François Sébastien de Croix de Clerfayt

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Biographien.

(1804) Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts von Samuel Bauer, Prediger in dem Dorfe Göttingen unweit Ulm. Leipzig bei Georg Voß. 1804.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Karl, Graf von Clerfayt.

Kaiserl. Königl. Feldmarschall.

Auch Clerfayt war ein Mann von hoher Geisteskraft, von heldenmäßiger Unerschrockenheit; er erschien in der Offensive eben so groß, als er in der Defensive bewundernswürdig war. Er stammte aus den vormaligen österreichischen Niederlanden, und sein berühmtes Geschlecht hatte dem Staate schon mehrere vortrefliche Diener geliefert. Gebohren war er im Jahre 1733. Schon als Kind zeigte er Kühnheit und Muth; er schien zum Krieger geschaffen zu seyn, ungeachtet seine Handlungen deutlich zu erkennen geben, daß er den Waffen keinen Rang vor der sanftern Menschlichkeit einräumte.

Als Clerfayt das Alter erreicht hatte, wo junge Edelleute gewöhnlich das ruhige Leben auf dem väterlichen Landsitze mit dem geräuschvollern einer Residenzstadt zu vertauschen pflegen, betrat er die militairische Laufbahn. Dieß geschah in den ersten Jahren des siebenjährigen Krieges, wo er sich bald als einen vortreflichen Offizier zeigte. Doch da es sein Posten damals mit sich brachte, daß er nicht selbst entworfene Pläne ausführen konnte, sondern vielmehr sich nach denen, die ihm von seinen Obern vorgelegt wurden, richten mußte, so hatte er nur ein kleines Feld, wozu er sich Ruhm einernten konnte. Aber auch hier fanden die Generale, unter deren Kommando er stand, oft Gelegenheit, den Muth und die Kaltblütigkeit des jungen Helden zu bewundern; so zwar, daß er gegen das Ende des siebenjährigen Krieges Oberster wurde.

In dem Feldzuge des Jahres 1778 wegen der baierischen Erbfolge, und vornämlich in dem letzten Türkenkriege hatte er bei allen Gelegenheiten die schönsten Vortheile erhalten. Nachdem die Türken im November 1788 vollends aus dem Bannate verdrängt waren, erhielt Clerfayt das Oberkommando über das in dieser Provinz stehen gebliebene Truppenkorps, und wurde zum Feldzeugmeister ernannt. Im Sommer 1789 kommandirte er den linken Flügel der Hauptarmee, welcher bei Karansebes stand. Als aber im August der Feldmarschall Laudon dem Grafen von Haddik im Kommando der Hauptarmee folgte, lagerte sich Clerfayt wieder mit einem besondern Korps bei Fenisch, von wo aus er den 17ten August bis über Mehadia vordrang. Am 28sten August besetzte ein feindliches Korps von 15,000 Mann den über dem Passe Lasmare liegenden Berg, bei Mehadia, und rekognoscirte gleich darauf die Stellung des Clerfayt'schen Truppenkorps. Inzwischen hatte der Feind allmählig einen großen Theil seiner Infanterie vorrücken lassen, welche sich auf die steilsten Berge, seiner Verschanzung gegenüber, stellte, und das Truppenkorps zu verdrängen suchte. Zugleich wurden von den Feinden Kanonen in die Ebene gebracht, um die hier befindlichen Spahi und Janitscharen zu unterstützen, und die Verschanzungen der österreichischen Truppen zu beschießen, welches von neun Uhr bis halb ein Uhr dauerte. Der Ueberrest des feindlichen Korps blieb indessen immer auf der Anhöhe und fing an sich zu verschanzen. Clerfayt ließ nun fünf Bataillons en Quarrés in zwei Treffen, und eilf Divisions von der Kavallerie in drei Kolonnen anrücken, und griff mit diesen Truppen den Feind entschlossen an. Die feindliche Batterie im Thale ward sogleich eingenommen, und die hier befindlichen Türken zogen sich eiligst zurück. Die Oesterreicher, von einem anhaltenden wirksamen Kanonenfeuer unterstützt, rückten jetzt mit klingendem Spiele auf die Anhöhe vor, griffen den dort verschanzten Feind an, und brachten ihn ebenfalls zur Flucht. Hierauf bemächtigte sich Clerfayt am 29sten des Passes von Koranmeck, jagte die Türken aus dem Schuppannecker Thale, und rückte bis an die Cyerna vor. Am 18ten Sept. rückte Clerfayt mit einem Korps von Pancsowa in das Lager der Eugenischen Linie, und setzte sich mit der Hauptarmee des Feldmarschalls Laudon, welche zur Belagerung von Belgrad bestimmt war, in Verbindung. Auch hier gab Clerfayt Proben seines Muths und seiner militairischen Talente.

