Franz I. (Österreich)

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Franciscus II. Rom. Imp.
Franz II., Kaiser von Oestreich.

Franz I. (Joseph Carl), Kaiser von Oesterreich, König zu Ungarn, Böhmen, Gallizien, Lodomerien xc. Erzherzog zu Oesterreich xc. Chef des Ordens vom goldnen Vließe, Großmeister des militärischen Marien-Theresien-, des kön. ungar. St. Stephans- und des Leopoldsordens, Großkreuz der französischen Ehrenlegion, ist ein Sohn des römischen Kaisers Leopold II. und dessen Gemahlin, Maria Luise (Tochter Königs Carl III. von Spanien); geboren am 12. Febr 1768.

Er folgte am 1. März 1792 seinem Vater in allen österreichischen Erblanden, ward zum König von Ungarn am 6. Juni 1792, zum römischen Kaiser erwählt am 7. und gekrönt am 14. Juli 1792 und zum Könige von Böhmen am 5. Aug. desselben Jahres. Damals hieß er in der Reihenfolge der deutsch-römischen Kaiser Franz II. Aber in der Vorahnung der Zukunft und nachdem (am 18. Mai 1804) Frankreich zum Kaiserthum erhoben worden war, erklärte er sich (durch Patent am 11. August und Proclamation vom 7. Dec. 1804) zum Erbkaiser von Oesterreich, und rettete so seiner Person und seinem Hause Würde, Rang und Titel, als er im Gange der rasch folgenden Ereignisse sich veranlaßt fand, die römische Kaiser- und deutsche Königskrone am 6. Aug niederzulegen und damit zugleich seinen Namen Franz II. in Franz I., als erster Erbkaiser Oesterreichs, zu verwandeln.


Seine erste Erziehung erhielt er zu Florenz unter den Augen seines Vaters. Doch sein Onkel, der damalige Kaiser Joseph II., übernahm die Vollendung seiner Bildung; er ließ den jungen Erzherzog nach Wien kommen und übergab ihn den geschicktesten Männern aus allen Fächern. In seinem zwanzigsten Jahre begleitete Franz seinen Onkel gegen die Türken und übernahm im folgenden Jahre selbst das Obercommando der Armee, wo Laudon ihm zur Seite stand. In diesem Feldzug bewies er viele persönliche Ausdauer; er brannte eigenhändig die erste Kanone auf Belgrad ab, das am 9. October desselben Jahres sich ihm ergab.

Nach dem Tode seines Onkels (1790) nahm er sich der Regierungsgeschäfte bis zur Ankunft seines Vaters mit rühmlichem Eifer an; bei den Berathschlagungen wegen eines zu erwartenden Krieges mit Preußen führte er den Vorsitz, wie er denn auch, in Gesellschaft des Kronprinzen von Preußen (jetzigen Königs), und des Grafen Artois, zweiten Bruders Ludwigs XVI. von Frankreich, der auf den ganzen europäischen Continent so einflußreichen Zusammenkunft beiwohnte, die nach dem Ausbruche der französische Revolution (am 27. Nov. 1791) sein Vater mit dem Könige von Preußen und Churfürsten von Sachsen zu Pillnitz hielt. Was in jener Conferenz vorbereitet worden war, vollzog Franz nach dem Tode seines Vaters (1792) als Kaiser, in dem gemeinschaftlich mit Preußen begonnenen Kriege gegen Frankreich, welches ihm durch eine Nationalversammlung (20. April 1792) als König von Ungarn und Böhmen den Krieg erklärt hatte (s. Deutschland), den er auch dann, als Preußen seinen Separatfrieden mit der Republik geschlossen hatte, mit Nachdruck fortsetzte, wobei ihn seine Unterthanen nach Kräften unterstützten.

