Hans Christoph Ernst, Freiherr von Gagern

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Gagern (Hans Christoph Ernst, Freih. v.), geb. 1766, ein als politischer Schriftsteller und Redner ausgezeichneter Staatsmann, königl. niederländ. wirklicher geheimer Rath, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Königs der Niederlande und Großherzog von Luxemburg bei dem deutschen Bundestage, seit der Eröffnung desselben am 5ten Nov. 1816, und bei der freien Stadt Frankfurt.

Im J. 1791 zum Gesandten des Fürsten von Nassau-Usingen beim Reichstage zu Regensburg ernannt, betrieb er nach dem lüneviller Frieden das Entschädigungsgeschäft der deutschen Fürsten, die auf dem linken Rheinufer Länder verloren hatten.

In der Folge lebte er abwechselnd zu München und Wien. Um diese Zeit schrieb er das durch historische Kenntnisse, Geist und Darstellung gleich ausgezeichnete Werk, das ohne seinen Namen erschien: Die Resultate der Sittengeschichte. 1. Die Fürsten. (Frankf. a. M. 1808.)

Er Stand in Wien mit Hormayr und Erzherzog Johann in genauer Verbindung, hatte Theil an einem Entwurfe zu einer neuen Insurrection in Tyrol im J. 1812 - 13, der an der Aufhebung eines englischen Couriers in Brünn scheiterte; wurde nun aus Oesterreich entfernt, und ging in das russisch-preuß. Hauptquartier und dann nach England. Allenthalben wirkte er für die Befreiung Europa's und die Ehre Deutschlands.

Im J. 1815 nahm er als Gesandter des Königs der Niederlande Theil an den Geschäften des Congresses zu Wien, und unterzeichnete den 27. April die Zutrittsacte der freien Städte und des Königs der Niederlande zum wiener Bunde der europäischen Hauptmächte (v. 25. März 1815) gegen Napoleon Bonaparte, auch stimmte er in dem Ausschusse für die Erlassung einer neuen Erklärung des Congresses gegen den Usurpator, welche den 12ten Mai d. J. erfolgte, und von ihm mit unterzeichnet wurde.

Den 31sten Mai unterzeichnete er den Vertrag des Königs der Niederlande mit Preußen, England, Oesterreich und Rußland, durch welchen die vereinigten Niederlande und die belgischen Provinzen als ein Königreich anerkannt, Luxemburg als Großherzogthum und deutscher Bundesstaat, nebst der Bundesfestung Luxemburg, dem König der Niederlande statt seiner Fürstenthümer Neu-Dillenburg, Siegen und Hadamar, erb- und eigenthümlich überlassen, und die Gränzen des Königreichs und Großherzogthums bestimmt, Dillenburg, Dietz, Siegen und Hadamar aber an Preußen abgetreten wurden.

Den 8ten Juni unterzeichnet er als Bevollmächtigter des Königs der Niederlande für seine deutschen Staaten die deutsche Bundesacte.

In seinen Staatsschriften und Reden am Bundestage (vorzüglich in der bei Eröffnung des Bundestages) hat Deutschland den hellen Blick und die kräftige Sprache diese für politische Würde, die Nationalehre und den innern Rechtszustand des deutschen Bundes eifrig bemühten Staatsmann mit Achtung anerkannt. In seinem Briefwechsel mit dem Fürsten von Metternich vor Eröffnung des Bundestages drang er stets auf die Ausführung solcher Maßregeln, welche die politische Einheit der deutschen Nation fest stellen könnten. Er zeigte unter andern die Wichtigkeit, den Namen Reich, und das Symbol der Einheit des deutschen Bundes in der Kaiserkrone beizubehalten. Auch war er es, der ein nachdrucksvolles Wort sprach für die Erörterung der landständischen Verfassung in den deutschen Bundesstaaten, und darauf antrug, daß der Bundestag dem Großherzog von Sachsen-Weimar seinen Dank bezeugte, für das am 2ten Dec. 1816 dem Bundestage zur Gewährleistung vorgelegte sachsen-weimarische Verfassungsgesetz.

Im J. 1818 arbeitete er mit in dem Ausschusse, der Maßregeln wegen der Seeräubereien der Barbaresken in Hinsicht auf Deutschland vorschlagen sollte.

Noch wurden von ihm die Pièces relatives au dernier traité des puissances alliées avec la France, Francf. 1816, herausgegeben. Ueber seine dem Bundestage mitgetheilte Denkschrift über die Auswanderung der Deutschen (Frkf. a. M. 1817. 4.) s. d. Art. Auswanderung.


Quellen und Literatur.

Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.