Gilbert du Motier de La Fayette

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De la Faijette.

Lafayette, geboren zu Avergne aus einer der ältesten Familien dieser Provinz.

Er kam sehr jung zur Armee, welche Ludwig XVI. den Amerikanichen Kolonien zur Vertheidigung ihrer Unabhängigkeit zu Hülfe schickte. Rochambeau, der in ihm einen thätigen, muthvollen, jungen Mann wahrgenommen hatte, stellte ihn an die Spitze einiger mit den Einwohnern vereinigten Freywilligen, und Lafayette machte den ganzen Krieg auf diese Weise mit einiger Auszeichnung mit. Er kehrte nach Frankreich als Feldmarschall zurück, trunken von den Dankbezeigungen der Amerikaner und voll von Freyheits- und Revolutions-Ideen, die jenes glückliche Beyspiel, das er eben gesehen hatte, in ihm nährte.

Als ernannter Deputirter des Adels seiner Provinz votirte er die gemeinschaftliche Darlegung der Vollmachten. Nach der Vereinigung der drey Stände bestand er mit Mirabeau auf der Entfernung der Truppen, welche der Hof gegen Paris marschiren ließ. Als ernannter Vicepräsident legte er seine Erklärung der Rechte vor.

Den 15. July 1789 wurde er zum Kommandanten der Pariser Nationalgarde ernannt. Im Februar 1790 trug Lafayette auf Unterdrückungsmaaßregeln gegen die Beunruhiger der Provinzen und auf Entschädigungen für die Eigenthümer der niedergebrannten Häuser an.

Bey der Flucht Ludwigs XVI. beschuldigten ihn die Jakobiner, den König dabey unterstützt, und die Royalisten, dessen Verhaftung vorbereitet zu haben; die ersten rotteten den Pöbel um das Rathhaus zusammen und liessen seinen Kopf fordern. Durch seine Standhaftigkeit aber gelang es ihm, die Rotte in Zaum zu halten.

Nach der Annahme der Konstitution stimmte Lafayette für die Amnestie, welche der König verlangte, und legte seine Stelle als Kommandant der Garde nieder, weil er bloß durch die Revolution dazu bevollmächtigt wäre, und alles, was derselben sein Daseyn zu danken hätte, jetzt der konstitutionellen Regierung Platz machen müßte. Seine Waffenbrüder machten ihm damals ein Geschenk mit einem Degen, und die Municipalität ordnete an, daß ihm zu Ehren eine goldene Medaille geschlagen und ihm Washingtons Büste verehrt werde.

1792 begab sich Lafayette nach Metz und übernahm das Kommando der Armee des Zentrums, die zur Zeit der Kriegserklärung aus 50000 Mann bestand, und zur Vertheidigung der Ardennengrenze bestimmt war. Anfangs hatte er sein Lager unter den Mauern von Givet aufgeschlagen, und seine Avantgarde, die bey Philippeville stand, erlitt einen leichten Verlust. Hierauf führte er sie in das verschanzte Lager von Maubeuge; aber bald wurde seine Avantgarde unter Gouvion bey Grisuelles überfallen, niedergehauen, und Gouvion von einer Kanonenkugel getödtet.

Kurze Zeit darauf erhielt seine Armee die Nachricht von den Gewaltthaten des 20. Juny und erklärte sich in verschiedenen Addressen mächtig gegen die dem Könige angethanenen Beleidigungen. Stolz auf diesen Rückenhalt begab sich Lafayette nach Paris, erschien vor den Schranken des gesetzgebenden Körpers, beschwerte sich über diese Vergehungen und klagte mit Festigkeit die Jakobinerparthey an. Die Versammlung schien einen Augenblick durch diesen muthvollen Schritt in Furcht gesetzt, die Partheysüchtigen faßten sich aber bald wieder, und Lafayette kehrte zu seiner Armee zurück, nachdem er vergebens in Ludwig XVI. gedrungen war, Paris zu verlassen und sich in die Mitte seiner damals treuen ihm zugethanen Truppen zu begeben. Weniger Tage nachher verlangte die Girondeparthey das Anklagedekret gegen ihn, wurde aber mit 400 Stimmen überstimmt.

