Henri Christophe

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Biographien

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Henri Christophe, General der Schwarzen.

Christophe (H), General der Schwarzen, gebohren auf der englischen Insel St. Christoph, ward an einen Kaufmann Nahmens Badêche verkauft.

Vor der Ankunft des General Leclerc war er unbemerkt geblieben. Bey dem Aufruhre der Schwarzen folgte er den Armeen und kaufte die geplünderten Sachen. Dies Geschäft hatte ihm ein kleines Vermögen erworben; er suchte sich in die Höhe zu schwingen, und Toussaint Louvertüre, der in ihm einige Talente bemerkt hatte, machte ihn zum Brigadegeneral, um ihn gegen seinen Vetter General Moyse zu gebrauchen, der, ein junger Soldat voll Muth und Ehrsucht, das Oberkommando an sich reissen wollte. Christophe schmeichelte sich in Moyse's Zutrauen ein, schien den Haß gegen Toussaint zu theilen und lieferte ihn endlich aus. Moyse wurde umgebracht und Christoph erhielt seine Stelle als Kommandant der Nordprovinz.

Den 21sten Oktober brach in der Capstadt ein Aufstand der Partheygänger Moyse's aus. Christophe stieg mit seiner Garde zu Pferd, stürzte auf den Haufen, der sich zusammenrottete, spaltete blos mit eigner Hand zwey Unruhigen die Köpfe, ließ einen dritten verhaften, trieb den Zusammenlauf auseinander und nahm die Anführer in ihren Häusern in Verwahrung.

Die folgenden Tage erfuhr man nach und nach die Empörung der Quartiere von Acul, Limbé, Port-Margot, Marmelade, Plaisance und Boudon. An der Spitze eines Detaschements Infanterie und einiger Dragoner eilte Christophe an alle im Aufruhr begriffne Orte, schreckte die Empörer, ließ sie das Gewehr strecken und ihre Anführer todt schiessen.

Zu Anfange 1802 in der Nothwendigkeit, die Kapstadt dem General Leclerc zu überlassen, ließ er sie bey dem Räumen anstecken und stieß mit 3000 Mann zu Toussaint. Bald darauf unterhandelte er mit den Franzosen, gab ihnen scheinbare Beweise von Unterwürfigkeit und bewerkstelligte die Entwaffnung mehrerer unruhigen Quartiere. Als er aber Leclerc's Armee geschwächt sah, gieng er von neuem zu den Schwarzen über, verband sich mit Dessalines, nöthigte die Franzosen, die Kolonie zu räumen, und erhielt eine der ersten Stellen am Hofes des neuen Kaiser von Haiti.

Nach dem am 16ten Oktober 1806 erfolgten tragischen Ende des neuen Kaisers, ward Christophe zum provisorischen Oberhaupte der Regierung von Haiti ernannt. Der Negergeneral Pethion, der in Port au Prince kommandirte, erklärte sich wider Christophe, und beyde sind noch immer im Kampfe gegen einander.

Die unglückliche Insel wurde nunmehr der Schauplatz neuer blutigen Unruhen, derer Ende nicht abzusehen ist.


Henri I., König von Haiti.

Heinrich I., König von Hayti, ein Neger, geboren 1767 auf der Insel St. Christoph, von wo er an den englischen Kaufmann Badeche nach Cap Français verkauft wurde, und die Aufsicht über die übrigen Sclaven erhielt. Er führte von seinem Geburtslande den Namen Christoph. Sein hoher Wuchs, die feste Entschlossenheit, sein mildes und hartes Betragen machten ihn zum Schrecken aller Untergebenen.

Der Ausbruch der Negerrevolution veränderte plötzlich sein Benehmen, der Negerfeind wurde zum grimmigsten Verfolger der Weißen. Er folgte stets den Raubhorden, um zu plündern und die Beute der Uebrigen um Spottpreise zu kaufen, wodurch er bald ein bedeutendes Vermögen sich erwarb. Er konnte nun als Anführer einer eigenen Bande (1802) auftreten, und gewann bald einen Namen.