Der eigentliche Schauplatz des Ruhms für Clerfayt war der französische Revolutionskrieg. Am 20sten April 1792 war der Krieg erklärt, und am 24sten erhielt Rochambeau den von Dumouriez entworfenen Plan zur Eroberung von Belgien, den er schon am 27sten auszuführen anfangen sollte. Die französische Arme bricht zu verschiedenenmalen unter den Generälen Rochambeau, Luckner und la Fayette in die Niederlande ein, wird aber immer von den österreichischen Truppen unter Anführung der Generäle Clerfayt und Beaulieu, mit vielem Verluste zurückgeschlagen.

Mittlerweile näherte sich ein kombinirtes Heer von Preußen, Hessen, und französischen Ausgewanderten, angeführt von dem Herzoge von Braunschweig. Es wird ein Operationsplan verabredet. Nach solchem blieb ein Theil der österreichischen Armee bei Nivelle zur Deckung der Niederlande, unter den Befehlen des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen stehen; der andere Theil aber, unter dem Kommando des Generals Clerfayt, marschirte ins Luxemburgische um die Preußen zu verstärken. Mit reissendem Glück schritten die kombinirten Heere in Lothringen vorwärts. Die ersten Grenzplätze Longwy und Verdun fallen; das Korps des Generals Clerfayt ging auf Stenac los, schlug die dabei stehenden Franzosen, und nahm diese Stadt am ersten Sept. in Besitz, die durch ihre Lage an der Maas für die vorrückende Armee von größter Wichtigkeit war. Der Weg durch Champagne nach Paris stand jetzt offen, diese Hauptstadt eilte, sich durch Festungswerke zu verschanzen, uneingedenk in der Betäubung, daß ihr ungeheurer Umfang ganz andere Vertheidigungsmittel fordere. Inzwischen wurde der Zweck, zu dem die kombinirten Heere eingebrochen waren, den unglücklichen König aus seiner Gefangenschaft zu befreien, aufgegeben; der Herzog von Braunschweig zieht sich aus der Champagne nach Coblenz zurück, und General Clerfayt mußte mit seinen braven Oesterreichern den Rückzug der durch Krankheiten, lange Nässe und Mangel geschwächten Preußen decken. Schon jetzt zeigte Clerfayt den künftigen großen Feldherrn in der Defensive.

Kellermann folgte den Preußen mit 40,000 Mann gegen die Mosel; Dumouriez, Valence und Bournonville kommandirten die Macht, die gegen Belgien bestimmt war. Letztere war an Zahl und Artillerie den Vertheidigern der österreichischen Niederlande über alle Vergleichung überlegen. Sie bestand aus 80,000 Mann fast ganz frischer Truppen; sie führte eine unermeßliche Artillerie mit sich, über 300 schwere Kanonen, und über 80 große 24 und 36 Pfünder, und einen solchen Ueberfluß von Kriegsmunizion, daß mehr als 7000 Pferde nöthig waren, um Geschütz und Munizion über die belgischen Grenzen zu bringen. Die österreichischen Armee dagegen war nicht viel über 17,000 Krieger stark, die noch überdieß von dem schweren Feldzuge nach Champagne abgemattet war. Auf wessen Seite sich die Uebermacht befinde, das entschied der erste Anblick. Die Oesterreicher unter dem Herzoge von Sachsen-Teschen und Clerfayt, erwarteten die Neufranken in ihren Verschanzungen unweit Mons bei dem Dorfe Gemappe. Schrecklich waren die Tage des Angriffs, der 5te und 6te Nov. 1792. Vergeblich bestürmten die zahlreichen Franken diese Hand voll Helden am 5ten Nov. durch ihre Wuth und die heftigste Artillerie; sie wichen auch nicht einen Fuß breit; auch am 6ten Nov. trieben sie zu drei verschiedenen malen die wüthendsten Angriffe ihrer Feinde mit heldenmüthiger Tapferkeit zurück, bis sie endlich der überlegenen Zahl das Schlachtfeld überlassen mußten, das mit 14,000 Leichen überdeckt war. Alle Krieger versicherten, keine so wüthige Schlacht jemals gesehen zu haben. Bei diesem Siege konnte Dumouriez, trotz aller Hochpreisung, doch keiner Fahne, noch anderer eroberten Siegeszeichen sich rühmen, ausser acht Kanonen, welches bei einer solchen Hauptschlacht etwas Unerhörtes ist.

