François Joseph Lefebvre

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Lefefre, (Franz Joseph),

Soldat unter der französischen Garde im J. 1773; ist alle Grade durchgegangen; dient diesen ganzen Krieg; Divisions-General den

Kennt vollkommen die Manövres der Infanterie und die Karte, und erfüllt sein Amt sehr gut.


Biographien.

(1811) Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Der Marschall (Lefebvre), Herzog von Danzig.

General Lefevre, Mittglied des Senats.

Der Marschall Franz Joseph Lefebvre wurde zu Ruffach im Departement des Oberrheins am 25sten October 1755 geboren. Mit dem 18ten Jahr (1773) widmete er sich der militärischen Laufbahn. Er trat in die französischen Garden, bey welchem Corps er bis zum Grade eines Commandier-Sergeanten gelangte. Hier würde ihn ein lächerliches Vorurtheil zurückgehalten haben, wenn die Revolution nicht die Schranken veralteter Einrichtungen zertrümmert, und dem Genie und dem Muthe ein offenes Feld dargeboten hätte. Lefebvre erschien mit ausgezeichnetem militärischen Talente auf demselben, und bald ließ er diejenigen, die bisher seine Chefs gewesen waren, hinter sich. Er stieg von Stufe zu Stufe. Die eines Divisions-Generals erreichte er nach dem Treffen bey Lambach und Geisberg (1793), zur Belohnung der Einsicht und Tapferkeit, die er an der Spitze von zwey Divisionen bewiesen hatte.

Hierauf erhielt er das Commando über vier Divisionen, welche das Fort Vauban belagerten, rückte dann mit 17 Bataillonen in die Pfalz, und blockirte hernach den Brückenkopf von Manheim auf dem linken Rheinufer. Seine Division war bey Sainte-Croix, Arlon, Dinant siegreich; sie kämpfte in der ersten Schlacht von Fleurus. Der General Lefebvre commandirte die Avantgarde der französischen Armee. Um 3 Uhr Morgens fing das Gefecht an, und dauerte neun Stunden ununterbrochen fort. Die Truppen unter Lefebvre, die aus 9 bis 10,000 Mann sehr entschlossener Streiter bestanden, blieben fünf Stunden unbeweglich wie ein Wall. Sie schlugen sich lange in der Entfernung eines Pistolenschusses, und hielten den Choc der österreichischen Cavallerie und Infanterie mit großer Heftigkeit aus. Dreymal wurde die französische Armee durch die zahlreichen und furchtbaren Feuerschlünde ihrer Gegner genöthigt, sich auf ihre Verschanzungen zurückzuziehen, und dreymal stürzte sie mit freywilliger Bewegung sich auf die Batterien, deren Kartätschenschüsse ganze Reihen niederschmetterten. Der General Lefebvre nahm Herpigey wieder, dessen sich die Oesterreicher bemächtigt hatten, und trug dadurch, so wie überhaupt durch seinen Muth und seine Talente, zu dem erfolgreichen Ausgange dieses merkwürdigen Tages sehr viel bey. Ihm ward im Gefechte ein Pferd unter dem Leibe getödtet.

An den ersten glücklichen Feldzügen der Sambre- und Maas-Armee hatte Lefebvre thätigen Antheil. Er befehligte ihren linken Flügel in dem Treffen an der Roer bey Limnich; und als der General Kleber sie auf drey Punkten über den Rhein führte, war Lefebvre der erste, der das rechte Ufer des Rheins erreichte. Durch seine Bewegungen wurde die treffliche Position der Oesterreicher tournirt; sie verließen sie nicht ohne Verlust. Nach dem Uebergange über den Rhein marschirte die Sambre- und Maas-Armee längs diesem Flusse, setze über die Sieg, und drang nach der Lahn vor. Der General Lefebvre war auf diesem Marsche wiederholt im Handgemenge mit der österreichischen Arriergarde. Und als der Plan des neuen Obergenerals Jourdan im folgenden Jahre die vor gerückte Division des Generals Lefebvre zu sehr bloß stellte, verhütete dieser die nachtheiligen Folgen, indem er sich zurückzog, und eine sehr einsichtsvolle gewählte Stellung hinter der Sieg nahm, in welcher er ein sehr starkes österreichisches Truppen-Corps im Zaum hielt.

