Gottlieb Konrad Pfeffel

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Pfeffel (Gottlieb Conrad), geboren zu Kolmar im Elsaß am 28. Jun. 1736, wurde nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters von seiner Mutter erzogen, und besuchte bis 1750 das evangelische Gymnasium seiner Vaterstadt. Damals nahm ihn ein Anverwandter, der nachherige Kirchenrath und Superintendent Sander in Künderingen, zu sich, um ihn für die Akademie vorzubereiten.

In seinem funfzehnten Jahre ging Pfeffel nach Halle, um daselbst die Rechte, besonders aber das Staatsrecht zu studiren. Aber die veränderte Luft und Lebensordnung hatten einen so nachtheiligen Einfluß auf seine von Natur schwachen Augen, daß er nach einer langwierigen Ophythalmie Halle verließ und zu seinem Bruder nach Dresden ging. Hier schienen seine Augen sich zu bessern, als er aber 1754 in sein Vaterland zurückgekehrt war, kamen neue Rückfälle, welche 1757 mit dem gänzlichen Verlust des Gesichts endigten. Eine glückliche Ehe, die er 1759 schloß, und seine angeborne Heiterkeit und Geistesthätigkeit hielten ihn in dieser an sich so traurigen Lage nicht nur aufrecht, sondern gaben ihm auch Muth und Kraft, sich einen ausgebreiteten Wirkungskreis zu schaffen. Schon in früher Jugend hatte er sich in der Poesie versucht; jetzt kehrte er in den Stunden der Einsamkeit zu dieser Beschäftigung zurück, und dichtete Lieder, Fabeln und Epigramme. Da mehrere derselben ohne sein Wissen im J. 1759 in der straßburger Wochenschrift, der Sammler, abgedruckt worden, so entschloß er sich, selbst im J. 1760 eine Ausgabe seiner Gedichte zu besorgen. So unvollkommen auch diese Jugendversuche waren, so erregten sie in damaliger Zeit doch Aufmerksamkeit, und Pfeffel fand sich aufgemuntert, auf der betretnen Laufbahn weiter zu gehn.

Im J. 1773 errichtete er mit Genehmigung des Königs von Frankreich unter dem Namen einer Kriegsschule ein akademisches Erziehungshaus für die protestantische Jugend in Kolmar. Dieser Anstalt, in der er unter Mitwirkung seines Freundes Lerse viele treffliche Zöglinge bildetet, widmete er seine ganze Kraft, bis die Revolution in Frankreich ihr ein Ende machte. Seitdem verwendete er seine Muße zu literarischen Beschäftigungen.

Im J. 1803 wurde er Präsident des neuerrichteten evangelischen Consistoriums in Kolmar, und starb 1809.


Zu den Auszeichnungen, die ihm zu Theil wurden, gehört, das er schon 1763 hessendarmstädtischer Hofrath, 1777 Mitglied der helvetischen Gesellschaft, 1782 Bürger von Biel, und 1783 Mitglied des großen Raths dieser Stadt, und 1788 Ehrenmitglied der Akademie der Künste zu Berlin wurde.

Die Dichtungsgattungen, welche Pfeffel bearbeitet hat, sind die Fabel und Erzählung, die Epistel, die Romanze, das Epigramm, das lyrische Gedicht und das Drama. Im Allgemeinen zeichnen sich seine Poesien durch wahre Empfindung, naiven Witz, heitere Laune, echte Lebensweisheit und leichte Versification aus. Am glücklichsten war er in der Fabel und Erzählung, dagegen sind seine dramatische Werke, größtentheils nach französischen Mustern bearbeitet, meist vergessen. Als Mensch war er durch sein wohlwollendes Herz, seinen biedern Charakter, seine tief gefühlte Religiosität, und seinen Gleichmuth bei allen Wechseln des Schicksals höchst achtungswerth.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.