François de Chasseloup-Laubat

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Chasseloup (Julian August) -- Brigade-General des Geniekorps

Grenadier-Lieutenant; Brigade-Chef den 28ten Oktob. 94.

Sehr guter Offizier, thätig, eifrig und standhaft.


François, Marquis de Chasseloup-Laubat.

François, Marquis de Chasseloup-Laubat, Pair von Frankreich und General-Lieutenant des Geniewesens, geb. zu Saint-Sernin, bei Marennes, den 18. Aug. 1754.

Chasseloup wurde 1781 Lieutenant und 1791 Capitän im Geniecorps. Als solcher bei der Armee im Innern während des Feldzugs von 1792 gebraucht, nahm er Antheil an den Gefechten bei Givet und Arlon, warf sich dann nach Montmedi und trug zur Vertheidigung dieses Platzes, welcher von den Preußen belagert wurde, vieles bei. Nach dem Rückzuge der Feinde bekam er den Auftrag Longwy in Vertheidigungszustand zu setzen und er ergriff alle zweckdienlichen Maßregeln.

Im Jahr 1793, als die Franzosen auf Arlon zu marschirten, wo die Oestreicher bedeutende Streitkräfte versammelt hatten, machte Chasseloup diesen Zug als Freiwilliger mit. Die Ortskenntniß, die er besaß, die Maßregeln, die er vorschlug und sein Benehmen bei dieser Gelegenheit trugen nicht wenig zu den Erfolgen der Franzosen bei. Arlon wurde genommen und auf dem Schlachtfelde noch erhielt Chasseloup den Grad als Bataillonsanführer. Im folgenden Jahre befand er sich in der Sambre- und Maas-Armee bei der Belagerung von Mastricht und auch hier wirkte er durch eine auf dem rechten Ufer der Maas angelegte Batterie gar sehr zur Capitulation von Mastricht mit. Die Regierung erhob ihn hierauf zum Obersten.

Im Jahr 1795 diente er bei der Belagerung von Mainz und leitete zu Ende derselben alle Arbeiten, so daß dadurch die Uebergabe dieser wichtigen Festung beschleunigt wurde. In den darauf folgenden Jahren stand er dem Geniecorps bei der italienischen Armee unter Buonaparte vor und erleichterte durch seine Thätigkeit die Ausführung der Pläne, welche dieser große Feldherr entworfen hatte. Vorzüglich glänzend erschien dieselbe bei dem gefahrvollen Uebergange über den Po, wo er 24 Stunden darauf schon solche Schanzen errichtet hatte, die den Franzosen es erleichtert haben würden, sich wieder über diesen Fluß zurückzuziehen, wenn ihr Unternehmen mißglückt wäre. Eben so führte er die Belagerung der Citadelle von Mailand und von Mantua, befand sich mit in den Schlachten bei Lonato, Castiglione, Solpherino, Arcole, Caldero und Rivoli und wurde unmittelbar nach der letzten Schlacht, zur Belohnung seiner Verdienste, zum Brigadegeneral ernannt. Während der Unterzeichnung der Präliminarien von Leoben bestimmte Chasseloup die Gränzen von Oestreich und der neuen italienischen Staaten. Nach hergestelltem Frieden bediente sich die französische Regierung seiner, die französische Grenze von Mainz bis Nimwegen zu untersuchen und ihrer Vertheidigung neue Pläne zu entwerfen. In dieser Beziehung schlug er vor, am Einfluß der Erfft in der Rhein, in der Nähe von Neuß, eine Festung anzulegen; allein der Wiederausbruch der Feindseligkeiten im Jahre 1799 verhinderte die Ausführung dieses Plans.

Chasseloup erhielt den Oberbefehl über das Geniewesen bei der italienischen Armee unter Scheerer, die von 100,000 Oestreichern und Russen hinter die Adda zurückgeworfen wurde. Um die Armee von einem Einfalle in Frankreich abzuhalten, mußte man die Apenninen besetzen und Genua decken: allein große Hindernisse waren dadabei zu überwinden, wozu auch das gehörte, daß die Kanonen 30 Stunden im Gebirge auf den schlechtesten Wegen fortgeschafft werden mußten. Seiner Thätigkeit gelang es aber, binnen 10 Tagen diese Schwierigkeiten zu überwinden. Er befand sich darauf in der Schlacht bei Novi. Ungeachtet die Beschwerden dieses Feldzuge seine Gesundheit untergraben hatten, blieb er doch auf seinen Posten, und es war also gerechte Anerkennung seiner Verdienste, daß er (8. Sept. 1799) zum Divisionsgeneral im Geniecorps ernannt wurde. Am 18. Brumaire im Jahr 8 befand er sich in Buonaparte's Begleitung und wich fast nicht von seiner Seite.

