Großherzogtum Mecklenburg

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Meklenburg, ein Herzogthum, jetzt Großherzogthum im niedersächsischen Kreise, das ostwärts an Pommern, sudwärts an die Mark Brandenburg, westwärts an Lüneburg, Lauenburg und Lübeck, und nordwärts an die Ostsee gränzt. Das Land enthält auf 274 Quadratmeilen gegen 350,000 Einwohner, hat keine Berge, aber viele Seen und Wälder, in einigen Gegenden auch Sandstriche; im Ganzen ist es aber fruchtbar, und besonders für den Getraidebau und die Viehzucht sehr ergiebig.

Die Geschichte von Meklenburg tritt erst mit Carl dem Großen mit Klarheit aus dem Dunkel der Zeiten hervor. Wir wissen nur, daß in den Zeiten vor der Völkerwanderung Heruler und Vandalen die Küsten der Ostsee im heutigen Meklenburg bewohnten, denen, als sie dem allgemeinen Zuge der Völker nach Süden folgten, slavische (wendische) Stämme von Osten her folgten. Zwei der mächtigsten von diesen Stämmen, die Obotriten und Wilzen, standen in verjährter Feindschaft. Erstere, welche zur Zeit Carls der Großen aus den eigentlichen Obotriten (im westlichen Meklenburg), den Polaben (in Ratzeburg und Lauenburg) und den Wagriern (in Holstein) bestanden, überwanden um diese Zeit die Wilzen (im östlichen Meklenburg zwischen der Warnow und Peene) (782) und brachten einen Theil des Landes unter ihre Herrschaft. Seitdem hatte der obotritische König eine Art von Obergewalt über die wilzischen Fürsten der Redarier, Kessiner, Circipaner und Tollenser.

Die Bekehrung und Unterwerfung der Slaven verursachte langwierige und verheerende Kriege. Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, eroberte endlich das Land, und verwüstete es dergestalt, daß die wenigen noch übrigen Einwohner keine neuen Versuche, die Religion ihrer Väter und die angestammte Freiheit zu behaupten, hätten wagen können. Nachher versöhnte sich Heinrich mit dem wendischen Fürsten Pribislaus, nachdem dieser ein Christ geworden, vermählte seine Tochter Mathilde mit Heinrich Burelwin, dem Sohne Pribislaus, und räumte dem Vater 1167 seine Erbänder (mit Ausschluß der Grafschaft Schwerin und Danneberg und der Bisthümer Schwerin und Ratzeburg) unter dem Namen eines Fürstenthums wieder ein.

Im J. 1170 wurde Pribislaus zum deutschen Reichsfürsten erklärt. Dieser Pribislaus ist der Stammvater der nachfolgenden meklenburgischen Fürsten, die unter allen europäischen Regenten die ältesten und unter allen deutschen die einzigen von unstreitig slavischer Abkunft sind.

Den Namen Meklenburg nahmen sie von dem alten obotritischen Hauptorte Meklinborg an, der früh zerstört wurde und jetzt ein Dorf zwischen Wismar und Brüel ist.

Unter den Nachfolgern Heinrich Burewins wurde das Land getheilt 1226, woraus vielfältige Familienzwiste entsprangen. So entstanden nach dem Tode Heinrich Burewins II. durch die Theilung seiner Söhne die vier Linien von Meklenburg, Güstrow (oder Wenden), Rostock und Parchim, wovon die beiden letztern bald wieder erloschen. Johann, Theologus genannt (gestorben 1246), welcher Meklenburg erhielt, ist merkwürdig, weil er von der pariser Universität zum Doctor der Theologie creirt wurde. Sein Enkel, Heinrich der Löwe (regierte von 1302 bis 29), brachte durch seine Gemahlin, Markgrafen Albrechts zu Brandenburg Tochter, die Herrschaft Stargard als ein Heirathsgut an sein Haus. Heinrichs Söhne, Albrecht und Johann, stifteten die Linien zu Stargard und zu Schwerin, und wurden 1348 von Kaiser Carl IV. zu Herzogen erhoben. Im Jahr 1436 erlosch die wendische Linie und 1471 starb Ulrich II., der letzte Herzog zu Stargard. Heinrich der Fette, ein Urenkel Albrechts, wurde nun Herr von ganz Meklenburg. Churbrandenburg aber bestritt die Succession, und zu Wittstock wurde ein Vergleich geschlossen, nach welchem Heinrich die ganze Erbschaft behielt, Brandenburg dagegen nach dem Erlöschen der meklenburgischen Herzoge das ganze Land erben sollte. Heinrichs des Fetten Enkel, Adolph Friedrich I. und Johann Albert II., stifteten die Linien Schwerin und Güstrow. Beide Herzoge wurden 1627 vom Kaiser Ferdinand II. wegen ihres Bündnisses mit Dänemark entsetzt und Wallenstein zum Herzog von Meklenburg ernannt; allein schon 1632 setzte Gustav Adolph die rechtmäßigen Fürsten wieder ein. In der schwerinschen Linie stifteten nach dem Tode Adolph Friedrichs I. seine nachgebornen Söhne die Nebenlinien Grabow und Strelitz; der erstgeborne Sohn, Christian Ludwig, succedirte in Schwerin.

