François-Pascal Simon Gérard

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Gerard (Francesco), ist 1770 in Rom geboren, sein Vater war Franzose, sein Mutter aber Italienerin. Er würde der erste, trefflichste Zögling Davids heißen, wenn er nicht selbst als Meister neben seinem Meister stände. Seine Gemälde zeichnen sich durch reine Anmuth und wahre Grazie aus. So richtig seine Zeichnung ist, so überaus lieblich, blühend und dennoch wahr ist sein Colorit.

Von erster Jugend an zeigte sich der Funke von Gerards Talent schon. Sein erster Lehrer, der Bildhauer Pajou, wollte ihn bloß zum Zeichnen anhalten, Gerard aber suchte verstohlner Weise Farbe und Zeit zu gewinnen, und malte in vierzehnten Jahren ein Bild, welches eine Pest vorstellt. Diese Composition atmet einen edeln und feurigen Geist, und Sinn für antike Schönheit und Verhältnisse. Dies interessante Gemälde befindet sich in der kleinen Sammlung des Herrn Chenard, Sänger der komischen Oper. Gerard machte unter Davids Leitung unbegreiflich rasche Fortschritte.

Auch er war anfangs eifriger Revolutionär und Richter bei dem Tribunal, das über Leben und Tod entschied; doch stellte er sich krank, um nicht gezwungen zu werden, Antheil an dem Prozeß gegen die Königin zu nehmen.

Man hätte Unrecht Gerard nach einzelnen seiner zahlreichen Werke zu beurtheilen, er ist sich bei den Portraits sehr ungleich; er behandelt manche mit Enthusiasmus und stattet sie mit dem seelenvollsten Reiz aus, während er andere nur als Gelegenheitsstücke betrachtet. Sein Wunsch reich zu werden und im Ueberfluß zu leben, auch oft und lange müßig zu seyn, ist Ursache, daß man leider von ihm nur wenige historische Gemälde erhielt und daß er sich fast ausschließend der Portraitmalerei widmet. In diesem Fach ist er aber unübertrefflich und nur Robert Lefebre wetteifert mit ihm. Für ein Brustbild einer Privatperson werden ihm gewöhnlich 500 bis 800 Rthlr. gezahlt, für jedes lebensgroße Portrait eines Gliedes der Familie Bonaparte erhielt er 90,000 Francs.

Von Gerards historischen Gemälden ist der Belisarius am berühmtesten. Dies Bild macht Epoche im der neuern Kunst. Es wurde 1795 ausgestellt. Die Composition ist höchst einfach. Nicht minder trefflich sind sein Ossian, sein Amor und Psyche, und die vier Lebensalter. Die Schlacht von Austerlitz malte er mit Widerwillen und nur auf Napoleons Geheiß. In neuerer Zeit hat Gerard den König Ludwig XVIII., den Kaiser Alexander, den König von Preußen, den König von Sachsen, den Herzog von Orleans und viele der fremden in Paris versammelten Fürsten gemalt. Seine neuern historischen Gemälde sind ein Homer und ein außerordentlich großes Werk: der Einzug Heinrichs IV. in Paris. Es ist 30 Fuß breit und 19 Fuß hoch. Dies ist das erste Kunstwerk, welches der König Ludwig XVIII. seit seiner Rückkehr bestellte; es wird im großen Saal des Rathhauses ausgestellt werden. Im Julius 1817 wurde es im Sallon ausgestellt, man bewundert die meisterhafte Anordnung und das schöne Colorit eben so sehr daran, als die Aehnlichkeit und den Ausdruck der Gestalten.

Dies Meisterwerk erwarb Gerard den Titel des ersten Malers des Königs; er ist Ritter des St. Michaelordens und der Ehrenlegion, und Mitglied der pariser, wiener und florentiner Akademien.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.