Friedrich von Hotze

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Biographien.

(1804) Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt.

(1806) Gallerie historischer Gemählde aus dem achtzehnten Jahrhundert. -- Charakter-Zeichnungen interessanter Menschen aus der neuen Geschichte.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1812) Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem achtzehnten Jahrhundert, nach alphabetischer Ordnung bearbeitet für Freunde vaterländischer Kultur und Geschichte von Markus Lutz.


Tod des Generals Hotze.

Den 26. September 1799.

Gebürtig aus dem Kanton Zürich, hatte sich Hotze Anfangs den Studien gewidmet. Von der hohen Schule zu Tübingen aus, trat er zuerst in würtembergische, und dann in russische Kriegsdienste, worin er bis zum Major stieg. Kaiser Joseph II., der ihn bey seiner Reise nach Cherson sah, zog ihn in die seinigen. Bey dem Ausbruche des Kriegs mit Frankreich kam er als Obrist des Kürassier-Regiments Hohenzollern an den Rhein. Bald nachher ward er zum Generalmajor, und im Jahr 1796 zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt. Die Geschichte dieses merkwürdigen Krieges wird seinen Nahmen und den Ruf seiner Talente und seine Tapferkeit auf die Nachwelt bringen. Er fiel an den Ufern der Linth, wo er den Franzosen den Uebergang verwehren wollte, auf der Erde seines Vaterlandes, das er mit Enthusiasmus liebte. In ihm verloren die russisch-österreichischen Truppen ihren Führer, die Seele der Operationen in Helvetien.


David Hotze.

Kaiserl. königl. Feldmarschall-Lieutenant.

Hotze war ein Schweizer, aus einer bürgerlichen Familie entsprossen, und gebohren in einem Municipalstädtchen am Ufer des Zürichersees. Bestimmt, sich dem Dienst der Kirche zu weihen, besuchte er die Universität Tübingen, als er plötzlich den Wissenschaften und der Vorbereitung auf seinen friedlichen Beruf entzogen wurde. Der Herzog Karl von Wirtemberg, der damals in der kriegerischen Periode seines Lebens stand, sah einst den schön und groß gewachsenen Jüngling, las in dem feurigen Gesichte desselben seinen ächt martialischen Geist, und wußte ihn zu bestimmen, bei seinen Truppen eine Stelle anzunehmen.

Ein so feuriger Kopf fand hier nicht genug Spielraum; er gieng daher in preussische und aus dieser in russische Dienste über. In den letztern war er bis zum Grade eines Majors gestiegen, als Kaiser Joseph II. bei dem Besuche, den er der Kaiserin Katharina zu Cherson machte, ihn kennen lernte. Hotze war ganz von dem Schlag Leute, wie der rastlose Kaiser sie liebte: offen, thätig, voll Muth und Feuer. Joseph nahm ihn daher, mit Katharinens Bewilligung, in seine Dienste, und ließ durch ihn ein Uhlanen-Regiment errichten. Hotze ward jedoch nachher bald diesem, bald jenem Regiment zugetheilt; er selbst sagte einst einem Freunde im Scherz: er habe fast die ganze Musterkarte der kaiserlichen Uniformen durchgemacht.

Im Anfange des letzten Krieges gegen Frankreich kam er als Obrist des Kürassier-Regiments Hohenzollern an den Rhein, wo er bei Wurmsers Armee stand, und gleich darauf zum General-Major ernannt wurde. In dieser Eigenschaft macht er den Feldzug von 1793 mit, dessen Anfang und Fortgang so viel versprachen, und dessen Ende so kläglich war. Die Tapferkeit, womit er sich bei der Wegnahme der Weissenburger Linien auszeichnete, erwarb ihm den militairischen Theresien-Orden. Wurmser stand schon im Angesicht von Strasburg, Hotze drang gegen das Gebirge vor, welches Elsas von Lothringen trennt, Fort-Louis (jetzt Fort-Vauban) war gefallen, jeden Tag sah man der Uebergabe von Landau entgegen, -- als die Franzosen, damals gerade in der höchsten Exaltation ihres Enthusiasmus, nach bewirkter Vereinigung ihrer beiden Armeen vom Rhein und von der Mosel unter Pichegru und Hoche, nach täglichen wüthenden Angriffen, endlich (den 22. December) die östreichischen Verschanzungen hinter der Motter, bei Fröschweiler, Reichshofen und Wördt (wo General Hotze kommandirte), durchbrachen, Landau entsetzten, und die Wurmser'sche Armee zu einem wilden Rückzuge über den Rhein nöthigten.