Nachdem er seine Armee noch verschiedene Märsche hatte machen lassen, wendete er sich endlich nach Sedan zu, um sich den Preussen entgegen zu stellen, die gegen die Mosel zu vorzurücken anfingen. Hier erfuhr er die Katastrophe vom 10. August. Umringt von Truppen und Ortsbeamten, die ihm ergeben waren, wollte er anfangs dem Ungewitter die Spitze bieten, verordnete die Verhaftnehmung der Kommissäre, die gekommen waren, ihn abzusetzen, und erließ an seine Truppen eine Proklamation, in welcher er ihnen das letzte Ereigniß mit den schwärzesten Farben zeichnete und sodann sie einlud, zwischen der Konstitution und Petion als Könige zu wählen. Niemand war unentschieden, die ganze Armee schrie: Es lebe der König, es lebe die Konstitution!" Den folgenden Tag aber erfuhr sie mit grossem Erstaunen, daß ihr Anführer sich mit Recht wenig auf den esten Ausbruch von Großmuth und Enthusiasm verlassen und mit einigen Offiziers seines Generalstabes die Flucht ergriffen hatte. Er wurde sogleich für ausgewandert angesehen, und die Pariser Gemeine ließ durch die Hand des Henkers den Stämpel der für ihn dekretirten Medaille zerbrechen.

Bey seiner Ankunft auf den österreichischen Vorposten ward er arretirt, als Staatsgefangener behandelt und nach Luxemburg geführt. Hierauf ward er dem Könige von Preussen ausgeliefert, der ihn nach Wesel und von da nach Magdeburg bringen ließ, wo er ein Jahr im Gefängniß blieb. Bey dem Baseler Friedenschluß lieferte der König seinen Gefangenen wieder an Oesterreich aus, und Lafayette kam nach Olmütz. Damals war es, wo der Doktor Bollmann und der junge Huger, Sohn des Mannes, bey dem Lafayette das erstemal in Amerika gelandet war, den kühnen Plan ausführten, ihn in dem Augenblick, wo man ihn frische Luft schöpfen ließ, aufzuheben. 8 Meilen von Olmütz wurde Lafayette aber arretirt und von neuem verhaftet. Zu Ende 1795 erhielten seine Gemahlinn und seine Kinder die Erlaubniß, seine Gefangenschaft zu theilen. Endlich nach 3 Jahren und 5 Monaten kam er auf ansuchen des Direktoriums und Bonapartes wieder in Freyheit und begab sich nach Hamburg.

Nach den 18. Brümaire ist er in sein Vaterland zurückgekehrt und lebt friedlich und ruhig auf seinen Gütern in Auvergne, die ihm zurückgegeben worden sind. Bey einem Aufenthalt in Paris brach er das Bein, und mußte eine schwere Kur ausstehen. Auch seine Frau ist ihm gestorben.


Der General La Fayette.

Anne Louise Germaine de Staël.


La Fayette hatte seit seiner frühsten Jugend für die Sache Amerikas gefochten, und sich dadurch frühzeitig die Grundsätze der Freiheit zu eigen gemacht, welche die Grundlage der Verfassung der vereinigten Staaten sind; wenn er Irrthümer begangen hat in Beziehung auf die französische Revolution, so stehen sie in genauer Verbindung mit seiner Bewunderung für die amerikanischen Einrichtungen und für den Helden- Bürger Washington, der die ersten Schritte seiner Nation auf der Bahn der Unabhängigkeit leitete.

