Henri Jacques Guillaume Clarke

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1815) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. 1815.

(1819) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Clarke, Graf von Hüneburg.

Clarke, Graf von Hüneburg, Kriegsminister, Divisionsgeneral, Großoffizier der Ehrenlegion, verdankte einen Theil seiner Beförderung Carnot, mit dem er in genauer Verbindung stand, und ward unter ihm fortwährend angestellt, bald im Wohlfahrtsausschuß, bald im Ministerium.

1797 übertrug ihm das Direktorium Unterhandlungen mit Oesterreich, in denen er auf die Freylassung Lafayettes antrug.

Er befand sich mit Bonaparte bey den Konferenzen zu Udine und wirkte bey dem Frieden zu Campo Formio mit.

Im Oktober dieses Jahrs unterzeichnete er den Bündnißvertrag zwischen dem Könige von Sardinien und der Republik.

Nach Carnots Fall verlor er seinen Platz als Präsident des topographischen Kriegsbüreau; doch die Revolution vom 18ten Brümaire hab ihm denselben wieder.

Den 20sten July 1800 ward er zum Bothschafter am etrurischen Hofe ernannt und erhielt im folgenden Jahre einen mit Diamanten reich besetzten Säbel von Alexander I., als Beweis der Erkenntlichkeit für die Sorgfalt, die er den russischen Gefangenen bey ihrer Rückkehr ins Vaterland bewiesen hatte.

Im November 1804 ward er in den Staatsrath berufen und zum geheimen Cabinetssekretär des Kaisers ernannt.

Er begleitete den Kaiser 1805, und ward Generalgouverneur der besetzten österreichischen Lande. Eben diese Stelle wurde ihm im November 1806 ertheilt, nachdem die Franzosen im Besitz der brandenburgischen Mark waren, von der General Clarke, nebst dem Gouvernement von Berlin, zugleich die Generalintendantschaft erhielt.

Im Jahre 1808 ward er, an des Fürsten von Neufchatel Stelle, zum Kriegsminister und darauf zum Grafen von Hüneburg ernannt.


Clarke, Herzog von Feltre, Ludwigs XVIII. letzter Kriegsminister.

Als der unglücklicher Ludwig XVIII. wie ein Flüchtender Frankreich verließ, folgten ihm, außer einigen seiner Getreuen, den Herzogen von Havré, Luxemburg, Duras, der Herzogin von Serrent, dem Prinzen von Poix, dem Grafen von Blacas, nur wenige Franzosen, die sich unter Buonaparte zu einer bedeutenden Stufe erhoben hatten. Diese waren der Marschall Berthier, Prinz von Wagram, der Marschall Marmont, Herzog von Ragusa, der Marschall Graf Gouvion St. Cyr, der Marschall Graf Maison, der im Frühjahre 1814, mit vieler Auszeichnung die Französischen Streitkräfte im nördlichen Frankreich gegen die Verbündeten leitete, und der Herzog von Feltre. Da dieser letztere in der unglücklichsten Catastrophe der Regierung Ludwigs XVIII. das Kriegsministerium übernahm, des Königs Vertrauen erhielt, und es rechtfertigte, so wird ein biographischer Abriß von diesem Mann, der seinen Namen nicht im Felde, sondern im Cabinette bekannt machte, nicht ohne Interesse seyn.

