Georg III. (Vereinigtes Königreich)

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Georg III. König von England.
Georg III. Koenig von England.
Georg III König von Grossbritanien.

Georg III. (Wilhelm Friedrich) geb. den 4. Juni 1738, Sohn von dem, 9 Jahre vor Georg II.verstorbenen, Friedrich Ludwig, Prinzen von Wallis und Auguste, Tochter Herzogs Friedrich II. von Sachsen-Gotha. Seine Gemahlin ist die Prinzessin Sophie Charlotte, Tochter Herzogs Carl zu Mecklenburg-Strelitz, geb. den 19. Mai 1744, vermählt den 8. Sept. 1761.

Er, der sein fünfzigjähriges Jubiläum auf Großbritanniens Throne schon gefeiert hat, bestieg mitten im Kriege den Thron, und setzte ihn mit Vortheil und Nachdruck fort. Seine Flotten machten in der neuen Welt ansehnliche Eroberungen, und der Friede von 1763 sicherte England den Besitz von Canada und unterwarf Frankreich der schimpflichen Clausel, auf seine Kosten einen englischen Commissär zu Dünkirchen zu unterhalten, welcher Acht haben mußte, daß der Hafen dieser Stadt nicht hergestellt werde.

Die glorreiche Administration des Lord Chatham verbreitete über die ersten Regierungsjahre Georgs III. einen heitern Glanz; weniger glücklich aber war er in dem nordamerikanischen Kriege, der 1778 ausbrach, und England einen Theil seiner schönsten Colonien kostete.

Im J. 1787 hatte der König den ersten Anfall jener Krankheit, die in der Folge mehrere Mal wiedergekehrt ist, und hauptsächlich in einer Geisteszerrüttung sich äußerte. Damals wurde er von dem Doctor Willis fast augenblicklich wieder hergestellt. Allein 1792 war eine so schnelle Heilung des Uebels nicht möglich, und es wurde damals zum ersten Mal die wichtige Frage wegen einer Regentschaft in dem Parlement zur Sprache gebracht. Die Oppositionspartei, an deren Spitze der Prinz von Wallis stand, wollte diesen zum Regenten erklärt wissen, allein die Ministerialen unter Pitts Anführung, welche durch den Prinzen gestürzt zu werden fürchteten, behaupteten, daß die Regentschaft kein mit der Person verbundenes Recht sey, sondern willkührlich von dem Parlement ertheilt werden könne. Die Bill, welche Pitt in diesem Sinne vorschlug und das Unterhaus annahm, blieb indeß ohne Wirkung, da der König inzwischen genaß. Man behauptet, daß die wesentlichen Dienste, welche Pitt bei dieser Gelegenheit dem Könige erwiesen, hauptsächlich ihm die unwandelbare Gunst desselben für die Folge gesichert hätten.

Mehr als einmal haben sich Attentate gegen das Leben des Königs geäußert, namentlich bei dem von Gordon angestifteten Aufruhr im J. 1780, dann 1794, wo auf einer Spazierfahrt eine Flinte auf ihn abgedrückt ward, und zuletzt im Theater, wo ein gewisser Athfield, der nachher für wahnsinnig erklärt wurde, eine Pistole gegen die königliche Loge abschoß, ohne jedoch jemand zu verwunden.

Die königliche Gewalt hat sich unter der Regierung Georgs III. besonders durch die Fremdenbill und die Suspension der Habeas-Corpusacte (s. beide Art.) ansehnlich erweitert. Sein Einfluß im Parlement war entschiedener als je, theils durch die Spaltungen der Oppositionspartei, theils durch die Vermehrung der Mitglieder im Oberhause, deren Anzahl im J. 1760 nur 181, im J. 1800 aber gegen 500 betrug.

Bei Georgs Thronbesteigung war die Civilliste auf 800000 Pfund festgesetzt; allein 1769 bezahlte das Parlement mehr als eine Million Schulden, und 1777 wurde dasselbe aufs neue wegen einer Schuld von 618000 Pfund in Anspruch genommen. Damals erhöhte man auf den Antrag des ersten Lords der Schatzkammer die Civilliste um 100000 Pfund, aber dennoch waren 1780 auf 60000 und 1784 auf 30000 Pfund Schulden vorhanden.

Die Hofhaltung des Königs war dabei keineswegs glänzend und prächtig, allein die königliche Familie war zahlreich, und die geheimen Ausgaben im In- und Auslande sehr bedeutend. Als Georg zu seinem 22sten Jahre den Thron bestieg, besaß Lord Bute, sein ehemalige Erzieher, sein unbeschränktes Vertrauen, welches in den von diesem empfohlenen Lords Ankesbury und Liverpool gewissermaßen fortgelebt hat. Der König genehmigte leicht die Plane, die seinen Grundsätzen entsprachen, und verfolgte sie mit größter Beharrlichkeit, aber eben so unbeugsam war er auch in seiner Abneigung; kein Souverain verabscheute so sehr wie er, die Grundsätze der französischen Revolution, selbst als die herrschende Partei der constitutionirenden Versammlung die brittische Verfassung laut erhob. Eben so hat er sich beharrlich geweigert, den irländischen Katholiken die Aufhebung der Test zuzugestehen, welche ihnen Pitt versprochen hatte.

Er liebte die Künste und Wissenschaften und beschützte sie mehr als seine Vorgänger aus dem Hause Braunschweig gethan haben; doch hat er sie eigentlich nicht in dem Grabe aufgemuntert, wie von einem so großen Monarchen hätte erwartet können. Fast alle seine Schenkungen und Pensionen hatten mehr einen politischen Zweck.

Uebrigens war sein Charakter stets sanft und leutselig; sein Gesicht hat das Gepräge der Gutmüthigkeit und des Wohlwollens. Als Gatte und Vater war er musterhaft; er lebte stets wie ein einfacher Privatmann in dem Schoße seiner Familie, vornehmlich zu Windsor, wo er selbst seine Minister nicht empfing.

Als er 1804 einen abermaligen Anfall seiner Krankheit hatte, beschäftigte man sich aufs neue mit den Maßregeln zu Einsezzung einer Regentschaft; aber auch diesmal wurde sie durch seine Genesung überflüssig gemacht. Seitdem litt er besonders an der Abnahme des Gesichts, wodurch er verhindert ward, das Parlement persönlich zu eröffnen und häufige Audienzen zu geben.

Im J. 1810 kehrte Geisteskrankheit heftiger als je und mit Symptomen zurück, welche das Ende seines Lebens anzukündigen schienen. Dennoch gelang es der Kunst seiner Aerzte, sein Leben zu erhalten, wiewohl zur Heilung seiner Geisteszerrüttung die Hoffnung verschwunden ist.

Die Regentschaft wurde daher nun wirklich am 6. Febr. 1811 in die Hände des Prinzen von Wallis, Georg Friedrich August, gelegt. Dies gnüge von ihm selbst; eine Darstellung seiner so merkwürdigen Regierung werden wir unter Großbritannien liefern.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.