Gebhard Leberecht von Blücher

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Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstadt.

von Blucher Koeniglich Preussischer General Major

Blücher (Leberecht von), Fürst von Wahlstadt, königlich preußischer Feldmarschall, aus dem Hause Großen Rensow, in dem Herzogthume Mecklenburg Schwerin abstammend, ward am 16. Dec. 1742 zu Rostock geboren.

Sein Vater war Rittmeister in Hessen-Kasselischen Diensten. Die Unruhen des siebenjährigen Kriegs vermochten seine Eltern ihn nach der Insel Rügen zu schicken. Hier lernte er die schwedischen Husaren kennen, und faßte Neigung zum Kriegsdienste. Er war damals kaum 14 Jahre alt, widerstand allen Abmahnungen seiner Familie, und wurde wirklich bei dem jetzigen Mörnerschen Husarenregimente angestellt. Er machte seinen ersten Feldzug gegen dieselben Preußischen schwarzen Husaren, deren Chef er einst werden sollte, wurde gefangen, dem Commandanten des Regiments, Obristen von Belling, vorgestellt, von diesem, durch einen getroffenen Tausch den Schweden abgewonnen, und als Lieutenant bei seinem Regimente angestellt.

In der Folge nahm er seinen Abschied, wurde Landwirth, dann Landrath, und durch Fleiß und Thätigkeit Besitzer eines eigenen Guts. So verflossen 15 Jahre.

Nach Friedrich II. Tode ward er von dessen Nachfolger bei seinem vorigen Regimente als Major angestellt, bald Commandeur und kurze Zeit nachher Chef des Regiments. In den Rheinfeldzügen von 1793 und 1794 führte das Regiment noch den Namen von Golz. Blücher zeichnete sich überall aus, bei Orchies, bei Luxemburg, bei Frankenstein, so wie bei Kirrweiler und Edesheim in der Pfalz. Sein Regiment eroberte in den beiden Feldzügen 11 Kanonen, 2 Haubitzen, 5 Fahnen, 7 Munitionswagen, machte zu Gefangenen 1 Generallieutenant, 137 Officiere, 3327 Gemeine; erbeutete 1341 Pferde, und verlor nur 6 Gefangene.

Der Friede versetzte ihn in eine seinem energischen Geiste unwillkommene Unthätigkeit. Im J. 1802 nahm er für den König von Preußen Besitz von Erfurt und Mühlhausen. Auch bei den Bewegungen der preußischen Armee 1805 blieb er nicht unthätig.

Der Ausbruch der Krieges im folgenden Jahre führte ihn auf das Schlachtfeld von Auerstädt, am 14. Octbr. 1806. Das schmerzliche Resultat dieses unglücklichen Tages war von entscheidendem Einflusse auch auf sein Schicksal. Er folgte mit dem größten Theile der Cavallerie dem Fürsten Hohenlohe nach Pommern, in seiner linken Flanke. Der Zwischenraum, der beide von einander trennte, war aber zu groß geworden; nur durch forcirte Tag- und Nachtmärsche, welche letztere Blücher nicht wagen zu dürfen glaubte, wäre eine Vereinigung möglich gewesen; indessen war der Fürst genöthigt worden, bey Prenzlau zu capituliren. Hierdurch von Stettin abgeschnitten, warf sich Blücher ins Mecklenburgische, wo er sich bei Dambeck, mit dem Corps des Herzog von Weimar, das der Prinz Wilhelm von Braunschweig-Oels anführte, vereinigte. Aber die Truppen waren zu sehr ermattet, als daß er es wagen konnte, mit ihnen einen großen Schlag zu versuchen. Murat in seiner linken Flanke, Bernadotte auf der Fronte, und Soult auf dem rechten Flügel, sah er sich genöthigt sich hinter die Trave zu setzen, wobei er den Plan hatte, die 3 großen feindlichen Corps, die diese Feldherrn commandirten, so lange als möglich von der Oder abzuhalten. So rückte er in das Gebiet von Lübeck ein. Aber diese Stadt, in Eile etwas befestigt, ward durch die mit Uebermacht andringenden französischen Colonnen im Sturm genommen, und Blücher war genöthigt, nachdem er sich mit einigen Truppen aus der Stadt gerettet hatte, am 6ten und 7ten November zu Ratkau zu capituliren, wobei er selbst in Kriegsgefangenschaft gerieth.

Es charakterisirt Blüchern, daß er diese Kapitulation von RatekauCapitulation mit den Worten anfangen wollte: "Sie sey ihm vom Prinzen von Pontecorvo angeboten worden, und er habe sie aus Mangel an Munition, Proviant und Fourage angenommen." Da ihm der Einwurf gemacht wurde, es sey nicht gebräuchlich, die Gründe einer Capitulation in dem Vertrage anzuführen, erwiederte er: er würde unter keiner andern Bedingung capituliren, - und erhielt, daß er diese Gründe seiner Namensunterschrift beisetzen durfte.