Heinrich Jacob Wilhelm Clarke ist am 12ten October 1765 zu Landrecies im Nord-Departement geboren, und ein Sohn von Thomas Clarke, der zu Courtnaboule in Irland geboren ward. Am Tage seiner Geburt wurde er als Kadet beym Irländisichen Infanterie-Regiment Clarke eingeschrieben, und sehr jung ging er als Kadet von diesem Regiment in die Irländischen Regimenter Bulkeley und Dillon über. Nachdem er in der Ecole militaire zu Paris gewesen war, wurde er im Jahr 1782 Unterlieutenant im Regiment Berwick, darauf Kornet bey den Husaren. Einige Zeit nachher, im Jahr 1784, wurde er außerordentlich als Capitain beym Regiment des Generalobersten angestellt. Im Jahr 1790 war er mit Bewilligung der Minister der auswärtigen Aegelegenheiten und des Kriegsdepartements in England, wo er Aufträge in Beziehung auf die Sendung des Herzogs von Orleans hatte. Bey seiner Rückkehr erhielt er eine Escadron im Dragoner-Regiment Orleans, wurde durch ein Decret der National-Versammlung abgesetzt, 1791 aber wieder beym 14ten Dragoner-Regiment angestellt und im Februar 1792 zum Oberstlieutenant beym zweyten Cavallerie-Regiment ernannt. An der Spitze dieses Corps machte er die Feldzüge von 1792 und 1793 mit. Am Schlusse dieses letzten Jahrs erhielt und verdiente er den Grad eines Brigade-Generals. Im Jahre 1795 wurde er zum Director des historischen und topographisch-militairischen Cabinets des Vollziehungs-Directoriums ernannt, ein Posten, der wahre Talente und Localkenntnisse voraussetzt. In dieser Eigenschaft machte er das wahre Verhör über den früher erschossenen letzten Chef der Vendee, Charette bekannt. Im Jahre 1796 wurde Clarke zum Divisionsgeneral befördert. In dieser Zeit erhielt er vom General Buonaparte aus Italien folgendes Schreiben:

"Ihr Neffe Elliot ist auf dem Schlachtfelde von Arcoli getödtet worden. Dieser junge Mann hatte sich mit den Waffen vertraut gemacht; mehrmals ist er an der Spitze der Colonne marschirt. Er würde einst ein achtungswürdiger Offizier gewesen seyn; er ist mit Ruhm im Angesicht des Feindes gestorben, ohne einen Augenblick gelitten zu haben. Welcher vernünftige Mensch würde nicht einen solchen Tod beneiden? Wer würde sich nicht im Wechsel des Lebens darauf abonniren, auf diese Weise aus einer so oft verächtlichen Welt zu gehen? Wer unter uns hat nicht hundertmal bedauert, sich nicht so den mächtigen Wirkungen der Verläumdung, des Neides und aller der menschlichen Leidenschaften entzogen zu haben, die fast ausschließlich das Betragen der Menschen zu leiten scheinen.
Buonaparte."

In den letzten Tagen des Jahrs 1796 wurde der General Clarke vom Directorium mit einer Sendung an den Hof zu Wien und dem Abschluß eines Offensiv- und Defensiv-Allianz-Tractats mit dem König von Sardinien beauftragt. Er unterzeichnete diesen Tractat, den Buonapartes Erfolge diesem Fürsten zur Nothwendigkeit machten, und der ihn doch nicht rettete. Dies war nicht der einzige Gegenstand von Clarke's Sendung. Er erhielt besondre Instructionen, in Wien zu erklären, daß die drey zu Olmütz verhafteten Franzosen Lafayette, Latour-Maubourg und Bureaux de Plusy von der Französischen Regierung als Kriegsgefangene angesehen würden, und daß man hoffe, daß sie so behandelt würden.

Nach den Gefechten bey Rovrebello und Verona schrieb Buonaparte an den General Clarke in Wien, und theilte ihm die Erfolge der Französischen Waffen mit. Der Wiener Hof nahm mit Auszeichnung einen Krieger auf, dem der Französische Oberbefehlshaber in Italien schreiben zu müssen glaubte, und dem die Französische Regierung bey den Unterhandlungen zu Leoben ihr ganzes Vertrauen bewiesen hatte. Vor dem 18ten Fructidor war Clarke zu Venedig. Das Portefeuille des Grafen d'Entraigues befand sich in den Händen Französischer Agenten. Es sollte eröffnet werden und der Divisionsgeneral Clarke wurde beauftragt, dabey gegenwärtig zu seyn. Einige dieser Papiere, die dazu dienten, Pichegru anzuklagen, wurden am 18ten Fructidor an den Mauern von Paris angeschlagen. Nach Buonaparte's Rückkehr von Aegypten und der Crisis vom 9ten und 10ten November 1799 nahm Clarke bescheiden seinen Platz als Chef des topographischen Bureaus des Krieges unter der Consular-Regierung wieder ein. Er hatte ihn während der Verwaltung der Directoren bekleidet und auch nach dem Sturze des Directors Carnot behalten, obgleich er Carnots genauester Freund war. Zur Zeit des Lüneviller Friedensschlusses wurde Clarke zum außerordentlichen Commandanten in Lüneville und dem ganzen Departement der Meurthe ernannt. Später stellte ihn Buonaparte als Gesandten bey dem Könige von Sardinien an.

