Jérôme Bonaparte

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Hieronymus Bonaparte.

Hieronymus Bonaparte König von Westphalen
Hieronymus Napoleon König von Westphalen.

Hieronymus, (Bonaparte) geboren den 15. November 1784, jüngster Bruder des Kaisers Napoleon, König von Westphalen, Prinz von Frankreich.

Er ward zur Marine bestimmt und als Schiffslieutenant bey der Expedition nach Domingo unter Leclerc angestellt, kam bald mit Depeschen von diesem General nach Frankreich zurück, ging hierauf, als Kommandant der Fregatte der Sperber (l'Epervier) mit derselben nach Martinique und kreuzte gegen Ende des Jahrs 1802 vor der Rhede St. Peter und der Insel Tabago. Nach einigen Monathen lief er in einem Hafen der vereinigten amerikanischen Staaten ein, wo er sich mit Mademoiselle Paterson, Tochter eines der reichsten amerikanischen Kaufleute, vermählte; dieser Verbindung versagte aber der Kaiser, sein Bruder, seine Zustimmung um seiner Minderjährigkeit willen, und hat ihn genöthigt, sich späterhin von ihr zu trennen. Trotz dem Auflauern der Engländer, kam er glücklich nach Europa zurück und traf im May 1805 in Lissabon ein, von wo aus er sich nach Genua zum Kaiser, der sich eben daselbst aufhielt, begab und von ihm den Befehl erhielt, zu Algier auf die Freylassung aller in die Sklaverey gefallenen Genueser, nunmehrigen Unterthanen Napoleons, anzutragen. Hieronymus Bonaparte entledigte sich seines Auftrags mit vieler Klugheit, und brachte 250 dieser Unglücklichen nach Genua zurück. Von hieraus ging er nach Paris und darauf im November 1805 nach Brest, wo er das Kommando eines Schiffes von 74 Kanonen übernahm, und nach Domingo segelte. Sein Schiff kam 1806 glücklich mit ihm nach Frankreich zurück.

Nach dem Ausbruche des französisch-preußischen Krieges berief ihn der Kaiser Napoleon zur großen Armee, stellte ihn an die Spitze des 9ten Armeekorps, das größtentheils aus bayrischen und würtenbergischen Hülfstruppen bestand, und übertrug ihm die Leitung der Kriegsoperationen in Schlesien.

Nach dem Frieden von Tilsit proklamirte er ihn zum König des neu errichteten Königreichs Westphalen. Bevor er auf den Thron erhoben wurde, hatte er sich mit einer würtenbergischen Prinzessinn vermählt, und gegenwärtig residirt er als König in der vormalig Hessenkasselschen Residenz Kassel.

Im Jahre 1809 bey dem Anfang des Kriegs mit Oesterreich brachen Unruhen in seinen Staaten aus, die aber bald gedämpft wurden. Er rückte dann mit einem Corps den nach Sachsen vorgedrungenen Oesterreichern entgegen; reiste aber bald nach Cassel zurück.

Später vereinigte Napoleon auch das Hannoveranische mit Westphalen.


Hieronymus Napoleon, König von Westphalen.

Hieronymus Napoleon, König von Westphalen, aus der Familie Bonaparte, wurde den 15. Novbr. 1784 zu Montpellier geboren.

