Glogau

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Glogau, ein Fürstenthum in Niederschlesien, zwischen Liegnitz, Jauer, Wohlau, der Mark Brandenburg und dem Herzogthum Posen gelegen, von der Oder und dem Bober durchflossen, enthält auf etlichen 80 Q. Meilen in 14 Städten, 6 Flecken und 203 Dörfern 183,641 Einwohner. Bei dem milden Klima wird viel Wein erbaut, außerdem Getraide und Flachs in Menge. Die Viehzucht ist sehr gut, und unter den Manufacturen sind besonders die des Tuches sehr in Flor.

Die Hauptstadt Glogau, zum Unterschied von Klein-Glogau in dem Schlesischen Fürstenthum Oppeln, Groß-Glogau genannt, eine beträchtliche Festung an der Oder, ist der Sitz mehrerer Kollegien.

Man rechnet 878 Häuser und 12,000 Einwohner, worunter 1900 Juden. Auf dem dasigen Schlosse residirten ehedem die Herzoge von Glogau aus dem alten Königsgeschlecht der Piasten. Herzog Konrad, der Erbauer des Schlosses, berief 1260 Deutsche hierher, nachdem vorher nur Wenden da gewesen, und gab der Stadt das deutsche Recht. Den Dom ließ er dahin bauen, wo er noch jetzt steht.

Im Westphälischen Frieden wurde der Bau einer lutherischen Kirche erlaubt. Befestigt war die Stadt von den ältesten Zeiten an, und schon vor dem 30jährigen Kriege mit doppelten Mauern und Graben umgeben, um jene Zeit aber und nachher wurde sie künstlicher befestigt.

Als im Jahr 1476 die Herzoge von Glogau ausgestorben waren, und das Fürstenthum an die Krone Böhmen fiel, wurde hierher ein Kaiserlicher Kommandant gelegt, der zugleich den militärischen Oberbefehl in Schlesien führte. So blieb es, bis nach dem Tode Karls VI. an der Maria Theresia Besitzthümer mancherlei Ansprüche gemacht wurden, und unter ihnen von Friedrich II. in Preußen auf 4 schlesische Fürstenthümer, die seinen Vorfahren durch Erbrecht oder Erbverbrüderungen gehörten. Hieraus entspann sich der schlesische Krieg, in welchem Friedrich am 9. Mai 1741 Glogau eroberte, das ihm auch nach dem Friedensschlusse von 1742, so wie ganz Niederschlesien, verblieb. Seitdem wurde es noch stärker befestigt.

In dem Brande 1758 verlor es das beste Drittheil seiner Häuser; eine noch härtere Prüfung aber stand ihm in den letzten Französischen Kriegen bevor.

Am 2. Dec. 1806 übergab der preußische General v. Reinhard die Festung an den General Vandamme und den würtembergischen General v. Seckendorf, nachdem erst Tages vorher die Batterien ihr Feuer geöffnet hatten. Von dieser Zeit an blieb sie in französischen Händen. Nach Stipulationen von 1808 sollte Glogau an Preußen überliefert werden, sobald die Hälfte der Contributionen abgetragen seyn würde; allein Frankreich hielt diesen Traktat so wenig als den spätern von 1811 vermöge dessen die Verproviantirung dieser Festung vom Tage der Unterzeichnung der Convention auf Kosten Frankreichs geschehen sollte. Nicht genug, daß keine Vorstellung bewirken konnte, was die Gerechtigkeit und der buchstäbliche Inhalt des Traktats erheischten, konnte man nicht einmal erlangen, daß die umligende Gegend keinen gezwungenen Requisitionen mehr ausgesetzt worden wäre. Ungeachtet der Kaiser der Franzosen dies versprochen hatte, erhielt der Commandant die förmliche Erlaubniß, auf 10 Lieues in die Runde alles wegzunehmen, was er für nöthig hielte, und dies wurde denn mit nicht geringer Gewaltthätigkeit ausgeführt. Aller französischer Druck lastete auf dem unglücklichen Orte, und wer zweifelt, daß dieser bis zum Peinlichen vermehrt ward, als Preußen im Jahr 1813 gegen Frankreich sich auf Rußlands Seite wendete, und Glogau nun belagert ward. Die entscheidende Schlacht an der Katzbach und Neiße befreite Schlesien, Glogau aber blieb in feindlichen Händen, und erst am 15 April 1814 ging es wieder an die Preußen über. Die Geschichte dieser Leidenszeit von Glogau haben Benkowitz und Gaupp beschrieben.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.