Friedrich VI. (Dänemark und Norwegen)

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Friedrich Kronprinz von Dänemark.

Friedrich Kronprinz von Dänemark.

Der Ursprung des erlauchten Hauses Holstein, das noch heut in sechs verschiedenen Zweigen blüht -- wovon drei die größten Throne des Nordens: Dänemark, Rußland und Schweden, inne haben -- verliert sich in der Nacht des Mittelalters. Die Genealogisten wollen es mit ungewissen Griffel von dem berühmten Wittekind herleiten. Es besaß seit langen Zeiten die Grafschaft Oldenburg, als Dietrich der glükliche durch Heirathen Delmenhorst, Schleswig und Holstein an sein Haus brachte. Sein Sohn Christian erlangte (1448) durch die Wahl des Volks die Krone von Dänemark und Norwegen, welche seitdem ununterbrochen auf dem Haupte seiner Nachkommen geblieben ist.

Gegenwärtig führt in Dänemark, durch den Seelenzustand seines Vaters vor der Zeit der Regierung berufen, das Ruder der Geschäfte der Kronprinz Friedrich (geboren 1768), einer der treflichsten, und in den Augen derer, welche sich von dem Vorurtheil für Kriegsruhm loszumachen vermögen, der merkwürdigsten Regenten unsers Jahrhunderts. Es kann nicht unsre Absicht seyn, hier eine Geschichte seiner Verwaltung zu liefern; sie würde eine Geschichte Dänemarks und des Nordens in den lezten zwanzig Jahren, sie würde beinahe eine Darstellung alles dessen, was Erfahrung und Geläuterte Philosophie in unsern Zeiten zu Vervollkommnung der Regierungswissenschaft geleistet haben, in sich schliessen. Jedermann weiß, daß der Kronprinz sich das friedliche System seiner Vorfahren vorgeschrieben, und dasselbe -- zwei kurze Unterbrechungen ausgenommen, deren eine durch die Treue der Bündnisse, die andere durch die Ehre der dänischen Flagge herbeigeführt ward -- immer mit Standhaftigkeit befolgt hat. Jedermann kennt den unvergänglichen Ruhm, den sich die Dänen, unter seiner Leitung, durch die tapfere wenn gleich unglükliche Vertheidigung ihrer Hauptstadt erworben. Das sind Gegenstände, die der Geschichte angehören, wir zeichnen unsern Lesern lieber einige flüchtige Züge seines individuellen Charakters.

Prinz Friedrich hat sich von dem Tage seines Eintritts in den Staatsrath (der 14. April 1784) mit nie unterbrochener Thätigkeit den Regierungspflichten gewidmet. Sollte er auch einige Vorliebe für das Militair haben, so läßt er doch darum keinen andern für den Staat erheblichen Gegenstand aus der Acht. Er nimmt an allen wichtigen Geschäften aller Departements unmittelbaren Theil, läßt sie sich selbst vortragen, und erforscht die Gründe. Mehrere der heilsamsten Einrichtungen der leztern zwanzig Jahre sind daher ganz eigentlich sein Werk. Die Befreiung der Bauern in Dänemark und in den Herzogthümern war seine eigene Idee, die er mit größter Standhaftigkeit und zugleich möglichster Schonung und Vorsicht ausführte. Die Verbesserung der Militairverfassung bewirkte er allein, und gab sie auch fast allein an. Insbesondere ist die auf Landeskinder beschränkte Zusammensezung der Armee und die Allgemeinheit der Landmilizpflichtigkeit blos sein Werk. In das Finanzsystem trat er vom ersten Anfang aufs sorgfältigste ein: verschiedene der wichtigsten Veranstaltungen, wie die Münz- und Bankeinrichtung für Schleswig und Holstein, die dänische und schwedische Speziesbank, die Aufhebung der königlichen Handelsmonopole, die Freiheit des Kornhandels, die verbesserten Zolleinrichtungen, verfolgte er bis in das kleinste Detail, ohne welches in diesen Fächern keine Uebersicht des Ganzen möglich ist. Für die Verbesserung der peinlichen und bürgerlichen Gesezgebung verwendete er sich stets lebhaft. Viel Gutes ward schon durch diesen kräftigen Antrieb bewirkt: wenn nicht noch mehr geschehn ist, so liegt die Ursache nicht in dem Prinzen, sondern in den allgemeinen Gebrechen des Geschäftsganges, welche Vorurtheil und Privatinteresse zu Hintertreibung so mancher gemeinnüzigen Reform zu benutzen wissen. Wie er überhaupt Wissenschaft liebt und befördert, so hat er vorzüglich viel für Naturkunde und die medizinischen Wissenschaften gethan, die gerade am meisten der Unterstüzung und thätigen Mitwürkung der Regierung bedürfen. Der Prinz hat einen richtigen treffenden Blick, er faßt eine Sache seht leicht und bestimmt. Er pflegt sich nicht zu entscheiden, bevor er nicht van allen Seiten die Gründe geprüft hat; aber dann ist er auch fest, und verfolgt sein Ziel standhaft, ohne sich durch Schwierigkeiten oder Vorspiegelungen irre machen zu lassen. Er vergönnt jedermann Zutritt, hört jeden aufmerksam und geduldig an, und ertheilt, wenn er keine erwünschte Antwort geben kann, wenigstens keine unfreundliche. Freimüthigkeit achtet er in hohem Grade, und widersezte sich daher lange den neuern Einschränkungen der Preßfreiheit. Auch jezt, nachdem er sie zugab, werden sie nicht mit Strenge gehandhabt. Daß Freimüthigkeit dem Geschäftsmann geschadet hätte, davon hat man kein Beispiel. Es ist kaum möglich, sagt ein Mann, der lange in Kopenhagen lebte, und den Prinzen in der Nähe zu beobachten Gelegenheit hatte, daß ein Fürst das Wohl seines Landes eifriger wollen und thätiger betreiben kann, als Er. Alle, die ihm in dieser Beziehung kennen lernten, alle, die mit ihm in öffentlichen Geschäften arbeiten, sind ihm ohne Ausnahme mit der innigsten, treusten Ergebenheit zugethan.