Er widmete sich anfangs der Marine, und machte mehrere Züge im Mittelländischen Meer und nach Amerika, wo er als Schiffscapitain später zu Baltimore, Boston und Washington lebte, auch am 27. Decbr. 1803 mit Elisabeth Patterson, ältester Tochter des Negocianten Patterson zu Baltimore, sich vermälte. Seinen ruhmvollsten Seezug machte er vom Decbr. 1805 bis zum 26. August 1806. Er hatte zuerst die Englischen Flotten, welche nach Indien und Amerika bestimmt waren, genöthigt, in die Irländischen Häfen zu flüchten. Dann ging er nach der Höhe von St. Helena und zerstörte auf dieser Fahrt mehrere Englische Schiffe. Von da begab er sich nach St. Salvador in Brasilien, wo er seinen Kranken Erfrischungen verschaffte. An der südamerikanischen Küste vernichtete er mehrere Englische Kaper, zeigte sich vor den Antillen, und nöthigte Cochranes Geschwader, nach Barbados zu flüchten. Ein Sturm trennte ihn vom Admiral Saumarez im Meerbusen von Florida; darauf kehrte er nach Europa zurück. Auf dem Rückwege nahm oder verbrannte er von der mit Masten und Schiffbauholz beladenen Quebeckflotte 6 Schiffe. Die gefangenen Engländer gaben ihm das Zeugniß der gütigsten und humansten Behandlung. An dem Tage gerade, wo Hieronymus mit dem schlecht segelnden Linienschiffe Veteran von 74 Kanonen sich der Küste von Bretagne näherte, waren zwar die vor L'Orient stationirten Englischen Kriegsschiffe durch eine Jagd auf andere Französischen Schiffe entfernt, doch wurde Hieronymus Schiff von dem Engl. Linienschiff Gibraltar, welches 80 Kanonen führte, entdeckt, und weil der Gibraltar besser segelte, eingeholt. Allein ein Kanonenschuß vom Hinterdecke des Veterans zerschmetterte des Gibraltars Vordermast, die Jagd mußte eingestellt werden, und Hieronymus langte glücklich, in der Bay von Concarnau an, von wo er sich bald nach Paris begab.

Er wurde zum Französischen Prinzen erhoben, auch ward Einleitung zur Ehe mit einer Deutsche Prinzessin getroffen. Der merkwürdige Krieg im Jahr 1806 schob dieselbe auf. In Verbindung mit dem General Vandamme commandirte der Prinz das 10te Corps in Schlesien, und hielt am 6. Januar 1807 seinen feierlichen Einzug in das eroberte Breslau. Im März desselben Jahres wurde er, der schon bei der Marine die Würde eines Contreadmirals erhalten hatte, zum Divisionsgeneral der Französischen Landmacht ernannt, und seine letzte Waffenthat in Schlesien war die Eroberung der Festung Glaz am 25. Juni 1807.

Der Friede zu Tilsit machte damals dem Kampfe ein Ende, und hob den Prinzen Hieronymus Napoleon auf den Thron des durch das Decret von 18. August 1807 neu geschaffenen Königreichs Westphalen. Am ersten Tage des Jahres 1808 ward Hieronymus Napoleon 1. als König von Westphalen mit großen Pomp zu Cassel gehuldigt. Seine Gemahlin wurde Catharina Frederika Sophia Dorothea, Königliche Prinzessin von Würtemberg, mit welcher er am 22. Aug. 1807 sich vermählte.

Die Organisation des neuen Königreichs begann mit raschem Eifer i. J. 1808. Das folgende Jahr führte neue Stürme herbei; Schill brach ins Elb- und Okerdepartement, plünderte die öffentlichen Kassen, raubte königliche Gelder und fand nicht unbeträchtlichen Anhang. Im Fuldadepartement und an der Werra, unmittelbar vor den Thoren der Hauptstadt, erregte Dörenberg Aufruhr, und die Kriegsscenen in Sachsen riefen den König Hieronymus selbst mit einem beträchtlichen Theile seines Heeres nach Leipzig und Dresden. Bald brach Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels aus Böhmens Wäldern durch Sachsen in Westphalen, und machte wie ein reisender Waldstrom mit seinen Schwarzen sich Bahn bis zu den Küsten des Deutschen Meeres. Zwar stellte der Wiener Friede die Ruhe wieder her; aber die Finanzen waren völlig durch die lange Unruhe durch den unentbehrlichen Aufwand des Krieges, durch die oftmaligen Plünderungen der Staatskassen zerrüttet worden. Große Resultate wurden von dem bereits am Schlusse des Jahres 1809 zusammenberufenen, zweiten Reichstag erwartet, blieb aber, ohne Schuld des Königs, unerfüllt, weil überall Napoleon dazwischentrat. Die Finanzen waren wieder der Berathung Hauptgegenstand.

