Friedrich Ludwig (Hohenlohe-Ingelfingen-Öhringen)

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Hohenlohe-Ingelfingen.

Hohenlohe-Ingelfingen, (regierender Fürst von) Preussischer General.

Nachdem er den König von Preussen 1791 zum Kongreß nach Pillnitz begleitet hatte, kommandirte er eine Division von dessen Armee in dem Feldzuge von 1792, und wohnte im Oktober auf Befehl des Generals en Chef einer Konferenz mit dem französischen General Düval bey.

1793 im Zweybrückischen angestellt, trieb er den 13. März den Feind aus Oppenheim, zeichnete sich am 14. September in der Schlacht von Pirmasens aus, nöthigte am 26. und 27. desselben Monats, die Franzosen ihr Lager von Hornbach zu verlassen und unterstützte den 31. Oktober durch einen Marsch über die Gebirge die Wegnahme der Weissenburgerlinien durch den General Wurmser.

1794 that er sich bey verschiedenen Gelegenheiten von neuem hervor, und zu Anfange 1795 übernahm er das Kommando der Neutralitätslinie an der Ems und ward im May zum Inspekteur der Schlesischen Truppen ernannt.

Als er nach dem Tode seines Vaters im Februar 1796 zur Regierung kam, beschenkte ihn der König von Preussen bey seiner Gelegenheit mit einem goldenen, reich von Brillanten besetzten Degen zum Zeichen seiner Zufriedenheit mit den Diensten, welche ihm der Fürst geleistet hatt.

Er wurde darauf Kommandant von Breslau und erhielt 1806 das Kommando des preussisch-sächsischen Korps, welches sich bey Erfurt sammelte, um gegen Franken vorzudringen. Dieses Korps bildete am unglücklichen 14. Oktober bey Jena den linken Flügel der Armee und wurde, trotz der persönlichen Tapferkeit des Fürsten gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzuge von Magdeburg gegen Stettin war dem Fürsten für nichts so bange, als daß er Macks Schicksal von Ulm haben möchte. Er entgieng aber diesem Schicksale doch nicht. Durch Mangel an Uebereinstimmung mit dem Generallieutenant von Blücher von der Kavallerie verlassen, konnte die Infanterie keinen Widerstand leisten, als es bey Prenzlau zur Entscheidung kommen sollte, und das ganze 1700 Mann starke Korps mußte den 28. Oktober kapituliren. Nach dieser Kapitulation ging der Fürst von Hohenlohe auf seine Güter in Schlesien, wurde später nach Frankreich abgeführt, und lebt nun ganz zurückgezogen.


Friedrich Ludwig, Fürst von Hohenlohe-Ingelfingen.

Hohenlohe-Ingelfingen (Friedrich Ludwig Fürst von), welcher als Preußischer Feldherr in der Geschichte der Preußischen Armee eine denkwürdige Rolle gespielt hat; er war 1746 geboren und seccedirte seinem Vater im J. 1796.

Als Erbprinz, General der Cavallerie und Inhaber eines Infanterieregiments begleitete er den König von Preußen zu der berühmten Zusammenkunft in Pillnitz, und commandirte 1792 eine Division gegen die Franzosen; ruhmvoll waren für ihn 1793 die Treffen bei Oppenheim, Pirmasens, Hornbach und sein Antheil an der Wegname der Weißenburger Linien; 1794 errang er einen glänzenden Sieg bei Kaiserslautern, wurde 1795 zu einer Beredung mit dem Österreichischen General Seckendorf über die Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich abgesendet, und erhielt das Commando über den Neutralitätscordon an der Ems, ward auch Generalinspecteur der Schlesischen und Fränkischen Truppen, und erhielt das Bürgerrecht der Stadt Frankfurt am Main.

Im Februar 1796 gelangte er durch den Tod seines Vaters zur Regierung, blieb aber in seinen Dienstverhältnissen zu Preußen, dessen König ihm durch ein Geschenk mit einem kostbaren Degen ein Zeichen seines Wohlwollens gab. 1798 ward er wirklicher General der Infanterie, sodann (1804) Statthalter der Fränkischen Fürstenthümer und Commandant von Breslau.

