Heinrich von Preußen (1726–1802)

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Heinrich (Friedr. Ludw.) Prinz von Preußen, Sohn von Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothe, Tochter Georgs I., König von England, geboren den 28. Januar 1726, zeigte von seiner Jugend an die glücklichsten Anlagen für alle Geistes- und Körpers-Uebungen. Die glänzenden Eigenschaften seines Bruders, des grossen Friedrich, verdunkeln keinesweges die seinigen und er wußte sich selbst an der Seite dieses grossen Mannes einen Nehmen zu machen.

Seine ersten Kriegsdienste that er in Mähren in dem Kriege 1742, und zeichnete sich einige Zeit darauf bey der Schlacht von Cholaritz aus. In den siebenjährigen Kriege kommandirte er die zweyte Armee, und legte gleiche Tapferkeit und Klugheit, gleiche Kunst und Kaltblütigkeit an Tag. Bey den entstandenen Feindseligkeiten wegen der bayrischen Erbfolge drang er in Böhmen ein; 1771 gieng er nach Stockholm und hierauf nach Petersburg, wo ihn Katharina II. mit ausserordentlicher Pracht empfieng. Hier war es, wo er die Veranlassung zum Plane der Theilung Pohlens gab. Sodann reiste er nach Frankreich, nahm alles Sehenswerthe in Sachen der Kunst in Augenschein und sah die ausgezeichnetsten Männer jener Zeit.

Nach dem Tode seines Bruders versuchte er anfangs einigen Einfluß auf dessen Nachfolger zu erhalten, konnte es aber nicht dahin bringen und zog sich daher auf sein Gut Rheinsberg zurück, wo er den Rest seiner Tage als Philosoph, der Grösse vergessend, umringt von Büchern und Freunden hinbrachte.

Er lebte glücklich und geliebt: sein Haus bestand ganz aus Franzosen, er schrieb und sprach stets französisch. Als grosser Liebhaber der Musik hatte er stets berühmte Tonkünstler und eine vortreffliche Kapelle bey sich. In seinem Garten hatte er eine Pyramide zum Andenken der auf dem Felde gebliebenen preußischen Krieger errichten lassen, unter dieser befindet sich ein Gewölbe, wo er befohlen hatte, daß man ihn begraben sollte. Vierzehn Tage vor seinem Tode besuchte er dieses Gewölbe noch und bezeichnete selbst die Stelle, wo er wollte hingelegt seyn, indem er lachend zu seinem Baurath, der ihn begleitete, sagte: "Sorgen Sie dafür, daß man mein Gesicht nach dem Schlosse zuwendet, damit die Ordnung darinnen herrsche, wenn man glaubt, ich sehe noch zu." Einige Monathe vorher hatte er seinen letzten Willen niedergeschrieben, ein würdiges Denkmahl der Geschichte, durch die Geistesruhe und Philosophie, welche darinnen herrscht. Er verfertigte sein Epitaphium in französischen Versen in einem sehr originellen Ton und starb den 3. August 1802, in seinem 76. Jahre.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.