Das Jahr 1812 führte den ungeheuern Kampf im Norden herbei. Mit einer schönen, trefflich gerüsteten und bekleideten Armee zog der König selbst nach der Weichsel; sein Hauptquartier war zu Warschau. Allein er kehrte - sein Heer zurücklassend - in die Residenz, ehe die entscheidenden Kriegsereigniße begannen.

Die bedrängtesten Zeitpunkte für Westphalen führten nun die ungeheuren Resultate des Rückzugs des großen Französischen Heeres aus Rußland herbei. Am 28. Sept. 1813 nahte Czernitscheff mit seinem Streifkorps sich Cassel, nöthigte den König zur Flucht, und nahm am 30sten die Hauptstadt. Zwar kehrte der König den 17. Octbr. noch einmal nach Cassel zurück, aber nur um es noch einmal und zum letzten Male zu verlassen, denn seines Bruders macht war inzwischen bei Leipzig gebrochen. In welcher Situation er sich damals befand, zeigen die von ihm aufgefangenen Briefe. Er floh über den Rhein, wohin ihm sein Bruder mit dem Ueberrest seiner Heere bald folgte.

Durch die entscheidende Schlacht von Paris verloren beide Brüder den Thron. Hieronymus behielt den Titel eines Prinzen und sein Privatvermögen. Eine Zeit lang hielt er sich in der Schweiz, dann zu Grätz in Steiermark auf, von wo er im August 1814 nach Triest verwiesen wurde.

Als die Unruhen des Jahres 1815 ausbrachen, begab er sich erst in das Hauptquartier des Königs Joachim, nachher aber nach Frankreich, wo er, in Gesellschaft der Madam Lätitia und des Cardinals Fesch, am Ende Mai ankam. In der Schlacht bei la belle Alliance befand er sich an der Seite Napoleons.

Die Verfügungen, welche die Alliirten über die sämmtlichen Mitglieder der Familie Bonaparte eintreten zu lassen für gut fanden, trafen auch ihn, und so lebte er seitdem, unter Aufsicht, auf dem Schlosse Ellwangen, im Königreiche Würtemberg. Im August 1816 verließ er Ellwangen, um mit dem Titel eines Prinzen von Montfort, seinen künftigen Aufenthalt in den Oesterreichischen Staaten zu nehmen, wo seine Gemahlin, treu und edel, sein Schicksal mit ihm theilt.

Ueber seinen Character und sein Wirken richtig zu urtheilen, dürfte jetzt, wo die Stimme der Leidenschaft sich noch zu laut erhebt, noch nicht Zeit seyn. Indessen ist seine Gutmüthigkeit und Humanität allgemein anerkannt; so wie auch jedermann einräumt, daß der Druck, der während seiner Regierung so viele Beschwerden verursachte, nicht sowohl seiner Person als seinen ausländischen Umgebungen und der Härte zur Last zu legen ist, mit der Napoleon die Kräfte von Westphalen für sich in Anspruch nahm.


Worte Napoleons.

"Jerome war ein Verschwender, dessen Ausschweifungen alles Maß überschritten, und bis in das Gehässige der Liederlichkeit ausarteten. Man kann ihn vielleicht mit seiner Jugend und seiner Umgebung entschuldigen. Uebrigens schien er nach der Rückkehr von der Insel Elba sich um vieles gebessert zu haben, und große Hoffnungen zu erwecken; auch sprach noch außerdem eine schönes Zeugniß zu seinen Gunsten, nämlich die Liebe, die er seinen Gemahlin eingeflößt hatte. Das betragen der leztern, als nach meinem Sturze ihr Vater, jener furchtbare König von Würtemberg, der so despotisch und so hart war, sie scheiden wollte, ist bewundernswürdig. Diese Prinzessin hat sich damals mit eigner Hand in die Geschichte eingeschrieben, u. s. w., u. s. w."


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.