Als 1805 Preußen für gut fand, seine Armee über die Elbe gegen Franken vorrücken zu lassen, commandirte der Fürst ein Corps zwischen der Saale und dem Thüringer Walde, und als 1806 der Krieg mit Frankreich wirklich losbrach, stand er an der Spitze des Corps, dessen Avantgarde unter dem Prinzen Louis Ferdinand bei Saalfeld geschlagen wurde, das endlich an jenem verhängnißschweren 14. Octbr. dem damals noch nie besiegten Gegner, dessen Operationen von einem Zusammentreffen widriger Umstände so sehr zum Nachtheile des Fürsten begünstigt wurden, selbst unterliegen mußte. Auf dem Rückzuge nach jener Schlacht erhielt er das Generalcommando, und führte nun die Trümmer der großen Preußischen Armee, die unter ihm sich bei Magdeburg wieder gesammelt hatten, der Oder zu, dem Könige nach, der die Preußischen Regimenter sammeln und dann seine ganze Armee mit der allmählich anrückenden Russischen vereinigen wollte. Doch der Fürst konnte dem Schicksale nicht entgehen, das er selbst ahnete; die Lage des von ihm entfernten General Blücher gestattete diesem nicht, den erhaltenen Befehl des Fürsten, "sich mit ihm zu vereinigen," zu vollziehen und so ohne Cavallerie, außer Stand, mit einer durch Märsche und Mangel abgematteten Infanterie in einen Kampf mit dem in aller Hinsicht überlegenen Feind sich einzulassen, sah er sich genöthigt, am vierzehnten Tage nach der Schlacht von Jena (am 28. Oct. 1806) mit 17,000 Mann zu capituliren.

Er sandte dem Könige seine Rechtfertigungsschrift wegen seines Schrittes, und ging auf sein Ehrenwort auf seine Güter nach Schlesien, nachdem er alle bisher bekleidete Stellen, sogar die Regierung seiner Lande in die Hände des Erbprinzen, des nunmehrigen Fürsten August, niedergelegt hatte. Nach einem später erfolgten unfreiwilligen Aufenthalt in Frankreich kam er nach Schlesien zurück, wo er noch auf dem Gute Schlaventschütz in philosophischer Abgeschiedenheit lebt.

Billig enthalten wir uns zur Zeit noch irgend eines Urtheils über einen Mann, der von Vielen verunglimpft worden ist, dem nicht immer die reinsten Motive zu seinen Handlungen untergeschoben wurden, den Massenbach aber einen "edeln Mann" nennt.


Vertraute Briefe.

Friedrich von Cölln.

Vier und dreyßigster Brief.

Stettin.


