Friedrich Wilhelm Bauer

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Friedrich Wilhelm von Bauer. Russischer General-Lieutenant.

Bauer war der Sohn eines Oberförsters zu Biber im Hanauischen, und ums Jahr 1730 geboren. Nicht lange blieb man in Ansehung seiner natürlichen Neigungen zweifelhaft, denn schon im Knaben sah man den künftigen Mann, Zeichnungen, Risse, Fortificationsähnliche Ideen auf das Papier und in den Sand zu kritzeln, war sein liebstes Geschäft. Es fehlte ihm nicht an Gelegenheit, sein Talent auszubilden, und schon im Jünglingsalter fand er an dem Landgrafen Wilhelm dem Achten von Hessen-Kassel einen befördere seiner mathematischen Studien. Nachdem er den Kursus absolvirt und sich die nöthige Kenntnisse erworben hatte, wurde er als Geometer in Dienste genommen.

Als im Jahr 1755 ein Korps Hessen-Kasselischer Truppen der Krone England gegen Frankreich zum Dienste überlassen wurde, und zur Verstärkung der englischen Landmacht nach England marschirte, gieng Bauer als Feuerwerker der hessischen Artillerie mit. Um sich zu empfehlen, schickte er fleißig Risse von dem Lager der Hessen in England ein, die vielen Beifall fanden, und ihn zu dem Grade eines Stückjunkers beförderten. Bald nach dem Ausbruche des siebenjährigen Krieges (1757) kam er mit den hessischen Regimentern ins Vaterland zurück, wo sie einen Theil der Observationsarmee ausmachten. Bald erkannte man seine Fähigkeit zu Geschäften, und vertraute ihm mancherlei wichtige Unternehmungen. Als Ingenieurkapitain befand er sich bei dem Prinzen Karl von Bevern, und mußte die Anstalten zur Belagerung des Schlosses Marpurg machen, und die Attaken darauf leiten helfen. Als der Held Ferdinand das Kommando der alliirten Armee übernahm, eröffnete sich für Bauern ein neues Feld, wo er seine Talente beweisen konnte. Der Herzog nahm ihn als Generaladjutanten und Ingenieur ins Hauptquartier, und würdigte ihn seines besondern Vertrauens. Bauer errichtete ein eigenes Korps, das als Pioniers in der Armee gute Dienste leistete, und im Jahr 1759 wurde er unter dem Charakter eines Majors Chef eines Husaren-Korps, welches er aus der Kontributionskasse, zum Dienste der alliirten Armee, zu errichten die Erlaubniß erhielt. Als dieses Korps im Jahr 1761 dem König von Preußen geschenkt wurde, ertheilte ihm der Monarch den Adel, und erklärte ihm zum Obersten. In eben diesem Jahre wurde er bei der Belagerung von Ziegenhayn schwer verwundet, und bei einem Scharmützel gerieth er den Franzosen in die Hände, erhielt aber nach einer kurzen Gefangenschaft seine Freiheit wieder.

Die Dienste im Hauptquartier des Herzogs Ferdinand, vornehmlich als Generalquartiermeister der Armee, setzte Bauer beständig fort, bis die siebenjährige blutige Fehde (1762) geendigt war.

Der Friede versetzte Bauern in den Stand der Ruhe. Denn als das Husarenkorps, welches er kommandirte, reduzirt wurde, verließ er die preußischen Dienste, und begab sich auf sein Gut, das er in der Gegend von Frankfurt am Mayn gekauft hatte. Bei der Muße, die er jetzt genoß, bearbeitete er die Kriegsgeschichte des Herzogs Ferdinand von Braunschweig mit Kupfern und Plans (Histoire militaire de S. A. S. Msgr. le Princ Ferdinand, Duc de Brunsvic, enrichie des Cartes et de Plans) allein das Werk kam nicht völlig zu Stande. Nur die prächtigen Plans und Charten sind öffentlich bekannt geworden.

Bauer wurde der Ruhe wieder entzogen, als ihn die russische Kaiserin Katharina die Zweite, die durch den Grafen von Czernichef auf ihn aufmerksam gemacht wurde, im Jahr 1769 als Generalquartiermeister und Generalmajor in ihre Dienste rief. In der Einsamkeit waren seine Ideen über wichtige Gegenstände der Landeskultur zur Reife gediehen, und in Rußland fand er Gelegenheit, sie im Großen zu realisiren. Zuerst aber sollte er sich im Felde Lorbeern sammeln, und das that er (1770) in einem Feldzuge gegen die Türken; er führte die Avantgarde des russischen Heers, vertrieb die Feinde am Pruth, und hatte einen rühmlichen Antheil an der Schlacht bei Isallin. Die Kaiserin belohnte seine Verdienste mit dem St. Annen- und St. Georgenorden, und mit den eingezogenen beträchtlichen Gütern des Grafen von Ostermann. Bald darauf that er der Monarchin wichtige Vorschläge zur Verbesserung und Aufnahme der Salzwerke in den russischen Staaten; sie erhob ihn daher zum Direktor aller Salzwerke in den Gegenden von Novogrod, mit einem jährlichen Gehalt von 6000 Rubel. Als er die nothwendigsten Verfügungen getroffen hatte, gieng er wieder zur Armee ab, wurde Generallieutenant, und erlangte manche bedeutende Vortheile über die Feinde. Die Früchte seiner Beobachtungen und Erfahrungen, die er in den Feldzügen gegen die Türken sammelte, theilte er der Welt nicht allein in einer gehaltreichen Schrift mit (Mémoires histor. et géogr. sur la Valachie 1778), sondern er edirte auch im Jahr 1782 auf seine Kosten einen vortrefflichen geographischen und militairischen Atlas zur Kenntniß des Krieges zwischen den Russen und Türken in 7 Blättern.

Große Unternehmungen, die er mit seltener Thätigkeit und Einsicht anfieng und zum Theil glücklich ausführte, geben ihm die gerechtesten Ansprüche auf ein ehrenvolles Andenken. Die vornehmsten derselben sind: Die Verbesserung des Ladoga-Kanals; eine Wasserleitung von Petersburg nach Sarskoe Selo; die Verbesserung des Cronstadter Hafens; der angefangene Bau eines prächtigen dreifachen Hafens bei Dinamünde ohnweit Riga; die Vereinigung des schwarzen Meers mit der Ostsee durch einen Kanal zwischen der Düna und dem Dnieper; die Wasserleitung nach Moskau, und der Bau eines prächtigen Arsenals daselbst; der Plan, wo an den Grenzen Rußlands Festungen angelegt werden können, und ihre Einrichtung; ein Entwurf zur Errichtung großer Salzwerke in verschiedenen Gegenden Rußlands, nach den von ihm zu Stara errichteten Salzwerken; ein Plan zur Errichtung eines hydraulischen Korps, und der Wegbau in ganz Rußland. Eben als er damit beschäftigt war, die Stadt Moskau mit reinem Wasser zu versehen, und den Fontanaka-Kanal zu Vertiefen, ereilte ihn der Tod zu St. Petersburg am 4ten Febr. 1783. Die Kaiserin beklagte den Tod dieses unersetzlichen Mannes, und ehrte sein Andenken durch ein marmornes Monument.


Quellen und Literatur.

  • Charakter-Zeichnungen interessanter Menschen aus der neuen Geschichte. Von Samuel Baur, Prediger in Göttingen bey Ulm. Hof, bey Gottfried Adolph Grau, 1806.