Halberstadt

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Halberstadt, die Hauptstadt des preußischen Fürstenthums gleichen Namens, und während der westphälischen Herrschaft des Departements der Saale, liegt altmodisch und unregelmäßig erbauet, am Flüßchen Holzemme.

Ueber die 1300 Wohngebäude und 16 Kirchen der Stadt, ragt majestätisch die, dem heiligen Stephan gewidmete Domkirche hervor. Noch in diese Jahrhunderts Anfange fand man in der lutherischen Stadt, 3 Mönchs- und 2 Nonnenklöster, und aus den Zeiten des ehemals reichen Kloster Segens, schrieben sich noch her, die Dom-, die Martins- und die Johannisschule. Die Stifter übten Gerichtsbarkeit über alle auf ihrer Freiheit stehende Häuser; sogar die dort angesiedelte französische Kolonie hatte ihren eigenen Richter.

In Halberstadts älteste Geschichte gehören die Fehden seiner Bischöfe mit Herzog Heinrich dem Löwen, welcher die Stadt im J. 1179 einäscherte. Doch erstand sie bald aus ihrem Schutte, wurde mit Mauern und Graben umgeben, und erhielt nach einander wegen zunehmender Bevölkerung, drey Vorstädte.

Im siebenjährigen Kriege empfand sie sehr hart die französische Occupation, während welcher ihre Thore und ein Theil ihrer Mauern niedergerissen wurden.

Merkwürdiger noch ist sie in der neuesten Kriegsgeschichte, durch das blutige Gefecht am 30. Julius 1809 geworden, als nämlich Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Oels auf seinem Xenophontischen Rückzuge aus Böhmen nach der Weser-Mündung, mit der schwarzen Legion, das vom fünften Westphälischen Linienregimente unter des Grafen Wellingerode Commando vertheidigte Halberstadt erstürmte, und nach wüthendem Gemetzel in den Gassen der Stadt, mit geringerer Manneszahl, das ganze westphälische Regiment nebst dessen Obersten, zu Gefangenen machte. Hätte damals innerhalb Halberstadt Mauern noch der preußische Heldenfänger gelebt; er würde durch ein hohes Kriegslied die ans Wunderbare grenzende Heldenthat des Welfen-Sohns, sicher besungen haben!


Das Fürstenthum, dessen Hauptstadt Halberstadt hieß, war aus dem ehemaligen Bisthum entstanden, im westphälischen Frieden dem Churhause Brandenburg zu Theil geworden.

Ein schönes, an Getreide, Flachs und Heu fruchtbares, vortreffliche Vieh- und Schafzucht treibendes Ländchen, mit 13 Städten, 99 Flecken und Dörfern, und fast 200,000 Einwohnern. Es hat an der Bode, Ilse, Wigger, Aller, Selke und Holzemme nur unbedeutende Flüsse; aber der ersten majestätischer Absturz beim Thalschen Kupferbergwerke, lockt tausende von neugierigen Beschauern heran.

Ein Denkmal alter Größe gewähren noch die Ruinen des Regensteins, und prangen auf stolzer Höhe liegt das Kloster Huys-Burg; in fruchtbarer Ebene, das Kloster Hammersleben, beide jetzt säkularisirt.

Das Land wurde durch den Tilsiter Frieden ein Bestandtheil des Königreichs Westphalen; 1813 kam es aber wieder unter preußische Bormäßigkeit.

Die Einkünfte betrugen vormals, als noch an keine durchgreifende Grundsteuer gedacht war, etwa 500,000 Rthlr., und es war zum Behuf der Steuer-Erhebung, in sechs Kreise getheilt.

In Halberstadt war der Sitz der Regierung, der Lehnkammer, des Consistoriums, der Kriegs- und Domainen-Kammer, wie auch des Kriminal-Kollegiums, welche Verhältnisse nun meistens wieder hergestellt sind. Ein treffliches, durch schöne Mannschaft ausgezeichnetes, Regiment, dessen Inhaber der letzte Herzog von Braunschweig C. W. F. war, garnisonirte in der Stadt; worin auch der über eilf Landinspektionen gesetzte Generalsuperintendent der Provinz, seinen Wohnsitz hat.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.