Guillaume Philibert Duhesme

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Guillaume Philibert, Comte Duhesme, Divisions-General, geb. zu Bourgneuf in Bourgogne 1760.

Die Bildung der Nationalgarden rief auch Duhesme zu den Waffen, und als im Jahre 1791 Compagnien von Freiwilligen errichtet wurden, rüstete er 200 Soldaten auf seine Unkosten aus und machte dadurch ein Bataillon vollzählig, worüber ihn der Ober-General Dumouriez zum Oberst-Lieutenant ernannte. Bei dem Mangel an Mannszucht war es jedoch damals sehr schwer den Soldaten Befehle zu ertheilen; Duhesme unterzog sich daher allen Beschwerden zuerst, gab dadurch den Seinen ein Beispiel zur Nachahmung u. gewöhnte sie auf diese Weise zum Gehorsam gegen seine Befehle. Aus diesem Grunde traute ihm auch General Lamarlière die Commandanten-Stelle zu Ruremonde an, während die französische Armee über die Maas ging und damals behauptete er den Posten bei Heresstalt, der die Communication mit Holland sicherte. Eben so führte er auch zu eben dieser Zeit mehrere kühne Züge als Partheigänger aus, weil er glaubte, nur auf diesem Wege ein guter General werden zu können.

Nach der Niederlage bei Neerwinden (16. März 1793) bekam er den Auftrag, eine Brücke über die Loo zu verbrennen, that dies in Gegenwart einer feindlichen Colonne und ging darauf ungehindert über die Schelde. Hier sah er, wie eine Menge französischer Soldaten Ausschweifungen begingen, die ihn, als eifrigen Vertheidiger der Mannszucht aufs höchste entrüsteten. Zwei Soldaten seines Bataillons, welche geplündert hatten, wurden sogleich fortgejagt. Diese Bestrafung erregte einen Aufruhr, dem Duhesme seine ganze Kraft entgegensetzen mußte. "Soldaten! sagte er, ich bin unerbittlich; meine Pflicht ist's, dem Tod bei allen Gelegenheiten zu trotzen, wo er ehrenvoll für mich seyn wird, und Ihnen, meinen Officieren, ruft die Ehre zu, meinem Beispiele zu folgen. Ziehen Sie Ihre Degen, und hauen Sie den ersten nieder, der sein Glied verläßt."

Im Gefechte beim Gehölz von Villeneuve (6. Juli 1793) wurde ein östreichischer Posten aufgehoben. Mit Anbruch des Tages zeigten sich die Feinde, um ihn wieder zu nehmen und die französischen Grenadiere zogen sich in Unordnung zurück. Duhesme empfing, indem er sie wieder sammeln wollte, zwei Kugel-Wunden; dennoch ungeachtet, zu einer der Compagnien, welche in Unordnung die Flucht ergriffen hatten, warf sich auf ein Knie, streckte die Spitze seines Säbels den Fliehenden entgegen und nothigte sie zum Stehen, während er den Grenadieren zugleich eine gute Stellung anwies, die sie muthig vertheidigten. Hiedurch wurden die Oestreicher zum Rückzuge genöthigt. Die bei der Armee befindlichen Volksrepräsentanten erhoben ihn unmittelbar darauf zum Brigadegeneral, leider aber nöthigten ihn seine schweren Wunden die Armee auf einige Zeit zu verlassen.

Bei Eröffnung des Feldzugs von 1794 traf er bei der Armee zu Guise fur Philippeville ein. Die Alliirten gingen damit um, Landrecies zu blokiren und in dem französischen Kriegsrathe wurde die Räumung von Guise vorgeschlagen. Duhesme bestand auf der Wiederbesetzung von la Capelle, um die Verbindung mit der Armee wieder herzustellen und marschirte selbst dahin ab Die Feinde räumten bei seiner Annäherung den Ort, griffen ihn aber am andern Morgen mit überlegenen Streitkräften an. Duhesme, anstatt auf den Rückzug zu denken, stürzte sich muthig dem Feind entgegen und setzte dadurch die Oestreicher in Verwirrung. Ihre Kanonen jedoch richteten unter den Franzosen eine solche Niederlage an, daß dieselben sich in Unordnung zurückziehen mußten, und nur durch die kalte Geistesgegenwart ihres Anführers wurden sie gerettet und la Capelle behauptet. Der Obergeneral Pichegru suchte hierauf Landrecies zu deblokiren und trug dem General Duhesme auf, sich der Stellung bei Priche zu bemächtigen. Er griff demnach die östreichischen Uhlanen an der Spitze von 2 Regimentern Cavallerie an, verfolgte sie bis in die Schanzen, hieb die Kanoniere nieder, vernagelte die Kanonen und führte die Stück-Pferde mit sich hinweg.

