Georges Cadoudal

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Georges Cadoudal, Chef der Chouans, Sohn eines Müllers zu Brake, einem Dorfe zwey Stunden von Auray in Morbihan.

Kaum hatte er seine Studien zu Vannes geendigt, so brach die Revolution aus; anfangs nahm er keinen Theil daran; bey dem Aufstande in der Bretagne aber nahm er als blosser Reiter Dienste, vereinigte sich nebst einigen Bretons zu Caval mit den Vendeern, als sie über die Loire gegangen waren, und wurde bey der Belagerung von Grandville zum Offizier ernannt.

Er zeichnete sich durch Körperkraft und Muth aus und erwarb sich seitdem eine Art von Namen.

Als sie bey Mans und Savenay zurückgeschlagen wurden, flüchtete er sich in sein Geburtsland, konnte aber die stille Lebensart nicht wieder gewöhnen und warb Bauern und müssige Matrosen an, und stellte sich an ihre Spitze. Man schickte ihm Truppen entgegen; eine republikanische Kolonne überraschte ihn und brachte ihn und seinen Vater in Verhaft nach Brest.

Nach einer ziemlich langen Gefangenschaft, entkam er unter einer Matrosenkleidung und übernahm das Kommando seines Kantons. Da er die Adelichen nicht liebte, suchte er sie fortwährend von dem Kommando zu entfernen, und wurde selbst als Chef einer Plebejerparthey betrachtet. Erst 1795 fieng er an sich bemerkt zu machen; er kommandirte 1796 die Division von Morbihan.

Als er 1799 die Waffen von neuem ergriff, war er einer der Chefs, die die stärkste Macht um sich versammelten; und nach den Berichten der Republikaner, genoß er das ganze Zutrauen seiner Truppen; einen Augenblick kam es selbst zur Sprache ihn zum Generalissimus zu ernennen. Um diese Zeit besetzte er von neuem die Nieder-Bretagne und war der einzige nicht adeliche General en Chef. Seine Division war diejenige, welche den Republikanern die meisten Treffen lieferte, und er war es, der im Dezember die Expedition an den Ufern der Vilaine kommandirte, um einen ansehnlichen Transport von Flinten und Kanonen in Empfang zu nehmen, welchen daselbst die Engländer ausschifften.

Lange Zeit schlug er den Frieden aus, welchen damals die Konsuln anboten; doch in Folge mehrerer Affairen, namentlich bey Grandchamp und Elven den 25. und 26. Januar 1800, die ziemlich blutig waren, und da er sah, daß alle Chefs, Frotté allein ausgenommen, sich den Gesetzen der Republik unterworfen hatten, dachte auch er daran, den Frieden abzuschliessen, während es noch Zeit war. Den 9. Februar, wo er wußte, daß der General Brüne rekognoscirte, ging er ihm bey dem Dorfe Theix entgegen, nur von zwey Chouans begleitet, ließ durch einen derselben dem General melden, daß er ihn zu sprechen wünschte, und hielt unter freyem Himmel eine Unterredung mit ihm: nach einer Stunde war alles abgemacht, und Georges machte sich anheischig, seine Truppen zu entlassen und seine Artillerie und Gewehre auszuliefern. Nachdem der Friede von den Konsuln genehmigt und abgeschlossen war, kam er nach Paris, wo ihm Dienste in der republikanische Armee angeboten wurden. Nach einigem Zaudern reiste er plötzlich nach London ab, und erhielt bey den Prinzen und dem englischen Ministerium eine vortreffliche Aufnahme.

Ihm, wird behauptet, habe man die Idee der Höllenmaschine zu verdanken; er gieng selbst nach Frankreich, um die Ausführung anzuordnen, kehrte darauf nach England zurück und kam zum zweytenmal nach Frankreich, um den Tod zu finden.

Er war im Monat August 1803 mit Pichegrü und andern an der französischen Küste gelandet, um den Streich gegen das Leben des ersten Konsuls, den er im Sinne trug, zu führen, und hielt sich bis zum Monat März in der Hauptstadt verborgen. Um diese Zeit hatte die Polizey von einigen Agenten dieser Verschwörung Winke erhalten und ließ ihm mit einer ausserordentlichen Thätigkeit nachspüren. Bey seiner Gefangennehmung in der Nähe des Pallastes Luxemburg vertheidigte er sich mit zwey Pistolenschüssen, die zwey Diener der Polizey zu Boden streckten, sprang aus seinem Kabriolet und suchte zu entkommen; allein der Pöbel umringte ihn, und er wurde von einem starken Fleischer festgehalten, auf die Präfectur und von da in den Tempel gebracht. Das Criminalgericht machte ihm und einer grossen Anzahl seiner Mitverschwornen den Prozeß und er kannte ihm, als eines Mordanschlags gegen das Leben des ersten Konsuls überwiesen, den 11. May 1804 den Tod zu, welches Urtheil den folgenden 24. Juny vollzogen wurde.

Er war 35 Jahre alt, zeigte während des ganzen Verlaufs seines Prozeßes die äusserste Kaltblütigkeit, hütete sich standhaft seine Partheygänger in seinen Antworten zu belasten und bekannte laut seine Anhänglichkeit an die Sache der Bourbons.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.