Ein so schmähliches Ende eines mit so großen Hofnungen geführten Feldzugs machte das Mißverständniß, das vorher schon zwischen den östreichischen und preußischen Heerführer geherrscht hatte, nun vollends so laut, daß man im Grunde schon jetzt die Koalition als getrennt betrachten konnte. Die Oestreicher warfen die Schuld der Verunglückung des Feldzuges auf die Preußen, und die Preußen auf die Oestreicher. ein offizieller Bericht über die Kriegsereignisse vom 13ten December 1793 bis 4ten Januar 1794, mit Anmerkungen eines als Augenzeuge dabei gewesenen Offiziers," den der Kapitain von Kampz vom preußischen Generalstaab herausgab, veranlaßte sogar einen Zweikampf zwischen diesen letztern und dem General Hotze. Um sowohl sich als Wurmsern über den unglücklichen Ausgang der Operationen im Elsaß zu rechtfertigen, setzte Hotze eine kurze "Geschichte des Feldzugs der Wurmserschen Armee am Oberrhein im Jahr 1793" auf, die in Posselts Lexicon der französischen Revolution (1. B., S. 172. ff.) abgedruckt ist.

Im Feldzuge von 1794 fielen die entscheidenden Schläge in Belgien vor; am Rhein beschränkte sich von beiden Seiten alles auf Postengefechte. Das Mißverständniß zwischen den Oestreichern und Preußen dauerte hier noch immer fort. In den Niederlanden war das Kriegsglück so beharrlich und so entscheidend auf Seiten der französischen Armeen, daß diese endlich auf allen Punkten bis an den Rhein vordrangen; Mainz ward blokirt, und die Rheinschanze von Mannheim belagert.

Hotze hatte indessen das Kommando des Sperrkordons erhalten, den man gegen die Schweiz anordnete, damit [[Erste Französische Republik|Frankreich] sich durch diese Zwischenhand nicht mehr mit Bedürfnissen aller Art möchte versorgen können, und den er sehr treffend moutarde après diner nannte. Zu Anfang des Decembers ward er von Lörrach eilig ins Hauptquartier nach Heidelberg abgerufen. Ereignisse besonderer Art -- Paralisirung der vorgehabten Unternehmungen zur Ableitung der Mannheim und Mainz drohenden Gefahren von Seiten der Alliirten -- verlängerten seinen Aufenthalt, worauf er nach Lörrach zurückkehrte, einen Standpunkt, der gerade damals für einen denkenden Beobachter sehr interessant war, weil in dem kaum 2 Stunden von Lörrach entfernten Basel um diese Zeit von der Kette der Koalition eines ihrer Hauptglieder abgelöst wurde.

Der Feldzug von 1795 gieng fast ganz in gegenseitiger Beobachtung hin. Erst in der Nacht vom 5ten auf den 6ten December setzte Jourdan bei Düsseldorf über den Rhein, trieb die östreichischen Truppen am Nieder-Rhein vor sich heraus, und schloß Mainz auch auf dem rechten Rheinufer ein, worauf dann auch Püchegru bei Mannheim auf das rechte Rheinufer übergieng. Ein beträchtliches Korps Truppen, wobei Hotze sich befand, zog nun vom Oberrhein her dem General Clerfayt am Main in Eilmärschen zu Hülfe; die Folge davon war, daß Jourdan sich schleunig wieder nach Düsseldorf zurück ziehen mußte.

Im Feldzuge von 1796 stand Hotze bei der Armee des Erzherzogs Karl. Er zeichnete sich in den Treffen aus, die während Moreaus Vordringen durch Schwaben, bei Estlingen und bei Heidenheim vorfielen; und als der Erzherzog sein schönes Manöuvre ausführte, mittelst dessen er, den General Latour, der französischen Rhein- und Moselarmee gegenüber, hinter dem Lech zurücklassend, plötzlich bei Ingolstadt wieder über die Donau gieng, um der Sambre- und Maasarmee in die Flanke zu fallen, kommandirte Hotze eine der Kolonnen, die Jourdans übereilten Rückzug bewirken halfen. Er nahm, unter dem Oberbefehl des Erzherzogs, an den weitern Ereignissen dieses thatenreichen Feldzuges Theil. In dem kurzen Feldzug von 1797 kommandirte er, als Feldmarschall-Lieutenant, das Reservelager zu Ulm.