Als Marschall Berthier das lange verwaltete Kriegsministerium niederlegte, um als Prinz von Neufchatel die Stelle eines Vice-Connetable und Major-General der Armee zu bekleiden, schlug er Buonaparte den General Clarke, der unter ihm als Director des Kriegsbureaus gearbeitet hatte, zu seinem Nachfolger vor. Auch wurde Clarke Kriegsminister und behielt diesen wichtigen Posten bis zu der merkwürdigen Epoche, des vorigen Frühjahrs, die Buonaparte von seinem Thron und doch nicht tief genug stürzte. Ein Beweis, daß der damalige Kayser ihn als Kriegsminister achtete, war die Erhebung des Generals Clarke zum Grafen von Hunebourg und nachher zum Herzog von Feltre. Als Ludwig XVIII. den Französischen Thron bestieg, ernannte er den bekannten, von Buonaparte verfolgten General Düpont zum Kriegsminister. Dieser leitete das Kriegsdepartement, war aber bey der Armee nicht beliebt, und eine Vorstellung des Marschalls Soult, Herzog von Dalmatien, beym Könige, bewirkte, daß dieser den General-Lieutenant Grafen Düpont zum Gouverneur der 22sten Militairdivision, und statt seiner den Marschall Soult wieder zum Kriegsminister machte. Er war es wenige Monate gewesen, als Buonaparte am 1sten März bey Antibes landete und neues Verderben über Frankreich brachte. Man weiß nicht, ob der Marschall Soult nicht kräftig genug hat wirken wollen, oder ob er sich sonst verdächtig machte. Privatnachrichten sagen, daß er Ludwig XVIII. erklärt habe, daß er ihn nicht verrathen werde, aber auch nicht gegen Buonaparte diesen könne. Genug, Marschall Soult, Herzog von Dalmatien, wurde seiner Stelle als Kriegsminister entlassen, und wenige Tage darauf lieferte der Moniteur ein Danksagungs- und Belobungsschreiben des Königs an ihn. Dieser ersah nun den Herzog von Feltre, der so lange dem Kriegsdepartement vorgestanden hat, zum Minister desselben, und dieser nahm den ihn unter so schwierigen Umständen angebotenen höchst critischen Posten an, indem er den versammelten Kammern der Pairs und der Deputirten erklärte, daß es Feigheit gewesen seyn würde, ihn auszuschlagen. Auch blieb er, der früher keine Gunst von Ludwig genossen hatte, ihm getreu, und begleitete ihn nach Lille und von da nach den Niederlanden, als die in 3 Wochen begonnene und vollendete militairische Revolution Frankreichs die Bourbons nöthigte, aus Frankreich zu entfliehen. Ludwig XVIII. sandte seinen Kriegsminister, den Herzog von Feltre, eiligst nach England ab, um dem Prinzen Regenten den schrecklichen Umsturz des Königlichen Throns und die näheren Umstände desselben mitzutheilen. Am 23sten März hatte Clarke eine lange Audienz bey dem Prinzen, nach welcher er unverzüglich zu Ludwig nach den Niederlanden zurückreisete. Das künftige Schicksal des Herzogs von Feltre ist an das dunkle Loos der Familie Bourbon geknüpft.


H. J. G. Clarke, Herzog von Feltre.

Clarke (H. J. G.), Herzog von Feltre, franz. Marschall und Pairs des Reichs, aus einer irländischen Familie, geboren zu Landrecies den 17. Oct. 1765. Sein Vater war Infanterie-Oberster in franz. Diensten.