Größer als im Laufe glänzendsten Siege erscheint jetzt Clerfayt aus diesem Rückzuge. Er hatte das Kommando über die österreichische Armee, welche der Herzog von Sachsen-Teschen Krankheitshalber verlassen mußte, übernommen, und machte mit seiner kleinen Anzahl Helden den allzu mächtig andringenden Franken jeden Fußbreit Erde streitig. Er verließ unter beständigem Scharmutziren die Niederlande, und zog sich in der rauhesten, kältesten Winterzeit, in Schneegestöber, und von Kälte halb erstarrt in das Herzogthum Jülich zurück, wo er sich bei Bergen mit seinem Korps d'Armee setzte. Unstreitig machte Clerfayt einen, nach dem Urtheile der Kenner meisterhaften Rückzug, Schritt vor Schritt, unter stetem Fechten, und öfterm Zurückschlagen der Franzosen. Wäre er nur etwas stärker, und die Franzosen etwas Schwächer gewesen, so wären einige Gefechte vollständige Siege geworden. Von Löwen, wo er der Ueberlegenheit hatte weichen müssen, zog er sich über Tirlemont nach Lüttich zu, unter öftern Gefechten seiner Arriergarde mit der französischen Avantgarde. Am 6ten Dec. kam es eine Stunde vor Herve wieder zu einem lebhaften Gefechte, das von Sonnen-Aufgang bis nach 10 Uhr des Morgens dauerte. Clerfayt siegte auch hier, und verfolgte die in größter Unordnung fliehenden Franzosen bis auf eine Stunde vor Lüttich hin, als aber Dumouriez mit der Hauptarmee heran rückte, mußte er wieder weichen. Unterdessen erreichte Clerfayt seinen Endzweck völlig, und konnte mit Sicherheit in verschiedenen Kolonnen seinen weitern Rückzug antreten. Und so kam dieser große, kluge Feldherr, ohne auch nur eine Kanone dem Feinde zu überlassen, bei Bergen an, und nahm dort eine sehr vortheilhafte Position, von wo aus er öfters die Franzosen beunruhigte.

Der ganze Feldzug des folgenden Jahres 1793 war ein fortgehender Triumph. Vom 17ten März an, nichts als Niederlagen der Republikaner. Am 18ten März begann der große mörderische Kampf bei Neerwinden, und der Sieg entschied für den großen Feldherrn Coburg. Breda, Gertruidenberg, und was sonst in Brabant noch erobert war, mußte von den Franken aufgegeben werden; ganz Belgien war Oesterreich aufs neue unterworfen, gerade um dieselbe Zeit, da in Paris seine Einverleibung in die Frankenrepublik beschlossen ward. Die beiden Festungen Conde und Valenciennes fielen, Quesnoy und Maubeuge wurden belagert. Endlich bezog man, was in diesen Gegenden während diesem Revolutionskriege weiter nicht geschah, dieses Jahr Winterquartiere. Bei allen wichtigen und siegreichen Gefechten und Schlachten dieses Feldzugs hatte Clerfayt einen rühmlichen Antheil.