Kaum war zu Campo Formio der Definitivfriede zwischen Oestreich und der französischen Republik abgeschlossen, als die damaligen wilden Machthaber in Frankreich Hotzes geliebtes Vaterland, die Schweiz, revolutionirten. Daß der Aristokratismus in den größern Kantonen einer Reform nach den unabtreiblichen Forderungen des Zeitgeistes bedürfte, hatte Hotze selbst schon lange erkannt. Allein die Zeit, wie das französische Directorium sich bei dem Umsturz der alten Verfassungen in der Schweiz benahm, die zügellose Frechheit und Raubsucht, womit die Rapinats und Consorten gegen ein biederes, seit Jahrhunderten unbeleidigtes und unbeleidigendes Volk verfuhren, hatten nothwendig sein vaterländisches Gefühl empören müssen. Auch war er beim Wiederausbruche des Krieges im Jahr 1799 die Seele der österreichischen Operationen, welche auf die Vertreibung der Franzosen aus der Schweiz gerichtet waren. Er zuerst drang durch, den Luciensteig und Graubünden in die eigentliche Schweiz ein, schlug sich mit Massena bei Frauenfeld und bei Winterthur, wo der Erzherzog Karl mit der östreichischen Hauptarmee sich mit ihm vereinigte, und hierauf nach mehrern blutigen Treffen die Räumung von Zürich durch die Franzosen bewirkte. Massena zog sich auf den nahen Albis. Nach einiger Zeit verließ der Erzherzog mit dem größten Theil seiner Macht die Schweiz, wo jedoch Hotze mit einem starken östreichischen Armeekorps zurück blieb, welches in Verbindung mit der bereits bei Zürich angekommenen russischen Armee unter dem General Korsakow, und der von Italien aus über den Gotthard heranziehenden Armee des Feldmarschall Suworow, den entscheidenden Schlag gegen den General Massena vollbringen sollte. Allein kaum einen oder zwei Tage, ehe Suworow auf dem Punkt eingetroffen war, wo diese kombinirte Unternehmung statt haben sollte, kam Massena derselben zuvor, indem er am 25sten September vor Anbruch des Tages über die Limmat und Linth setzte, und die beiden Armeekorps der Generale Korsakow und Hotze gänzlich schlug. Dem letztern gegenüber waren zuerst 200 französische Schwimmer, die Säbel mit den Zähnen, die Piken in der Hand haltend, noch in der Nach über die Linth gegangen, und hatten Allarm im östreichischen Lager verbreitet. Hotze, der sogleich aus seinem Hauptquartier herbei eilte, ward schon vor 5 Uhr Morgens, im ersten Anfang des Gefechts, unweit Schannis getödtet. Sein Körper ward einige Stunden nachher auf dem Schlachtfeld gefunden.

Selbst die Feinde ehrten den Tod eines so tapfern Kriegers, und seine Freunde betrauerten in ihm einen Mann von hellem Kopf, von ächtschweizerischer Biederkeit mit großer Welt- und Menschenkenntniß gepaart, dem man nichts als vielleicht ein, selbst im Alter von 60 Jahren noch zu rasch aufbrausendes Feuer, vorwerfen konnte.


Johann Konrad Hotze.

Hotze, Johann Konrad, österreichischer Feldmarschall-Lieutenant und Großkreuz des militärischen Theresienordens, geboren 1731 zu Richterswyl in der Schweiz.

Er trat zuerst in Würtembergische, dann in Russische, endlich in österreichische Dienste.

Im Türkenkriege diente er als Oberst.

Im Jahre 1793 ernannte ihn Kaiser Franz zum Generalmajor und erhob ihn in den Adelstand. Er diente damals bey der Armee von Wurmser. Den 13. Oktober hatte er an der Einnahme der Weissenburger Linien Antheil. Er machte diesen Feldzug, so wie auch die zwey folgenden, im Ganzen mit Unglück, ob er gleich unablässig einen grossen Eifer und viele Thätigkeit zeigte und in seiner Armee den Ruf eines guten Offiziers hatte.

1794 - 96 blieb er bey der Rheinarmee und ward im März 1795 zum Feldmarschallieutenant befördert, nachdem er schon 1793 das kleine Marien-Theresienkreuz erhalten.

Im August 1796 half er den Sieg bey Neumark erfechten und that sich einige Tage später in der Schlacht bey Würzburg hervor, wo er Talent und viele Thätigkeit bewies. Im May 1797 gestand ihm der Kaiser zur Belohnung seiner Dienste das grosse Kreuz des Marien-Theresienordens zu.