Im Jahre 1794, am 2. April, stellte er sich in Person an die Spitze seiner niederländischen Armee, die er mit vieler Energie haranguirte. Befeuert durch die Gegenwart des Monarchen, schlug sie die Franzosen bei Coteau und Landrecy, das sie eroberte, und gewann die blutigen Schlachten von Tournay und Charleroi. Doch die brabanter Stände versagten ihm den gefoderten Landsturm und Geld, und fast im Vorgefühle der nachherigen Unglücksfälle verließ er am 13. Juni dieses Jahres Brüssel, um in die alte Hofburg von Wien zurückzukehren.

Der Friede von Campo-Formio (17. Oct. 1797) verschaffte seinen Waffen einige Zeit ruhe; doch im neuen Bündnisse mit England und Rußland fuhr Franz 1799 in der Bekämpfung der Republik fort, bis der damalige erste Consul Bonaparte Rußland und Oesterreich 1801 zum Frieden zu Lüneville nöthigte, der mit allbekannten Opfern für Oesterreich und das deutsche Reich bezeichnet war.

K. Franz I.

Im Jahre 1805 brach der Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich von neuem aus. Aber nach der Schlacht von Austerlitz (2. Dec. 1805) verabredete Franz II. und der damalige französische Kaiser mündlich die Bedingen eines Waffenstillstandes, und die Grundlagen zum künftigen Frieden, der zwanzig Tage darauf (am 22. Dec. 1805) zu Preßburg unterzeichnet wurde.

In den Jahren 1806 und 1807 behauptete Franz I. bei dem Kriege Frankreichs gegen Preußen und Rußland eine ungestörte Neutralität; auch bot er sich, doch vergebens (am 3. April 1807), zum Vermittler zwischen den kämpfenden Parteien an. Aber Franzens Proclamation an die Völker Oesterreichs vom 8. April 1809, die unter seiner Autorität erschienenen Aufrufe an die gesammte deutsche Nation, seine Declaration und Kriegserklärung gegen Frankreich vom 27. März 1809, und die Errichtung der Landwehr bewiesen, daß Franz I. nie mehr zum Kriege sich gerüstet hatte, als nach dem Frieden zu Tilsit, der Alexander mit Napoleon vereinte.

Das Jahr 1809 kostete ihm zwar sehr viel, doch schien darin wenigstens der Grund zu einem dauerhaften Frieden mit Frankreichs mächtiger Nation gelegt. Der Friede von Wien gab Oesterreichs Kaiser die Hauptstadt seiner Monarchie zurück, und seine Einwilligung in der Vermählung seiner ältesten Tochter (der zweiten aus seiner zweiten Ehe) Marie Louise mit Napoleon schien zwischen beiden Häusern ein festes Band zu knüpfen.

Des Kaisers Franz erste Gemahlin war eine Tochter des Herzogs Friedrich Eugen von Wirtemberg gewesen, welche am 18. Febr. 1790 gestorben war. Seine zweite war die Tochter des Königs Ferdinand IV. von Sicilien, Marie Theresie, welche ihm dreizehn Kinder gebar, wovon noch sieben leben, unter ihnen der Kronprinz Ferdinand Carl Leopold Joseph Marcellin (19. April 1793), und die dermalige Herzogin von Parma Marie Louise, gewesene französische Kaiserin. Aus seiner dritten mit Marie Louise Beatrix, jüngsten Tochter seines Oheims, der verstorbenen Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, Herzogs zu Modena-Breisgau, am 6. Jan. 1808 geschlossen Ehe empfing er keine Kinder. Diese letzte Verbindung ward von den Oesterreichern, die der herrschenden Dynastie mit ganzer Seele anhangen, mit vielem Enthusiasmus vernommen, denn man erblickte in dieser Wahl aus dem reinen eigenen Stamme ein Zeichen des Gefühls innerer würde und Kraft. Aber unglücklicher Weise genoß der Monarch den Besitz der angebeteten Gemahlin nur wenige Jahre, indem sie am 7. April 1816 in der Blüte ihres Lebens zu Verona starb.

