Großherzogtum Toskana

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Toskana, ein Großherzogthum in Mittelitalien.

In den ältesten Zeiten hieß dies Land, nur in weiterer Ausdehnung, Tyrrhenien und Thuscien, woraus endlich Toskana geworden ist. Die Hetrusker waren anfänglich Feinde der Römer, als welche sie sogar Rom belagerten. Aber endlich wurden sie von diesen in einer Hauptschlacht besiegt, wo 60,000 Hetrusker das Schlachtfeld deckten. Sitten und Gesetze, die Wahl ihrer Consuln, und überhaupt billige Freiheit, ließen ihnen die Römer; nur Oberbefehlshaber gaben sie ihnen.

Als Italien aber in die Gewalt nordischer Völker gerieth, geschah auch das dem Lande der Hetrusker, welches ein eignes Herzogthum als Lehen der longobardischen Könige ward. Von dieser Zeit an erhielt es den Namen Toskana. Die Markgrafen und Herzoge des Landes mußten, nachdem Toskana unter die deutschen Kaiser gekommen, ihre Würde bald erblich zu machen. Aber 1160 gelangte es durch Kauf an Kaiser Friedrich I.

Doch empörten sich die Städte, und suchten sich unabhängig zu machen. Vor allen zeichnete sich unter ihnen Florenz aus, das bald die Familie Medicis regierte, und zu hohem Flor brachte. Durch Vertrag gelangte endlich das Land, das durch Kosmus I. von Medicis zum Großherzogthume erhoben worden, an Herzog Franz von Lothringen, und als dieser den deutschen Kaiserthron bestiegen, an das Haus Oesterreich. Bei diesem blieb es, und ward von einem der Erzherzoge regiert, bis auch dieser Land von der unersättlichen Ländergier Napoleons an sich gerissen, und mit dem alten Namen Hetrurien bezeichnet ward. Aber nachdem dieser gefallen, ist es im pariser Frieden wieder seinem ehemaligen Herrn eingeräumt worden.

Toskana ist ein herrliches, paradiesisches, mit allen Reizen der Natur ausgestattetes Land, von einem milden, sanften Clima. Die Winter sind so wenig kalt, daß nur in sehr wenigen Häusern Kamine gefunden werden. Die Luft ist größtentheils gesund; nur in einigen Sumpfgegenden, namentlich um Siena, ist es ungesund; Zu großer Beschwerde gereichen die Winde Sirocco und Libeccio.

Das Land ist theils eben, theils hüglich, theils, nach den Apenninen zu, bergig. Die flächeren Gegenden sind mit Oliven-, Citronen-, Pomeranzen-, Aprikosenbäumen und Weinstöcken u. s. w. bedeckt; die bergigern tragen Kastanienwälder. Kleine Vulkane finden sich auch hier. Besonders reich ist Toskana an Gewässern, von denen aber nur der Arno schiffbar ist; unter den Seen ist der Lago di Castiglione della Pescaja der bedeutendste, von ungefähr 20 Meilen Umfang; Canäle sind überall angelegt. Mineralquellen sind vorzüglich um Pisa und Siena, kalte und warme, auch Sauerbrunnen. Unter ihnen ist das sogenannte Bad des Königs Porsenna.

Im Mineralreiche finden sich Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Quecksilber, Zinnober, Schwefel, Vitriol, Alaun, Kalk, Gyps, Jaspis, Lasurstein, Chalcedon, Karneol, Bergkrystall, Steinsalz, Seesalz, und nicht unbedeutende Steinkohlenlager. An Gebirgsarten haben die Gebirge Granit, Kalk, Gyps, Sandstein, Tuffstein u. s. w. In ihnen finden sich bisweilen Höhlen und Stellen, welche mephitische und Schwefeldämpfe ausstoßen.

Das Pflanzenreich enthält einen außerordentlichen Reichthum an Gewächsen; alle Arten vortrefflichen Getraides, Weinstöcke und Oelbäume, deren Producte stark ausgeführt werden, die meisten Obstarten, Mandeln, Kastanien, die Brodfrucht der Gebirgsleute, Maulbeerbäume, Feigen, Apfelsinen, Pomeranzen, Citronen, Krapp, Safran, Flachs, Melonen u. s. w. An Holz hat das Land hinlänglichen Vorrath. Der Wiesenwachs ist ganz vorzüglich gut in den Berggegenden. Der Berg Montenero bei Livorno ist besonders berühmt wegen des Schatzes von seltnen Pflanzen, den er enthält.

Es gibt hier gute Pferde, treffliches Rindvieh, Büffel, gute Schafe, Schweine, aber wenig Wildpret; an Geflügel Ortolane, Schnepfen, Lerchen, Rephüner u. s. w., und viele Arten Wasservögel.

Die Toskaner sind schön gebaute Menschen, von sehr angenehmer Gesichtsbildung, zu Künsten und Wissenschaften am meisten geneigt unter allen italienischen Völkern, nicht ohne Anlage zur Dichtkunst; dabei gutherzig, artig und wohlgesittet, fröhlich und doch arbeitsam. Die Sprache der Toskaner wird für die schönste und reinste Mundart des Italienischen gehalten. In der Landwirthschaft zeichnen sie sich vortheilhaft aus, wozu die Gesellschaft des Ackerbaues gar sehr viel beiträgt; aber der Bergbau ist in einem jammervollen Zustande.

An die ehemalige Blüthe der Künste und Wissenschaften in Toskana erinnern die gewiß jedem gebildeten Deutschen nicht unbekannten Namen Petrarca, Dante, Galilei, Macchiavelli, Buonarotti, Tulli, Giotto, Cimabue u. s. w., deren Vaterland Toskana war. Universitäten hat das Land zu Florenz, Pisa und Siena. Die allein herrschende Kirche ist die römisch-catholische.

Hauptstadt des Großherzogthums ist Florenz (Fiorenza). Sie ist die Residenz des Großherzogs, und Sitz der Landesstellen. Ihre Lage, ihr Gewerbfleiß, und ihre herrlichen Gebäude machen sie zu einem der interessantesten Punkte Italiens. Der Arno geht mitten durch die Stadt. Sie ist etwas befestigt, und wird durch einige Forts vertheidigt. Die Volksmenge schätzt man auf 70 - 75,000, die Häuserzahl auf 9000, ohne 172 Kirchen und viele andre Gebäude (s. d. Art Florenz).


Wiedereroberung von Toscana.

Den 8. July 1799.

Toscana ward am 25. März von den französischen Truppen unter dem General Gauthier ohne Widerstand in Besitz genommen. Bald gaben aber die Siege der russisch-österreichischen Armee in Oberitalien der Lage der Sachen eine andere Wendung. Der französische General Macdonald, welcher die Armee von Neapel commandirte, mußte auf seinen Rückzug bedacht seyn. Er konnte die österreichischen Corps nicht mehr jenseits der Apenninen zurück halten, und da die Fortschritte der Insurgenten von Arezzo schon in der Hauptstadt Florenz selbst Gährung verbreitet hatten, so entschloß er sich, am 8. July das Großherzogthum Toscana gänzlich zu räumen. Dieses wurde auf einmahl von den Alliirten besetzt, die sich mit den Insurgenten von Aresso, einer Masse von 30000 Mann, vereinigt hatten. Der Vortrab des Generals Klenau zog heute in Florenz ein, wo das Volk schon alle Zeichen der kurzen republikanischen Zwischen-Regierung zerstört, und dagegen wieder jene seiner alten Regierung hergestellt hatte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.