht weggenommen habe, bei dem Convente an; Kellermann aber wußte sich nicht nur zu vertheidigen, sondern er ward auch nach und nach an der Mosel, bei der Alpenarmee und endlich bei der Belagerung von Lyon angestellt, welche letztere er jedoch, wahrscheinlich aus Menschlichkeit, so saumselig betrieb, daß er der Verrätherei beschuldigt und in's Gefängniß geworfen wurde, aus welchem er erst nach Robespierre's Sturz, durch einen Ausspruch des Revolutions-Tribunals, am 8. Nov. 1794 seine Freiheit wieder erhielt.

Im folgenden Jahre empfing er das Commando der Alpen- und italienischen Armee, mußte jedoch Buonaparte weichen, der bald darauf als Obergeneral der italienischen Armee nach Italien kam.

Nachdem er 1797 nach Paris zurückgekehrt war, erhielt er vom Directorium den Befehl, Lyon in Belagerungszustand zu versetzen, und sodann die Gensdarmerie zu organisiren.

Im folgenden Jahre ward er zu einer General-Inspection ernannt, und hielt im Theater zu Angers eine Krone, die er sogleich den constituirenden Autoritäten übersandte. Hierauf trat er in die Kriegskanzlei, dann in den Erhaltungssenat, von welchen letztern er am 2. Aug. 1801 zum Präsidenten ernannt wurde.

Am 3. Jul. 1803 erhielt er den Titel eines Großoffiziers der Ehrenlegion, ward bald darauf zum Reichsmarschall erhoben und mit der Senatorie von Colmar belehnt. Später schenkte ihm Napoleon den Johannisberg, und im J. 1808 ward er Herzog von Valmy und Oberbefehlshaber der Kanalküsten-Armee.

Bei dem Ausbruche des Krieges mit Oesterreich 1809, ward ihm die Organisation der Neuconscribirten im Elzaß übertragen. Diesen Wirkungskreis behielt er auch in den folgenden Feldzügen von 1812, 13 und 14.

Nach der Wiederherstellung des Königthums in Frankreich, wurde Kellermann von Ludwig XVIII. ehrenvoll ausgezeichnet. Er wurde zum königlichen Commissär für die Militär-Division Metz, und bald darauf zum Pair des französischen Reichs ernannt. Da er an Napoleons Usurpation im J. 1815 keinen Antheil nahm, so behielt er auch nach der zweiten Restitution der Bourbons seine vorigen Aemter und Würden.



Sein Sohn (geb. 1770) zeichnete sich 1796 als General-Adjutant bei der Armee von Italien, und am 16. März beim Uebergange über den Tagliamento aus. Im Jahre 1800 trug er als Brigadegeneral, nebst Desaix, zum Siege von Marengo bei. In der Schlacht bei Austerlitz ward er verwundet. In Portugal unterzeichnete er, in Junot's Namen, die Capitulation von Cintra, 30. August 1808. Darauf erkämpfte er 1809 in Spanien mehrere Vortheile, zeichnete sich 1813, 20sten Mai in der Schlacht bei Bautzen aus, vorzüglich aber 1814 in den Treffen bei Nangis (17. Februar) und bei Provins.

Den 6. April erklärte er sich für Ludwig XVIII., der ihm seine jetzigen Würden ertheilte. Napoleon hob ihn 1815 zum Pair, was er aber nach der Rückkunft des Königs nicht blieb.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Kellermann. General der Republik, und wahrlich ein ächter und eifriger Republikaner, wenn man dem nachstehenden Aktenstücke Glauben bemessen darf.

Chambery, den 30. December 1792. (I. J. der Republik.)

"Meine Bürger Kollegen!
"Am 27, des I. M. wurden wir, bey Beendigung der Militairmesse benachrichtigt, dass die Musik des 79. Regiments (ehemals Boulonnais) darin mehrere, mit Recht verbotene Musikstücke, namentlich die Ouverture des Richard und mehrere Arien aus dieser Oper, jedoch das zu berüchtigte : O Richard! O mon Roi! ausgenommen, gespielt habe. Die Denunziation schien von so ernsterem und wichtigerem Charakter zu seyn, da dieses Ereigniss gerade mit dem Zeitpunkte zusammentraf, wo man vermuthete, dass Louis-Capet gerichtet werden würde, und da ausserdem mehrere Offiziere dieses Regiments des Incivisms verdächtig sind. Wir zeigten den Vorfall sogleich dem General Kellermann an. Derselbe begab sich zu uns; schickte den Obersten des Regiments in Arrest: die Musiker ins Gefängniss, und ihren Direktor in enge Haft. Die Festigkeit, welche der General bey dieser Gelegenheit bewiesen erzeugte die trefflichste Wirkung auf den Volksgeist."
(Schreiben der Kommissaire des Konvents im Departement Du Mont-Blanc, verlesen in der Sitzung vom 3. Januar 1793.)


Kellermann war am 14. November 1792 vor den Schranken des Nationalkonvents erschienen, und sprach zu seiner Rechtfertigung:

"Repräsentanten!
"Der Vollziehungsrath hat mich nach Paris berufen, um ihm Rechenschaft von meinen Operationen abzulegen. Eure Kommissaire haben geprüft, ob der General seinen Soldaten in Civism, Muth und Ausdauer nachstand; ob in Verfolgung des Feindes auch nur ein einziger Augenblick verloren worden, ob endlich Kellermann, der seit dreyssig Jahren (?), die Heere der Nation kommandirt, und unablässig die Aristokratie und den Fayettism bekämpfte, in diesen letzten Zeiten den Grundsätzen und der Würde eine Soldaten untreu wurde, der mit Herz und Seele Republikaner geboren ist? . . . ."


Reichsmarschall; Herzog von Valmy; Kommandeur des Ordens der Eisenkrone; Senator am 3. Nivose 8. J.; in die Benefizienliste des Senats zur Senatorie von Colmar eingetragen *). Unter dem Könige am 4. Juny 1814 zum Pair von Frankreich ernannt. Am 13. Plüviose 13. J. Grosskreuz der Ehrenlegion. 1814 Grosskreuz des Sankt-Ludwigs-Ordens, und Königlicher Gouverneur der fünften Militairdivision.

"Bürger und Soldaten!

"Nach dem Willen des Königs soll der Friede dem Volke eine wirkliche Wohlthat, und dem Heere eine ehrenvolle Ruhe seyn. Er will die Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe; die Sicherheit des Privateigenthums, und die Achtung der mit seinem Vertrauen beehrten Autoritäten; eine richtige Einhebung der Auflagen; die Rückkehr der alten Ordnung in alle Verwaltungszweige, und die Belohnung seiner väterlichen Sorge für seine Unterthanen, durch deren Unterwerfung und Dankbarkeit.

"Magistrats-Personen, Heerführer, Einwohner und Soldaten, lasst uns die Vorschriften dieses geheiligten Willens pünktlich befolgen; vereinigen wir uns; bilden wir eine Familie unter einem gemeinsamen Vater, hegen wir, gleich unserm geliebten Könige, nur einen Wunsch, das Glück Frankreichs; und geben wir Alle Seiner Majestät die Wahrsten und sprechendsten Beweise unserer Liebe, unserer Treue und unserer Ehrfurcht für seine geheiligte Person.

"Im Hauptquartier Strassburg, den 8. July 1814.

Der Marschall und Pair von Frankreich, Gouverneur der fünften Militairdivision,
Kellermann, Herzog von Valmy.
*) Mit dem Johannisberge im Rheingau dotirt, den er aber nach Napoleons Untergange verlor.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.