Frankfurt am Main

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Frankfurt am Main.

Frankfurt am Main, eine berühmte ehemalige Reichsstadt an den fränkischen Gränzen in der Wetterau, welche durch den dazwischen fließenden Main in zwei vermittelst der Mainbrücke zusammenhängende Theile getheilt wird, von denen der größere Frankfurt, der kleinere Sachsenhausen heißt, und mit seinem Gebiete gegen 4 Quadratmeilen ausmacht.

Frankfurt ist keine eigentliche Festung, aber doch durch Mauern und Wälle und einen breiten, mit Wasser angefüllten Graben vor Ueberrumpelung gesichert. Die Volksmenge beträgt 43,000, ungerechnet 7000 Juden, welche in einer besondern Gasse beisammen wohnen.

Frankfurt ist ein beträchtlicher Handelsort, und es werden daselbst jährlich zwei Messen gehalten, von denen die eine zu Ostern, die zweite in August und September fällt. Die jedesmalige Kaiserwahl und Kaiserkrönung (welche letztere, der goldnen Bulle gemäß, eigentlich zu Achen seyn sollte) zog nicht minder eine zahlreiche Menge Menschen dahin. Die lebendigste Beschreibung hiervon und von dem glänzenden Zustande Frankfurts in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts findet man in Göthe's interessanter Selbstbiographie (aus meinem Leben 1 r Thl.), dessen Vaterstadt zu seyn, Frankfurt sich rühmen darf.

Das dasige Rathhaus, welches in diesem Falle besonders wichtig war, heißt der Römer.

In Rücksicht auf die Cultur behauptet Frankfurt einen vorzüglichen Rang unter Deutschlands Städten; ein Vorzug, den es zum Theil den dortigen Reformirten verdankt, welche auch 1554 daselbst eine Kirche erhielten, die ihnen aber 1561 wieder genommen wurde, seit welcher Zeit sie ihren Gottesdienst in dem benachbarten hanauischen Flecken Bockenheim halten.

In der Nachbarschaft von Frankfurt befindet sich das Schlachtfeld bei dem Dorfe Bergen ( wo die Franzosen 1759 eine Schlacht gewannen), die Schöne Stadt Hanau, das berühmte Wilhelmsbad, wie auch die Bäder Wisbaden, Schwalbach und Schlangenbad.

Zwei Mal in dem Revolutionskrieg wurde Frankfurt von den Franzosen besetzt. Das erste Mal zog, nach Cüstine's schnellem Vorrücken in Deutschland, General Neuwinger am 22. Oct. 1792, den Tag nach der Einnahme von Mainz, in Frankfurt ein: da aber Cüstine bald von den Preußen und Hessen zurückgedrängt wurde, und in Frankfurt eine zu schwache Besatzung ließ, welche durchaus unfähig war, einem vorherzusehenden Angriff zu widerstehen, so wurde diese Stadt den 2. Dec. desselben Jahres von den genannten Armeen wieder erobert. Das zweite Mal rückten die Franzosen in dem merkwürdigen Sommer von 1796 in Frankfurt ein, nachdem Jourdan den 13. Juli den unter der Gewalt der österreichischen Besatzung stehenden Rath vergebens zur Uebergabe aufgefodert hatte, und 180 Häuser ein Raub der Flammen geworden waren. Allein zu Folge der günstigen Wendung, die der Krieg zu Ende des Sommers für die Deutschen nahm, räumten die Franzosen in der Nacht vom 7. auf den 8. September Frankfurt wieder, das sie seit dem 16. Juli besetzt hatten.

Die ehemalige Reichsstadt wurde nach mancherlei schweren Bedrückungen endlich, in Gemäßheit der errichteten Rheinconföderation, von dem Fürsten Primas Carl von Regensburg und Aschaffenburg den 9. September 1806 in Besitz genommen; und die neue Organisation derselben durch ein Edict vom 10. October bekannt gemacht, durch welche die reichsstädtische Verfassung ganz aufgehoben, das Stadtgericht zur untersten Instanz, Frankfurt zur Hauptstadt des Großherzogthums erklärt wurde. Auch sollte sie der Sitz der rheinischen Bundesversammlung seyn.

Am 1. Nov. 1813 rückten nach der Schlacht bei Hanau die siegreichen Heere der Verbündeten in Frankfurt ein. Sie erklärten Frankfurt wieder zur freien Reichsstadt nach einer neu zu entwerfenden Verfassung, und der Präsident des Verwaltungsrathes der befreiten deutschen Länder, Freiherr von Stein, nahm in Frankfurt seinen Aufenthalt. Der Wiener Congreß bestätigte die der Stadt ertheilte Selbständigkeit, und sie trat in den vollen Genuß derselben ein, als am 20. Jun. das bis dahin bestandene General-Gouvernement seine Funktionen endigte.

Die Verhandlungen über die Verfassung der wiederhergestellten Republik haben einen großen Zwiespalt der Meinungen geoffenbart, und ihr endliches Resultat ist bis jetzt noch nicht ausgemittelt.

Einen neuen Glanz hat Frankfurt durch die Bestimmung der Bundesacte erhalten, vermöge deren sie der Sitz der deutschen Bundesversammlung seyn soll.


Von Reisende.

Sie kennen Frankfurt, mein Herr, und wissen, daß es eine große Handlung treibende Stadt ist, die am Main liegt, der sie von ihrer Vorstadt Sachsenhausen trennt. Sonst gab die Wahl und die Krönung eines deutschen Kaisers, die hier Statt fanden, Frankfurt ein eigenthümliches Interesse. Jetzt ist hier die Residenz des Fürsten Primas, der sich unablässig bemüht, sie zu erweitern, und zu verschönern. Man zählt hier ungefähr fünf und vierzig Tausend Einwohner, unter welchen viele Juden sind. Die Mehrzahl der Häuser in dieser Stadt ist im alten Styl erbaut; man findet indeß in den Hauptstraßen prächtige Häuser und große Hotels. Das Rathhaus, der Römer genannt, ist ein gothisches Gebäude, an dessen vordern Façade Bogengänge entlang laufen, unter welchen während der Messe Kramläden eröffnet werden.

Das Frankfurter Theater genießt einer gewissen Celebrität. Unweit desselben findet man einen hübschen schattenreichen Spatziergang. (>>>)


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.