Friedrich August Peter von Colomb

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Colomb (die Streifzüge des Rittmeisters von).

Der kleine Krieg hatte in dem Kriegsjahren 1813 und 1814 im Kampfe gegen die Franzosen einen sehr bezeichnenden Charakter, und während in der ersten Hälfte des Jahrs 1813 die verbündeten Heere in den großen Schlachten von Lützen und von Bautzen den Kürzern zogen, wurden im kleinen Kriege herrliche Lorbeeren errungen. Talent, Muth, Kühnheit und Vorsicht zeigten sich fast bei allen Anführern dieser kleinen Truppen, von denen wir auch Lützow und seinen Freischaar und dem genialen Czernitscheff einen Platz in unserm Lexicon widmen, und unter welchen der Rittmeister von Colomb aus den brandenburgischen Husaren mit nicht minderem Rechte einen der ersten Plätze einnimmt.

Er wurde nach der Schlacht von Lützen am 8ten Mai aus dem Lager von Meißen mit dem Jägerdetaschement von Brandenburg Husaren über die Elbe zurückgeschickt, um die französischen Armeeverbindungen im Rücken zu beunruhigen.

So marschirte er Dresden vorüber, passirte bei Rahden die Elbe, schlich sich zwischen Königstein und dem französischen Lager bei Pirna und Steuppen hindurch, und erreichte Hellendorf an der böhmischen Gränze. Auf diesem Marsche beobachtete Colomb große Klugheit, und ließ sich durch Vortheile, die sich ihm auf demselben mehrere Male darboten, von seinem größeren Zwecke nicht ableiten. Von Hellendorf machte er bloß Nachtmärsche, indem er sich des Tags in den Wäldern verbarg, über das Erzgebirge an der böhmischen Gränze hin bis nach Plauen und Reichenbach, wo seine Operationen ihren Anfang nehmen sollten. Nur um wenige Stunden verfehlte er hier den Vicekönig von Italien, der eben mit einem kleinen aber bedeutenden Gefolge Reichenbach passirt war. Dagegen machte Colomb jetzt diese Hauptmilitärstraße aus Franken nach Sachsen höchst unsicher, und es verging kein Tag, wo ihm nicht mehr oder weniger Gefangene, Militärtransporte, Couriere u. s. w. in die Hände fielen. Dem Feinde wurde dadurch der größte Abbruch gethan, er beständig allarmirt gehalten, seine Communicationen befanden sich unterbrochen, und dem leicht beweglichen Colomb, der sich bei jeder Gefahr, von welcher der gute Geist des Volkes ihn immer zeitig benachrichtigte, in die Wälder zurückzog, war nirgends und nimmer beizukommen.

So war der Krieg der spanischen Guerillas auf deutschen Boden übertragen, und es hätten daraus ebenfalls, bei längerer Dauer des Krieges, selbst ohne die spätern großen Erfolge in Hauptschlachten, die bedeutendsten Resultate hervorgehen können.

Die glänzendste Waffenthat Colombs fand am 29sten Mai (1813) bei Zwickau auf der Straße nach Chemnitz Statt, wo er mit seinem nur aus 83 Mann bestehenden Heldenhäuflein einen starken schweren französischen Artilleriepark von 18 Kanonen und 6 Haubitzen, der von mehr als 300 Italienern escortirt war, und alles Geschütz nebst den dazu gehörigen Munitionswagen, gegen 50 an der Zahl, eroberte. Es wurden an 700 Pferde dabei erbeutet. Colomb war nur ein einziger Mann getödtet. Was von der unermeßlichen Beute nicht mitzunehmen war, wurde zernichtet, verbrannt oder verschenkt. Die Namen der braven Lieutenants Katte und Eckardt, getreue Begleiter Colombs, verdienen hier ebenfalls aufbewahrt zu werden. Jetzt zog sich Colomb nach Neustadt an der Orla, einem freundlichen Städtchen in der Nähe von Jena, von wo aus nun alle Straßen, die zur Armee führten, beunruhigt wurden, und selten ein Tag ohne irgend einen Fang vorüberging. Die Einwohner trugen unsern Rittmeister und seine Leute auf den Händen, da sie auf mannichfache Weise von den Erfolgen seiner Thaten Vortheile zogen.

Der Waffenstillstand von Pleischwitz, der ihm am 12ten Juni kund wurde, unterbrach Colombs Thätigkeit. Er mußte nun über die Elbe zurück. auf diesem Heimzuge war ihm dasselbe Schicksal zugedacht, das die lützowsche Freischaar wirklich ereilte. Diese Corps, die den Franzosen ein Dorn im Auge waren, und gegen die insbesondere Napoleon selbst höchst gereizt war, sollten aufgehoben und vernichtet werden. Was bei Kitzen der Würtemberger Norrmann auszurichten hatte, sollte gegen Colomb der westphälische General Hammerstein ausführen. Dieser überfiel Colomb in Werbzig bei Cöthen, Abends acht Uhr. Indessen rettete der wackere Partisan am 22sten Juni sein Corps bis auf 14 Mann und brachte es über Aken und Jochen glücklich über die Elbe auf vaterländischen Boden.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.