Horace-François Sébastiani

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Sebastiani, Herzog von Murcia, Graf und Grossoffizier der Ehrenlegion, Vetter des französischen Kaisers.

Sebastiani ist ein geborner Corse. Nachdem er sich im Verlaufe der Revolution dem Militär-Dienste gewidmet hatte, ward er Obrist des 9. Dragonerregiments, und machte sich vornehmlich durch die Sendung bekannt, welche er von dem ersten Consul 1802 in die Levante erhielt, eine Sendung, die die englische Regierung für äusserst wichtig angesehen hat, und die eine der Hauptbeschwerden derselben gegen Frankreich bei dem Bruche im Jahre 1803 abgab. Der Oberste schiffte sich den 16. September in Toulon ein, und kam den 30. in Tripolis an, wo er zuerst als Vermittler zur Beilegung der Missverständnisse auftrat, welche sich zwischen dem schwedischen Hofe und der Regierung erhoben hatten. Als er dem Pascha vorgestellt wurde, bewog er ihn, die italiänische Republik anzuerkennen, deren Flagge alsobald aufgepflanzt und begrüsst wurde. Den 16. Oktober kam Sebastiani in Alexandrien an, suchte sogleich den englischen kommandirenden General der Land- und Seemacht, Stuart, zu sprechen, und verlangte von ihm, in Nahmen Frankreichs und in Folge des Vertrages von Amiens, die Räumung von Alexandrien. Der englische General gab ihm zur Antwort, dass er dazu von seinem Hofe noch keinen Befehl erhalten habe. Von da begab sich Sebastiani nach Kairo, hatte daselbst mehrere Unterredungen mit dem Pascha, und both ihm, den Instruktionen des ersten Consuls gemäss, seine Vermittelung zu einer Ausgleichung mit den Beys an, die aber nicht angenommen wurde. Nachdem er die um die Stadt liegenden Forts besucht hatte, reiste er nach Damiette und St. Jean d'Acre ab. Bei seiner Ankunft in dieser letztern Stadt, liess er dem Djezar-Pascha melden, dass er von dem ersten Consul beauftragt sey, sich mit ihm über die Mittel zur Wiederherstellung der ehemaligen Handelsverhältnisse zu besprechen, erhielt bei ihm eine Audienz, und fand ihn in der friedliebendsten Stimmung. Nachdem er auf diese Weise den ganzen Zweck seiner Sendung erfüllt hatte, verliess er den 21. November St. Jean d'Acre wieder, und kehrte nach Frankreich zurück.

Im Oktober 1803 wurde ihm die Aufsicht über die Küsten von der Mündung der Vilaine bis Brest übertragen.

1804 durchreiste er in neuen diplomatischen Aufträgen einen Theil von Deutschland, und bei dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich ward er bei der grossen Armee angestellt. Er trug zu dem Erfolge des Gefechts von Günzburg bei, das in den ersten Tagen des Oktobers 1805 Statt hatte, setzte hierauf mit seiner Dragonerbrigade dem Feinde nach, wurde kurz darauf gegen Wien detaschirt; und drang von da in Mähren ein, wo er in einem Gefechte am 19. November 2000 russische Gefangene machte. Auch zeichnete er sich durch seine persönliche Tapferkeit in der Schlacht von Austerlitz aus und erhielt hier eine Wunde. Gleich darauf ward er zum Divisionsgenerale befördert.

Nach dem Frieden von Pressburg sandte ihn sein Monarch, der in ihm den scharfsinnigen Mann, der auf seinen Reisen den Geist der türkischen Regierung studirt hatte, erkannte, als französischen Bothschafter nach Konstantinopel, und mit seinem Erscheinen schien die bisherige Kälte des türkischen Hofes gegen die französische Regierung in warme Freundschaft überzugehen. Er brachte die noch übrigen Freunde des englischen Systems zum Verstummen, und gewann bald das ganze Zutrauen des Kaisers Selim. Was diess Zutrauen noch befestigte, waren die wesentlichen Dienste, die der General Sebastiani nebst den ihn begleitenden französischen Offizieren dem Kaisersitze und der Hauptstadt der Osmannen leistete, als die englische Flotte drohend vor derselben erschien.