Schon frühe wurde der Feldzug von 1794 eröffnet; der Anfang derselben war für die Alliirten glänzend. Prinz Coburg gewann die große Schlacht bei Chateau Cambresis am 17ten April, und bald darauf, am 30sten, ergab sich die Festung Landrecy. -- Wenn in einem andern Kriege solche Schlachten gewonnen worden wären, wie die am 17ten April bei Landrecy, die am 26sten bei Catillon, die am 10ten Mai bei Baisceux, die am 22sten bei Dornick, die am 3ten Juni bei Charleroi; wenn eine Festung wie Landrecy erobert, über 15,000 Mann gefangen genommen, über 200 Kanonen erbeutet, eine ganze Armee zerstreut -- wenn dieß alles in einem andern Kriege geschehen wäre, so würde der Feldzug entschieden und für die Sieger nicht viel mehr zu thun übrig gewesen seyn. Aber die Franzosen wurden von ihren Tyrannen wie wilde Thiere ins Feuer getrieben, und vom 26sten April an verging fast kein Tag ohne blutige Gefechte.

Carnot drang, nach der Weise der republikanischen Taktik bei den fränkischen Heeren, auf einen allgemeinen Angriff aller alliirten Truppen an einem Tage, und damit sollte jeden Tag so lange fortgefahren werden, bis die Verbündeten erschöpft, oder von den vier eroberten französischen Festungen getrennt wären. Das große Manoeuvre hatte schon am 26sten April begonnen; von diesen Tage an entstand ein fortgesetzter Kampf von allen Seiten. Ungeübte Schaaren wilder Krieger, ohne Disciplin und Taktik, aber angefüllt mit fanatischer Ehrfurcht für die Heiligkeit der Kriegsgesetze, schlugen tapfere, geübte und sieggewohnte Heere; unerfahrne und verwegene Feldherren des gestrigen Tages siegten über die langjährige Erfahrung der tapfersten, talentvollsten und bei der Taktik grau gewordenen Generale. Ward ein tollkühner Angriff der jungen Schwärmer von der Bedächtigkeit der ausgelernten Krieger abgeschlagen und das Schlachtfeld mit republikanischen Leichen überdeckt, sogleich drängten sich noch tollkühnere Haufen über die Leichen ihrer gefallenen Waffenbrüder unter Freiheits- Schlacht- und Blutgesängen gegen den siegenden Feind hervor, darum unbekümmert, wer um und neben und hinter ihnen fiel, bis die ihre Kraft verließ, und sie Meister von dem Kampfplatze blieben. Es begann ein Krieg von völlig neuer Art, in dem der Kampf nach keiner Taktik, keiner Regel, keinem Plane und Zusammenhange bestanden wurde; ein Krieg, in dem die bloße Ueberlegenheit an Zahl, unterstützt durch den Fanatismus sogenannter Freiheit, beinahe jedesmal entschied. --

Mit solchem Ungestüme wurde der Krieg von den Franzosen geführt. Von allen Seiten drangen zahlreiche Haufen auf die Alliirten los, so, daß sie oft selbst nicht wußten, wohin sie mit der Hauptarmee sich zuerst zu wenden hätten. Pichegru stürmte hervor, und von der andern Seite operirte, gleich hartnäckig, Jourdan an der Sambre. Obgleich der letztere General viermal zurückgeschlagen wurde und bei Rouveroi eine schreckliche Niederlage erlitt, so erneuerte er zum fünftenmale den Uebergang über die Sambre am 24sten Mai, und faßte endlich nach vielen blutigen Gefechten festen Fuß. Dreimal ward von ihm auf dieser Expedition Charleroi bombardirt; erst beim dritten Angriff, am 25sten Juni, fiel diese Festung. Nach der fürchterlichen Schlacht bei Fleurus mußte endlich das kleine Heer der österreichischen Helden weichen, worauf sich Pichegru und Jourdan am 4ten Juli vereinigten, und die Alliirten immer vorwärts drängten.

Am 28sten August übernahm Clerfayt das Oberkommando über die österreichische Armee, nachdem Prinz Coburg seine angesuchte Dimission erhalten hatte. Clerfayt erscheint jetzt zum zweitenmale in diesem Kriege in einer bewundernswürdigen Größe. Mit einer kleinen Anzahl Helden, beständig in den blutigsten Gefechten mit der zahlreichen Horde des nachfolgenden Generals Jourdan, worunter die bei Aspremont, bei Deuren und an dem Ufer der Roer die wichtigsten waren, zog sich der deutsche Xenophon aus Brabant über die Maas, verließ Lüttich und Aachen, und ging am 5ten October bei Mühlheim über den Rhein.