La Fayette, jung, reich, von Adel, geliebt in seinem Vaterland, entsagte allen diesen Vorzügen, in einem Alter von neunzehn Jahren, um jenseits des Meers der Freiheit zu dienen, deren Liebe sein ganzes Leben entschieden hat. Hätte er das Glück gehabt, in den vereinigten Staaten geboren zu werden, er hätte sich wie Washington betragen; die gleiche Uneigennützigkeit, die gleiche Begeisterung, die gleiche Beharrlichkeit in den Meinungen, zeichnen den einen wie den andern von diesen großmüthigen Freunden der Menschheit aus. Wäre der General Washington Oberbefehlshaber der pariser National-Garde gewesen, wie der Marquis de la Fayette, vielleicht hätte auch er nicht über die Umstände siegen können, vielleicht wäre auch er an der Schwierigkeit gescheitert, seinem Eid gegen den König treu zu seyn und dennoch die Freiheit der Nation zu gründen.

Man muß es sagen, La Fayette ist als ein ächter Republicaner zu betrachten; keine der Eitelkeiten seines Standes kam je in seinen Sinn; die Gewalt, deren Einfluß in Frankreich so groß ist, hat kein Uebergewicht über ihn; der Wunsch in den Gesellschafts-Sälen zu gefallen, verändert nicht das kleinste seiner Worte; er hat sein ganzes Vermögen mit der edelsten Gleichgültigkeit seinen Ueberzeugungen aufgeopfert. In den Gefängnissen von Ollmütz wie auf dem Gipfel des Ansehens ist er gleich unerschütterlich in seiner Anhänglichkeit an die nehmlichen Grundsätze geblieben. er ist ein Mann, dessen Ansicht und Betragen vollkommen geradeaus geht. Wer ihn beobachtet hat, kann zum voraus mit Zuverläßigieit wissen, was er bei jeder Gelegenheit thun wird. Seine politischen Ansichten und Grundsätze sind ähnlich wie die der Amerikaner aus den vereinigten Staaten; sein Gesicht selbst ist mehr englisch als französisch. Der Haß, der La Fayette verfolgt, hat niemals seinen Charakter erbittert; sein Gemüth ist vollkommen ruhig; allein nichts hat auch seine Ueberzeugungen verändert, und sein Glaube an den Sieg der Freiheit ist so fest, wie der Glaube eines Frommen an das zukünftige Leben. Diese Gesinnungen, welche der selbstischen Berechnung der meisten Männer, die in Frankreich eine Rolle gespielt haben, so entgegengesetzt sind, mögen wohl Einigen bemitleidenswerth erscheinen; es ist so einfältig, denken sie, sein Vaterland sich selbst vorzuziehen, die Parthie nicht zu wechseln, wenn sie geschlagen ist; kurz die Menschen nicht als Spielkarten, deren man sich zum Vortheil bedienen muß, sondern als einen heiligen Gegenstand der vollkommensten Hingebung zu betrachten. Gleichviel, wenn man auf diese Weise den Vorwurf der Einfalt sich zuzieht, möchten nur unsere guten Köpfe ihn einmal verdienen. Es ist eine eigene Erscheinung, daß ein solcher Charakter wie La Fayette sich unter dem ersten Rang der französischen Edelleute entwickelt hat; allein man kann ihn mit Unpartheiligkeit weder anklagen noch rechtfertigen, ohne ihn zu erkennen, wie ich ihn so eben geschildert habe. Man kann sodann die verschiedenen Widersprüche, die aus seiner Lage und seiner Weise zu seyn, entstehen mußten, leicht begreifen. Während er die Monarchie mehr aus Pflicht als aus Neigung unterstützte, näherte er sich unwillkührlich den Grundsätzen der Demokraten, gegen die er zu kämpfen verbunden war; und man konnte an ihm einige Vorliebe für die Freunde der Freiheit bemerken, wenn gleich sein Verstand ihm verbot, ihr System in Frankreich zuzulassen. Seit La Fayette's Abreise nach Amerika, vor vierzig Jahren kann man keine That, kein Wort von ihm anführen, das nicht in der gleichen Bahn gewesen wäre, ohne daß je ein persönliches Interesse sich in sein Betragen gemischt hätte. Ein glücklicher Erfolg hätte die Art zu seyn hervorgehoben; allein sie verdient dennoch die ganze Aufmerksamkeit des Geschichtschreibers, trotz de Umstände und der Fehler, die seinen Feinden zu Waffen dienen können.

