Friedrich Adolf von Kalckreuth

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Graf v. Kalkreuth.

Kalkreuth (Graf v.) Preußischer Generallieutenant, Ritter des großen schwarzen Adlerordens xc.

Nachdem er sich einen glänzenden Rahmen in den letzten Kriegen unter Friedrich dem Grossen erworben hatte, machte er die Feldzüge von 1792, 1793 und 1794 gegen die Franzosen, und zeigte fortwährend viele Talente und Tapferkeit, nahmentlich den 1. Juny 1793 von Maynz. Er war es, der den 22. July die Kapitulation dieses Platzes, als er an die Preußen überging, unterzeichnete. Eben so that er sich den 26. September bey der Einnahme von Bliescastel, den 17. November bey der Räumung des Elsaß von den Alliirten, und den 23. May 1794 bey Kaiserslautern hervor.

Er wird mit Recht für einen der ersten Generale angesehen und ist einer der reichsten Partikuliers in Preußen, der sein Vermögen bloß seiner ausserordentlichen Oekonomie verdankt.

Zu Ende 1805 wurde er für das Kommando der versammelten preußischen Truppen in Pommern bestimmt. Hier mußte Kalkreuth im Jahre 1806 dem Könige von Schweden bis zum Ausbruche des französisch-preußischen Krieges die Stirne bieten, und kam nicht eher bey der Armee in Sachsen an, als bis die Maaßregeln schon genommen waren, von welchen der Untergang des preußischen Heeres die nothwendige Folge seyn mußte. In der Schlacht bey Auerstädt kommandirte er einen Theil der Reserve, welche gar nicht zum Gefechte kam.

Nach seiner Ankunft in Königsberg wurde ihm die Vertheidigung von Danzig übertragen, und er hat sich, trotz seinem hohen Alter -- er ist 72 Jahre alt -- dabey so gut benommen, daß die Franzosen seine Vertheidigung eine schöne Vertheidigung nennen, und unbedenklich hinzufügen: von allen Preußischen Generalen, deren Bekanntschaft sie gemacht, sey Graf Kalkreuth ihnen der achtungswürdigste. Selbst als er die Festung nicht länger halten konnte, weil es ihm an Vertheidigungsmitteln fehlte, und er kapituliren mußte, kapitulirte er auf eine ehrenvolle Art. Er erhielt den 24. May 1807 mit 9000 Mann freyen Abzug unter der Bedingung, in Jahresfrist nicht gegen Frankreich und dessen Alliirte zu dienen. Kurz darauf erhielt er von seinem Monarchen den Auftrag den Friedenstractat zu Tilsit abzuschliessen. Und später ernannte ihn derselbe zum Kriegsminister.

Nach der Vermählung des Kaisers Napoleon mit der Erzherzoginn Luise sandte ihn der König von Preußen zur Glückwünschung nach Paris.


Friedrich Adolph, Graf von Kalkreuth.

Kalkreuth (Friedrich Adolph Graf von), preußischer Feldmarschall, Ritter des schwarzen und rothen Adlerordens u.s.w.

Geboren zu Eisleben 1737, verlor seinen Vater früh, wurde 1747 von seiner Vormundschaft in das Seminar der mährischen Brüder zu Neu-Salza gethan, kam dann in eine französische Erziehungsanstalt nach Berlin und trat 1751 in das Militär. Er wurde zunächst als Volontär-Offizier bei der Garde du Corps angestellt und avancirte zum Lieutenant. Im siebenjährigen Kriege diente er mit Auszeichnung als Adjutant des Prinzen Heinrich. Er stieg von Stufe zu Stufe bis zum General, und ward 1788 in den Grafenstand erhoben.

In dem Kriege mit Frankreich, den er übrigens nicht billigte, bewies er eben so viel Muth als Geschicklich-keit. Den 8. Oct. 1792 hatten er und der Herzog von Braunschweig eine Zusammenkunft mit den französischen Generalen Labaroliere und Galbaud, in der Nahe des von den Preußen eroberten Verdun. Man konnte aber über die Räumung dieses Platzes sich nicht vereinigen; doch drei Tage später traf der General Kalkreuth mit dem General Dillon deshalb eine Uebereinkunft. Im Jahre 1793 belagerte Kalkreuth Mainz, und unterzeichnete den 22. Juli die Capitulation dieser Festung. Zu dem Siege Möllendorfs bei Kaiserslautern den 23. Mai 1794 trug er wesentlich bei, indem er die gegen Pirmasens vordringende französ. Heerabtheilung gänzlich schlug. Er vertrieb hierauf die Franzosen aus Zweibrücken und drang bis Saarlouis vor. Als aber die Franzosen Trier einnahmen, legten dies die österreichischen Feldherren den Preußen zur Last. Der General Kalkreuth rechtfertigte dagegen die preußische Armee durch eine öffentliche Anzeige vom 25. August, daß nach einer am 26. Juli getroffenen Uebereinkunft, Trier gar nicht zur Defensionslinie der Preußen gehört habe, daß er gleichwohl Trier zu Hülfe geeilt wäre, aber es nicht habe retten können, weil die Oesterreicher den Platz so schnell geräumt hätten.

Am Ende des Jahres 1795 übernahm er den Oberbefehl über die Truppen in Pommern, wurde darauf im Mai 1806 Gouverneur von Thorn und Danzig, und Generalinspector der Cavallerie. Im Herbst stieß er mit seinem Heerhaufen zu der Hauptarmee in Thüringen, nahm aber an der Schlacht bei Jena und Auerstädt keinen Theil, weil sein Heertheil zum Nachzug gehörte. Am 15. October trug er im Namen des Königs auf einen Waffenstillstand an, den aber Napoleon verweigerte. Der König zog hierauf mit etwa 12,000 Mann starken Abtheilung des Generals Kalkreuth über Magdeburg gegen die Oder. Die Vertheidigung des seit dem 19. März 1807 von dem französ. Marschall Lefebvre belagerten Danzig, wo Kalkreuth an Manstein's Stelle den Oberbefehl übernahm, führte er mit solcher Einsicht und Tapferkeit, daß man ihm, als Danzig (51 Tage nach Eröffnung der Laufgräben) sich nicht länger halten konnte, den 24. Mai dieselbe ehrenvolle Capitulation zugestand, welche er einst der französische Besatzung in Mainz bewilligt hatte. Am 25. Juni 1807 schloß Kalkreuth zu Tilsit den Waffenstillstand zwischen Preußen und Frankreich mit Berthier ab; hierauf am 9. Juli nebst Golz den Frieden mit Talleyrand. Er wurde unmittelbar darauf zum Feldmarschall erhoben.

Im |Januar 1810 ernannte ihn der König zum Gouverneur von Berlin; auch überbrachte er dessen Glückwunsch zu Napoleons Vermählung mit der Erzherzogin nach Paris. Im letzten Kriege war der Graf Kalkreuth Gouverneur von Breslau, kehrte 1814 nach Berlin zurück, wo er das Gouvernement wieder übernahm und den 10. Juni 1818 starb. Er war ein Mann von seltenen Eigenschaften des Geistes und Herzens, und als Held und Mensch gleich hochachtungswerth.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.