1799 kommandirte er den linken Flügel von der Armee des Erzherzogs Karl und ward beauftragt, den Rheinübergang oberhalb des Bodensees zu bewerkstelligen, um in die Schweiz einzudringen. Er setzte ihn nach mehreren blutigen Gefechten, die ihm viele Leute kosteten, durch, hatte grossen Antheil an den Fortschritten des Erzherzogs, verlor aber endlich bey Kaltenbrunn sein Leben, als die Franzosen den 25. September 1799 unter Massena einen Angriff auf seine Stellung hinter der Linth machten, und er mit einiger Kavallerie zu Hilfe eilte.


Hans Konrad Freiherr von Hozze.

Hozze, Hans Konrad Freiherr von, kaiserl. östreichischer General-Feldmarschalllieutenant, Kommandeur des Theresienordens u. s. w., des vorigen Bruder, geboren zu Richterschwyl 1731. Er sollte, gleich diesem, zu Tübingen die Medizin studiren, und war im Anfange des siebenjährigen Kriegs dahin gekommen.

Der Herzog von Würtemberg errichtete eben damals ein Truppenkorps von 10,000 Mann in französischem Solde, und als er auf der Revue unter den Zuschauern den schönen jungen Hotze erblickte, ließ er ihm eine Fahne antragen. Mit Einwilligung seines Vaters, der seinen emporstrebenden Geist nicht zurückhalten wollte, hatte er diesen Antrag angenommen, und als Flügeladjutant den Herzog auf seinem fruchtlosen Feldzug bis Halle in Sachsen begleitet.

Nachdem dieses Truppenkorps wieder aufgelöset wurde, ging er nach Hause. Allein seine unbezwingbare Neigung zum Militärstande ließ ihm daselbst keine Rast. Mit hoher Empfehlung wurde er als Rittmeister in russischen Dienste angestellt. Hier zeigte sich für ihn erst die rechte Schule. Er lernte nämlich den kleinen Krieg in den Gefechten, denen er gegen die polnischen Konföderirten beiwohnte, erwarb sich dadurch die Freundschaft des General Romanzow, und in dem Türkenkrieg stieg er durch seine Tapferkeit zum Major heran.

Bei seinem eintritt in kaiserl. östreichische Dienste wurde er zuerst Major bei den ungarischen Kavallerieregiment Giulay, nachher Chef de neuerrichteten Uhlanenkorps; nach dessen Auflösung Oberst und Kommandant des Regiments Hohenzollern.

Bei dem Kriege gegen Frankreich stand er im J. 1793 bei Wurmsers Armee, hatte einen rühmlichen Antheil an der Einnahme der Linien von Weissenburg, und drang dann gegen das Gebirg vor, welches Elsaß von Lothringen trennt, wurde aber mit der Wurmserschen Armee zum Rückzuge über den Rhein genöthigt, welchen er dadurch sicherte, daß er am Gaisberg den Franzosen am längsten widerstand, und Mühe und Gefahr noch genug hatte, sich durchzuschlagen.

Im J. 1796 bewieß er viele Tapferkeit in den Treffen bei Neumark und Würzburg, und 1799 kommandirte er den linken Flügel der Armee des Erzherzogs Karl, bewirkte nach verschiedenen Gefechten den Uebergang über den Rhein unweit Konstanz, war die Seele der östreichischen Operationen, welche auf die Vertreibung der Franzosen aus der Schweiz gerichtet waren, wurde aber am 15 Herbstmonat desselben Jahrs bei einem Angriff des General Massena unweit Kaltbrunn in der Gegend des obern Zürchersees getödtet.

Selbst die Feinde ehrten den Tod eines so tapfern Feldherrn, und seine Freunde betrauerten in ihm einen Mann von hellem Kopf, stets munterer Laune, von ächt schweizerischer Biederkeit mit großer Welt- und Menschenkenntniß gepaart.


Quellen und Literatur.

  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Gallerie historischer Gemählde aus dem achtzehnten Jahrhundert. -- Charakter-Zeichnungen interessanter Menschen aus der neuen Geschichte. Von Samuel Baur, Prediger in Göttingen bey Ulm. Hof, bey Gottfried Adolph Grau, 1806.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem achtzehnten Jahrhundert, nach alphabetischer Ordnung bearbeitet für Freunde vaterländischer Kultur und Geschichte von Markus Lutz, Aarau 1812 bei Heinrich Remigius Sauerländer.