Im Jahr 1800 ging er mit dem ersten Consul nach Italien und von der Schlacht von Marengo an entfernte er sich fast nie von ihm; insbesondere aber zeichnete er sich durch die Schnelligkeit aus, mit der er, dem Auftrage seiner Regierung gemäß, die Festungswerke von Coni, Ceva, Tortona, Susa, Turin und der Citadelle von Mailand sprengte. Nach dem Lüneviller Frieden legte er neue Festungswerke zu Pizzighitone, Peschiera, Mantua, Legnago und Rocco d'Anso an, und blieb in Italien bis zu Ende des Kriegs mit Oestreich (1805), dem er ebenfalls beiwohnte. Im Kriege mit Preußen führte er den Oberbefehl über das Geniecorps, befand sich bei allen wichtigen Vorfällen, leitete die Arbeiten an dem Brückenkopf zu Warschau und an den Festungen Sierock und Modlin, so wie die Belagerung von Danzig, Colberg und Stralsund. Während dieser Zeit und kurz darauf wurden nach seiner Angabe die Festungswerke von Thorn, Marienburg und Magdeburg verbessert, worauf er zu Ende des Jahres 1807 nach Paris zurückkehrte.

Unmittelbar nach dem Ausbruche des Krieges mit Spanien sandte ihn der Kaiser nach Italien, sowohl um daselbst die Werke an den alten Festungen zu vermehren, als auch neue zu Venedig, Palma Nova, Osoppo und Ancona anzulegen. Der neue Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Oestreich jedoch (1809) unterbrach seine Thätigkeit hierin; er erhielt abermals den Oberbefehl über das Geniewesen bei der italienischen Armee. Da jedoch dieselbe von dem Feinde früher angegriffen wurde, als sie erwartet und deshalb eine rückgängige Bewegung machen mußte, übernahm Chasseloup den Oberbefehl in Mantua. Die Erfolge der großen französischen Armee in Deutschland zwangen die Oestreicher kurz darauf ihre Eroberungen aufzugeben; die italienische Armee ging wieder angriffsweise zu Werke und Chasseloup verließ Mantua, um sich wieder zu derselben zu begeben; allein eine Bewegung der Oestreicher nöthigte ihn, sich nach Palma Nova zu werfen, wo er bis zum Friedensschlusse blieb. Er benutzte diese Zeit seines Aufenthalts daselbst um die Werke diese wichtigen Platzes zu beendigen und kehrte erst 1810 nach Frankreich zurück. Im Jahre 1811 begleitete er den Kaiser auf den Reisen nach Cherbourg, der Niederschelde und Holland, welche größtentheils die Befestigung der Grenze zum Zweck hatten und er erwarb sich dabei die Zufriedenheit Napoleons in einem solchen Grade, daß ihn derselbe (30. Juni 1811) zum Großoffizier der Ehrenlegion und zum Staatsrath ernannte. Im Kriege gegen Rußland stand er an der Spitze des Geniewesens bei der großen Armee und befand sich bei allen wichtigen Vorfällen dieses unglücklichen Feldzugs. Wären seine Pläne zur Befestigung von Smolensk vielleicht ausgeführt worden, so würde vielleicht die französische Armee auf ihrem Rückzuge dort einen Anhaltungspunkt gefunden haben, woran alle Unternehmungen der Russen gescheitert wären. Von Wilna schickte ihn der Kaiser nach Frankreich zurück, trug ihm aber dabei auf, die Festungen Danzig, Stettin, Magdeburg und Wesel genau zu untersuchen und gestattete ihm wegen seines Alters, dem Wunsche des Departements der Nieder-Charente gemäß, Mitglied des Erhaltungssenats zu werden, so wie er ihm auch noch außerdem die Würde eines Grafen des französischen Reichs ertheilte. Ludwig XVIII. fügte dazu noch die Pairwürde und den Orden von St. Ludwig. Während der 100 Tage blieb er seinen Schwure treu und so ernannte ihn der König 1816 zum Comthur des St. Ludwigsordens.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.