Die Erneuerung der Feindseligkeiten stellte den General Lefebvre wieder an die Spitze der Avantgarde der Sambre- und Maas-Armee. Er drang mit derselben über die Sieg vor, und verfolgte die Oesterreicher bis Altenkirchen, wo sie sich in einer sehr starken Position zu behaupten suchten. Lefebvre griff hier an; er kannte das Terrain vom vorhergehenden Jahre. Auf den Höhen von Altenkirchen theilte er seine Truppen in drey Colonnen. Er selbst befand sich bey der des Centrums, die in der Fronte anrückte. Nach einem Kampfe, der nur zwey Stunden dauerte, allein um so blutiger war, mußten die Oesterreicher weichen.

Indeß hatte sich ihre Haupt-Armee unter dem Erzherzog Carl an der Lahn gesammelt. Dieser erschien so schnell, daß der General Jourdan überrascht wurde, und seine Avantgarde sich im Angesichte einer zahlreichen Armee befand, als sie eben bey Wetzlar vorrücken sollte. Der General Lefebvre führte sie an. Er hatte nur 5 Bataillone und 5 Schwadronen, und behauptete sich damit wieder gegen eine vielfach überlegene Macht, bis Jourdan ihm den Befehl zum Rückzuge ertheilte.

Im Folgenden Jahre übernahm Hoche den Oberbefehl über die Sambre- und Maas-Armee, den Jourdan zuletzt nicht glücklich geführt hatte. Hoch eröffnete den Feldzug durch den Uebergang über den Rhein bey Neuwied; Lefebvre begleitete ihn. Nachdem er über die von der österreichischen Cavallerie vertheidigte Nidda gesetzt hatte, wendete er sich gegen Frankfurt. Hier drangen die französischen Jäger zugleich mit den Oesterreichern ein, als die Unterzeichnung eines Waffenstillstandes ihrem Eifer Einhalt that.

Zu dieser Zeit schrieb das Directorium an den General Lefebvre in folgenden Ausdrücken: "Wenn der Friede, dessen Präliminarien unterzeichnet sind, unverzüglich geschlossen wird, wie wir es hoffen, so wird die Schnelligkeit Ihrer Fortschritte ohne Zweifel dazu viel beygetragen haben. Um so lebhafter wird die Dankbarkeit der Republik für ihre Dienste seyn."

Nach dem Tode des Generals Hoche fiel das provisorische Commando der Armee dem General Lefebre, als ältesten Divisions-General, zu. Er wurde dazu ausersehen, eine Expedition wider Hannover auszuführen; allein mehrere politische Gründe bestimmten das Directorium, diese Idee aufzugeben, die damals ernsthaft aufgenommen war. Der nach der Auflösung des Rastadter Congresses wieder ausgebrochene Krieg gab dem General Lefebvre auch bald Beschäftigung bey der Donau-Armee, die sich unter Jourdan in Bewegung setzte und im ersten Gefechte ihre Gegner aus ihren Positionen verdrängte. Diese wollten ihren Verlust ersetzen. Begünstigt durch einen dichten Nebel, und geleitet durch den Bericht eines Sergeanten, der am Morgen desertirt war und die Parole verrathen hatte, warfen sie sich beym Anbruche des andern Tages mit Macht zwischen die Generale Lefebvre und Saint-Cyr. Am heftigsten war der Angriff bey Ostrach, wo die Avantgarde war. Dieß Corps, welches nur aus 8,000 Mann bestand, schlug sich fünf Stunden wider eine vielfach überlegene österreichische Colonne. Der General Lefebvre gab seinen Soldaten das Beyspiel der Unerschrockenheit und wurde dabey von einem Schuß in den Arm getroffen. Diese Wunde nöthigte ihn, sich nach Hüningen zu begeben, wo er von dem Directorium eine vollständige Waffenrüstung, als einen Beweis der Nationaldankbarkeit für seinen Heldenmuth und die bey der Donau-Armee gezeigten Talente, erhielt.