Am eilften Julius, ehe der dritte Stand gesiegt hatte, erschien La Fayette auf der Rednerbühne der constituirenden Versammlung mit dem Vorschlag einer Erklärung der Menschen-Rechte, ungefähr wie die, welche die Amerikaner an die Spitze ihrer Verfassung stellten, als sie ihre Unabhängigkeit errungen hatten. Auch die Engländer ließen Wilhelm den dritten, als die ihn nach der Ausschließung der Stuarts auf den Thron riefen, eine Urkunde der Rechte unterzeichnen, auf welche die gegenwärtige Verfassung England gegründet ist. Allein da die Erklärung der rechte in Nordamerika für ein Volk bestimmt war, wo kein früheres Vorrecht dem reinen Zweck der Vernunft ein Hinderniß in den Weg legte, so stellte man an die Spitze dieser Erklärung allgemeine Grundsätze über die politische Freiheit und Gleichheit, ganz in Uebereinstimmung mit den unter der amerikanischen Nation bereits verbreiteten Einsichten. In England beruht die Urkunde der Rechte gar nicht auf allgemeinen Ideen, sie heiligte positive Gesetze und Einrichtungen.

Die Erklärung der Rechte vom Jahr 1789 begriff das Beste aus den Erklärungen in England und Amerika in sich, vielleicht hätte man aber besser daran gethan, sich mit dem zu begnügen, was von der einen Seite unbestreitbar, und von der andern keiner gefährlichen Auslegung fähig ist. Es ist kein Zweifel daran, daß die gesellschaftlichen Auszeichnungen keinen andern Zweck haben können, als den Vortheil Aller, daß alle politischen Gewalten von dem Interesse des Volks ausgehen, daß die Menschen frei und gleich vor dem Gesetze geboren werden und bleiben; allein auf einem so ungeheuren Feld ist ist ein weiter Raum für Trugschlüsse, während nichts klarer und bestimmter ist, als die Anwendung dieser Wahrheiten auf die persönliche Freiheit, die Einrichtung der Geschwornen Gerichte, die Preßfreiheit, die Wahl durchs Volk, die Trennung der gesetzgebenden Gewalt, die Verwilligung der Abgaben xc. Philipp der Lange hat gesagt: Jeder Mensch und besonders der Franzose, sey und bleibe frei geboren; man weiß übrigens, daß er sich durch die Folgerungen aus diesem Grundsatz nicht irren ließ; aber die Völker konnten leicht noch einen ausgedehntern Sinn damit verbinden als die Könige. Als die Erklärung der Menschen-Rechte in der constituirenden Versammlung erschien, mitten unter diesen jungen Edelleuten, die kaum noch Höflinge waren, so trug einer um den andern seine philosophischen Phrasen auf die Rednerbühne, so selbstgefällig in dem kleinlichen Streit über die Fassung dieses oder jenes Grundsatzes, dessen Wahrheit übrigens so einleuchtend ist, daß die einfachsten Worte jeder Sprache sie gleichförmig ausdrücken können. Da sah man voraus, daß nichts Bestehendes aus einer Arbeit hervorgehen konnte, deren sich die zu gleicher Zeit frivole und partheisüchtige Eitelkeit so schnell bemächtigt hatte.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Betrachtungen über die vornehmsten Begebenheiten der Französischen Revolution. Ein nachgelassenes Werk der Frau von Staël. Herausgegeben von dem Herzog von Broglie und von dem Freiherrn von Staël. Heidelberg, bey Mohr und Winter. 1818.