Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz

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Bülow (Friedrich Wilhelm, Graf) von Dennewitz, königl. preußischer General von der Infanterie, Ritter mehrerer hohen Militärorden u. s. w., berühmt durch seine bedeutenden Siege im letzten Befreiungskriege, wurde den 16ten Febr. 1755 auf dem Gute seines Vaters, Falkenberg, in der Altmark geboren.

Er trat im 14ten Jahre als Junker in das preußische Militär, und war bis zum Capitain avancirt, als er 1793 mit dem Character eines Majors zum Gouverneur des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen ernannt wurde, und als solcher die rheinischen Feldzüge ehrenvoll mitmachte. Während der Belagerung von Mainz war es seine Entschlossenheit, welche den beabsichtigten Ueberfall bei Marienborn vereitelte. Beim Sturm der zahlbacher Schanze erhielt er den Verdienstorden. 1795 hörten seine Functionen beim Prinzen Louis auf, und er erhielt ein Bataillon.

Im Kriege von 1806 war er als Oberstlieutenant in dem belagerten Thorn, und focht in mehrern Treffen mit Auszeichnung. 1808 ward er Generalmajor und Brigadegeneral.

Als 1813 der Krieg gegen Frankreich ausgebrochen, lieferte er am 5ten April das erste glückliche Treffen bei Möckern, nahm am 2ten Mai Halle, und schützte dann das bedrohte Berlin zum erstenmale durch den Sieg bei Luckau (4ten Juni.) Nach dem Waffenstillstande rettete er, unter dem Oberbefehl des Kronprinzen von Schweden, an der Spitze des dritten Armeecorps, Berlin zum zweitenmale, durch die denkwürdige Schlacht von Großbeeren (23sten August). Zum drittenmale befreite er es durch den großen Sieg bei Dennewitz. Marschall Ney bedrohte die Hauptstadt aufs neue. Der Kronprinz beobachtete seine ungewissen Bewegungen. Bülow errieth Ney's Plan, Tauenziens Corps zu vernichten, und dann Berlin durch einen Flankenmarsch beizukommen. Durch einen maskirten Parallelmarsch hielt er jener Operation die Wage, und als Tauenzien bemüht war, Ney's Angriff zurückzuwerfen, fiel er diesem bei Dennewitz in die Flanke und schlug ihn, trotz der Uebermacht, nach einem neunstündigen hartnäckigen Kampfe mit einem Verlust von 60 Kanonen, über 300 Pulverwagen, vielen Fahnen und 18,000 Gefangenen, welche in die Hände des Siegers fielen.

Der König nahm ihn dafür in die geringe Zahl seiner Großritter des eisernen Kreuzes auf, und bekleidete ihn, nach Beendigung des Feldzugs, für sich und seine Nachkommen, mit dem ehrenvollen Titel: Graf Bülow von Dennewitz. Wir bemerken hier noch, daß General Bülow nach einander Generallieutenant und General von der Infanterie ward, den preußischen großen rothen, den schwarzen Adlerorden, den Verdienstorden mit Eichenlaub, mehrere höchste Orden von Rußland, Schweden, Oesterreich u. a. erhielt.

An der Erstürmung Leipzigs, am 19ten Oct., hatte Bülow einen ausgezeichneten Antheil. Er focht sodann mit demselben Ruhme in Westphalen, Holland, Belgien, am Rhein, bei Laon, nahm Soissons und Lafère, und beschloß den Feldzug mit dem Einrücken in Paris.

Nach dem Frieden ward er commandirender General von Ostpreußen und Litthauen.

Bei Eröffnung des Feldzuges von 1815 erhielt er den Oberbefehl des 4ten Armeecorps, mit welchem er zum Siege bei Belle-Alliance so wesentlich beitrug, daß der König, um ihn auszuzeichnen, ihn zum Chef des 15ten Linienregiments ernannte, welches fortan den Namen Regiment Bülow von Dennerwitz führen sollte.

Am 11ten Jan. kehrte der Held zum Generalcommando nach Königsberg in Preußen zurück und starb daselbst sechs Wochen darauf, am 25sten Febr. 1816. Bülow, der als Feldherr glänzte, war eben so achtungswerth als Bürger und als Mensch. Er hatte die Kriegskunst nicht mechanisch betrieben, er hatte sie von früher Jugend an gründlich studirt, und setzte dieses Studium während seiner militärischen Laufbahn unablässig fort. Er war ein denkender Feldherr. Aber er huldigte zugleich den Musen. Sein gebildeter Geist war auch im Gebiete der schönen Künste kein Fremdling. Die Tonkunst zog ihn vorzüglich an, und er war glücklich in ihrer Ausübung. Er hat mehrere Motetten, eine Messe und den 51sten und 100sten Psalm componirt.