Clerfaije überwältigt die fränkischen Linien vor Mainz. (29 Oct.)

Vom Winter 1794 bis zum 6ten Sept. 1795 war am Rhein Stillstand, und nur hie und da fiel noch ein Schuß über diesen Fluß. Inzwischen wurde Clerfayt Feldmarschall, und erhielt das Oberkommando über die österreichische und Reichsarmee. Sein Hauptquartier war abwechselnd zu Groß-Gerau und zu Schwetzingen, und die Truppen lagen den ganzen Sommer über ruhig in detaschirten Korps längs den Ufern des Niederrheins bis zur Neutralitäts- und Demarkationslinie hin. Aber in der Nacht vom 6ten auf den 7ten September setzte Jourdan mit 80,000 Mann glücklich an drei verschiedenen Orten über den Rhein. Düsseldorf kapitulirte unverzüglich, und bis zum 23sten Sept. befand sich die fränkische Armee schon an den Ufern des Mains. Jetzt dringt Clerfayt längs dem Main hervor, und siegt über den General Jourdan bei Höchst. Das fränkische Heer erlitt hier eine schreckliche Niederlage; Clerfayt eilte ihr nach und schlug sie allenthalben. Hierauf wendete er sich mit aller Schnelligkeit nach Mainz, forçirte die für unüberwindlich gehaltenen Linien bei Mainz, und schlug die hinter diesen Verschanzungen gestandenen Franzosen total. Und so ist der 29ste October mit einem Siege bezeichnet worden, der in Rücksicht seiner Größe, Vollständigkeit, der Wunder der Tapferkeit, der Schwierigkeiten und der wichtigen Folgen, nur mit der Schlacht bei Leuthen, Höchstädt und Belgrad, die Eugen gewann, verglichen werden kann. Diese Unternehmung auf die entsetzlichen Linien der Franzosen, die in keinem Vergleich mit denen bei Turin, welche Eugen überstieg, kommen können, schien vielleicht eine gewagte Kühnheit zu seyn; allein schwere Unternehmungen liebt der Mann von Genie, weil er zeigen kann, daß die Ressourçen seines Geistes sich über die Hindernisse erheben können, die andern Köpfen unübersteiglich sind. Er geht nur mit desto größerm Eifer zum Ziele.

Groß war die Gefahr, groß der Kampf; eben so groß der Sieg, und der Erfolg! -- Ueber ein Jahr lang hatte die zur Belagerung und Einnahme von Mainz bestimmte französische Armee an Werken gearbeitet, deren Kunst und Ausdehnung Jedermann in Erstaunen setzte. Noch nie hatte ein Ingenieur ein Werk dieser Art gemacht, welches so vortrefflich angelegt, so solide gebaut und so furchtbar gewesen ist. Die Infanterie war da bis an die Augen verschanzt, mit einem Erdwall von acht Fuß in der Dicke. Die Graben, 20 Fuß breit und 10 Fuß tief, waren mit 4 Reihen spanischer Reiter besetzt. Ueberdieß hatte man diesen Wall durch eine ununterbrochene Linie von 6 Reihen Wolfsgruben, die 6 Fuß im Durchschnitte und 7 in der Tiefe hatten, für die Kavallerie unzugänglich gemacht. Von 25 zu 25 Schritten waren diesen Retranchements halbe Monde angebracht, in deren jedem 3 Kanonen auf einer Batterie standen. 150 Schritte von dieser Werken waren starke Hornwerke und Redouten errichtet. Jede dieser Redouten war mit 10 bis 14 Feuerschlünden besetzt. Kurz, um sich einen vollständigen Begriff von dieser Linie von Verschanzungen zu machen, muß man sich 50 kleine Festungen vorstellen, die durch dreifache Gräben, Wolfsgruben, Palisaden und viele andere Anlagen, in einem Umkreise von mehr als drei Stunden, unter einander verbunden waren. Das Dorf Gunsenheim glich einer völligen Festung; eben so Heiligenkreuz, Hechtsheim u. s. w. In diesen Verschanzungen stand eine Armee von 52 Bataillons, 5 Kavallerieregimenter, 3 Regimenter reitender Artillerie zu Fuß, 2 Regimenter Sappeurs und 2 Regimenter Mineurs. Außer dieser Armee stand noch ein dazu gehöriges Korps bis nach Ingelheim hin, wo sich das Hauptquartier befand, so, daß die ganze dasige Armee unter dem Kommando des Generals Chales 80,000 Mann stark war, und gegen 600 Kanonen, Mörser und andere Artilleriestücke hatte.