Hier schließt sich der erste Abschnitt der militärischen Laufbahn des Generals Lefebvre. Kaum geheilt, wurde er (1798) zum Commandanten der 17ten Militärdivision (Paris) e..nannte ein Beruf, der damals besonders schwierig und kritisch war. Denn das Directorium und die beyden Räthe befanden sich im Kriegszustande gegen einander, und alle Gemüther waren bewegt. Was die gutgesinnten Bürger am mehrsten beunruhigte, war die Eröffnung eines neuen Jacobiner-Clubbs in der Reitbahn, dessen Glieder die Schatten von Marat und Robespierre anrufen, und das Schreckenssystem wieder herstellen wollten. Der erste Gebrauch, den er General Lefebvre von seiner Autorität machte, war, daß er die Versammlung der Jacobiner, die von einigen Mitgliedern des Directoriums ganz offenbar begünstiget wurde, schließen ließ.

Die Sorgfalt des Generals Lefebvre konnte sich indeß nicht außer den Grenzen seines Commandobezirks erstrecken. Paris war euhig, ganz Frankreich aber in convulsivischer Bewegung. Da erschien Bonaparte. Als Militär zog der Ruhm des aus Aegypten zurückgekommenen Feldherrn den General Lefebvre an; als Freund seines Vaterlandes beeiferte er sich, ihn am 18ten Brumaire zu unterstützen. Bonaparte trat in der Begleitung von Lefebvre vor die Schranken des Versammlungs-Saales des Raths der Alten, der ihn zu sich gerufen hatte, um ein Decret vorlesen zu hören, welches das gesetzgebende Corps nach St. Cloud verlegte, und Bonaparte zum General en Chef der Armee des Innern ernannte. Auf die Nachricht dieser Sitzung des Raths der Alten hatte sich das Directorium versammelt, und den Befehlshaber der 17ten Division vorgefordert, um von seinem Betragen und der Lage der Dinge in Paris Rechenschaft abzulegen. Lefebvre antwortete, daß er nach dem Decrete nur Bonaparte Rechenschaft abzulegen habe, der zu seinem Obergeneral ernannt worden sey.

Die ganze Nation erklärte, daß sich der General Lefebvre am 18ten und 19ten Brumaire um das Vaterland wohl verdient gemacht habe, und Bonaparte bestätigte ihn durch einen eigenen Beschluß in dem Commando der 17ten Militärdivision. Lefebvre war das Organ, wodurch die in Paris vereinigten Truppen der Regierung ihre enthusiastische Stimmung für die ihnen vorgelegte neue Constitution zu erkennen gaben. Und er wirkte auch kräftig zur Beruhigung des Departements de l'Eure, de la Manche, du Calvados und de l'Orne, als Bonaparte darauf bedacht war, die erste Epoche seines Consulats durch die Beendigung des Bürgerkrieges in der Vendee zu bezeichnen.

So erwarb sich der General Lefebvre auch um die innere Ruhe Frankreichs vielfältige Verdienste. Sein Edelmuth spricht sich in folgenden Zügen aus. Die in Holland gefangen genommenen Russen wurden nach Alençon geführt; auf dem Wege dahin, zu Ruel bey Paris, nahm Lefebvre sie in Augenschein. Ihre große Ermüdung, die eine Folge des langen Marsches war, und ihr Elend rührten ihn; er begab sich sogleich zum Kriegsminister, und erhielt, daß diese Gefangenen zu Ruel so lange bleiben sollten, als er es dienlich finden würde. er machte sich die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zum Geschäft, und ertheilte selbst dazu die nöthigen Befehle. -- Während er die 17te Militärdivision commandirte, erfuhr er, daß im Gefängnisse der Abtey ein feuchter, ungesunder Kerker sey, worin der grausame Gefangenwärter willkührlich einen Gefangenen schmachten ließ, um ihn für die versuchte Entweichung zu bestrafen. Ueberzeugt, daß sich die Menschlichkeit mit der Strenge der Gesetze vereinigen ließe, befahl er augenblicklich diesen Kerker für immer zu schließen.