Nekrolog.

Am 25sten Februar starb zu Königsberg der Preußische General Graf Friedrich Wilhelm von Bülow-Dennewitz in einem Alter von 50 Jahren, nachdem er erst seit wenigen Wochen vom Felde der Ehre zurück gekehrt war. Er wurde zu Anfang des Jahres 1756 auf dem Familiengute zu Falkenberg in der Altmark geboren, und bereits in seinem 14ten Jahre, im Februar 1770, beim damaligen Infanterieregiment Graf von Lottum (zuletzt von Armin) in Berlin als Junker angestellt, 1772 zum Fähnrich, 1777 zum Sekondlieutenant, 1786 zum Premierlieutenant, 1790 zum Stabskapitän ernannt. Im Jahre 1793 wurde er (am 10ten Januar) bei des Prinzen Louis von Preußen, Sohn des Prinzen Ferdinand Königl. Hoheit, angestellt und einige Monate nachher zum Kapitän von der Armee, und 1794 zum Major ernannt. Im Jahr 1795 wurde er als Kompagniechef bei dem ehemaligen 2ten ostpreußischen Füsilierbataillon angestellt, und stieg 1797 zum Bataillonschef; wurde 1803 zum Oberstlieutenant, 1805 zum Kommandeur des Infanterieregiments Prinz Louis ernannt; kehrte aber bald nachher zum 2ten ostpreußischen Füsilierbataillon zurück, avancirte 1806 zum Obersten, wurde mit seinem Bataillon dem 2ten westpreußischen Infanterieregiment zugetheilt, 1808 im August zum Brigadier beim Pommerschen Armeekorps, und am 21sten November desselben Jahres zum Generalmajor und Brigadegeneral der Pommerschen Brigade ernannt. Gegen das Ende des Jahres 1811 ging er zur westpreußischen Brigade über. Im Jahr 1812 im März wurden ihm die Gouvernementsgeschäfte von Ost- und Westpreußen, und am 12ten Juny der Brigadebefehl über die immobilen Truppen der ostpreußischen Brigade übertragen. Im Jahr 1813 (den 14ten März) ernannte ihn Se. Maj. der König zum Generallieutenant, und bei Eröffnung des Feldzugs zum Chef des dritten Armeekorps. Durch die Schlachten von Luckau (4. Juny 1813), Großbeeren (23. August 1813), und Dennewitz (6. Sept. 1813) rettete er mit Hülfe einiger andern Korps Berlin drei Mal gegen das Andringen der Französischen Armee. Er erstürmte Leipzig nach der großen Schlacht am 18. Oktober. Den Antheil, den er in den Feldzügen 1814 und 1815 an den Kriegsereignissen in Frankreich nahm, ist bekannt. Sein Korps war es, das die Schlacht bei la belle Alliance entschied. Im Jahr 1814 den 30sten May wurde er zum General von der Infanterie ernannt, den 3ten Juny mit Beilegung des Namens Bülow von Dennewitz, in den Grafenstand erhoben, und am 18ten ihm der Oberbefehl über die Truppen und Festungen in Ost- und Westpreußen wieder übertragen. Im Jahre 1815 am 1sten April erhielt er das Kommando des vierten Armeekorps. Am 3ten Oktober übernahm er zum dritten Mal das Oberkommando von Preußen, nachdem ihm am 11ten July das 15te Infanterieregiment mit der besondern Auszeichnung als Chef verliehen worden, daß er seinen Namen führen soll.

Er trug die vornehmsten in- und ausländischen Orden. Er erhielt das eiserne Großkreuz den 15ten Septbr. 1813, den Preußischen rothen Adler-Orden den 12ten Dec. 1813, und den schwarzen Adler-Orden am 3ten April 1816. Der König befahl, daß wegen dieses so schmerzhaften Verlustes die sämmtlichen Officiere der Armee auf drei Tage durch einen Flor um den Arm anlegen sollten.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Neue allgemeine Weltbühne für das Jahr 1816. Erfurt, in dem Königl. Preuß. Postamte und in der Keyserschen Buchhandlung.