Um 6 Uhr früh begann der Angriff in 5 Kolonnen. Er geschah zu gleicher Zeit auf Mombach, Zahlbach, Heiligenkreuz, Weissenau und Hechtsheim. Alle geschahen mit dem Bajonette und Säbel. Den Hechtsheimer Berg hinan, mit dem Bajonette, ohne einen Schuß zu thun, stiegen die Regimenter Manfredini und Pellegrini auf die Schanzen, an der Seite ihrer Generale. Eben so brav zeigten sich die andern Kolonnen. Der Tag brach erst an, als das Schlachtfeld schon im Blute schwamm und mit Leichnamen bedeckt wer. Das Gefecht wurde jetzt schrecklicher. Die Franzosen hatten, vom ersten Angriffe überrascht, die ersten zwei Linien fast allenthalben verlassen. Sie zogen sich in der dritten zusammen und thaten hier den verzweifeltsten Widerstand. Es begann ein entsetzliches Hecken- Kartätschen- und Granatenfeuer, und hielt den Sieg der österreichischen Armee fast 2 Stunden lang auf. Dreimal wurden die kaiserlichen Truppen aus der dritten Linie zurückgeworfen; aber ihre Tapferkeit stürmte mit verdoppelter Heftigkeit zum viertenmale an. alles wetteiferte, Wunder der Tapferkeit zu verrichten. Einer überstieg auf den Schultern des andern das Riesenwerk, und drang mit Heldenarm auf den Feind ein -- um 9 Uhr das Morgens waren die unüberwindlichen Linien der Franzosen erstiegen -- die österreichischen Helden waren Meister von 50 Festungen und Bergschanzen.

Die Sieger ließen den Flüchtigen keine Zeit zum Stillstande. Sie verfolgten sie noch an dem Tage des Sieges, einerseits über Ingelheim bis gegen Bingen, anderseits über Oppenheim bis über Alzey. Die übrige siegreiche Armee lagerte sich auf dem Schlachtfelde und in den französischen Eroberungen.

So setzte Clerfayt, der große Feldherr, zu dem Ruhme des deutschen Xenophon, den er sich auf seinen zwei so klugen Rückzügen aus den Niederlanden im Jahre 1792 und 1794 mit wundervollem Rechte erworben hatte, nun auch den Ruhm des deutschen Hermann hinzu; er siegte schnell wie Cäsar, und machte seinen Namen in den Annalen dieses Krieges unsterblich. -- Nach dem merkwürdigen Ausgange dieses Feldzuges, der sich am Rheine für die österreichische Armee und ihre Anführer so äußerst glorreich endigte, verließ Clerfayt die Armee und ging nach Wien. Hier lebte er als Weiser in einer thatenvollen Stille, und starb den 21sten Juli 1798 in einem Alter von 65 Jahren. In der langen und schmerzhaften Krankheit, die seinem Tode vorherging, zeigte er in den Augen der Religion und der Philosophie dieselbe Seelengröße, dieselbe Weisheit und alle die Tugenden, die ihn während seiner ruhmvollen militairischen Laufbahn bezeichnet haben. Wie er im Leben allgemein geliebt und geehrt war, so wurde sein Verlust allgemein bedauert.