Toussaint Louverture, damaliger Chef der Neger, ernannte ihn zum Brigadegeneral und sendete ihn gegen seinen Neffen, den ehrgeizigen Moses. Mit niedriger Hinterlist wußte sich Christoph in Moses Vertrauen einzuschleichen, und ihn so mitten unter seinen Anhängern zu fangen und an Toussaint einzuliefern, der ihn hinrichten ließ. Christoph wüthete nun mit gleicher List und Kraft gegen Moses Anhänger im Cap, wurde zum Gouverneur der Stadt ernannt, und zog sich erst vor der Uebermacht des französischen Generals Leclerc zurück, nachdem er die Stadt angezündet hatte.

Seine Schlauheit wußte sich immer in die Zeit zu schicken; er ließ sich mit den Franzosen in Unterhandlungen ein, entwaffnete die Anführer, und zeigte sich als ihren eifrigsten Anhänger, bis sie ihre Armee wieder geschwächt hatten; dann trat er schnell wieder zu Dessalines über (Toussaint war indessen gestürzt worden) und zwang die Franzosen zu Räumung der Colonie.

Dessalines erhob sich nun unter dem Namen Jacobs I. zum Kaiser von Hayti, und ernannte Christoph zu einem seiner ersten Kriegs- und Hofbeamten. Christoph verband sich bald mit Pethion, brachte eine Revolution zu Stande, ermordete den 17. Oct. 1806 den schwarzen Kaiser, und wurde zum Präsidenten und Generalissimus des Staats von Hayti ausgerufen, Pethion aber zu seinem Lieutenant und Statthalter des südlichen Theils der Insel ernannt.

Eine Nationalversammlung trat zu Cap Français zusammen, um eine Constitution zu entwerfen, und hier trennten sich Christoph und Pethion für immer in zwei feindliche Parteien, indem letzterer eine Volksrepräsentation einführen, Christoph aber völlig unbeschränkt herrschen wollte. Der Krieg zwischen Beiden brach blutig aus. Pethion wurde stets geschlagen, aber nie völlig besiegt, und hielt sich immer in Port au Prince, von wo er als Präsident den ganzen Süden der Insel von Christoph unabhängig beherrscht.

Christoph ernannte sich selbst 1811 zum König unter dem Namen Henri I., ließ sich von einen Capuziner Cornelius Brell mit Cacaoöl salben, ernannte diesen zu seinem Almosenier und Herzog von Ansa, richtete seinen Hof ganz nach dem Kaiserhof in Paris ein, schuf eine Menge Herzoge, Grafen, Kronbeamte, und stiftete den Orden der Legion de Henri.

Er scheint sein Reich mit vieler Einsicht, Gewandtheit und Kraft zu regieren, und wußte mit mehreren Mächten, besonders mit England, vortheilhafte Handelsverbindungen anzuknüpfen, wo er auch stets Gesandte oder einen Chargé d'affaires hält.

Bonaparte's Sturz freute ihn sehr, und sogleich erklärte er, mit der rechtmäßigen Dynastie von Frankreich in freundschaftliche Verhältnisse treten zu wollen, beharrte aber dabei, als Souverain in seinem eroberten Reiche unabhängig zu bleiben, und wußte bis jetzt durch pomphafte Proclamationen und schlaue Maßregeln alle Versuche Ludwigs XVIII., das Volk auf seine Seite zu bringen, glücklich zu vereiteln.

Den Zustand seines wohlgeordneten Landes sucht er noch mit Anwerbungen von europäischen und amerikanischen Gelehrten, Künstlern, Handwerkern, und vorzüglich mit den ausgewanderten Franzosen zu verbessern. Seine Kriegsmacht besteht jetzt aus 24 Regimentern Infanterie, 2 Regimentern Cavallerie und 2 Regimentern Artillerie.

Sein 10jähriger Sohn, Jacques Victor Henri, führt den Titel eines Kronprinzen von Hayti.

Vergebens hat er bis jetzt getrachtet, vom Papste die Ernennung seines Herzogs von Ansa zum Bischof von Hayti auszuwirken.

Nach Pethions Tode scheint er den Plan gefaßt zu haben, sich auch des bisher von diesem regierten Theils der Insel zu bemächtigen. (S. Hayti.)


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.