Als die westlichen Departements beruhigt und die Sicherheit der neuen Verfassung begründet war, sendeten die Consuls folgende Bothschaft an den französischen Senat. "Der erste Consul stellt Ihnen, Senatoren, der Constitution gemäß, den Divisions-General Lefebvre, als Candidaten zu dem im Erhaltungs-Senate eröffneten Platze vor. Der Divisions-General Lefebvre befand sich während des Freyheitskrieges beständig bey der Avantgarde. Er commandirte am 18ten Brumaire zu Paris. Er hat eben so viele Weisheit, eben so viele Anhänglichkeit an die heiligen Grundsätze der Freyheit gezeigt, als er Tapferkeit und militärische Talente zu Fleurus, beym Uebergang über den Rhein, und zu Wetzlar bewiesen hat. Er ist in den vorhergehenden Feldzügen mehrmahls verwundet worden, in dem letztern ward er es so stark, daß er im Kriege nicht mehr auf eine Weise thätig seyn kann, die seiner würdig ist."

Hierauf trat der General Lefebvre in den französischen Senat, in welchem er die Ehrenstelle eines Prätors bekleidete. Napoleon hat ihm das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen, und als der Kaiser nach seiner Thronbesteigung Marschälle des Reichs ernannte, war Lefebvre einer der vier Senatoren, welche den Marschalls-Titel erhielten. Er führte aber nicht allein diesen Titel, sondern krönte, wie sich Napoleon in seiner an den Senat erlassenen Bothschaft ausdrückte, seine Talente und seinen Muth durch die seiner Leitung übertragene denkwürdige Belagerung von Danzig. Der für die Wendung des Kriegs 1807 wider Rußland und Preußen so entscheidende Erfolg ist noch in frischem Andenken. Napoleon erhob den Eroberer von Danzig, den Marschall Lefebvre, zur herzoglichen Würde, unter dem Titel eines Herzogs von Danzig, und mit einem jährlichen Einkommen von 100,000 Franken.

Als im Jahr 1808 in Spanien der Insurrectionskrieg ausgebrochen war, erhielt er den Oberbefehl über ein, aus Polen, Deutschen und andern Truppen bestehendes, Armeecorps. Als der Marquis de la Romana im October mit seinem Corps bis über Bilbao vorgedrungen war, stürmte das von Lefebvre befehligte Corps (31sten October auf die Feinde ein, schlug sie in die Flucht, nahm Bilbao wieder, und drang, trotz der starken Gegenwehr der Insurgenten, bis an die Gebirge von St. Ander und Bilbao vor. Er commandirte auf dem rechten Flügel des Heeres, als Napoleon den Oberbefehl übernahm. Am 11ten November bey Espinosa unterstützte er mit seinem Corps den erneuerten Angriff des Generals Maison durch Bewegungen, in welchen er die rechte Flanke der Insurgenten überflügelte. Dann ernannte der Kaiser ihn zum Befehlshaber eines aus Bayern und Würtembergern bestehenden Armeecorps, das im Jahr 1809 den Feldzug gegen die Oesterreicher eröffnete, sich in den fünftägigen Gefechten bey Tann, Abensberg, Landshut, Eckmühl und Regensburg auszeichnete, und dann zur Verfolgung des Generals Jellachich gebraucht wurde. Um die Insurrection in Tyrol zu dämpfen, ward Lefebvre in dieses Land gesandt, doch schien seine Gegenwart nach der Schlacht bey Eßlingen bey der großen Armee nöthiger; er ging dahin ab, und wirkte in der Schlacht von Wagram mit.