Er hatte dem Hause Oesterreich, und zwar unter vier Regenten, 45 Jahre hindurch mit eben so vielem Eifer, als Treue und Ruhm gedient. Die unpartheiische Geschichte, diese unbestechbare Richterin der Thaten, wird ihn ungezweifelt in den Rang der ersten Feldherren setzen. Ein strenger Beobachter der Kriegszucht -- der Mutter großer Thaten -- ein Feind aller Ruhmredigkeit und aller Ränke, kannte er keine andern Wege, als die der Ehre und der Dienstpflicht. Er betrachtete die Soldaten als seine Kinder, bekümmerte sich unaufhörlich um ihre Bedürfnisse, und munterte sie durch Wohlthaten auf; auch hörte er sich oft von den Soldaten Vater nennen. Er wußte das wahre Verdienste bei dem Offizier zu unterscheiden, und viele von ihnen hatten ihre Beförderung seiner Unterstützung zuzuschreiben: auf solche Art machte er von seinen Glücksgütern Gebrauch.

Aber Clerfayt verband mit seinen seltenen militairischen Talenten und vielen Kenntnissen auch große Privattugenden. Die Thränen aller, die an seiner Freundschaft Theil hatten, bezeichnen seine gesellschaftlichen Tugenden weit besser, als alles Lob, welches man ihm geben könnte. Wenn die Nachwelt sich unwillig von andern Helden und Generalen des größten Schauspiels, das noch die Geschichte kennet, wegwenden wird, so wird sie nur mit desto größerer Ehrfurcht an dem Bilde Clerfayts verweilen und sein Andenken sehnen. -- Seine schwer errungenen Lorbeern im vorigen Türkenkriege, in den zwei meisterhaften Rückzügen aus Belgien, welche mehr als eine gewonnene Schlacht aufwiegen, seine klugen Manoeuvres und Märsche in Belgien und nach dem Rheine, unter so ungünstige Umständen, sein Benehmen im Feldzuge vom Jahre 1795, und die darauf gefolgten Siege, welche damals Deutschland retteten und die kaiserlichen Waffen mit dem glänzendsten Ruhme bedeckten, sein persönlicher Muth bei vielen Gelegenheiten in Flandern, am Rheine und besonders in der großen Schlacht am 29sten October 1795, und seine von Kennern mehrmals bewunderte taktische Einsicht, Vorsicht und Herzhaftigkeit, die vielen Auszeichnungen seiner kriegerischen Talente und bewunderungsvollen Thaten -- werden dereinst eine genaue und vollständige Lebensbeschreibung von ihm zu der wichtigsten und lehrreichsten Schrift unsers Jahrhunderts machen. Aber jetzt scheint es noch nicht die Zeit zu seyn, den großen Feldherrn Clerfayt ganz so zu schildern, wie er war, und zu beschreiben, was und wie er es that.


Graf von Clairfayt.

Clairfayt (Graf von), Wallonenoffizier, österreichischer Feldmarschall, Ritter des goldnen Vliesses xc. that sich in dem Türkenkriege hervor und ward 1792 gegen Frankreich angestellt.

Er unterstützte im August die Einnahme von Longwi; zog zu Anfange des September in Stenai ein; kommandirte ein Korps in der Champagne; machte seinen Rückzug durch die Niederlande und verlor, den 6ten November, die berühmte Schlacht von Jemmape, die ihm nicht weniger als seinem Sieger Ehre erwarb, da er mit einer viel geringern Truppenzahl so lange dem stärkern Feinde den Sieg streitig machte. Genöthigt Mons, Brüssel, Lüttich xc. zu räumen, zog er sich, stets mit den Waffen in der Hand, gegen den Rhein zurück; und dieser Rückzug, den er, in der besten Ordnung, mit einer Hand voll Leute, Angesichts einer bedeutenden Macht, ausführte, erwarb ihm einen verdienten Ruhm.

1793 übernahm der Prinz von Coburg das Oberkommando der österreichischen Armee; allein die Hauptvortheile hatte man nichts desto weniger dem General Clairfayt zu danken. Den 1sten März griff er mit Gewalt den Feind zu Aldenhoven an, und brachte ihn in gänzliche Unordnung; er war es, der den Sieg der Schlacht von Nerwinden entschied, wo er den rechten Flügel kommandirte, auf welchem sich allein der Sieg behauptete. Das Treffen von Quiévrain, die Vorfälle bey Hanson, bey Famars, die Einnahme von Quesnoi xc. reihten sich an seine ruhmvollen Thaten an.

