Halle

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Halle, mit dem Beinamen in Sachsen oder Magdeburgischen, nächst Magdeburg die größte und volkreichste Stadt im Herzogthum Magdeburg, liegt am rechten Ufer der Saale, ist der Sitz einer berühmten, von Friedrich I. von Preußen gestifteten und 1694 eingeweihten Universität (daher nach ihrem Stifter Friedrichsuniversität genannt), und zählte im Jahr 1782 eine Volksmenge von 20,149 Einwohnern, worunter 820 Studenten waren.

Außer der Universität, die ein treffliches theologisches Seminarium, einen von dem gelehrten Sprengel wohleingerichteten botanischen Garten, eine Sternwarte, eine bedeutende Bibliothek, die in neuern Zeiten mit ansehnlichen Fonds versehen worden, und verschiedene anatomische und naturhistorische Sammlungen hat, sind die Frankischen Stiftungen in der Vorstadt Glaucha und das königliche Pädagogium für junge Adliche und Bürgerliche ebendaselbst bemerkenswerth. Ueberdies hat die Stadt zwei Gymnasien und ein freies weltliches Fräuleinstift.

Berühmt ist das hiesige Salzwerk, eines der ältesten und ergiebigsten in Deutschland, welches jährlich 7 bis 8000 Laster Salz liefert, nöthigen Falls aber halb Deutschland versorgen könnte.

Außer der Universität und dem Salzwerk besteht die Hauptnahrung der Stadt in verschiedenen Gewerken und Fabriken, unter denen sonst die Stärkefabriken beträchtlich waren.

Unweit Halle liegen die Ruinen des berühmten Schlosses Giebichenstein.

Nach dem unglücklichen Preußisch-Französischen Kriege im Jahr 1806 und 1807 kam Halle an Westphalen und gehörte zu dem Departement der Saale. Die Stadt hat allerdings harte Drangsale überstanden. Die Universität, welche der König von Preußen gerade in den letzten Jahren zu einem hohen Flor erhoben hatte, wurde durch Mißverständnisse gleich nach dem Einrücken der Franzosen aufgelöst. Nach dem Frieden wurde sie zwar wieder hergestellt, und in ihren Privilegien und ihrer Verfassung, soweit es die Constitution erlaubte, bestätigt, allein im Jahre 1813 durch einen Befehl des französischen Kaisers neuerdings aufgelöst.

Glücklicher Weise kehrte Halle nach den Siegen über die Franzosen im J. 1813 unter Preußische Herrschaft zurück, und der um Kultur der Wissenschaften hoch verdiente König von Preußen stellte das schöne Institut wieder her. Der Wohlstand der Stadt hat durch die Abnahme der Universität sehr gelitten, und die in den letzten Jahren von dem geheimen Oberbergrath Reil angelegten und dirigirten Badeanstalten haben bisher keinen vollen Ersatz dafür gewähren können, da auch Etablissements der Art in der Gegenwart nur unvollkommen gedeihen können. Daher ist denn die Einwohnerzahl auf 18,300 herabgesunken.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.