Gomes Freire de Andrade

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Freyre d'Andrade (Gomez), einer der ausgezeichnetsten portugiesischen Offiziere aus einer der vornehmsten portugiesischen Familien und Verwandter von Pombal, geb. um d. J. 1762 in Wien wo sein Vater portugiesischer Gesandter war; hingerichtet zu Lissabon, als das Haupt einer Verschwörung gegen das brittische Heer und die Regentschaft von Portugal.

Er diente von Jugend auf in der portugiesischen Armee, dann auf der Flotte als Schiffslieutenant; trat in russische Kriegsdienste, und war bei der Erstürmung von Oczakow (22. Sept. 1789) der Erste, welcher die russische Fahne auf den Wällen der eroberten Festung aufpflanzte. Catharina II. erhob ihn deswegen zum Obersten, und gab ihm einen kostbaren Degen nebst dem St. Georgsorden. Hierauf kehrte er nach Portugal zurück, kommandirte ein portugies. Regiment in der Feldzügen in Catalonien und Roussillon, von 1792 bis 1794, und wurde nach dem Frieden Generallieutenant. Als solcher trat er in Folge der Begebenheiten von 1808 in französische Dienste, und commandirte eine portugiesische Division. Er zeichnete sich in dem russischen Feldzuge von 1812 aus, wurde 1814 Commandant in Dresden, unter dem Befehle des Marschalls Gouvion St. Cyr, und blieb, als Dresden capituliren mußte, Kriegsgefangener bis zum J. 1814. Hierauf kehrte er über Frankreich im J. 1815 nach Portugal zurück, wo er ansehnliche Güter besaß.

Den 25. Mai 1817 wurde er auf Befehl des in Portugal commandirenden Marschalls Beresford als der Haupt einer Verschwörung, welche zur Absicht hatte, den Marschall Beresford zu ermorden, die Engländer aus dem Lande zu jagen, und den Herzog von Cadaval, einen Prinzen aus der königl. Familie, an die Spitze der Regierung zu stellen (angeblich auf den Thron von Portugal zu erheben), in Lissabon verhaftet. Diese Verschwörung, welche Beresford entdeckte, sollte vom 25. Mai bis zum 5. Juni ausbrechen. Er ward nebst elf Mitverschwornen aus den ersten Familien des Landes unter andern dem Obersten Montiera, zum Tode verurtheilt, und starb mit der Entschlossenheit eines kühnen Mannes, der für die Unabhängigkeit seines Vaterlandes Alles gewagt hatte, den 19. Oct. 1817. Der furchtbare Urtheilsspruch, nach welchem die 12 Verurtheilten in einer 7 Stunden langen Marter erst gehenkt, dann geköpft und verbrannt wurden, worauf man ihre Asche ins Meer streute, ward nicht dem Könige von Portugal in Brasilien zur Bestätigung vorgelegt; noch konnte derselbe das Vorrecht ausüben, seine Unterthanen zu begnadigen oder ihre Bestrafung zu mildern.

In diesen Proceß war auch ein Deutscher im brittischen Generalstabe, der Baron von Eben, verwickelt. Er ward für ehrlos erklärt und aus der Armeeliste gestrichen. Die übrigen 19 Mitverschwornen wurden theils verbannt, theils mit Gefängniß bestraft. Die meisten waren portugiesische Offiziere.

Der General Freyre, ein sanfter menschenfreundlicher Mann von seltnen Talenten und Kenntnissen, war bei der portugies. Armee eben so sehr beliebt, als Beresford und die Engländer überhaupt verhaßt waren.



Ein Vetter des hingerichteten Freyre d'Andrade, D. Joaô, geb. zu Lissabon 1773, diente seit 1790 bis 1815 im portugiesischen, dann im französischen Heere, und nahm unter Napoleons Fahnen an allen Feldzügen in Portugal, Spanien, Rußland und Deutschland einen rühmlichen Antheil; zuletzt commandirte er in der Schlacht bei Waterloo ein Regiment. Er lebt jetzt als franz. Oberster auf halben Sold in Paris.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.