Im Anfange 1794 behielt er das Kommando eines Korps und man sah ihn bald mit Pichegrü in Westflandern handgemein werden. Nur erst nach 7 aufeinander folgenden Treffen gestand er seinem Gegner den Sieg zu, und wendete sich gegen Tournay und Thielt zurück. Als die Mißfälle, welche die vereinigten Armeen auf allen Punkten erlitten hatten, sie nöthigten, über den Rhein zu gehen, übernahm er das Kommando in Maynz, wo er neue Beweise seiner Talente und seiner Tapferkeit ablegte, vorzüglich bey der Stürmung und Wegnahme des verschanzten Lagers der Franzosen, welches sie, um die Festung zu blokiren, vor derselben aufgeschlagen hatten. Er war um diese Zeit zum Feldmarschall und Oberbefehlshaber aller Truppen am Rhein und der Reichsarmee ernannt worden.

Im Januar 1796 begab er sich nach Wien und ward vom Kaiser auf die ausgezeichnetste Weise empfangen; der Monarch selbst in Begleitung des Erzherzogs Karl stattete ihm einen Besuch ab.

Er trat dann in den Hofkriegsrath und starb zu Wien 1798.


François-Sebastian-Charles-Joseph-de-Croix, Graf von Clerfayt.

Clerfayt (François-Sebastian-Charles-Joseph-de-Croix, Graf von), einer der berühmtesten östereichischen Feldherren neuerer Zeit, war den 14. Oct 1733 im Schlosse Bruille, bei Binch in Hainaut geboren, widmete sich seit dem zwanzigsten Jahre den Waffen, und zeichnete sich bald darin aus.

Seine Thaten im siebenjährigen Kriege erwarben ihm die Ehre, einer der ersten zu seyn, denen Maria Theresia ihren 1757 gestifteten Orden ertheilte. Vorzüglich markirte er bei Prag, Lissa, Hochkirchen und Liegnitz.

Bei dem Aufstande in den Niederlanden 1787 verwarf er mit Verachtung alle Vorschläge zur Untreue gegen Joseph II.

Als General-Lieutenant focht er 1788 und 1789 gegen die Türken, und erhielt dafür 1790 den Grad eines Artillerie-Generals und das große Band des Theresien-Ordens.

In dem Rheinfeldzuge, 1792, commandirte er ein Corps von 10,000 Mann, nahm Stenai, Croix-aux-Bois, zog sich nach dem Rückzuge der Preußen in die Niederlande zurück, setzte sich nach der Niederlage bei Jemappes hinter Röhr, hob im folgenden Frühjahre die Belagerung von Mastricht auf, focht dann bei Nerwinden, Quiévrain, Hanson und Famars und nahm Le Quesnoi ein.

Im Jahr 1795 erhielt er den Feldmarschallsstab und den Oberbefehl der kaiserlichen Armeen am Rhein, ward dann durch den Erzherzog Carl abgelöset, trat in den Hofkriegsrath, und starb am 18. Juli 1798 in Wien. Die Stadt ließ ihm ein prächtiges Mausoleum errichten.

Clerfayt vereinigte mit den Talenten eines Feldherren alle Eigenschaften eines guten Bürgers und eines vortrefflichen Menschen. Seine Unterthanen auf seinen Gütern hatten den mildesten Herrn an ihm. Seine Börse hatte stets jedem Verdienten und Bedürftigen seiner Untergebenen offen gestanden, und den Tag vor seinem Tode verbrannte er alle dergleichen Schuldscheine. Er war gewöhnlich einfach in seiner Kleidung, aber wenn es gegen den Feind ging, zeigte er sich nie anders als in Staatsuniform und mit seinen Orden geschmückt. "Der Tag der Schlacht," sagte er, "ist des Kriegers Ehrentag."


Quellen und Literatur.

  • Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten und berüchtigtesten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1799. Im Verlage bey Anton Doll.
  • Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts von Samuel Bauer, Prediger in dem Dorfe Göttingen unweit Ulm. Leipzig bei Georg Voß. 1804.
  • Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren. Wien. In der Degenschen Buchhandlung. 1808.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.