Herzogtum Magdeburg

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Magdeburg, ein im niedersächsischen Kreise gelegenes Herzogthum, das im Osten und Norden an die Mark Brandenburg, westlich an Wolfenbüttel und südlich an Halberstadt und Anhalt gränzt. Einen Theil trennen die anhaltischen Lande.

Das Land ist eben und hat trefflichen Ackerbau. Seine Größe beträgt 98 Quadratmeilen. Es wird in vier Kreise getheilt, in den Holz-, Saal-, jerichauischen und ziesarischen Kreis, welcher letztere 1773 statt des mit der Churmark vereinigten luckenwaldischen hinzukam. Auch wird das Mansfeldische dazu gerechnet, so weit es unter brandenburgischer Hoheit steht; es enthält 10 ½ Quadratmeilen.

Die Zahl der Einwohner beträgt 275,000 ohne das Militär, und die Einkünfte belaufen sich auf anderthalb Millionen Thaler. Das Land hat guten Fischfang auf der Elbe, viele Manufakturen, und nicht unbedeutenden Seidenbau.

Vordem war es ein Erzbisthum, welches die Bisthümer Meißen, Merseburg, Zeitz, Havelberg und Brandenburg unter sich hatte; im westphälischen Frieden wurde es säcularisirt, und die Anwartschaft auf das Erzstift unter dem Titel eines Herzogthums dem Hause Brandenburg zugetheilt, um dasselbe für das Stück von Pommern zu entschädigen, welches es an Schweden überlassen hatte. Nach Absterben des Administrators, des Herzog August von Sachsen, kam Churfürst Friedrich Wilhelm der Große im Jahr 1680 zum Besitz des Herzogthums, und ließ deswegen durch seinen Gesandten auf dem Reichstage die nächste Stelle nach Bayern auf der weltlichen Fürstenbank nehmen. Magdeburg und Bremen wechselten im Vorsitze auf den niedersächsischen Kreistagen. Das Herzogthum blieb unverändert bei Preußen bis zum tilsiter Frieden, in welchem der auf dem linken Elbufer gelegene Theil abgetreten werden mußte. Napoleon schlug das Land zum Königreiche Westphalen, nach dessen Endschaft 1813 Preußen das Land wieder in Besitz nahm.


Die Hauptstadt ist Magdeburg, berühmt und wichtig als Festung und alter (seit Carl dem Gr.) Handelsplatz. Sie theilt sich in die Alt- und Neustadt, wozu noch die Vorstädte Sudenburg und Friedrichsstadt kommen.

Mitten in der Elbe vor dem Brückenthore liegt die seit 1680 erbaute Citadelle, worin ein großes Proviant- und Zeughaus und die catholische Soldatenkirche anzutreffen sind. Unter den Außenwerken ist die Sternschanze vor dem Sudenburger Thore mit ihren vielen Gallerien und Minen besonders merkwürdig. Das Fürsten- oder Commandantenhaus steht auf dem Fürstenwalle, an der Elbe. Am alten Markte steht das seit 1691 neuerbaute große Rathhaus, am neuen Markte oder Domplatze aber das Schloß oder sogenannte prinzliche Haus; ferner sind die Domprobstei, das Landschaftshaus, das Posthaus, die Accise, die Innungshäuser. der Kaufhof, das Waarenlager der auswärtigen Güter an der Elbe, die neue Hauptwache, die alte Bildsäule Kaisers Otto I., die schöne Wassermühle und Wasserkunst u. s. w. besonders sehenswerth.

Die Einwohner sind größtentheils Lutheraner und Reformirte; die Catholiken halten sich zu der Cisterzienserkirche St. Agnes in der Neustadt. Unter den acht lutherischen Pfarrkirchen ist die vornehmste die von Quadersteinen mit zwei Thürmen erbaute Domkirche zu St. Moritz. Das Capitel bestand aus einem Domprobst, sechzehn wirklichen Domherren (Majoren) und neun Expectanten (Minoren). Zur Aufnahme waren sechzehn Ahnen erforderlich. Außerdem gab es noch andere Canonicos an einigen hiesigen Collegiatstiften. Lutherische Schulen sind: die Domschule, das Pädagogium des evangelischen Klosters U. L. F., das Stadtgymnasium, die Schule in Neustadt und eine Handlungsschule.

Zum Vortheil des Handels ist 1743 ein Canal angelegt worden, der mittelst der Ihle und Stremme die Elbe und Havel verbindet. Unter den vier Jahrmärkten ist die sogenannte Heermesse vor Michaelis am berühmtesten. Sehr ansehnlich sind die hiesigen Manufacturen von wollnen Strümpfen, seinen Handschuhen, Linnen- und Wollenband, Wollenzeugen, Seidenband, Fayence u. s. w. Der Handel auf der Elbe ist bedeutend, besonders in Speditionsgeschäften. Es kommen jährlich über 200 Fahrzeuge an, welche hier ausgeladen müssen, weil die hiesige Schiffergilde allein das Privilegium hat, die Waaren durch das Herzogthum und bis nach Hamburg zu verführen.

Die Einwohnerzahl beträgt ohne die Garnison, jedoch mit Inbegriff der Vorstädte über 30,000. Eine halbe Stunde davon liegt das berühmte lutherische Kloster Bergen.

Zur Geschichte der Stadt gehört, daß sie 1631 von Tilly und Pappenheim mit Sturm genommen und größtentheils zerstört wurde. Seitdem ist Magdeburg bis 1806 nicht wieder erobert worden. Damals ging es am 11. November an die kaum davor erschienen Franzosen über, obgleich die hinreichend starke Besatzung mit allen Bedürfnissen versehen war. Die verrätherische Capitulation schlossen der Commandant, General von Kleist, und die Generale Graf Wartensleben und von Renouard. Im Jahr 1813 wurde es von den Preußen unter Tauenzien eingeschlossen, und ihnen nach dem pariser Frieden übergeben.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.