Im Anfange des Jahres 1808 starb seine Gemahlin, und später ging er nach Paris zurück, worauf er in Spanien bei der Armee angestellt ward, ein eignes Korps kommandirte, und sich bei mehreren Gelegenheiten sehr vortheilhaft auszeichnete.

Der 18. Brumaire, gleiches Vaterland und Verwandtschaft mit Buonaparte, hoben diesen Korsen allmählich zu seiner jetzigen Höhe. Er ist der einzige Korse, der unter Buonaparte Glück gemacht, und das unbeschränkte Zutrauen desselben besitzt. Unter dem trügerischen Firniss angenehmer Sitten, sagt die Chronique scandaleuse, birgt er eine grausame Seele, allein sie ist vergessen, dieses Urtheil durch Thatsachen zu belegen.

In dem Feldzuge von 1813 und in der Schlacht von Leipzig befehligte Sebastiani die zweite Cavalerie-Division. Nach dem Rückzuge des französischen Heeres über den Rhein hatte dieser General sein Hauptquartier zu Cöln, wo er bis zum Morgen des 14ten Januar 1814, an welchem Tage die französischen Truppen am Niederrhein sich gänzlich zurückzogen, verweilte. Sebastiani traf während seines Aufenthaltes in Cöln Anstalten, die wenigstens dem Feinde die Absicht, sich in dieser Stadt vertheidigen zu wollen, bezeigen sollten, bei der Entblösung der französischen Truppen von allem Artillerie-Geräthe, und in dem Zustande der Auflösung und Erschöpfung, worin sich die Trupen aller Waffen befanden, aber nur den Minder Einsichtigen täuschen konnten. Mehrere Offiziers gestanden offenherzig: "wir sind nur so lange am Rheine, als es dem Feinde gefällt, uns unberuhigt zu lassen." Sebastiani liess mehrere Thore von Cöln, Rhein- und Feldwärts, zumauern und den Geist des Volks durch eine wachsame geheime Polizei beobachten. Eine achtungswerthe Familie der Stadt hätte, eines Briefes wegen, den einer ihrer Angehörigen an sie vom andern Rheinufer geschrieben hatte, beinahe ihre persönliche Freiheit verloren, und sollte ins Innere von Frankreich verwiesen werden; dem Einflusse und den thätigen Bemühungen Sebastiani's verdankte sie die Abwendung der Leiden und Einbussen, welche eine unvermeidliche Folge dieses Machtspruches geworden wären. man muss General Sebastiani noch die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, dass ungeachtet er in der Domkirche, am Feste des Jahrtags der Schlacht von Austerlitz, in einem hohen, drohenden und gebietenden Tone sprach, ungeachtet er die Gesinnung des Volkes kannte, und eine dienstfertige geheime Polizei ihm zu Gebote stand, doch Niemand seiner Meinungen und Reden wegen, öffentlich gekränkt worden ist; auch soll er die Zerstörung der Brücke, der Rheinschiffe, das Verbrennen der Magazine, (gehässige und zwecklose Maassregeln, die von einer andern französischen Behörde in Antrag gekommen waren,) durch sein Ansehen abgewendet haben. Sein Andenken steht daher bei den Cölnern in Achtung.

Sebastiani zog sich von Cöln über Jülich, wo er eine Besatzung von 4000 Mann zurückliess, Aachen, Lüttich, Namur nach Givet, und hat in dem Feldzuge von Paris eine Cavalerie-Divisionen Napoleons befehligt.

Als Ludwig XVIII. den Thron bestieg, huldigte er ihm, und empfing das Ludwigskreuz. Während Napoleons Usurpation 1815 war er Deputirter des Aisne-Departements in der Deputirtenkammer.


Quellen und Literatur.

  • Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.