Der Herzog von Danzig gehört auch zur Zahl derer, welchen der Kaiser zur Belohnung ihrer ausgezeichneten Dienste Domainen im Hannöverischen schenkte, deren Ertrag sie beziehen. Namentlich ward ihm eine jährliche Rente von 50,000 Franken aus der Burgvogtey Celle und den Aemtern Winsen an der Aller und Bergen verliehen.


Franz Joseph le Febvre, Herzog von Danzig.

Febvre (Franz Joseph le), Herzog von Danzig, war der Sohn eines wohlhabenden Müllers zu Ruffach im Elsaß, geboren am 25. October 1755.

Noch sehr jung, weihte er sich schon dem Stande des Kriegs. Er trat in das französische Garderegiment, wo er es, aller Talente ungeachtet, nicht höher als bis zur Stelle eines Sergeanten brachte. Aber auch seinem Genie öffnete die Revolution eine glänzendere, unabsehbare Laufbahn, die er nun mit allem Ungestüm eines feuervollen Jünglings betrat, dem Vaterland und Ruhm heilige Güter sind.

Durch seiner Muth schwang er sich bei der Moselarmee empor, und erst in Folge seiner ausgezeichneten Dienste, besonders in dem Treffen bei Gaisbach, ward er im Jahre 1793 zum Divisionsgeneral ernannt. Von nun an erschien sein Name in den Jahrbüchern aller Feldzüge, immer mit Ruhm bedeckt. Er war es, der die Belagerung des Forts Vauban commandirte, nachher in die Pfalz vordrang und den Brückenkopf vor Mannheim blockirt hielt. An der Spitze des Vortrabs der Moselarmee brach er im Mai 1794 durch die Ardennen ins Hennegau ein; hier bildete er vor Charleroi den rechten Flügel der Belagerungsarmee und stand unerschütterlich den fürchterlichsten Angriffen des Prinzen von Coburg entgegen. Charleroi fiel. Jourdan drang tiefer in Flandern ein. Lefebvre hielt in der Position von Fleurus die Anfälle des Feindes mit bewunderungswürdigem Muthe aus, kräftig unterstützt durch die Entschlossenheit das unter ihm dienenden General Leval, der damals noch Brigadegeneral war. Die blutige Schlacht von Fleurus (26. Juni 1794) war Jourdans schönster Triumph. Auch Lefebvre schmückte sich hier mit Lorbeeren.

Die Moselarmee, bald darauf in eine Sambre- und Maasarmee verwandelt, sah ihn seitdem immer an der Spitze ihres Vorheers, und Lefebvre trug nicht wenig zu den Niederlagen der Oesterreicher bei, besonders auf die Höhen von Lüttich und Linnich. Der Muth, welchen er bei dem zweimaligen Uebergang der französischen Armeen (1795 u. 1796) über den Rhein bewies, so wie der noch größere, welchen er auf den Rückzügen dieser Heere zeigte, gab ihm schon damals den Rang unter Frankreichs vorzüglichsten Feldherren.

Auch bei der unglücklichen Schlacht von Stockach, wo der österreichische Held Carl den Sieger von Fleurus schlug (im Mai 1799), commandirte Lefebvre wieder den Vortrab der französischen Macht. Alle seine Talente, seine ganze Tapferkeit konnten den Sieg nicht fesseln. Er selbst ward in der Schlacht durch einen Schuß am Arme verwundet. Nichts desto weniger deckte er Jourdans Rückzug mit einer Klugheit und Unerschrockenheit, die selbst seinem Gegner Achtung einflößte.

