Hortense de Beauharnais

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Fanny de Beauharnois, Königin von Holland.

Fanny verdient keine Stelle in der Gallerie des Hofes von St. Cloud. Sie war schwanger, als Ludwig sie auf Befehl seines kaiserlichen Bruders heirathete.

Diese Dame ist als Königin ebenso freundlich und leutselig, als zu der Zeit, da sie nur noch Mademoiselle von Beauharnois war. Mit vieler Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit verbindet sie das Verlangen, Gutes zu wirken, und dazu bedient sie sich des grossen Einflusses, den sie über Buonaparte's Seele besitzt. Ihr Betragen macht einen schneidenden Gegensatz mit jenem der tugendhaften Schwestern seiner kaiserlichen Majestät.

So nachsichtsvoll indessen Buonaparte die Liebes-Verständnisse seiner Schwestern übersieht, so ist er doch dagegen nicht so leicht zu besänftigen, wenn ihm Nachrichten zu Ohren kommen, wodurch die Tugend seiner Schwägerinnen verdächtig wird. Einige Galane von Madame Joseph Buonaparte sind bereits unsichtbar geworden, um nie wieder zum Vorschein zu kommen, wenn sie sich nicht etwan noch in den Wildnissen von Cayenne herum treiben. Aber am meisten gab der Kaiser auf alles Acht, was die Moralität von Madame Louis angeht, deren Kinder und Nachkommen die Buonaparten-Dynastie fortzupflanzen und zu erhalten bestimmt waren. Ein Paar Officiere wurden im Jahr 1805 cassirt, und hernach nebst ein Paar Mädchen, die bei Madame Louis im Dienste standen, in den Tempel gesperrt, und man hat weiter nichts wieder von ihnen gehört -- bloss weil ein Verdacht entstand, dass die Prinzessin die Gesellschaft dieser Heeren lieber hätte, als den Umgang mit ihrem Gemahl.

Louis Buonaparte, dessen Leibes-Constitution durch seine schwelgerische und ausgelassene Lebensweise sehr geschwächt worden ist, bekam im Julius 1805 von seinen Aerzten den Rath, die mineralischen Bäder von S. Amand zu brauchen. Seine Gemahlinn gab ihm auf der Reise dahin das geleite bis nach Ryssel, und gieng dann zum Besuche zu einer guten Freundinn, Madame Ney, der Gemahlinn des Generals Ney, der das Lager bei Montreuil kommandirte. Diese Dame wohnte auf einem Schlosse, Namens Leck, in der Nachbarschaft, wo die Ankunft der Prinzessinn mit Diners, Konzerten, Bällen und andern Lustbarkeiten gefeiert ward, und zu diesen wurden denn sie vornehmsten Offiziere aus dem Lager mitgebeten. Eines Morgens, ungefähr eine Stunde drauf, nachdem die Gesellschaft zu Bette gegangen war, wurde das ganze Schloss durch ein gewaltiges Lärmen auf dem Vorsaale zum Schlafzimmer der Prinzessinn Louis aufgeschreckt und in der Ruhe gestöhrt. Als man nun zu der Scene dieses Aufruhrs kam, fand man ein Paar Offiziere, die mit einander fochten; und die Prinzessinn Louis, mehr als halb unbekleidet, kam heraus, und rief den Schildwachten auf ihren Posten den Befehl zu, die Fechtenden, die beide verwundet waren, aus einander zu bringen. -- Dieser Handel gab Anlass zu vielem ärgerlichen Gerede. Der General Ney gab den beiden Offizieren sogleich Arrest, und fertigte einen Kourier nach Boulogne an Napoleon ab, mit einem Berichte von den Nebenumständen, und mit der Bitte um Seiner Majestät Befehle. Es wurde dann erzählet, und als wirkliche Thatsache geglaubt, die Schlägerei wäre über ein Paar Kammer-Mädchen der Prinzessinn entstanden, wider deren Ehrbarkeit vorher ein Verdacht lautbar geworden war, mit denen aber die Offiziere ein Liebes-Verständniss hätten. Der Kaiser befahl, die Thäter zu kassiren, und sie an seinen Polizei-Minister abzuliefern, der schon wusste, wie er zu verfahren hätte Zugleich bekam auch die Prinzessin Louis eine Einladung, "zu ihrer Schwägerin Madame Mürat, die sich damals eben im Lager bei Boulogne befand, zur Gesellschaft zu kommen, und bis zur Wiederkunft ihres Gemahls von S. Amand unter deren Obhut zu bleiben."

Es geht die Rede, die beiden Mädchen der Prinzessin Louis hätten, da sie vor Fouché erschienen wären, anfänglich alle Bekanntschaft mit den beiden Offizieren abgeläugnet: weil ihnen aber von dem Polizei-Minister mit der Folter gedroht worden sey, hätten sie einen Procès verbal unterschrieben, worinnen das ihnen Schuld gegebene Vergehen eingeräumt wurde. Dieses schäzbare und glaubwürdige Dokument sandte der Minister mit einem ausserordentlichen Kourier an den Kaiser, der es seiner Stieftochter wies.

Die grossmüthige Freigebigkeit dieser Prinzessin ist hier zum Sprüchworte geworden; daher wird es Niemanden Wunder nehmen, dass sie den Aeltern ihrer Mädchen, die vergebens um Erlaubniss angesucht hatten, ihre Kinder zu sehn, eine hübsche Summe Geldes gegeben hat. Fouché hatte zu den Aeltern gesagt, "es wären Staats-Affären, wegen deren die Mädchen noch gefangen gehalten werden müssten." Die eine davon, Mariothe, hat bei der Prinzessin seit ihrer Vermählung in Diensten gestanden; und es ist eine bekannte Sache, dass sie das ganze Vertrauen derselben besitzt, ob sie gleich, während dieser Zeit-Periode von vier Jahren, zweimal durch die herablassende Gefälligkeit ihres fürstlichen Herrn schwanger geworden ist.


Quellen und Literatur.

  • Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.