Mit dem 15ten Jahre kam er 1781 in die Kriegsschule zu Paris; er machte die ersten Feldzüge im Revolutionskriege mit, hob sich durch seine Talente und seinen Muth schnell empor und war Chef des Generalstabs bei der Rheinarmee, als ihn die Conventsdeputirten den 12. Oct. 1793, am Tage vor der Erstürmung der Weißenburger Linien, seiner Stelle entsetzten. Doch bald stellten ihn die Gewalthaber Frankreichs wieder an, und selbst an die Spitze des historisch-topographisch-militärischen Cabinets.

Das Directorium übertrug ihm 1795 eine wichtige Sendung nach Wien. Im folgenden Jahre schloß er den Allianztractat mit dem Könige von Sardinien ab. Dann unterhandelte er mit Oesterreich und mit Bonaparte den Frieden zu Campo Formio. Die ihm nach dem 18. Brumaire aufgetragene Zurücksendung der russischen Kriegsgefangenen vollzog er auf eine so gefällige Art, daß der Kaiser Paul nicht nur ihm dafür dankte und ihm einen prächtigen Degen verehrte, sondern überhaupt für Frankreich ein günstigeres System annahm.

Damals leitete auch Clarke die Friedensunterhandlungen zu Lüneville ein, welche nachher Joseph Bonaparte abschloß. Gleichwohl fiel er beim ersten Consul in Ungnade. Bonaparte gab ihm jetzt den Ministerposten in Florenz bei dem neuen König von Hetrurien. Dann ernannte ihn Bonaparte 1804 zum Staatsrath, und er folgte dem Kaiser in dem Feldzuge gegen Oesterreich, und ward Gouverneur von Wien. Später schloß er mit dem russischen Bevollmächtigten, Hrn. von Oubril, den Friedenstractat ab, welchen bekanntlich der Kaiser Alexander nicht ratificirte. Fast zu gleicher Zeit trat er wegen des Friedens zwischen Frankreich und England mit Lord Yarmouth in Unterhandlungen; allein nach dem Tode von Fox hörten die Unterhandlungen auf, und der Krieg mit Preußen brach aus. Clarke begleitete Napoleon, und ward nach der Schlacht bei Jena Gouverneur von Erfurt; bald nachher bekleidete er denselben Posten ein Jahr lang in Berlin. Er trat hierauf an Berthier's Stelle als Kriegsminister und Napoleon erhob ihn zum Herzog von Feltre.

Für Ludwig XVIII. erklärte er sich den 8. April 1814. Den 4. Juni erhob ihn der König zum Pair von Frankreich. Bis in den März 1815 nahm er an den öffentlichen Angelegenheiten wenig Theil. Als man aber, nach Bonaparte's Einfall, in die Treue des Kriegsministers Soult Zweifel setzte, ward Clarke den 11. Mai zu dessen Nachfolger gewählt. Er ging mit dem Könige nach Gent, und übernahm eine Sendung nach London an den Prinzen Regenten. nach der Rückkehr des Königs ward ihm das Portfeuille genommen, und der Marschall Gouvion St. Cyr trat an seine Stelle. Indeß ward schon nach drei Monaten das Ministerium wieder verändert, und der Herzog von Feltre aufs neue Kriegsminister.

Sein Hauptgeschäft war die Auflösung der alten und die Bildung einer neuen Armee. Uebrigens schloß sich der Duc de Feltre ganz an das System des strengen Royalismus an, und widersetzte sich im Cabinet den freisinnigern Grundsätzen der übrigen Minister.

Im Jahr 1816 erhielt er vom Könige den Marschallstab. Es erklärte sich indessen die öffentliche Meinung so laut gegen ihn und seinen Ultra-Royalismus, daß endlich der König im Jahr 1818 den Marschall Gouvion St. Cyr wieder, an des Herzogs Stelle, zum Kriegsminister ernannte.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. 1815.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.