Ich setze meine Nachrichten über diesen, in den Jahrbüchern der Geschichte beyspiellosen Krieg fort, und melde Dir noch nachträglich, daß wegen der Hohenloh'schen Capitulation diesem Feldherrn vielleicht zuviel geschehen, und er von nicht Unterrichteten für einen Verräther gehalten werden wird; das ist er nicht. Ich kennen ihn und seine Verhältnisse genau; er hat den bösen Schein nie gemieden, das ist wahr: der Erfolg dieses unglücklichen Feldzugs spricht wider ihn, und die Welt richtet gewöhnlich nur nach diesem. Mich geht dieser Mann nichts an; er kennt mich nicht, er wird gar nicht errathen, wer ihn hier critisirt. Ich will aber die Wahrheit sagen:
Hohenloh wurde von Friedrich geschätzt und vorgezogen, dies brachte ihn in Ruf. Er hat Ueberblick, Feuer, Energie, Talent, Kenntnisse und Charakter. Commandirte er die Armee, so wie der alte invalide Herzog, so wurde sie nicht geschlagen, wie sie geschlagen worden ist, sie stand auch nicht da, wo sie gestanden hat, das ist gewiß! Den Fehler, den der Fürst machte, wozu ihn vielleicht Ehrgeiz verleitete, war der, daß er nicht schon 1805 den Abschied nahm und sich nach Oeringen zurückzog. Er konnte es auf seinem Standpunkt damals schon wissen, daß bei Hofe die Antifranzösische Partey endlich siegen, daß er dann mit in den Krieg gezogen und ein Commando erhalten würde; daß aber der König den älteren Feldherrn, den Herzog, ihn vorziehen, und dieser ihn dann aus lange genährtem persönlichen Haß chikaniren würde. -- Daß der Fürst aber Oeringen 1806 Preis gab und dem Rufe des Königs folgte, das war edel, das war fürstlich, aber nicht klug. Er ging und ward ein Opfer.
Seine Feinde sagen: der Fürst hat nie Charakter gezeigt, dies beweist die Geschichte seiner Frau, die ihm davon lief, ihn mit Schande überhäufte; dies beweisen seine so häufig umlaufenden Wechsel, seine stets leeres Taschen. Das beweisen seine Umgebungen, deren Ruf theils entschieden schlecht, theils zweydeutig ist. Ein Triebenfeld, ein Grattenauer u. a. sind seine Rathgeber und Mandatarien, der Jude Goldstecker sein Geldmäkler xc. Wie oft hat er dem König Tauschprojekte zwischen seinen und den Königlichen Güthern vorgelegt, wobei er natürlich gewinnen wollte? Wie hat er nicht von den südpreußischen Gütherverschleuderungen gevortheilt? Wie konnte der König einen in Schulden versunkenen, nach Geld begierigen auswärtigen Fürsten, dessen Länder in Feindes Gewalt sind, eine Armee anvertrauen? -- Hieraus folgt: Hohenlohe ist ein Verräther.
Es ist manches hierin wahr, manches entstellt, vieles ganz falsch. Daß die Fürstin Hohenlohe eine Messaline war, dafür konnte der Fürst nicht. Daß Hohenlohe kein guter Wirth ist, nicht rechnen kann, und keinen Etat hält, das ist wahr, dies ist aber kein Beweis eines schlechten Charakters. Das Triebenfeld sein Freund ist, das ist wahr; ob aber dieser Mann so schlecht ist, wie man ihn schildert, das ist nicht bewiesen. Dem Fürsten dient er treu, das weiß ich, ob aus Ehrgeiz, oder aus reiner Liebe? das ist einerley. Grattenauer ist aber vom Fürsten beleidigt worden, und kam mit ihm in keine Berührung. -- Die Tauschprojekte in Südpreußen sind wahr, eben so die Gütherschenkungen. Sie sollten die derangirten Umstände Hohenloh's verbessern. -- Das Hohenlohe ein Verräther seyn könnte, ist unmöglich; das müssen alle diejenigen bezeugen, die ihn genau kennen; ich fordre sie auf, es zu thun: denn ich höre, der Fürst ist in Liegnitz vom Pöbel beschimpft worden, und viele von der Armee Zurückgekommene (leider Officiere) haben über sein Verfahren eine übeln Ruf verbreitet; das ist schlecht! Er hat vor der Capitulation alle Generale, alle Commandeure, alle Köpfe in seinem Corps aufgefordert, Mittel zur Rettung vorzuschlagen, sie haben geschwiegen. Unrecht hat er gethan, zu capituliren; das behaute auch ich; aber daß er es aus niedrigen Motiven gethan hätte, das ist nicht wahr!
Zweydeutig bleibt es, wenn die Chefs der Verpflegungscommission seiner Armee den von ihm öffentlich bekannt gemachten Capitulationsgrund: Es habe an Proviant und Fourage gefehlt, öffentlich widersprechen. -- Es ist an ihm, sich zu vertheidigen. -- Wäre es aber nicht möglich: daß beydes an einem Orte vorhanden gewesen, wo es der Fürst abholen zu lassen verhindert worden wäre? So viel über Hohenlohe; ich kann ihn nur bedauern! nicht anklagen.
Es ist gewiß, daß einzelne Züge seiner Cavallerie sich bis zum Könige durchgeschlagen haben. Ist es aber nicht möglich, ja wahrscheinlich, daß sie zu früh ihren Posten verließen? die folgende Zeit wird dies aufklären, wie so vieles andere.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Vertraute Briefe über die innern Verhältnisse am Preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II. Amsterdam und Cölln, 1807. bei Peter Hammer.