Friedrich Karl von Tettenborn

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Tettenborn (Friedrich Carl, Freiherr von), berühmt geworden in der neuesten Kriegsgeschichte, ist geboren den 19ten Februar 1778 zu Tettenborn in der Grafschaft Hohenstein.

Sein Vater, zuvor Militär, war markgräflich badischer Oberjägermeister zu Rastadt geworden, wo der Sohn die erste Erziehung erhielt. Dreizehn Jahre alt kam er als churfürstlicher Page nach Maynz. Als aber 1792 der Hof von dort vor den Franzosen flüchten mußte, ging Tettenborn 1793 nach Waltershausen, um sich unter dem berühmten Bechstein den Forstwissenschaften zu widmen. Noch in demselben Jahre bezog er die Universität Göttingen, die er in Folge einer jugendlichen Uebereilung mit Jena vertauschen mußte.

Der Tod seines Vaters aber gab ihm Freiheit, ganz seiner Neigung zum Kriegsdienste zu folgen, und sogleich 1794 trat er als Cadet beim joseph kinsky'schen, später klenau'schen Chevauxlegers-Regiment in das österreichische Heer. Die damaligen Kriegsereignisse sind bekannt; ihren Wendungen folgte Tettenborn in den Bewegungen seines Regiments, das wir 1799 bei dem Heere des Erzherzogs Carl, und 1801 Kray's wiederfinden. Er war schon nach wenigen Monaten Unterlieutenant geworden, und stieg im Laufe des Kriegs zum Rittmeister und Schwadroncommandanten.

Wie er auf dem Schlachtfelde seinen unerschrockenen Muth vielfältig bewährt hatte, so lebte er glänzend und genußreich im Schoße des Friedens. Im Jahr 1794 erschien er mit Aufträgen an den Gesandten seines Hofes, den Grafen Metternich, in Berlin. Hier ward er bald durch gleiche Gesinnung und Neigung der Vertraute des Prinzen Louis Ferdinand, der ihn schon früher gekannt und lieb gewonnen hatte. Als 1805 der Krieg aufs neue ausbrach, befand er sich beim Heere unter Mack, und schlug sich nach dem Unglück bei Ulm unter dem Erzherzog Ferdinand durch, wobei er den Vortrab führte. Nach dem Frieden ward ihm das Theresienkreuz zu Theil.

Im Jahr 1808 folgte er dem Fürsten Schwarzenberg als erster Adjutant und Botschaftscavalier nach St. Petersburg, eilte 1809 mit Aufträgen desselben zum österreichischen Heere, und nahm an der Schlacht von Wagram mit solcher Auszeichnung Antheil, daß der heldenmüthige Erzherzog Carl ihn auf dem Schlachtfelde zum Major ernannte.

Als nach dem Frieden der Fürst Schwarzenberg in der Eigenschaft eines Gesandten nach Paris ging, folgte Tettenborn ihm auch dorthin. Seine Gesinnung konnten ihm Napoleons Gunst nicht erwerben, dennoch verlieh dieser ihm den Orden der Ehrenlegion für sein Betragen bei jenem furchtbaren Brande, der mehrern der vornehmsten Personen verderblich wurde.

Vor dem Ausbruche des Kriegs mit Rußland nahm Tettenborn, seiner Neigung folgend, seinen Abschied, und trat 1812 als Obristlieutenant in russische Dienste. Hier stand er bei Verfolgung der von Moskau zurückziehenden Franzosen ein weites Feld für seinen kühnen Muth und Unternehmungsgeist. Er machte zahlreiche Gefangne, und nahm durch einen kühnen Streich Wilna, wo die Franzosen sich zu sammeln, und einigermaßen wiederherzustellen gehofft hatten.

In Königsberg, wo Krankheit ihn zurückhielt, empfing er das Obristenpatent. Noch nicht völlig genesen, machte er sich auf, um mit einem Corps leichter Reiterei über die Weichsel zu gehn, welche man anfänglich nicht hatte überschreiten wollen. Er setzte sogar über die Oder, und rückte auf Berlin. Da er, besonders wegen des Mangels an Fußvolk, zu einer ernstlichen Unternehmung gegen diese Stadt zu schwach war, vereinigte er sich mit Czernitscheff, und machte sodann einen höchst kühnen Versuch, in Berlin einzudringen, wofür er den Wladimirorden erhielt. Nach der Einnahme von Berlin ward er mit einem Cavalleriecorps gegen Hamburg entsandt. Den 14ten Mai erschien er in Ludwigslust, wo der Herzog von Meklenburg sofort sich gegen Frankreich erklärte. Tettenborn vertrieb darauf mit Geschicklichkeit den General Morand, und rückte den 18ten in das zu seiner alten Verfassung zurückgekehrte Hamburg ein. Zehn Wochen war er hier in vollster Thätigkeit, und erst, als alle Hoffnung zur Behauptung der Stadt verschwunden war, konnte er sich entschließen, sie zu verlassen (30sten Mai). Kaiser Alexander belohnte ihn mit dem St. Annenorden erster Classe. Jetzt befehligte Tettenborn unter Walmoden, zunächst gegen Davoust, der ins Mecklenburgische vorgerückt war, dann gegen den General Pecheux, nach dessen Niederlage er auf dem linken Elbufer blieb, und einen kühnen Streifzug gegen Bremen unternahm, das er am 15ten October zur Uebergabe nöthigte.

Als bald darauf der Kronprinz von Schweden sich gegen Dänemark wendete, rief er Tettenborn zu sich, der auch hier die glänzendsten Erfolge erfocht, und bis Jütland vordrang. Zur belohnung erhielt er den Schwertorden.

Schon am 24sten Januar 1814 brach Tettenborn, da die Feindseligkeiten gegen Dänemark aufhörten, nach dem Rhein auf. In Cöln erhielt er die Bestimmung, mit einem Corps leichter Reiterei in Frankreich einzudringen, um die Verbindung zwischen den einzelnen Heeren der Verbündeten zu erhalten. Er leistete auch hier die wesentlichsten Dienste bis zur Einnahme von Paris, besonders durch das Auffangen wichtiger Couriere, und Auskundschaften der feindlichen Bewegungen.

Der Feldzug von 1815 endigte, ehe Tettenborn Gelegenheit gehabt hatte, thätigen Antheil daran zu nehmen. Er erhielt darauf einen nachgesuchten Urlaub zu längerm Aufenthalt in Deutschland und Italien, in welchem erstern Lande ihm der Besitz beträchtlicher Güter eingeräumt worden, die vormals seiner Familie gehört hatten, von Napoleon aber einem seiner Generale waren verliehen worden.


Vermischte Nachrichten.

Pesth, den 8ten Oct. [1812]

Der in mehrern, zuletzt in östreichischen Diensten als Oberstlieutenant und Gesandschaftscavalier zu Paris gestandene Baron Tettenborn, welcher kurz vor Ausbruch des jetzigen Krieges die östreichischen Dienste verließ und als Oberst in russische trat, ist, glaubwürdigen Nachrichten zufolge, von einem russischen Fürsten im Duell erstochen worden.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Zweiter Band. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1818.
  • Geschichte der Kriegszüge des Generals Tettenborn während der Jahre 1813 und 1814. Von K. A. Varnhagen von Ense. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1814.
  • Leipziger Zeitung Nr. 212. Mittwochs den 28. October 1812.