Er wurde dann gegen den General Victor ausgewechselt, und Napoleon empfing ihn in Finkenstein mit vieler Auszeichnung. Sobald er in Königsberg angekommen war, erhielt er den Auftrag, mit einer Truppenabtheilung nach Schwedisch-Pommern zu gehen, um Stralsund vertheidigen zu helfen, und überhaupt die Operationen der Schweden zu unterstützen.

Nach dem Frieden von Tilsit blieb er in Königsberg und Berlin an der Seite des Königs, der ihm das Militär-Gouvernement von Pommern ertheilte.

An dem Zuge des preußischen Hülfscorps bei der französischen Armee nach Rußland, im Sommer 1812 nahm er keinen Antheil; aber als sein König sich an Alexander anschloß, um die schmachvollen Fesseln zu zerbrechen, in welcher Frankreichs Uebermuth europa geschlagen hatte, da war er, in dem der tödtliche Haß gegen die Franzosen zu gahren nie aufgehört hatte, ob wohl ein Greis von 70 Jahren, einer der Thätigsten. Es war Anerkenntniß seiner patriotischen Gesinnung und seiner Tüchtigkeit, indem ihm der Oberbefehl über die Preußen und das russische Corps unter dem Generale Winzingerode anvertraut wurde, welches letztere sich jedoch in der Folge wieder von ihm trennte. In der Schlacht bei Lützen (2 Mai 1813) bedeckte sich der ehrwürdige General mit Heldenruhm, und der Kaiser Alexander belohnte ihn durch Ertheilung des Georgen-Ordens. Die Tage bei Bautzen und Hochkirch wanden, ungeachtet der Erfolg für die Franzosen günstig schien, neue Lorbeeren um seinen Scheitel; aber das Maaß seines Ruhms ward in den Schlachten an der Katzbach und bei Leipzig erfüllt. Dort brachte er dem Feinde eine gänzliche Niederlage bei, und vollendete die Befreiung von Schlesien. Umsonst versuchte es Napoleon selbst den alten Helden in seinem siegreichen Zuge aufzuhalten. Er drang durch die Lausitz vor, und vereinigte seinen rechten Flügel mit dem linken des Kronprinzen von Schweden. Am 3. Octbr. 1813 erfocht die glänzendsten Vortheile bei Wartenburg, fünfzehn Tage später aber entschied er den herrlichen Sieg bei Leipzig, durch den Deutschland von der französischen Sklaverey befreyt wurde. Die Würde eines Feldmarschalls, und die auszeichnendsten Decorationen, von Seiten der verbündeten Monarchen, belohnten sein Verdienst.

Mit dem Anfange des Jahrs 1814 wurden die Operationen auf französischem Grunde und Boden eröffnet, Blücher, an der Spitze der schlesischen Armee, die aus zwei preußischen, 2 russischen, einem hessischen und einem aus mehrern kleinen deutschen Contingenten zusammengesetzten Corps bestand, ging am 1. Jan. über den Rhein, rückte schon am 17ten Jan. in Nancy ein, und erfocht am 1. Febr. in Gegenwart der Monarchen, den Sieg bei la Rothiere. In der Mitte des Monats erfolgten zwar einige für ihn nachtheilige Gefechte, so daß er sich bis Chalons zurückziehen mußte; aber am Ende des Monats ergriff er die Offensive wieder, und am 9ten März lieferte er die Schlacht bei Laon, welche für die folgenreichste des ganzen Feldzugs gelten kann, indem Napoleon nicht mehr vermochte, sich von der in ihr erlittenen Niederlage zu erheben, und durch sie den verbündeten der Weg nach Paris aufgeschlossen wurde, wo Blücher am 31. März mit seinem Heere einzog.

Der König von Preußen gab ihm einen ausgezeichneten Beweis von dem Anerkenntniß seiner Verdienste, indem er ihn am 3. Jun. zum Fürsten von Wahlstadt ernannte, und dieser Ernennung eine ansehnliche Dotation an Gütern beyfügte. (Es wurde dabei der Name das Dorfes Wahlstadt an der Katzbach gewählt, um dadurch an den Sieg zu erinnern, den Blücher in der Umgebung desselben erfochten hatte.) Noch in demselben Monate begab er sich mit den Monarchen nach England, wo sein Aufenthalt, durch die glänzenden Proben von Achtung, die ihm die brittische Nation gab, ein steter Triumph war.

Als der Krieg im Frühjahre 1815 wieder ausbrach, erhielt er abermals den Auftrag, die preußische Armee zu commandiren, welche die Bestimmung hatte, durch die Niederlande in das Innere von Frankreich einzudringen. Auf ihn waren die ersten Streiche Napoleons gerichtet, indem ihm derselbe am 16ten Juni die Schlacht bei Ligny (s. d. A. Belle Alliance) lieferte. Da die Mitwirkung, die Blücher an diesem blutigen Tage von den Engländern und von dem vierten preußischen Armeecorps erwartete, außen blieb, so errang der Feind den Sieg.