Friedrich VI., König von Dänemark.

Friedrich VI., König von Dänemark.

Das Meiste von seiner Regierung kommt schon unter der Rubrik seines Vaters Christian VII. vor Nach dem Tode desselben, da eben vorher die Engländer Coppenhagen bombardirt und genommen, so wie die ganze Flotte weggeführt hatten, schloß er sich mehr an Frankreich an, und der Prinz von Pontecorvo stand bis zum Kriege mit Oesterreich in einem Theil seiner Staaten; auch war er mit dem jetzt abgesetzten Könige von Schweden im Kriege.


Friedrich VI., König von Dänemark..

Friedrich VI., König von Dänemark, Sohn Christians VII. und der Königin Caroline Mathilde, geb. Prinzessinn von England, ward den 28. Januar 1768 geboren, vermählte sich mit Marie Sophie Frederike, Prinzessin von Hessen-Cassel, geb. am 28. Oct. 1767, und ist Vater zweier Prinzessinnen.

Die Kränklichkeit seines Vaters war Ursach, daß er schon wenige Tage nach seiner Confirmation, am 4. April 1784 die Staatsverwaltung übernahm. Als Minister und Rathgeber standen ihm die hochverdienten Grafen von Bernstorf zur Seite, erst der Vater, und nach dessen Tode der Sohn, der gegenwärtige Minister der auswärtigen Angelegenheiten.

Der Charakter der Regierung blieb Belebung und Stärkung der innern Staatskräfte, und eine Geradheit, Offenheit und Parteilosigkeit, welche unter allen Stürmen allen Parteien Achtung einflößte und bis zur letzten Catastrophe die äußere Ruhe erhielt. Nur auf kurze Zeit wurde sie im J. 1788 durch den Zug eines dänischen Armeecorps nach Schweden unterbrochen, welchen das bestehende Bündniß mit Rußland gebot. Nachdem indeß im October unter preußischer und englischer Vermittlung ein Waffenstillstand zu Stande gekommen war, kehrte Dänemark zur Neutralität zurück. Diese beobachtete es auch unter allen Erschütterungen, welche die französische Revolution in Europa zur Folge hatte.

Eine Convention verband Dänemark mit Schweden zur gemeinschaftlichen Behauptung der Neutralität, welche in den Jahren 1794 bis 1797 durch eine gemeinschaftlich ausgerüstete dänisch-schwedische Kriegsflotte geschützt ward. Die Erscheinung einer so ansehnlichen Seemacht bewog England zur Nachgiebigkeit, und die Bedrückungen des dänischen Handels minderten sich, während ein im mittelländischen Meere durch die dänische Tapferkeit erfochtener Sieg im J. 1797 einen für die Schifffahrt in jenen Gewässern erwünschten Frieden bewirkte.

Bis dahin war es dem Prinzen gelungen, den Tempel des Janus verschlossen zu halten; auch im Jahr 1800 schlichteten noch Unterhandlungen die Mißverständnisse. Nicht so im Frühjahre 1801. Der Angriff des Admirals Nelson, die Schlacht vom 2. April und der Spartanergeist der Dänen sind der Erinnerung noch gegenwärtig. Sie bewirkten einen schnellen Frieden, der bis 1807 währte, wo ihn England durch eine plötzlichen Ueberfall der Hauptstadt und Hinwegführung der Flotte brach.

Mit kindlicher Liebe war der Prinz von Kiel nach Copenhagen geeilt und hatte seinen königlichen Vater von dort durch zahllose Gefahren glücklich nach dem dänischen Continente geführt. Hier starb er zu Rendsburg den 13. März 1808, und Friedrich, der schon längst Dänemarks schützender Genius gewesen, bestieg den Thron.

Wichtige Ereignisse bezeichneten früh den Anfang seiner Regierung. die von England erfahrnen Mißhandlungen setzten ihn nicht nur in Kriegsstand gegen dasselbe, sondern machten ihn auch zum Bundesgenossen Frankreichs, aber dieses Bündniß kostete ihm Norwegen. Auch er reis'te im Sept. 1814 zu dem wiener Congreß (s. übrigens Dänemark).


Quellen und Literatur.

  • Staatsgeschichte Europa's. Als Taschenbuch für 1806. Tübingen, im Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.