Im Mai 1794 befehligte Duhesme eines Armeecorps, welches den Feind, nach der Grenze von Westflandern hin, vertreiben sollte. Er ging daher (10.) über die Sambre und machte zum Theil die Unglücksfälle von Grand-Jean durch seine kühne Entschlossenheit wieder gut. Auch zum Siege bei Fleury, (26. Juli) trug er bei, belagerte dann unter Kleber Mastricht und erhielt, auf dessen Begehren, den Grad als Divisionsgeneral. auf gleiche Weise zeichnete er sich 1795 bei der Armee an der Küste von Brest aus und wurde darauf zur Rheinarmee versetzt, wobei er an allen wichtigen Ereignissen des Feldzugs von 1796 und 1797 Theil nahm. Bei Gelegenheit des Rheinüberganges zu Diersheim erhielt er von dem Directorium unterm 4. Mai 1797 folgenden Brief. "Sie haben sich, Bürger General, unter den Ersten befunden, die am 1. Floreal sich über den Rhein wagten. Ihr dabei vergossenes Blut war ein sicherer Bürge des Erfolges. Das Directorium wünscht Ihnen Glück zu dieser neuen Probe von Aufopferung für die Republik, die Ihre zahllosen Beweise des Muthes, die Sie in den vorigen Feldzügen gegeben haben, nie vergessen wird." Zu Ende dieses Feldzugs überreichte er im Namen des Obergenerals die von der Rhein- und Moselarmee eroberten Fahnen dem Directorium, (28. Febr. 1798) und empfing bei dieser Gelegenheit neue Zeichen von der Zufriedenheit der Regierung mit seinem Betragen.

Noch in demselben Jahre wurde Duhesme zur römischen Armee unter Championnet versetzt und er erhielt das Commando des linken Flügels. Während die Armee nach Rom marschirte, bemächtigte sich Duhesme (7. Dec.) der Stadt Civita del Tronto und rückte (17.) auf Vomano los. Auf dem Wege dahin erfuhr er, daß einige Tausend Insurgenten Teramo besetzt und, nachdem sie die Brücke über die Tronto verbrannt, ein französisches Detaschement geschlagen hätten. Ungeachtet dieser beunruhigenden Nachrichten, setzte er doch seinen Marsch auf Pescara fort und nöthigte diese Stadt (24.) zur Uebergabe. Am 3. Jan. 1799 langte die Division Duhesme zu Sulmona an. Da er von hier aus mit dem General Lemaire sich besprechen wollte, verließ er die Stadt unter geringer Bedeckung, wurde aber unmittelbar darauf von den Insurgenten angegriffen und gelangte erst nach einem hartnäckigen Gefechte und nachdem er drei Wunden empfangen hatte, wieder zu den Seinen. Die Soldaten dies wahrnehmend, stürzten sich über die Bewohner von Sulmona her und richteten ein schreckliches Gemetzel an. "Sulmona hätte verdient, verbrannt zu werden," schrieb Duhesme an einen seiner Freunde; "allein der Befehl dazu erstarb auf meinen Lippen." Sicher erinnerte er sich daß Sulmona der Geburtsort Ovids war.

Auf dem Marsche Duhesmes, um sich wieder mit der Hauptarmee zu vereinen, wurde ihm fast jeder Fuß breit Landes durch Insurgenten-Banden streitig gemacht, die von einem vormaligen Räuber und Meuchelmörder, Namens Progni, angeführt wurden, der Isernia zu seinem Waffenplatz gewählt hatte. Duhesme eroberte diesem festen Punkt und tödtete den größten Theil der Insurgenten. Nachdem er hierauf wieder bei der Hauptarmee angekommen, wirkte er zur Einnahme von Neapel mit (23. Jan.), unterwarf Apulien und Calabrien und traf solche Maßregeln, welche die völlige Beruhigung der Provinz in kurzer Zeit erwarten ließen. Die Streitigkeiten Championnets mit dem Civilcommissär Faypoult führten aber auch Duhesmes Absetzung herbei (16. März), die jedoch schon im Juni wieder zurückgenommen wurde, worauf er, unter Championnet, ein Commando bei der Alpenarmee bekam. Die Beschwerden dieses Feldzugs zwangen ihn jedoch, den Winter in Frankreich zuzubringen. Darauf im Frühjahr zur Reservearmee gesandt, nahm er an den wichtigsten Ereignissen dieses Feldzugs, so wie im Dec. desselben Jahres, zur französische-batavischen Armee versetzt, unter Augereau in Deutschland Antheil.

Im Jahre 1805 führte er eine Division der italienischen Armee ruhmvoll über die Etsch, den Tagliamento und Isonzo, nahm dann Theil an der Eroberung von Neapel und focht von 1808 bis 1810 in Spanien mit Auszeichnung. Augereau jedoch beschuldigte ihn mancher Ausschweifungen und schickte ihn ach Frankreich zurück, wo er bis zum Jahre 1814 ohne Anstellung blieb. Er wohnte hierauf dem Feldzuge gegen die Alliirten im Armeecorps des Herzogs von Belluno bei und befand sich mit in den Schlachten bei Rothière, Montereau und Arcis, so wie er auch in der Schlacht bei Waterloo die junge Garde anführte. Ludwig XVIII. gestattete ihm die Führung des von dem Kaiser ihm verliehenen Grafentitels und beschenkte ihn mit dem St. Ludwigsorden.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.