Zudem bedrohte die Person des Feldherrn selbst eine große Gefahr. Ein Cavallerieangriff, bei dem er sich an der Spitze befand war mißlungen. Ein Schuß traf sein Pferd, ohne jedoch dessen Lauf zu hemmen. Der Schmerz trieb es vielmehr immer heftiger zu convulsivischen Sprüngen an, bis es plötzlich in vollem Rennen zu Boden stürzte. Der Feldmarschall lag, vom gewaltsamen Sturze betäubt, unter dem todten Pferde. Die feindlichen Cuirassiere jagten in der Verfolgung heran. Die letzten Reuter waren schon bei dem Feldmarschall vorüber, nur ein Adjutant, der Major Graf von Nositz, war bei ihm. Vom Pferde gesprungen, stand er neben ihm, sein Schicksal zu theilen entschlossen. Die Feinde jagten in wilder Eile vorüber, ohne ihn zu bemerken, und eben so jagten sie noch einmal bei ihm vorbei, als die Preußischen sie wieder zurück geworfen hatten. Jetzt erst brachte man ihn mit Mühe unter dem todten Pferde hervor, da er sodann ein Dragonerpferd bestieg.

Die Unfälle dieses Tages nahmen aber weder Blüchern noch seinem Heere den Muth zu neuen Thaten. Es erfolgte am 18ten Juni die Schlacht bei la Belle Alliance, und in ihr gelang es den zweckmäßigsten Maaßregeln und der Tapferkeit des Feldmarschalls den schrecklichen Kampf siegreich zu entscheiden, durch den Napoleons neues Wagestück gänzlich vereitelt, und Frankreich abermals der Macht der Verbündeten unterworfen wurde. So ward Blüchers Name der gefeyerteste in Europa, und man nannte ihn neben den Namen der gepriesensten Helden aller Zeiten. Als er in Paris eingezogen war, widersetzte er sich, unter der allgemeinen Zustimmung der bisher von den Franzosen gemißhandelten Völker, durch Wort uns That, den so verderblichen Schonungsmaaßregeln, welche man nach den Siegen von 1814 gegen die Ueberwundenen hatte eintreten lassen, und empfahl und übte die strengere Handlungsweise, wozu das Recht der Eroberung die Befugniß ertheilt, und welche die künftige Sicherheit der Staaten forderte.

Sein König ehrte ihn, indem er ihm unter dem 26. Juni ein nur eigens für ihn bestimmtes Ordenszeichen, das er in der Stelle der ersten Classe des eisernen Kreuzes tragen sollte, verlieh, wobei ihm der Monarch erklärte: "Er wisse, daß keine goldnen Strahlen den Glanz seiner Verdienste erhöhen könne; es sey ihm aber ein freudiges Geschäft, die volle Anerkennung derselben auch durch eine äussere entsprechende Auszeichnung zu beurkunden; wobei er sich für ruhigere Verhältnisse das Vergnügen vorbehalte, ihm noch fernere Beweise seiner stets dauernden Erkenntlichkeit zu geben."


Lebrecht von Blücher, preussischer Feldmarschall.

Der 12. September 1819.

Dieser in unserer neuesten Zeit so berühmt gewordene Held erreichte am heutigen Tage auf seiner Herrschaft Kriblowitz das irdische Ziel, von seinem Monarchen zum Fürsten von Wahlstatt erhoben, von den meisten übrigen durch die Insignien ihrer höchsten militärischen Orden geziert. Ein eisernes Kreuz mit goldenen Strahlen umgeben trug er allein unter allen Preussen.

Seine Sporne verdiente er als Junker in einem schwedischen Husaren-Regiment gegen Preussen fechtend. Gefangen und ausgetauscht trat er in die Dienste derselben. In den Feldzügen am Rhein im J. 1793 bis 1794 diente er als Commandeur des schwarzen Husaren-Regiments mit vieler Auszeichnung, und avancirte zum General-Major. Nach der Schlacht von Aurstädt 1806 musste auch er nach einem misslungenen Versuch, sein Corps zu retten, mit demselben bei Lübek capituliren. Als Kriegsgefangener wurde der Generallieutenant von Blücher für den französischen Generalen Victor ausgelöst. Nach dem Tilsiter Frieden erhielt er erst das Militär-Commando in Pommern, wurde aber später auf Napoleons Verlangen ausser Thätigkeit gesetzt. Als Preussen im J. 1813 gegen den Uibermuth dieses Franzosenkaisers aufstand, war der schon 70jährigen Blücher (er war 1742 geboren) einer der thätigsten Förderer des Kriegs gegen ihn.

Sein Name und sein Ruhm wurde durch die Tage bei Lützen, Bautzen, Hochkirch, an der Katzbach, bei Leipzig, La Rothière, Laon, Montmartre, Ligni und Waterloo in der Kriegsgeschichte unvergesslich. Die Schnelligkeit seiner Strategie und Taktik erwarb ihm den Ehrentitel des Marschalls Vorwärts, unter welchem ihn Freunde und Feinde kannten.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.