Honoré Charles Reille

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Honoré Charles Michel Joseph, Graf Reille, General-Lieutenant und Pair von Frankreich, geb. zu Antibes den 1. Sept. 1775.

Nach beendigten Studien, nahm Reille 1792 Dienste im 94. Infanterieregiment. Belgien war der erste Schauplatz seines Muthes. Er begleitete hierauf den General Massena als Adjutant nach Italien und benahm sich fast bei allen Gefechten, deren Bulletins seiner häufig gedenken, mit der glänzendsten Tapferkeit, z. B. bei Montenotte, Dego, Lodi, Rivoli, an der Etsch, Bassano, St. Georg, Caldiero, Arcole, Belluno und andere mehr. Als nach dem Frieden von Campo Formio Massena den Oberbefehl der Armee in der Schweiz übernahm, erhielt Reille von ihm den Auftrag von Graubünden bis zum Bodensee zu recognosciren, so wie die Stellung des Feindes auf derselben Linie, worauf dann der Obergeneral seinen Operationsplan begründete. Selbst nahm er hierauf sehr lebhaften Antheil an den Gefechten von Chur, Feldkirch und Luciensteig, so wie an der Schlacht bei Zürich, gegen den Erzherzog Karl, übernahm, als Oudinot verwundet worden, den Oberbefehl über dessen Truppen, befand sich mit unter den Ersten beim Uebergange über die Limmat und deckte beim Angriffe im Muttenthal gegen Suwarow die rückgängige Bewegung, zu der die französische Armee am ersten Tage gezwungen wurde. Mit gleicher Umsicht verfuhr er später, als Massena sich nach Genua begab, bei Recognoscirung der Stellung längs der Grafschaft Nizza bis zum Mont Cenis. Darauf war er nach und nach Befehlshaber zu Florenz, Chef im Stabe der Observationsarmee, und im Stabe von Cologne, wurde dann nach Baiern und Oestreich geschickt, so wie später nach Verona und Mailand, um sich von dem wahren Zustande der Angelegenheiten zu unterrichten, und bekleidete dann die Stelle eines Inspectors bei der Reorganisation der aus St. Domingo zurückgekehrten Truppen und nach diesem die eines Unterbefehlshabers der in Toulon nach Spanien eingeschifften unter dem Admiral Villeneuve. Nach der Rückkehr dieser Flotte nach Cadix erhielt er 1805 Befehl zur großen Armee in Deutschland zu stoßen, wo er sich in diesem und den beiden folgenden Jahren bei mehrern Gelegenheiten, besonders bei der Vertheidigung von Ostrolenka so vorzüglich benahm, daß ihn Napoleon zu seinem Generaladjutanten ernannte, in welcher Eigenschaft er der Belagerung von Stralsund beiwohnte. Bei Wagram befehligte er die Division der Garde, welche die Lauriston'sche Batterie schützte. Auch in Spanien behauptete er den schon erworbenen Ruhm und erhielt den Oberbefehl in Aragon, so wie zu Ende von 1812 den in Portugal. In einem zu Pancorbo gehaltenen Kriegsrathe schlug Reille vor, alle Truppen, die sich auf etwa 70,000 Mann beliefen, zu versammeln und die Operationslinie über Logrogno und Navarra einzuschlagen: allein man fand es gefährlich, die französische Grenze zu entblößen und beschloß, sich um Vittoria zu versammeln. Der Herzog von Wellington kam der Vereinigung der einzelnen Corps zuvor und griff mit 90,000 Mann die Franzosen an, als sie kaum 35,000 zusammen hatten. Bei einer solchen Ueberzahl mußten sie besiegt werden; indeß that der General Reille Wunder der Tapferkeit und zog sich erst auf ausdrücklichen Befehl des Obergenerals zurück. Während der letzten Operationen befehligte er den rechten Flügel der französischen Armee, wurde nach der Restauration Generalinspector der Infanterie, befehligte nach Napoleons Rückkehr von Elba das zweite Armee-Corps und wurde 1819 französischer Pair.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.