Friedrich von Buxhoeveden

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Graf von Buxhövden, General der Infanterie, alt 60 Jahr, aus einer sehr alten Niedersächsischen adlichen Familie, die über 600 Jahre in Liefland ansäßig gewesen, ist ein gebildeter Mann, der viel gereißt und viele militärische und andere Talente besitzt, und der sich blos durch eigene Verdienste auf seine gegenwärtige Stuffe geschwungen hat.

Er diente 1770 im Türken-Kriege bei der Belagerung von Bender als Ingenieur-Lieutenant und war allgemein als ein tapfrer und geschickter Officier bekannt. Während dieser zwei monatlichen Belagerung leitete er die Minen mit dem besten Erfolg; bei den verschiedenen Ausfällen der Garnison hat er sich besonders hervorgethan, und beim Sturm sprengte er mit der Petarde das Haupt-Thor, und erleichterte dadurch diese kühne That der Eroberung.

In dem folgenden Feldzuge gegen die Türken zeichnete er sich ebenfalls in vielfältigen Schlachten und Stürmen aus, und beim Sturm der Festungen Brailow, Schurge und bei Turna ward er verwundet; in diesem Kriege besaß er vorzüglich das Zutrauen der berühmten Feldmarschälle Romanzow und Panin.

Auch 1789 diente er als General-Major gegen Schweden auf der Flottille unter dem Prinzen Nassau, wo er sich mit seiner Escadre besondern Ruhm erworben hat.

Im Jahr 1790 forcirte er mit seinem Korps die Schwedische Gränze, und schlug die Generale Mayerfeld und Hamilton, entsetzte in der Folge die Festung Friedrichshaf, welche vom Könige Gustav III. berennt worden war, schlug die große Landung, welche Admiral Sidney Smith bei Wiburg machte (um die russischen Galeeren und Kanonier-Flotte zu verbrennen) mit dem schönsten Erfolg zurück, und wurde von der Kaiserin mit Orden und Güter belohnt.

Im Jahr 1792 und 1794 hat er sich im pohlnischen Kriege unter Suwarof (dessen zutrauen er vollkommen besaß) in mehreren Schlachten und beim Sturm vor Prag besonders ausgezeichnet.

So administrirte er 1795 mit Weisheit ganz Pohlen und war Gouverneur in Warschau. Durch seine strenge Gerechtigkeit und gutes Benehmen hatte er alle Herzen gewonnen, und die Nation ließ ihm zu Ehren goldene und silberne Medaillen mit einer ehrenvollen Inschrift prägen.

Die große Catharina, bei der er Flügel-Adjudant war, und welche die Menschen zu würdigen verstand, setzte in ihm das größte Zutrauen. Auch Kaiser Paul schätzte denselben vorzüglich, er ernannte ihn zum General-Lieutenant und Kriegs-Gouverneur von St. Petersburg und beschenkte ihn mit Orden und Güter. Der Kaiser Alexander war bald nach seiner Thronbesteigung von den in St. Petersburg ungleich vertheilten Abgaben und von der schlechten Polizei überzeugt, der Monarch beauftragte ihn nicht allein die Abgaben zweckmäßig zu reguliren, sondern auch eine neue und bessere Polizei zu organisiren. Buxhövden vollzog dieses große Geschäft in eiuem Jahre zur größten Zufriedenheit des Kaisers und der Einwohner, wofür ihm noch jetzt die Bewohner von Petersburg, besonders die ärmere Klasse, den lebhaftesten Dank zollen; hierauf ward er zum General-Gouverneur von Lief-, Ehst- und Kurland, so wie auch zum Inspekteur der Truppen ernannt.

Im Jahr 1805 führte er eine Armee von 50,000 Mann nach Oesterreich, vereinigte sich bei Ollmütz mit dem General Kutusow, über welche Armee der Kaiser Alexander selbst das Ober-Kommando übernahm. In der Schlacht bei Austerlitz kommandirte er den linken Flügel; als am 2ten December Morgens um 10 Uhr der rechte Flügel und das Zentrum der russischen Armee geschlagen, und sich zurückgezogen hatte, so setzte er den Kampf gegen Napoleon den Großen bis Nachmittags 3 Uhr mit entschlossensten Standhaftigkeit fort, und zog sich erst nach erhaltenem kaiserlichen Befehl in der besten Ordnung zurück, und vereinigte sich nach zwei Tagen bei Hollitsch mit dem Kaiser. Unterrichtete Personen versichern, er habe seinem Monarchen vorgeschlagen den General Essen, welcher nur zwei Tag-Märsche von Hollitsch mit 12,000 Mann stand, an sich zu ziehen, und sogleich einen Angriff auf die französische Linie zu machen, oder hinter dem Marchfluß eine Vertheidigungs-Position zu nehmen, und den Erzherzog Carl abzuwarten.

1807 kommandirte er in Neuost-Preußen eine Armee von 50,000 Mann, und nach der Abreise des Grafen Kamensky war auch die Beningsche Armee ihm untergeordnet. Nachdem er aber bereits die zweckmäßigsten Dispositionen zur Fortsetzung des Krieges getroffen hatte, wurde er vom Kaiser zu wichtigen Geschäften nach Petersburg berufen. Durch diesen Rappell fand Graf Buxhövden sich bewogen, um seine Dimission zu bitten, da sie ihm aber nicht ertheilt wurde, so lebte er bei Petersburg auf seiner Herrschaft *). Nach dem mißlichen Feldzug von Beningsen und besonders nach der unglücklichen Schlacht bei Friedland berief ihn der Kaiser zur Armee. Er traf aber den Monarchen und die Armee bereits in Tilsit und erhielt nunmehr den Auftrag, die Ueberbleibsel der aus 12 Divisionen bestehenden Armee am Dnieper und Düna-Strom zusammen zu ziehen, selbige zu completiren und neu zu organisiren. In einer Zeit von drei Monaten war auch dies große Geschäft zur größten Zufriedenheit des Kaisers beendigt, und Se. Majestät verliehen ihm den Andreas-Orden.

.*) Man will wissen, daß Graf Buxhövden hiedurch veranlaßt gewesen ist, den Baron Beningsen zum Zweikampf auf Pistolen herauszufordern.

Im Jahr 1808 kommandirte er ein Armee-Korps von 18,000 Mann gegen Schweden, und eroberte in einer Zeit von 8 Monaten das Großfürstenthum Finnland von 400,000 Quadratwersten und einer Million Einwohner, nebst alle Festungen, unter welchen besonders das unüberwindliche Sweaborg, welches seit 1748 gebauet worden und der Krone Schweden 60 Millionen Thaler gekostet hat, zu bemerken ist, nebst dieser wurden in 27 Land- und 6 Seegefechten 23 Städte, 18 Seehäfen, 199 Kriegsfahrzeuge, 3500 Kanonen erobert und die Finnisch-Schwedische Armee fast zernichtet. Dieser glücklich geführte Krieg bleibt auf immer in den Annalen Rußlands sehr merkwürdig, und macht diesem Feldherrn Ehre.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1811.