Dirk van Hogendorp

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Hogendorp (Carl, Graf von), geb. im Haag, holländischer Gesandte in Petersburg, dann Gouverneur auf der Ostküste von Java, von welchem Posten er, da man über seine Verwaltung klagte, abgerufen wurde.

Unter dem König Ludwig Bonaparte war er 1806 Kriegsminister, dann dessen Gesandter in Wien 1807, in Berlin 1809 und in Madrid 1810. Im Januar 1811 ernannte ihn Napoleon, dem er stets sehr ergeben war, zum Divisionsgeneral, im März zu seinem Generaladjutanten und den 1. Juni 1812 zum Gouverneur von Breslau, wo er den 10. Aug. zur Geburtsfeier des Kaisers ein glänzendes Fest gab. Hierauf übernahm er den Befehl über die Truppen, welche Hamburg besetzten, wo er sich durch eine außerordentliche Härte und Strenge verhasst machte.

Nach Bonaparte's Fall zog er sich in sein Vaterland zurück, stellte sich aber wieder unter die französischen Fahnen bei Waterloo. In Folge dieser Niederlage blieb er ohne Anstellung und schiffte sich daher 1816 nach Amerika ein. Im Juni 1817 erschien unter seinem Namen ein Werk, das neue Ansichten von dem Colonisationssystem enthält: Du système colonial de la France sous le rapport de la politique et du commerce, nebst einem Tableau de tous les établissemens coloniaux et du commerce des Européens dans les autres parties du monde.



Sein Bruder, der Graf von Hogendorp, war niederländischer Gesandtschaftssecretär in Paris im October 1814.

Ueberhaupt kommen in der neuern Geschichte des Königreichs der Niederlande zwei dieses Namens vor: G. K. von Hogendorp und J. von Hogendorp, die sich als treue Anhänger des Hauses Oranien bewiesen haben, und daher zu den wichtigsten Aufträgen und Aemtern des neuen Staats gewählt worden sind.


Dirk van Hogendorp.

Der Herkunft und ersten Erziehung dieses Mannes im Cadettenhause zu Berlin ist in der Biographie seines Bruders, des Niederländischen Ministers Grafen Hogendorp, beiläufig erwähnt worden.

Als der Letzte im Jahr 1782 von Berlin in sein Vaterland zurückkehrte und bei der holländischen Garde im Haag eine Anstellung fand, blieb Dirk im preußischen Militärdienste, ward aber bald in ein Garnison-Regiment zu Königsberg versetzt. Das scheint zu bestätigen, was oben schon über seinen Charakter gesagt worden. Denn unter König Friedrich II. Regierung war es Grundsatz, junge Offiziere, welche strenge Aufsicht und Zucht zu ihrer Besserung bedurften, einem Garnisons-Regimente zuzutheilen. Doch hätte mittelst guten Betragens Hogendorp sich immer noch im preußischen Dienste den Weg zur Beförderung bahnen können. Seine aufbrausende ränkevolle Gemüthsart ließ ihn aber zu einer ruhigen, regelmäßigen Aufführung nicht gelangen. Bald veruneinigte er sich mit seinem Befehlshaber. Auch andere Offiziere, regte er gegen ihn auf. Es kam dahin, daß er den Dienst ganz verlassen mußte. Bei seiner unerwarteten Zurückkunft nach Holland ward am rathsamsten gefunden, daß er seinem Vater nach Ostindien folge. Dort ward ihm durch Vermittlung des Erbstadthalters eine gute Anstellung.

Aber auch hier konnte er sich wieder nicht auf seinem Posten behaupten. Die von dem Prinzen nach seiner Herstellung im Jahr 1787 nach Batavia abgeschickte Kommission zur Untersuchung der öffentlichen Verwaltung fand in Hogendorps Amtsführung so viele Unregelmäßigkeiten, daß sie ihn vorläufig außer Thätigkeit und -- wie damals verlautete -- sogar gefangen setzte. In Europa sollte über ihn geurtheilt werden. Hogendorp fand nicht rathsam, die Entscheidung abzuwarten. Er rettete sich auf ein englisches Schiff, und kam im J. 1796 aus Batavia in England an.

Hier ward er der dorthin vertriebenen Oranischen Familie vorgestellt, und erschöpfte sich in Versicherungen treuer Anhänglichkeit. Doch hatte er kaum den väterlichen Boden wieder betreten, als er sich mit vollem Eifer in das Revolutionswesen warf. In verschiedenen Zeiträumen spielte er bald als Jacobiner, und General, bald als Diplomate, Kriegsminister u. s. w. die ersten Rollen. An ihm lag es nicht, wenn sein Bruder Carl nicht auch in seine Fußtapfen trat.

Dieser ließ dagegen nichts unversucht, ihn von seinen Verirrungen zurück zu bringen, brach endlich in eben dem Maaße alle Verbindung mit ihm ab, als sein Einfluß durch Uebernahme der wichtigsten Staatsämter sich verstärkte.

Im J. 1812 begleitete Dirk in Eigenschaft eines Generaladjutanten seinen Götzen Napoleon nach Rußland, ward Gouverneur von Königsberg, dann von Wilna, zuletzt von Hamburg. Bei den Einwohnern mag sein Name eben nicht in gesegnetem Andenken stehen *).

*) Doch sucht von Odeleben, in seiner Schrift: Napoleons Feldzug in Sachsen, Hogendorp einigermaßen zu entschuldigen, und sein Benehmen in Hamburg hauptsächlich dem Einflusse des tyrannischen Davoust's beizumessen.

Von Hamburg aus kam er 1814 in sein Vaterland zurück. Alle nachtheilige Gerüchte, welche ihm hierhin vorausgegangen waren, sollten Verläumdungen seyn. Hogendorp war aber zu bekannt, um täuschen zu können, doch jetzt ein Unglücklicher. Mit Napoleons Fall war auch seines Glückes Gebäude in Staub gesunken. Im letzten Feldzuge hatte er auch noch seine Gattin und seine einzige Tochter verloren. Jetzt reichte ihm sein Bruder Carl hülfreiche Arme entgegen. Für ihn redete er auch zum Könige. Wollte gleich König Wilhelm von den Diensten des zweideutigen Mannes keinen Gebrauch machen, so verwilligte er ihm doch großmüthigst eine Pension. Sie gewährte ihm reichliches Auskommen. In seine Willkühr wards gesetzt, auch außer dem Vaterlande sie zu beziehen.

Statt sich durch solche neue Wohlthat dem Hause Oranien dankbarlich verpflichtet zu finden, verließ er heimlich Holland, als er 1815 Napoleons Rückkehr nach Frankreich vernahm. Ihm bot er von neuem seine Dienste an, um seine Entweichung aus Hamburg in Vergessenheit zu bringen, durch neue Aufopferung sich Ansprüche auf Napoleons Erkenntlichkeit zu erwerben. Er ward Commandant von Nantes.

Die Schlacht von Waterloo vereitelte abermals seine Hoffnungen. In seinen Erwartungen getäuscht sahe er sich nun von der ganzen Welt verlassen. Nur sein Bruder Carl verließ den Unglücklichen nicht, war ers gleich durch eigene Schuld. Von diesem unterstützt, wanderte er -- denn in Europa war doch kein Heil mehr zu finden -- nach Brasilien, um allda, wahrscheinlich ohne Beschäftigung, ein Pflanzenleben zu führen und seine Tage zu beschließen. Dorten, wie allenthalben, wird er durch seine gemüthsart, allem Anschein nach, unglücklich seyn.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1816.