Frankreich blieb gegen Lefebvre's Verdienste nicht gleichgültig. Bei den Revolutionen im Vollziehungsdirectorium ward auch dieser General zu einem Mitgliede der höchsten Gewalt in der tief erschütterten Republik bestimmt. Aber die Wünsche der Gutdenkenden blieben erfüllungslos. Die Jacobiner, welche damals (im Juni 1799) die Uebermacht im Rathe der Fünfhundert besaßen, ernannten statt seiner Moulin. Lefebvre erhielt dagegen das Commando von Paris. Er behielt dasselbe bis zur Rückkehr Bonaparte's aus Aegypten, dem er diese, für die bevorstehende Revolution entscheidend wichtige Stelle abtrat, und außerdem am 18. Brumaire (9. Nov. 1799) die wesentlichsten Dienste zur Auflösung des, der Herrschaft unwürdigen Vollziehungsdirectoriums leistete.

Dankbar nahm der erste Consul von dieser Zeit an stets auf Lefebvre's Verdienste Rücksicht. Ihn gesellte er zu den wenigen Generalen, welche er seines Vertrauens vorzüglich würdigte; er ernannte ihn schon den folgenden Tag zu seinem ersten Lieutenant, stellte ihn unter sich im Commando der Hauptstadt an, und ließ ihn im April 1800 in den Erhaltungssenat wählen, dessen Vicepräsident Lefebvre im Juli 1803 und dessen Prätor er den nachfolgenden 17. September ward. Er gab ihm im Mai 1804 den Reichsmarschallstab und achte ihn zum Großoffizier und Commandanten der fünften Cohorte der Ehrenlegion. Am 1. Februar 1805 wurde der Marschall mit dem rothen Bande decorirt; der König von Spanien erhob ihn unter die Ritter des Ordens Carls III.

Der Krieg gegen Oesterreich brach bald nachher wieder aus; der Marschall commandirte diesmal im Innern die Nationalgarden.

Thätiger erschien er in dem darauf folgenden Feldzuge gegen Preußen, wo er durch die nachdrückliche Belagerung und glückliche Einnahme der starken und von den Preußen rühmlich vertheidigten Festung Danzig seine Thaten krönte und durch diesen für die Fortsetzung des Krieges so wichtigen Erfolg die Gegner um so geneigter machte, den Friedensvorschlägen des Siegers Gehör zu geben. Napoleon belohnte Lefebvre's heldenmüthige Thaten mit der Herzogwürde von Danzig und einer Revenüe von 100,000 Franken.

Bald darauf rief ihn die in Spanien ausgebrochene Revolution jenseit der Pyrenäen, woselbst er bis zum Ausbruche des Krieges gegen Oesterreich im Jahr 1809 commandirte. In diesem Feldzuge stand er an der Spitze der Baiern. Nach der Schlacht bei Regensburg, zu deren Entscheidung er wesentlich beitrug, drang er in das gegen Baiern aufgestandene Tyrol ein, und nur die unüberwindlichen Hindernisse, welche das Land selbst und seine an Zahl überlegenen Bewohner ihm entgegenstellten, zwangen ihn nach den rühmlichsten Proben des Muths und der Tapferkeit, sich aus demselben zurückzuziehen. Zuletzt commandirte er in Spanien.

1814 erklärte er sich bald für Ludwig XVIII. und wurde von diesem zum Pair von Frankreich ernannt. Da er 1815 dieselbe Würde von Napoleon angenommen hatte, so wurde er durch die königliche Verordnung vom 24. Jul. mit den übrigen Individuen, die desselben Verbrechens schuldig waren, aus der Kammer der Pairs gestossen.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Lefevre. Sergeant in der Garde im Jahr 1788; unter Robespierre General. Er bedeckte sich in der Schlacht bey Fleurus mit Ruhm. Senator am 11 Germinal 8. J.; Grosskreuz der Ehrenlegion am 13. Pluviose 13. J.; Marschall von Frankreich; Herzog von Danzig. Er schickt seine Zustimmung zu den Akten der Provisorischen Regierung ein, und unterzeichnet die Konstitutionsakte. (Journal des Débats vom 10. April 1814.)

Ludwigsritter am 1. Juny 1814; Pair von Frankreich unter dem Könige, am 4. Juny 1814, und abermals Kaiserlicher Pair am 4. Juny 1815.


Quellen und Literatur.

  • Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.