Das Familienband, welche Oesterreich und Frankreich umschlingen sollte, konnte nicht des Schwiegersohns Ehrgeiz besänftigen. Kaiser Franz vereinigte sich zwar mit seinem Eidam bei der denkwürdigen Conferenz zu Dresden im Mai 1812, aber der unbiegsame Stolz der Willkür trennte dieses Verhältniß.

1813 sah sich Franz I. genöthigt, verbunden mit Rußland und Preußen, diese Uebermacht zu bemüthigen. Er wohnte diesem Kampfe bis zum Ende in Person bei, reiste dann im Juni 1814 wieder nach seinen Staaten zurück, und am 16. desselben Monats hielt er seinen feyerlichen Einzug in Wien, wo er mit seltenen Bezeugen der Freude und des Entzückens empfangen wurde.

Eine lange Reihe von Drangsalen und Unglücksfällen hatte die Regierungsgeschichte des Monarchen bezeichnet, und aus immer wiederkehrenden stürmen hatte beinahe kein Gut mehr gerettet, als die Liebe seiner Unterthanen; nun aber kam er aus einem glorreichen Kriege zurück, indem das Joch, das auf Europa gelegen, zerbrochen, jeder Verlust, den Oesterreich früher erlitten, wieder gut gemacht, die Monarchie auf auf die höchste stufe der Macht erhoben, und der Ruhm der Armee auf das glänzendste hergestellt worden. Zudem folgte dem Kaiser die Achtung und Dank der fremden Völker nach, deren Länder er mit seinen Heeren durchzogen, oder die er bekämpft und besiegt hatte.

Noch in demselben Jahre sah man in seiner Hauptstadt viele europäische Souverains und die Gesandten aller Mächte versammelt, um die neue Ordnung der Dinge zu gründen, in der die Völker in Zukunft leben sollten. Mit einer bei diplomatischen Verhandlungen von solchem Umfange ungewöhnlichen Eintracht ward das Geschäft fortgesetzt und vollendet. Aber Napoleons neuer über alle Erwartung gelingender Versuch, die verlorne Herrschaft wieder zu erlangen, machte die Ruhe von Europa abermals zum Problem. Oesterreichs Macht erhub sich wieder gegen den Usurpator, und Franz folgte ihr nach; eines seiner Heere aber operirte mit so glücklichem Erfolg in Italien, daß nach einem Feldzuge von wenigen Wochen Joachim Murat vom Throne von Neapel gestürtzt wurde. Den Krieg gegen Napoleon hatten die Preußen und Engländer am 18. Jun. entschieden. Die Oesterreicher durften nur den Sieg benutzen, indem sich alles, was ihr Fuß berührte, ihnen unterwarf. So kam der Kaiser das zweite Mal nach Paris, und verweilte daselbst, bis alles geordnet war, was der Krieg zerrüttet hatte.

Am 29. Sept. reiste er daselbst ab, und ging durch die Schweiz und das Tyrol, wo seine Gemahlin mit ihm zusammentraf, in seine italiänischen Staaten, die den ganzen Winter hindurch das Glück seiner Gegenwart genossen. Hier wurde er allenthalben von seinen alten und neuen Unterthanen mit Freude und Jubel aufgenommen, und die dem Monarchen eigene Humanität, die schönsten Erweisungen seines väterlichen wohlwollenden Charakters, und die Einrichtungen, die er in Beziehung auf die Verfassung und Verwaltung der Länder machte, gewannen ihm immer mehr aller Herzen. Aber auf die schmerzhafteste Weise für ihn und für sein Volk wurden diese tage der Freude getrübt durch den Tod der Kaiserin. Dem Vernehmen nach wird sich der Kaiser, nach Beendigung der tiefsten Trauer, von Verona nach Inspruck begeben, dort die Huldigung seines treuen tyrolischen Volkes einnehmen, und dann wieder in seine ihn mit Sehnsucht erwartende Hauptstadt zurückreisen.

Was Franz I. bisher für die innere Staatsverwaltung, Finanzen, Wissenschaften und Künste gethan hat, werden wir schicklicher in dem Artikel "Oesterreich" zusammenstellen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Erster Band. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1816.