Friedrich von Gentz

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Genz (Friedrich v.). Dieser berühmte politische und historische Schriftsteller, als Gegner des französischen und eifriger Anhänger des brittischen Systems, von Frankreich eben so verlästert als von England gepriesen, wurde geboren 1764 zu . . . . .

Der große Antheil, welchen er an den Begebenheiten der französischen Revolution nahm, und das Interesse, welches er an den darüber erscheinenden Schriften hatte, entfalteten sein Talent zum politischen Schriftsteller auf eine vorzügliche Weise. Gleich vom Anfang trat er mit Eifer auf die Seite der Gegner der Französischen Revolution. Nicht nur verbreitete er Hauptschriften darüber durch Uebersetzungen, unter denen Burke's Betrachtungen über die franz. Revol. (2 Thle. 1793. N. A. 1794), Mallet's du Pan über das Charakteristische und die lange Dauer der franz. Revol. (1794), Ivernois Geschichte der franz. Finanzadministration (1796. 97.), Monnier's Entwicklung der Ursachen, welche Frankreich gehindert haben, zur Freiheit zu gelangen (4 Thle. 1799), die vorzüglichsten sind, sondern wirkte auch durch eigne Schriften fortwährend für die Partei, die er für die gerechte anerkannt hatte. Dahin gehören sein Essai actuel de l'administration des finances de la grande Bretagne (1801), seine Schrift von dem politischen Zustande von Europa vor und nach der franz. Revol. (1801), seine Betrachtungen über den Ursprung und Charakter des Kriegs gegen die franz. Revol. (1801) und seine Fragmente aus der Geschichte des polit. Gleichgewichts in Europa (1804).

Bei den verschiedenen Krisen, welche seit 10 Jahren die politischen Verhältnisse Europa's bestanden, suchte er mit der Gewalt der Ueberzeugung und Ueberredung auf die öffentliche Meinung einzuwirken, und in diesem Sinne sind seine Authentische Darstellung des Verhältnisses zwischen England und Spanien vor und bei dem Ausbruch des Kriegs (1806), so wie seine Darstellung der rechtmäßigkeit des österreichischen Kriegs gegen Frankreich (1805) wichtig für die Geschichte.

Die antifranzösischen Regierungen haben sein Wirken und seinen Einfluß auch anerkannt und belohnt. Nie ist in England ein deutscher Schriftsteller gefeiert worden wie Genz, während seines Aufenthalts daselbst im J. 180..; der Kaiser von Oesterreich ernannte ihn nicht bloß zum Hofrath, sondern beehrte ihn auch mit dem Adelsdiplom, so wie der Kaiser von Rußland mit dem Alexander Newsky Orden (1814), bei welcher Gelegenheit ihm der letztere Monarch zu erkennen gab, daß Genz längst seine Aufmerksamkeit erregt habe, durch den Eifer, mit welchem er verderbliche Neigungen, wo Thronen und Staaten von ihnen bedroht wurden, durch seine Beharrlichkeit in diesem Kampfe, als Frankreich schon das Uebergewicht in Europa erlangt hatte, durch den Nutzen, welchen er durch seine Schriften gestiftet, durch seine ausgezeichneten Talente, und durch seine politischen Grundsätze. Später wurde er auch vom Könige von Dänemark zum Ritter des Danebrog-Ordens ernannt. Wäre dieß noch nicht hinreichend zum Beweise des Einflusses seiner Schriften, so würden ihn die unaufhörlichen Schmähungen beweisen, welche das Cabinet von St. Cloud gegen ihn ausstieß.

Ueber den Geist, Charakter und Gehalt dieser Schriften theilen wir das Urtheil eines Kenners hier mit.

"Wie die französische Revolution manches schriftstellerische Talent in Frankreich weckte, welches sich für sie begeisterte, hat in Deutschland der Eifer wider sie einige Talente gelockt, nach der Autorenwürde zu streben, um welche sie vielleicht ohne diesen Anlaß nicht Sorge getragen hätten. So viel wir wissen, hatte Friedrich Genz sich noch nicht als Schriftsteller gezeigt, als er als Uebersetzer des beredtesten, tiefsten Gegners der Revolution, der sich mit starkem brittischen Gemüth dem Strome verderblicher Meinungen entgegenwarf, und als Commentator Burke's auftrat. Seitdem hat er sich mehr, als irgend ein andrer in Deutschland, die blühende, weithinwallende Schreibart seines Urbildes, und mancher englischen Rhetoren eigen gemacht. Im Festhalten der einmal ergriffenen politischen Partei und Gesinnung, in künstlicher Beleuchtung der Thatsachen einen sophistischen Schleier zu weben, und dabei Tugend, Anständigkeit und Gesundheit des Urtheils feierlich in Anspruch zu nehmen, ist er ihnen gleichfalls ähnlich geworden. An Stärke des Gemüthes stünde er vielleicht nicht so weit hinter ihnen, wenn er in einem Vaterlande, wie das ihrige, geboren wäre und gewirkt hätte. Aus dem Gesichtspunkt der politischen Rhetorik muß man die Arbeiten von Genz schlechterdings betrachten, um nicht ungerecht gegen ihn zu seyn, und daß er sich in ihr zum Rang der Engländer erhob, in Deutschland in seinen Verhältnissen, ohne irgend eine Gunst des Schicksals für Ausbildung der Art, da sie den Britten hundertfältig zuströmt, ist kein geringer Ruhm seines Talents und seiner Anstrengung. Dieses, sein wahrhaftes Verdienst, scheint man aus Gründen, deren Entwicklung nicht hierher gehört, im Preußischen nicht genug geachtet zu haben; wenigstens ward Genz nicht seinem Talent angemessen im Staatsdienste befördert. Man scheint ihn richtiger im östreichischen Kaiserstaat gewürdigt zu haben, und ihn für die politische Rhetorik zweckmäßig zu brauchen. Ist das letzte Manifest Oestreichs, als er der Coalition wider Frankreich beitrat, von ihm verfaßt, so hat er einen neuen Beweis gegeben, wie gut er verstehe, nach dem Gesichtspunkte, den Verhältnisse, der Würde eines Hofes, dessen Gesinnungen mit Anstand auszudrücken.
Weit weniger erscheint Genz von einer glänzende Seite, wenn man ihn als Historiker betrachtet. In dem historischen Journal, welches er herausgab, sind Betrachtungen über die Entwicklung Europa's in den letzten Jahrhunderten, und wiewohl ein geschichtliches Raisonnement durch Rhetorik manche Blöße verhüllen kann, blickt eine sehr mangelhafte Einsicht in die Historie durch jene Betrachtungen zum öftern durch. Sein biographischer Versuch über das Leben der unglücklichen Königin Maria von Schottland hat fast aller Fehler, die eine Biographie haben kann. Weitläufige Auseinandersetzung des schottischen Feudalwesens, bei welcher man fühlt, daß sich der Geschichtschreiber selbst erst dasselbe deutlich machen wollte, drückt so die Hauptgestalt, als die übrigen handelnden Figuren in einen Winkel. Von einer menschendarstellenden Kraft, wie von echter Composition des Historikers, ist keines Spur zu entdecken."

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.