Im westphälischen Frieden wurden von der schwerinschen Linie der Krone Schweden die Stadt Wismar und die Aemter Pöhl und Neukloster abgetreten: als Entschädigung erhielten die Herzoge die säcularisirten Bisthümer Schwerin und Ratzeburg und die johanniter Commenthureien Mirow und Nemerow.

Im J. 1692 starb Herzog Christian Ludwig ohne Kinder, worauf über die Nachfolge unter den Nebenlinien Grabow und Strelitz zwischen Friedrich Wilhelm und Adolph Friedrich II. ein Streit entstand, der dadurch noch mehr vermehrt wurde, daß 1695 auch die güstrowsche Linie ausstarb. In dem Vergleich zu Hamburg wurde endlich 1701 beschlossen, daß die ältere Linie von Grabow, Schwerin und Güstrow, Herzog Adolph Friedrich zu Strelitz aber das Fürstenthum Ratzeburg, die Herrschaft Stargard, nebst Mirow und Nemerow, ingleichen eine jährliche Pension von 9000 Speciesthalern erhalten sollten. Auch wurde das Recht der Erstgeburt und die Linealsuccession eingeführt. Auf Friedrich Wilhelm (den Stifter der neuen schweriner Linie) folgte 1713 sein Bruder, Carl Leopold, der wegen Beeinträchtigung der Stände durch eine kaiserliche Commission 1728 der Regierung entsetzt wurde. Statt seiner wurde sein Bruder Christian Ludwig Administrator des Landes. Der Versuch Carl Leopolds, sich der Regierung gewaltsam wieder zu bemächtigen, schlug fehl. Nach seinem 1747 erfolgten Tode wurde Christian Ludwig II. regierender Herzog. Ihm folgte 1756 sein Sohn Friedrich, und diesem 1785 sein Bruderssohn, der jetzige Großherzog Friedrich Franz (geb. 1756, vermählt mit Louise, Prinzessin von Sachsen-Gotha), der 1803 durch den Vertrag mit Schweden die im westphälischen Frieden abgetretenen Aemter und die Stadt Wismar wieder mit Schwerin vereinigte.

Im Reichsdeputationsschlusse von 1803 wurden sieben lübeckische, im Meklenburgischen eingeschloßne Dörfer dem Herzoge als Entschädigung für zwei evangelische Canonicate im Dom zu Straßburg, auf welche er im osnabrücker Frieden eine Anwartschaft erhalten hatte, zuerkannt.

In der strelitzischen Linie folgte dem Herzog Adolf Friedrich II. sein Sohn Adolph Friedrich III., und diesem seines Bruders Sohn, Adolph Friedrich IV. Diesem succedirte 1794 sein Bruder, Herzog Carl Ludwig Friedrich. Er war zweimal vermählt mit zwei Schwestern aus dem Hessendarmstädtischen Hause; aus der ersten Ehe überlebten ihn vier Kinder, der jetzige Großherzog (seit 1816) Georg Friedrich Carl, geb. 1779, die Gemahlin des Herzogs von Hildburghausen, die Fürstin von Thurn und Taxis, und die Herzogin von Cumberland. Aus der zweiten Ehe stammt der Herzog Carl Friedrich August.

Meklenburg-Strelitz trat am 18ten Februar 1808 und Meklenburg-Schwerin den 24ten April 1808 dem Rheinbunde bei; ersteres hatte 400, letzteres 1900 Mann zum Bundescontingent zu stellen. Die ständische Verfassung wurde in beiden Ländern beibehalten, aber dem Zeitgeiste gemäß verändert.

Nach den Ereignissen der Jahre 1812 und 13 waren die Herzoge von Meklenburg die ersten Fürsten des Rheinbundes welche sich von Frankreich lossagten und der guten Sache beitraten (25sten März 1813).

Der Herzog von Meklenburg-Schwerin besitzt nach Hassel 22388 Quadratmeilen mit 332,026 Einwohnern und 1,800,000 Fl. Einkünfte; die Hauptstadt ist Schwerin. Das Militär im Frieden ungefähr 3,800 Mann. Meklenburg-Schwerin hat im plenum der Bundesversammlung 2 Stimmen.

Der Großherzog von Meklenburg-Strelitz hat im plenium nur eine Stimme; der Flächeninhalt seiner Lande ist ungefähr 3612 Q. Meilen mit 66,000 bis 76,000 Einwohnern, wozu nach dem 48. Art. der Wiener Congreßacte noch 10,000 Unterthanen im Saardepartement kommen sollen. Die Einkünfte betragen gegen 450,000 Gulden. Das stehende Militär beträgt ungefähr 800 Mann. Die Hauptstadt ist Neustrelitz.

Beide Fürsten erhielten 1815 die Großherzogliche Würde und nehmen zusammen in der Bundesverammlung die 14te Stelle ein. Sie führen ein gemeinschaftliches Wappen und den Titel Großherzog zu Meklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr; auch stehen beide Großherzogthümer durch Hausverträge von 1701 und 1755 in genauer Verbindung. Die Landstände beider bilden einen Körper, und diese Verbindung wird die alte Landesunion genannt. Auch wird das Land- und Hofgericht zu Güstrow von beiden Linien besetzt. Im übrigen regierten beide Häuser unabhängig von einander durch ihre Landescollegia. Die herrschende Kirche ist die evangelisch-lutherische. Zu Rostock, welche Stadt große Freiheiten besitzt, ist eine gemeinschaftliche Universität.

Die Leibeigenschaft ist in Meklenburg noch herrschend.

Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.